30 Dezember 2009

Kalt, und doch warm

Es scheint, dass wir dieses Jahr gemächlich zu Ende bringen können. Letztes Jahr um diese Zeit hatten wir nämlich Stromausfall, und das für 58 Stunden. Wieviel gemütlicher ist es doch jetzt! Allerdings ist es wieder knatterkalt, nein, es war knatterkalt. Gestern Nacht, als ich vom Besuch bei meiner Schwester und unseren Eltern zurückkam, waren es -28 Grad C. Ich war sehr froh, dass ich ohne Probleme heimkam, obwohl die Strasse ziemlich eisig war. Da fährt man automatisch ganz "süferli" durch die Gegend.

Bei diesen Temperaturen wird es nach einer Weile ganz schön kühl in unserem Haus. Mehr als 17 Grad bringen wir kaum hin. Da heisst es, unseren Schwedenofen im Wohnzimmer anzuheizen. Den haben wir von der Schweiz mitgenommen und sind sehr froh darüber. Inzwischen brennt also ein gemütliches Feuerchen. An der Temperatur im Restaurant können wir im Moment nicht viel ändern, aber das macht nichts. Die Snowmobiler sind ja alle sehr warm angezogen und sind wahrscheinlich froh, wenn es nicht allzu warm ist.

Viele Gäste sind heute nicht gekommen. Ist auch gut so. So können wir rechtzeitig Feierabend machen und unsere Nachbarn besuchen. Bis wir wieder heimkommen, ist es dann mollig warm in der Stube.

Vorhin habe ich gesehen, dass die Temperaturen draussen seit heute Mittag ganz gewaltig gestiegen sind. Nur noch -5 Grad zeigt das Thermometer an. Stimmt die Vorhersage also doch, es soll bis -1 Grad werden. Wenn wir jetzt nur keinen Regen erhalten... Morgen erwarten wir Gäste für's kleine Cottage und wir wollen doch richtig schönen Winter anbieten können. Etwa so:




Geniesst die letzten Stunden vom 2009!

22 Dezember 2009

Winterspaziergang

Bitterkalt ist es zur Zeit am Morgen, heute war es -25 Grad Celsius. Da muss man sich für den Morgenspaziergang gut einpacken.



Rex, als halber Husky, ist jetzt natürlich in seinem Element. Heute habe ich in einer Dokumentation gelernt, dass Huskies einen so ausgeprägten Geruchssinn haben, dass sie sogar in einem Schneesturm, wenn alle Spuren zugeschneit sind, den Weg nach Hause zurückfinden. Das ist erstaunlich.

Nun verstehe ich, weshalb Rex immer sehr gründlich allen Spuren nachriechen muss. Da müssen sich ihm viele Geschichten offenbaren. Und vermutlich müssen wir uns keine Sorgen machen, dass er je den Weg aus dem Busch nicht mehr zurückfindet. Jede Tierspur will er verfolgen und es ist nur seine lange Leine, die ihn daran hindert, jeweils im Wald zu verschwinden.

Heute haben wir auf der zugeschneiten Sandstrasse an der Nordgrenze unseres Grundstücks sehr viele Tierspuren gesehen. Mit Hilfe meines Buches versuchte ich sie zu identifizieren. Rehe, Hirsche, Eichhörnchen und Fuchs kenne ich gut, aber bei einer anderen Spur konnte ich mich nicht richtig entscheiden. Entweder waren es die Abdrücke von einem Luchs oder dann von einem Koyoten. Auch Wolfsspuren haben wir wieder gesehen. Vielleicht finde ich einmal jemanden, der mir erklären kann, woran man genau die verschiedenen Spuren erkennt.

Unser Bach ist inzwischen unter einer dicken Eisdecke verschwunden und man hört das sonst immer präsente Rauschen des Wassers nur noch ganz gedämpft. Ueberhaupt hat heute der Schnee wieder einmal alle Geräusche verschluckt und es war total still. Sogar Rex stand einfach da und genoss den Augenblick.



18 Dezember 2009

Der Groomer ist da

Das ist eine neue Erfahrung für uns. Bisher stand der Groomer nämlich bei dem Nachbarn, der die letzten zwölf Winter für perfekt gegroomte Snowmobile Trails gesorgt hatte. Nun wollte er damit aufhören und der Club suchte dringend nach einem anderen Standort für den Groomer. Wir waren überhaupt nicht daran interessiert, den Groomer bei uns zu haben, denn dadurch werden zu allen Tages- und Nachtzeiten Leute bei uns auftauchen. Uns war aber auch klar, dass die Trails nicht mehr so gut imstande sein werden, wenn wir keinen Groomer in der Nähe haben.

So liessen wir uns vom Clubvorstand überzeugen und bestimmten zusammen den geeigneten Standort. Strom und auch ein Dieseltank sind ein Muss und dadurch kam nur ein Platz in der Nähe des Workshops in Frage. Bereits im Oktober wurde der Dieseltank gebracht und gefüllt.  Marcel verlegte die Stromleitung und installierte eine Steckdose. Da die Sache natürlich richtig sein musste, vergrub er die Leitung genug tief unter dem Weg. Wieder einmal war Baggern angesagt....



Hier ist er allerdings bereits wieder beim Zuschaufeln.

Der erste Schnee ist dann vor zwei Wochen gefallen und wir wussten, dass bald der Groomer geliefert wird. Zwischen der Sommer- und der Wintersaison verschliessen wir immer das Eingangstor, um so etwas mehr Privatleben geniessen zu können. Am letzten Donnerstag nun mussten wir in die Stadt (wir können unsere Zeit immer noch frei einteilen und erlauben uns so den Luxus, auch mal mitten in der Woche wegzufahren). Als wir am Abend heimkamen, sahen wir bereits ein Stück vor dem Camp frisch gegroomte Trailabschnitte. Unser Tor war aber immer noch verschlossen, also mussten sie den Groomer irgendwo sonst abgestellt haben.  Und tatsächlich, unser Nachbar hat ihn in Empfang genommen und weil kein anderer Fahrer gefunden wurde, hat er sogleich mit dem Präparieren der Pisten begonnen.

Heute haben wir alle Absperrungen entfernt und die Tore geöffnet. Die Snowmobile Saison kann also beginnen. Der Groomer steht jetzt an seinem richtigen Platz und wartet auf den nächsten Einsatz. Mal sehen, wie sich diese Sache anlässt...



Damit wird es nun also auch im Restaurant wieder losgehen. Marcel stand den ganzen Tag in der Küche, um für das Wochenende vorzubereiten: Spätzli, Chili, Suppen, Spaghettisauce, Hamburger usw. Ich räumte meine Bürosachen und alle unsere persönlichen Dinge aus dem Restaurant. Die vielen Tische sind sehr praktisch und wir nehmen sie immer alle in Beschlag, wenn wir geschlossen sind. Jetzt müssen wir uns platzmässig wieder etwas einschränken. Damit die vielen Snowmobiles auch nicht verdursten, haben wir unseren Benzintank auffüllen lassen:



Wir sind nun also bereit und die Saison kann beginnen!

14 Dezember 2009

Fahrt nach Toronto

Schon lange war diese Fahrt geplant. Meine Eltern kamen am Freitag aus der Schweiz, und diesmal wollte ich sie am Flughafen abholen. Sie werden für zwei Monate hier bleiben und wie gewohnt bei meiner Schwester wohnen.

Natürlich war es DIE Gelegenheit, nochmals bei unseren Lieblingsläden vorbeizugehen und das Lebensmittellager aufzustocken. Meine Einkaufsliste war lang und ein Treffen mit Brigitte war auch noch geplant. Sie wohnt etwa 1,5 Stunden südlich und wir bekanntlich 4,5 Stunden nördlich von Toronto.

Schon seit einigen Tagen verfolgte ich die Wettervorhersage, denn die Fahrt nach Toronto und zurück an einem Tag ist schon bei gutem Wetter lang und anstrengend. Bei Schnee ist es wirklich nur bei sehr guten Strassenverhältnissen machbar. Anfangs letzter Woche wütete ja dieser Monster-Schneesturm in Teilen der USA und bewegte sich anschliessend Richtung Canada. Uns hat es am Dienstag und Mittwoch nur am Rande getroffen und wir sind mit ca. 25 cm Schnee beglückt worden. Für Donnerstag und Freitag war die Vorhersage für unsere Region (Near North) und für Toronto ganz passabel. Nur - zwischen hier und dort liegt Muskoka (das ist dort, wo im nächsten Jahr der G8 Summit stattfinden soll). Und für Muskoka waren für Donnerstag und Freitag heftige Schneefälle mit Schneeverwehungen vorhergesagt. Oh Boy, und da musste ich durch.

Ich entschloss mich, die ganze Reise auf zwei Tage zu verteilen und bereits am Donnerstag bis Barrie zu fahren, das liegt ca. 90 km nördlich von Toronto. Dort reservierte ich ein Hotelzimmer. Am Abend wollte ich weiter an meiner Weihnachtspost arbeiten und wieder mal gemütlich in einem Buch lesen. Zuhause klappt das Lesen in letzter Zeit nicht, ich schlafe meistens nach der zweiten Seite ein.

Die Fahrt nach Barrie verlief ganz gut. Es war das erste Mal, dass ich ganz allein in den Süden fuhr. Marcel und Rex blieben nämlich daheim und schauten, dass unsere Holzheizung gefüttert wurde. Zudem hätten wir gar nicht alle Platz in unserem Truck gehabt. Auf den ersten 100 km konnte ich zügig zufahren, aber dann begann es leicht zu schneien und der Wind wurde stärker. Südlich von Huntsville begannen die Schneeverwehungen. In Bracebridge war es dann ganz toll und mehr als 60 km/h konnte man nicht mehr fahren. Die Sicht war sehr eingeschränkt, der wirbelnde Schnee gab einem das Gefühl, in einer Schneewolke zu schweben. Viel Verkehr hat es nicht gehabt und ich habe die Fahrt trotz allem genossen. Nach Orillia hörte das Schneegestöber auf und in Barrie sah die Welt aus wie bei uns im Norden. Nur wehte ein eiszapfenkalter Wind. Die Temperatur lag zwar nur bei -8 Grad, durch den Wind jedoch waren es gefühlte -25 Grad. Hej, daran war ich jetzt nun wirklich noch nicht gewöhnt!

Das Hotelzimmer war ganz toll, sogar mit Schreibtisch, Kühlschrank, Mikrowellenofen und Riesenflachbildschirmfernseher ausgerüstet. Da hatte ich gar keine Lust, auswärts essen zu gehen und besorgte mir take out food, Teebeutel und eine Flasche Wasser. Im Mikrowellenofen konnte ich mir Teewasser heiss machen (ich mag das chlorinierte Wasser hier in Canada überhaupt nicht, deshalb habe ich Wasser gekauft). Und dann schrieb ich meine Weihnachtspost, wurde durch gar nichts abgelenkt (wie das Zuhause immer geschieht) und im Fernsehen lief ein Weihnachtskonzert von Andrea Bocelli. Das passte... Zum Lesen bin ich allerdings wieder nicht gekommen, denn so Karten schreiben dauert und etwas Schlaf brauchte ich auch noch...

Am Freitagmorgen, nach einem complimentary continental Frühstück im Hotel - das übrigens erstaunlich reichhaltig war - machte ich mich auf den Weg in die Millionenstadt Toronto. Es ist schon eine andere Welt dort, sehr hektisch und laut, mit viel rasantem Verkehr, völlig ungewohnt für mich. An der ersten Adresse holte ich Schweizer Käse, viiiiiel Schweizer Käse, und Fleischkäse und St.Galler Olma Bratwürste (die sind wirklich so angeschrieben) und sonstige Schweizer Spezialitäten - ein Schlaraffenland. Endlich haben wir eine Adresse entdeckt, wo diese Sachen frisch und bezahlbar sind! Der nächste Ort war eine Metzgerei, wo ich vor allem Kalbfleisch kaufte. Haxen für Osso Bucco, Kalbsbrustschnitten, dann auch Steaks und etwas Wurstwaren. Diese Firma beliefert verschiedene Grossisten auch im Norden, aber direkt einkaufen ist halt günstiger. Kalbfleisch ist sowieso beinahe nicht erhältlich in unserer Region, was ich gar nicht verstehen kann. Der nächste Halt war Dimpfelmeier, eine "deutsche" Bäckerei. Dort gibt es viele Spezialbrote, Brötchen (z.B. Laugengipfel) und vor allem Kuchen und Patisserie. Und richtig guten Kaffee im Bistro, man muss die Torten und Kuchen irgendwie runterspülen, oder? Dort traf ich mich auch mit Brigitte und ihrer Schwester. Wir hatten einen gemütlichen Lunch zusammen und natürlich einiges zu schwatzen. Die beiden machten sich dann bald auf in die nächste Mall und ich hatte gerade noch Zeit für einen Kurzbesuch in der nahe gelegenen IKEA. Also, man kann auch in sehr kurzer Zeit einiges Geld ausgeben in diesem Laden... Dafür habe ich jetzt Kerzen genug für den ganzen Winter, oder vielleicht sogar für zwei...

Inzwischen war ich etwa sieben Stunden unterwegs und es war höchste Zeit für den Flughafen. Der Freitagnachmittagverkehr hatte begonnen und die Strassen wurden voll und voller, die ersten Trafficjams wurden angesagt. Sieben Spuren, ich ganz links und hätte rechts raus müssen, Mist! Schlussendlich nach etlichen Umwegen landete ich im Parkhaus vom falschen Terminal und durfte nochmals ein paar Runden drehen, bis ich am richtigen Ort war. In der Ankunftshalle angekommen, sah ich, dass das Flugzeug aus Zürich soeben gelandet war. Inzwischen hat mich meine Schwester angerufen (Handy sei Dank), um mich zu warnen, dass die Autobahn durch Muskoka geschlossen sei. Sie haetten dort in den letzten 24 Stunden 80 cm Schnee erhalten, an einigen Orten sogar 100 cm. In Huntsville wurde am Morgen der Notstand ausgerufen. Aber in Canada kann sich die Lage schnell ändern und wir vereinbarten, nochmals miteinander zu telefonieren, wenn wir in Barrie sind. Notfalls müssten wir halt in einem Hotel die Nacht verbringen und besseres Wetter abwarten.

Ich wartete also auf meine Eltern. Es waren massenhaft Leute dort, weil vier Flieger zur gleichen Zeit gelandet sind. Da waren viele Nationen vertreten, aber erstaunlich viele Frauen mit Burka und einige Männer barfuss in Sandalen. Die werden sich schnell Socken anziehen müssen, bei den eisigen Temperaturen draussen. Nach einer Stunde sah ich sie kommen, meine Eltern, beide mit einem Gepäckwagen. Wir machten uns auf den Weg zum Auto und eine halbe Stunde später waren wir auf dem Weg Richtung Norden. Inzwischen war es dunkel geworden und die Lichter der Autos verwandelten die Autobahnen in gelbe und rote Bänder. Immer noch war dichter Feierabendverkehr, aber mit etwas Glück war ich auf der richtigen Spur, als die Abfahrt zum Highway 400 Richtung Barrie kam. Nun nur noch raus aus der Stadt und dann war das Schlimmste überstanden. Vor uns lagen 4-5 Stunden Autofahrt, so hofften wir. Natürlich gab es viel zu erzählen und zu fragen.

Fünf Viertelstunden später waren wir bereits in Barrie und ich tankte meinen RAM bis zum Rand voll, sicher ist sicher. Telefongespräch mit Marcel und mit Ursula, wir waren uns alle einig, dass wir es versuchen wollten mit der Fahrt. Wir hatten Wolldecken, Getränke, etwas zu essen und wie gesagt einen vollen Tank. Der Himmel war wolkenverhangen, aber es schneite nicht. Die Sicht war gut und wir kamen zügig voran. Wenn das so weitergeht, sind wir um 22.30 Uhr daheim. Oro-Station - 5 Ausfahrten bei Orillia - Washago (da sind wir im Sommer mit dem Boot unter der Autobahn durch) - Severn Bridge - drei Ausfahrten Gravenhurst... die Strasse ist schneebedeckt, aber gut befahrbar. Plötzlich sehen wir Warnlichter, richtig, da vorn stehende Autos und Lastwagen in der rechten Spur. Ich fahre brav hintenran und bleibe auch stehen. Wir warten, man sieht gar nicht, was da vorn los ist. Wir wissen nur, dass irgendwo da vorne die Autobahn am Mittag geschlossen war, aber die Strasse muss wieder auf gewesen sein, sonst wäre die Schlange viel länger. Irgendwann fahren Leute links an uns vorbei und dann ist auch diese Spur voll stehender Autos. Manchmal konnte man ein paar Meter fahren. Wir merkten später, dass das immer der Fall war, wenn jemand es schaffte, auf dem Pannenstreifen weiterzufahren und die nächste Ausfahrt zu nehmen. Die sahen wir nämlich, sie hiess "Bethune Drive". Dann, nach etwa zwei Stunden, konnte man plötzlich wieder ein paar hundert Meter fahren. Wir haben natürlich inzwischen wieder telefoniert und Ursula mitgeteilt, dass wir viel später als geplant kommen werden. Sie und Marcel sollen nicht mehr auf uns warten. Es macht ja keinen Sinn, wenn auch die wach bleiben, die eigentlich schlafen könnten. Das haben sich etliche Lastwagenfahrer wohl auch gedacht, denn diese machten sich definitiv auf der rechten Spur für die Nacht bereit. Aber das ist uns erst später aufgefallen. Ich war sehr froh, dass ich Decken und sogar ein Kissen mitgebracht hatte. Meine Eltern waren schon über 20 Stunden unterwegs, und das ist in ihrem Alter schon sehr anstrengend. Den Motor liessen wir immer wieder laufen, denn es wurde sonst einfach zu kalt im Auto. Irgendwann begann es zu schneien, dicke grosse Flocken, und immer noch dieser heftige Wind. Märchenhaft eigentlich, aber nicht ganz das Richtige für den Highway. Wir versuchten, etwas zu schlafen. Irgendwann, nach etwa fünf oder sechs Stunden, musste ich mir die Füsse vertreten. Ich stieg aus und sah von hinten wieder mal ein Gefährt kommen, auf dem schmalen Streifen links, der noch neben der Mittelleitplanke blieb. Allerdings lagen da hohe Schneehaufen, aber der kleine Truck, der kam, hatte einen Schneepflug vorne und wühlte sich entschlossen durch den Schnee. Ich stieg in meinen Truck, um ihn vorbei zu lassen. Er hielt neben mir und erzählte ziemlich frustriert, das sei ihm schon beim Runterfahren nach Toronto heute Mittag passiert. Fünf Stunden sei er gestanden auf dem Hinweg, dabei seien nur zwei Lastwagen nicht weitergekommen und hätten die ganze Strasse blockiert. Nicht mal die Polizei sei gekommen, aber er sei halt wie jetzt auf dem Pannenstreifen vorgefahren. Und weiter fuhr er... Danach scherten noch andere Autofahrer aus der wartenden Kolonne und versuchten es ebenfalls. Andere kehrten um und fuhren in die falsche Richtung zur letzten Ausfahrt. Plötzlich schienen alle Autofahrer entschlossen, irgendetwas zu machen. Nur die Lastwagenfahrer liessen sich nicht anstecken und hatten es vermutlich weiterhin gemütlich in ihren Kojen.

Und dann, um 03.22 Uhr, nach sieben Stunden, begann sich die linke Kolonne zu bewegen. Langsam, sehr langsam fuhr einer nach dem anderen durch den hohen Schnee. Die Strasse konnte ja seit Stunden nicht geräumt werden (wir sahen nur etwa jede Viertelstunde Schneepflüge auf der Gegenfahrbahn). 20 km, 30 km, 40 km/h war das Höchste, das möglich war. Auch der eine oder andere Lastwagen konnte sich anschliessen. Ob es der kleine Truck war, der dies möglich machte? Im Nachhinein merke ich, dass da gar kein weiterer Unfall war. Vermutlich war einfach ein Lastwagen stecken geblieben und hinter ihm alle anderen. Als dann einige versuchten, auf der linken Spur weiterzukommen, blieben sie da auch stecken und nichts ging mehr. Ohnehin wurde seit Stunden in den Medien gesagt, dass in Muskoka nur auf die Strasse soll, wer unbedingt müsse, und der Highway sei eigentlich gesperrt. Es war also jedermans eigenes Risiko.

Wie dem auch sei, wir waren einfach froh, dass es weiterging. Muskoka Falls - Bracebridge - Port Sydney, alles im Schneckentempo. Erst nach Huntsville wurde es etwas besser. Ich war inzwischen hundemüde und musste mich sehr konzentrieren. Novar - Emsdale - Katrine, und endlich ist der Spuk vorbei. Der Himmel ist klar, man sieht den Mond und die Sterne, die Temperaturen sind schlagartig von -8 auf - 22 Grad gesunken. Burk's Falls - Sundridge - South River - Trout Creek - Powassan, endlich geschafft! Um 06.00 Uhr fahren wir bei meiner Schwester vor's Haus, nach vollen zwölfeinhalb Stunden auf der Strasse! Gepäck ausladen und dann endlich hinsetzen. Wir bekamen eine Suppe serviert und heisse Getränke. Dann, kurz nach 07.00 Uhr machte ich mich auf das letzte Stück nach Hause. Um halb neun beobachtete ich den Sonnenaufgang über unserem Busch, noch zwei Kurven und ich war endlich auch angekommen.

Nun mussten zuerst das Auto ausgeladen und all die Lebensmittel versorgt werden. Schlafen konnte ich nicht und habe den ganzen Samstag irgendetwas "genuschet". Allerdings kam nichts Richtiges dabei heraus. Um 18.00 Uhr war ich endgültig durch und ging ins Bett, um erst nach 13 Stunden wieder aufzuwachen.

Und am Sonntag? Da ging es mir wieder blendend. Ich ging mit Rex einen Morgenspaziergang machen. Wir wollten sehen, wie nah die Wölfe, die Marcel die Nacht vorher gehört hatte, dem Camp gekommen sind. Tatsächlich haben wir Spuren bis zu unserer Grundstücksgrenze gefunden. Jetzt darf Rex eine Zeitlang nicht mehr ohne Leine raus. Er ist uns zu neugierig und müsste diese "Sache" bestimmt untersuchen. Dieses Risiko ist uns etwas zu gross.

Und dann am Nachmittag sind doch tatsächlich die ersten Snowmobiler aufgetaucht. Eigentlich waren wir noch geschlossen, aber als einer kam und fragte, ob wir tatsächlich nicht offen seien, und ich ihn dann fragte, woher er sei, und er sagte, er sei aus Barrie und letzte Nacht um 23.00 Uhr für 6 Stunden bei Bracebridge auf dem Highway gestanden, da haben wir halt doch aufgemacht. Bis zum Schluss waren 25 Personen da, wir haben 20 Suppen und 15 Sausage on a Bun und eine Kiste Bier verkauft. Kein schlechter Anfang dafür, dass wir eigentlich noch geschlossen sind...

06 Dezember 2009

Loon-Ruf

Heute morgen machten wir einen Rundgang durch das Camp. Rex hatte die Ohren auf Durchzug gestellt und ist allen Spuren im Schnee nachgejagt. Er liebt den Winter und kann es stundenlang im und auf dem Schnee aushalten. Besonders gerne lässt er sich einschneien.

Ganz soviel Schnee wie auf diesem etwas älteren Bild haben wir allerdings noch nicht. Aber 10-15 cm sind es allemal. Wir stapften also durch unseren Wald und hörten der enormen Stille zu. Ja, man kann der Stille zuhören. Der Schnee wirkt wie ein Dämpfer und wenn es windstill ist, gibt es Momente, wo man absolut nichts hört. Wo kann man das noch? Bestimmt nicht an vielen Orten...

Und in diese magische Stille ertönt plötzlich der Ruf eines Loons (Eistaucher). Das ist erstaunlich. Noch nie haben wir so spät im Jahr einen Loon gehört. Normalerweise verlassen sie im November unsere Region, um irgendwo im Süden an einem offenen Gewässer zu überwintern. Ohne offenes Wasser können die Loons nicht überleben. Was bedeutet das nun? Friert der See tatsächlich noch länger nicht zu? Wir lassen uns überraschen. Wir hoffen nur, dass der Loon noch rechtzeitig die Abreise schafft und in ein sicheres Winterquartier findet.



05 Dezember 2009

Hexenküche

Von meinem Grossvater habe ich ein Gen geerbt, das mich alle möglichen Dinge behalten lässt, die man vielleicht irgendwann einmal noch brauchen könnte. Heute nun ist mir dies ganz gelegen gekommen. Seit Jahren sammle ich alle Kerzenresten mit der Absicht, vielleicht einmal eigene Kerzen zu giessen. Im Sommer ist mir aber eine viel bessere Idee gekommen.
Man kann hier nämlich Feuerstarter kaufen, die wirklich praktisch sind und einem das Feuermachen sehr erleichtern. Es sind grobe Sägespäne, wie sie beim Gebrauch mit der Motorsäge entstehen (davon haben wir wahrlich genug). Diese Sägespäne werden mit flüssigem Wachs vermischt und in kleine Papierbecher gefüllt. Auf einem kleinen Elektrokocher habe ich also in einer alten (aus der Schweiz mitgebrachten und bisher noch nie benutzten) Gusseisenpfanne meine Kerzenreste geschmolzen, dann die Sägespäne beigefügt und den ganzen Brei in die Papierbecher gefüllt. Je nach Wachsfarbe (und Geschmack) sind grünliche oder rötliche Anzünder entstanden, die nach Tannennadeln, Himbeeren, gebrannter Crème oder auch ganz neutral duften.


Natürlich musste ich dann einen Testlauf machen und die Flamme hat tatsächlich 20 Minuten gebrannt. Das ist lang genug, um ein gemütliches Campfeuer zu starten oder im Winter auch jeden Schwedenofen anzuheizen.

Inzwischen habe ich über 60 "Kerzenkuchen" hergestellt. Das muss erstmal reichen, denn nun will ich mich der Weihnachtspost widmen. Morgen ist schon der zweite Advent. Bei uns schneit es immer wieder, was bedeutet, dass die Snowmobiler nicht mehr weit sind. Wir werden das Restaurant also vielleicht doch noch vor Weihnachten wieder öffnen... We'll see...


01 Dezember 2009

Geschafft...

ist der Umzug von Blueblog zu Blogspot. Leider konnte ich die alten Beiträge und Fotos nicht mitnehmen, aber ich habe noch ein paar Wochen Zeit, dafür eine Lösung zu finden, gesichert auf meinem Computer sind sie jedenfalls.

Ich bin froh, dass unsere Freunde, Verwandten und Bekannten - sowie alle interessierten Blogger - weiterhin nachlesen können, was bei uns läuft. Nun liegt es also an mir, auch wieder regelmässig zu berichten.

Der erste Advent hat uns Schnee gebracht. Nicht viel, aber der weisse "Landschaftsüberzug" macht die Welt gleich viel heller. Heute hat sogar ab und zu die Sonne durchgeblinzelt und alles glitzerte und funkelte. Der See ist noch überhaupt nicht gefroren. Wenn man denkt, dass in ein paar Wochen wieder die Snowmobiler darüberjagen - man glaubt es kaum.

Den ganzen Tag über war ich beschäftigt, den Windschutz am neuen Vorbau weihnächtlich zu schmücken. Das braucht eine Menge Kugeln und ich bin noch lange nicht fertig. Der Wind- und Schneeschutz besteht aus Tannenbäumen und Aesten, die ich in Kübel mit Sand gesteckt habe. Der kommende Winter wird zeigen, ob dies genügt, oder ob wir im nächsten Jahr eine bessere Lösung finden müssen. Die Vögel scheinen an unserem neuen "Wald" grosse Freude zu haben und da wir ein ganzes Futterhäuschendorf aufgebaut haben, wird es uns an fliegenden Besuchern nicht fehlen.

Ansonsten können wir es immer noch gemütlich nehmen, Dinge aufarbeiten und die frei einteilbare Zeit geniessen...