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30 August 2017

Zurück in der Blogger-Welt

Nach einer 14-monatigen Absenz von der Blogger-Welt (zumindest als Autorin) melde ich mich zurück! Meine "Festplatte" ist "reset" und ich bin bereit für neue Geschichten...

... Dies allerdings in einem neuen Blog, der nur angemeldeten Leserinnen und Lesern zugänglich ist. Wer gerne dabei sein möchte, soll hier in diesem Beitrag einen Kommentar hinterlassen oder mir ein e-mail senden an happydog(at)hughes.net oder an meine schon bekannte e-mail Adresse.

Anschliessend werde ich einen Link versenden mit dem weiteren Vorgehen. Vorher muss ich mich aber noch schlau machen, wie genau ich den Zugang freischalten kann (seufz - das Internet... für mich immer noch ein Buch mit sieben Siegeln.) Der Kommentar wird übrigens nicht veröffentlicht und nur von mir gelesen. 

Die ersten Berichte sind schon in Arbeit. Wir haben nämlich unsere erste grosse Reise hinter uns.

Ich freue mich auf euch!

21 Juni 2016

Mal was Anderes

Vor ein paar Tagen (oder sind es schon Wochen?) mussten wir in den Süden nach Toronto zum blau-gelben Skandinavier. Einkaufen. Für unser neues Zuhause.

Das haben wir mit dem Besuch bei unserem Lieblingsimporteur verbunden. Der Besitzer weilt geschäftsmässig gerade in der Schweiz. Er muss Nachschub besorgen, was uns natürlich Recht ist. Sein Stellvertreter hat uns dann mit dem Wichtigsten versorgt.

Was ich aber hier zeigen will, ist die Fahrt dahin. Oder besser gesagt, die Fahrt zurück. Mir ist erst eine Stunde nördlich von Toronto in den Sinn gekommen zu fotografieren. Deshalb hier die Bilder der letzten 250 km (von 350 km):

Die Muskoka-Gegend, auch Cottage Country genannt:


Links das Camp Hillbilly, direkt an der Autobahn Richtung Süden, aber hintenraus idyllisch an einem Fluss gelegen:




Was fällt da auf? Richtig: graue Wolken (geregnet hat es allerdings nicht). Und auch richtig: nur wenig Verkehr.




Patriotisch sind sie ja. Immer wieder die Maple Leaf Flagge in Grösstgrösse:




Sehr Ihr das Schild? Die Höchstgeschwindigkeit auf der ganzen Strecke: 100 km / Stunde und das ist mit Automat und Tempomat sehr stressfrei:


Es hellt langsam auf:


Lupinenfelder säumen die Autobahn an weiten Strecken:


Seit der Highway vor ein paar Jahren richtungsgetrennt gebaut wurde, verlor dieses bekannte Restaurant seine direkte Zufahrt und muss nun mit Schildern für die richtige Ausfahrt werben:





Der Highway wurde aus dem Fels gesprengt und der canadische Schild ist gut sichtbar:





Das war's. Hier kommt bald unsere Ausfahrt. Entspannteres Reisen gibt es fast nicht mehr...




28 November 2014

Kurzreisli

Wir sind zurück von unserem kleinen Ausflug, dem ersten und wohl letzten in diesem Jahr. Mit Freunden erkundeten wir wieder einmal die Mennoniten-Gegend in Südontario und übernachteten in einer renovierten Mühle.



Es ist nicht das erste Mal, dass wir in dieser Gegend unterwegs waren und wird auch nicht das letzte Mal sein. Die Mühle gehört einem Gast von uns, der sie zusammen mit einem Freund während neun Jahren von Grund auf renoviert und zu einem kleinen Hotel umgebaut hat. Bewundernswert, was die zwei Freunde geschaffen haben, denn beide waren bereits nah dem Pensionsalter, als sie mit dem Projekt begonnen haben.

Immer, wenn G. von der Mühle ein paar Tage freinehmen kann, kommen sie in unsere Gegend, denn B. besitzt 16 km von uns mitten im Busch ein kleines selbstgebautes Loghaus. Dann nehmen sie im Sommer ihre ATVs (Quads) oder im Winter die Snowmobiles und machen Tagesausflüge auf den unzähligen Buschtrails. Regelmässig besuchen sie uns für ein Bier (oder auch mehr) und manchmal bleiben sie zum Essen. Deshalb ist es Ehrensache, dass wir ab und zu einen Gegenbesuch machen. Es ist immer eine tolle Sache!

Auf dem Rückweg machten wir Halt auf dem Farmers Market in St. Jacobs. Der befindet sich in einer Region, wo viele Mennoniten wohnen. Deshalb sehen die Parkplätze unter anderem auch so aus:


Uebrigens sind seit ein paar Jahren auch in unserer Nähe Mennoniten ansässig. Sie kaufen alte Farmen und bringen sie zu neuer Blüte. Dass sie keine Elektroanschlüsse haben, ist für uns unvorstellbar. Allerdings haben wir schon bemerkt, dass sie nicht mehr so konsequent sind in ihrer Lebensweise. Einige von ihnen sind erfolgreiche Unternehmer, z.B. in der Baubranche, und kommen deshalb nicht darum herum, einen Telefonanschluss mit -beantworter zu betreiben. Zudem verwenden sie auch Bohrmaschinen etc., der Aku macht's möglich. Autofahren tun sie nicht selber, sie lassen sich herumfahren. So sind es immer Leute aus der Gegend, die sie für ihre Fahrten anstellen. Auf jeden Fall sind sie eine echte Bereicherung für eine Region, denn wenn jemand noch die alten Handwerke versteht, dann sind es die Mennoniten. Diejenigen bei uns sprechen übrigens ein Altdeutsch, das wir sehr gut verstehen und wir könnten uns auf Deutsch mit ihnen unterhalten. Ein Teil ihrer Vorväter stammt auch aus der Schweiz. 

Auf dem Farmers Market findet man unzählige Spezialitäten wie Wurstwaren, Brot, Gebäck, Honig, Eingemachtes, Konfitüren, Relish, Chutneys, Gemüse, Früchte und saisonale Frischprodukte. Die sind Ende November natürlich nicht so üppig; interessant ist es trotzdem. Daneben gibt es Kleider, Schuhe, Möbel, Einrichtungsgegenstände und auch viel Ramsch. Wir haben auch schon einmal eine Viehauktion besucht. Es ist eine ganz andere Welt und eine schöne Abwechslung in unserem Alltag. 

Viel mehr als ein paar Tage können wir nicht beide vom Camp, denn wir brauchen ja jemanden für die Holzheizung. Es ist jedes Mal eine riesige Organisation, bis alles steht und unvorgesehene Dinge wie Stromausfall und Sturm dürfen nicht passieren. Max durfte die Tage bei meiner Schwester verbringen, denn er ist nicht gewohnt auf Reisen zu gehen. Es war das erste Mal, dass wir "hundelos" unterwegs waren. Ein ungewohntes Gefühl...



13 September 2014

Hochzeit

Ende August war sie endlich da, die Woche mit der Hochzeit. Mein Gottemeitli heiratete! Und obwohl sie in Nordafrika lebt und arbeitet, haben sie und ihr zukünftiger Mann beschlossen, den grossen Tag hier in Nordontario zu feiern. Ein Glück für mich, denn wir konnten endlich wieder einmal bei einem Familienanlass mitfeiern.

Die Hochzeit sollte in einem Camp am Rande des Algonquin Parks stattfinden (ca. 90 km südlich von uns). Kurzerhand wurde das ganze Camp mit 68 Schlafplätzen für das Wochenende gemietet, ein Festzelt aufgestellt, ein Buffet mit feinem Essen bestellt und ein Spanferkel organisiert. Das tönt ziemlich einfach. War es aber nicht. Meine Nichte und ihr Zukünftiger leben nämlich ein paartausend Kilometer östlich von Ontario. Sie arbeitet bei der canadischen Botschaft. Durchorganisiert wie sie ist, hat sie alles via Internet und Telefon von dort aus geplant und recherchiert. Natürlich ging es nicht ohne Hilfe hier vor Ort. Und wer durfte/wollte/musste diese Aufgabe übernehmen? Richtig - es ist ihre Mutter, meine jüngere Schwester. Wochenlang hat sie Aufträge ausgeführt, recherchiert, begutachtet, bestellt und dann gebacken, gekocht, gebastelt. A & M kamen 10 Tage vor der Hochzeit in Canada an und mussten sich beeilen, um die Hochzeitskleider anzupassen und bei all den vielen Vorbereitungsarbeiten und -entscheidungen zu helfen. Natürlich wurde auch von Freunden die eine oder andere Party organisiert, was immer mit langen Autofahrten (und langen Nächten) verbunden war.

Marcel und ich haben bis auf ein paar kleine Ueberraschungen nicht viel zu tun gehabt,... 


In diesem Leiterwagen, der aus der Familie von A.s Vater stammt, wurden die Eheringe von A.s Bruder und Neffen (meinem Grossneffen) vorgefahren. 
Marcel hat den Leiterwagen repariert und hochzeitstauglich gemacht.

... aber wir durften die Bräutigamfamilie für zwei Nächte beherbergen. Sie kommen aus dem Libanon und für sie war Canada eine ganz neue Welt. Wir hatten viel Spass und zudem sehr viel über Land und Leute gelernt. Nie hätte ich gedacht, dass im Libanon praktisch alle Leute französich sprechen, zudem auch englisch und natürlich arabisch. Wir lernten neue Gerichte kennen und andere Gewohnheiten.


Familiengemingel bei einem gemeinsamen Pizzaabend

Dann endlich der grosse Tag. Ein Teil der Gäste ist bereits am Freitag angereist. Das Wetter war etwas durchzogen und der Wetterbericht für den Samstag nicht vielversprechend. Und dann war es pures Glück. Die Zeremonie draussen am See hat bei trockenem Himmel stattgefunden und erst bei den Fotoaufnahmen nachher hat es zu regnen begonnen. Das Essen und die Party haben im Zelt stattgefunden und da machte der Regen nicht viel aus. Die Temperaturen waren nämlich durchaus passabel. 24 Grad und mehr, da macht einem so ein bisschen Regen nichts aus. Und hier ein paar Bilder, wild durcheinander:











Das Hochzeitsfest war vor allem so spannend, weil Gäste aus fast allen Kontinenten anreisten. Wir markierten dies auf einer Landkarte mit "Güfeli", für mich eine sehr spannende Angelegenheit:


Und weil man es vielleicht nicht richtig sehen kann, zähle ich die Länder hier mal auf (ohne Garantie auf Vollständigkeit):

Schweiz (natürlich), Canada (natürlich)... und dann: Sudan, Libanon, Brasilien, Congo, Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, Iran, Marokko, Pakistan und Türkei. 

Die multikulturelle Gesellschaft äusserte sich vor allem auch in der Musik, die gespielt wurde. Nebst vielen bekannten aktuellen englischen Songs ertönte auch der Zillertaler Hochzeitsmarsch (ein Wunsch vom Schweizer Grossvater), Louis Armstrong (auf Wunsch der Schweizer Grossmutter) und viel arabische Musik, vermutlich aktuelle Schlager. Dieses Musikgemisch war es, was die ganze Nacht lang im canadischen Busch zu hören war - eine sehr spezielle Angelegenheit!


14 August 2014

Gäste aus Berlin... und Luxemburg

Seit unserem ersten Jahr im Camp finden uns immer wieder Menschen aus BERLIN. Irgendwie ziehen wir sie an... die Berliner.
In den ersten Jahren waren es ein paar "Zimmermannen", die mehrmals mit wechselnden Begleitern bei uns Ferien machten, ein Kanu mieteten und jeweils für zehn Tage im Busch verschwanden, um in der Natur zu leben. Sie kamen sogar einmal im tiefsten Winter.

Dann im letzten Jahr war es Peter, der mit seinem Riesenwohnmobil auf der Durchreise war und fast drei Wochen blieb.

Nun, vor zwei Wochen besuchten uns zwei Luxemburger, Grossvater mit Enkel, und man ahnt es, der Enkel wohnt... in BERLIN. Sie waren auf der Suche nach Fischen, d.h. schon seit Jahren träumten sie von einem gemeinsamen Angelurlaub, irgendwo auf dieser Welt. Dieses Jahr setzten sie ihr Vorhaben in die Tat um. Sie wählten Canada als Ziel und fanden... uns. Sie wollten eigentlich nur zwei Tage bleiben; schlussendlich wurden es zehn. Wir verbrachten oft Zeit zusammen, im Pizzahaus oder in der Lodge, wir räuchten Fisch, wir tranken Schnaps - so richtig feinen alten aus der Schweiz - und jeden Morgen kamen sie zum Kaffee. (Uebrigens haben wir festgestellt, dass die Luxemburger wie die Schweizer Schnaps trinken: nippen nicht kippen!) Es wurde viel diskutiert und erzählt. Jeden Tag fuhren sie mit dem Boot raus, um ihr Glück zu versuchen. Das Wetter war sehr nett, fast kein Regen... Und sie bestanden darauf, uns etwas zu helfen. So haben sie den Strand beim Cedar Cottage in kürzester Zeit von Seegras, Aesten und andern Dingen gesäubert (die Gänse sind wieder mal aktiv).



Und nun? Am nächsten Wochenende erwarten wir neue Gäste aus BERLIN. Wir sind gespannt.


Natürlich haben wir BERLIN schon lange auf unserer Bucket List. Die Zukunft wird zeigen, ob wir es je dahin schaffen. An Stadtführern würde es uns jedenfalls nicht mangeln.




14 Dezember 2009

Fahrt nach Toronto

Schon lange war diese Fahrt geplant. Meine Eltern kamen am Freitag aus der Schweiz, und diesmal wollte ich sie am Flughafen abholen. Sie werden für zwei Monate hier bleiben und wie gewohnt bei meiner Schwester wohnen.

Natürlich war es DIE Gelegenheit, nochmals bei unseren Lieblingsläden vorbeizugehen und das Lebensmittellager aufzustocken. Meine Einkaufsliste war lang und ein Treffen mit Brigitte war auch noch geplant. Sie wohnt etwa 1,5 Stunden südlich und wir bekanntlich 4,5 Stunden nördlich von Toronto.

Schon seit einigen Tagen verfolgte ich die Wettervorhersage, denn die Fahrt nach Toronto und zurück an einem Tag ist schon bei gutem Wetter lang und anstrengend. Bei Schnee ist es wirklich nur bei sehr guten Strassenverhältnissen machbar. Anfangs letzter Woche wütete ja dieser Monster-Schneesturm in Teilen der USA und bewegte sich anschliessend Richtung Canada. Uns hat es am Dienstag und Mittwoch nur am Rande getroffen und wir sind mit ca. 25 cm Schnee beglückt worden. Für Donnerstag und Freitag war die Vorhersage für unsere Region (Near North) und für Toronto ganz passabel. Nur - zwischen hier und dort liegt Muskoka (das ist dort, wo im nächsten Jahr der G8 Summit stattfinden soll). Und für Muskoka waren für Donnerstag und Freitag heftige Schneefälle mit Schneeverwehungen vorhergesagt. Oh Boy, und da musste ich durch.

Ich entschloss mich, die ganze Reise auf zwei Tage zu verteilen und bereits am Donnerstag bis Barrie zu fahren, das liegt ca. 90 km nördlich von Toronto. Dort reservierte ich ein Hotelzimmer. Am Abend wollte ich weiter an meiner Weihnachtspost arbeiten und wieder mal gemütlich in einem Buch lesen. Zuhause klappt das Lesen in letzter Zeit nicht, ich schlafe meistens nach der zweiten Seite ein.

Die Fahrt nach Barrie verlief ganz gut. Es war das erste Mal, dass ich ganz allein in den Süden fuhr. Marcel und Rex blieben nämlich daheim und schauten, dass unsere Holzheizung gefüttert wurde. Zudem hätten wir gar nicht alle Platz in unserem Truck gehabt. Auf den ersten 100 km konnte ich zügig zufahren, aber dann begann es leicht zu schneien und der Wind wurde stärker. Südlich von Huntsville begannen die Schneeverwehungen. In Bracebridge war es dann ganz toll und mehr als 60 km/h konnte man nicht mehr fahren. Die Sicht war sehr eingeschränkt, der wirbelnde Schnee gab einem das Gefühl, in einer Schneewolke zu schweben. Viel Verkehr hat es nicht gehabt und ich habe die Fahrt trotz allem genossen. Nach Orillia hörte das Schneegestöber auf und in Barrie sah die Welt aus wie bei uns im Norden. Nur wehte ein eiszapfenkalter Wind. Die Temperatur lag zwar nur bei -8 Grad, durch den Wind jedoch waren es gefühlte -25 Grad. Hej, daran war ich jetzt nun wirklich noch nicht gewöhnt!

Das Hotelzimmer war ganz toll, sogar mit Schreibtisch, Kühlschrank, Mikrowellenofen und Riesenflachbildschirmfernseher ausgerüstet. Da hatte ich gar keine Lust, auswärts essen zu gehen und besorgte mir take out food, Teebeutel und eine Flasche Wasser. Im Mikrowellenofen konnte ich mir Teewasser heiss machen (ich mag das chlorinierte Wasser hier in Canada überhaupt nicht, deshalb habe ich Wasser gekauft). Und dann schrieb ich meine Weihnachtspost, wurde durch gar nichts abgelenkt (wie das Zuhause immer geschieht) und im Fernsehen lief ein Weihnachtskonzert von Andrea Bocelli. Das passte... Zum Lesen bin ich allerdings wieder nicht gekommen, denn so Karten schreiben dauert und etwas Schlaf brauchte ich auch noch...

Am Freitagmorgen, nach einem complimentary continental Frühstück im Hotel - das übrigens erstaunlich reichhaltig war - machte ich mich auf den Weg in die Millionenstadt Toronto. Es ist schon eine andere Welt dort, sehr hektisch und laut, mit viel rasantem Verkehr, völlig ungewohnt für mich. An der ersten Adresse holte ich Schweizer Käse, viiiiiel Schweizer Käse, und Fleischkäse und St.Galler Olma Bratwürste (die sind wirklich so angeschrieben) und sonstige Schweizer Spezialitäten - ein Schlaraffenland. Endlich haben wir eine Adresse entdeckt, wo diese Sachen frisch und bezahlbar sind! Der nächste Ort war eine Metzgerei, wo ich vor allem Kalbfleisch kaufte. Haxen für Osso Bucco, Kalbsbrustschnitten, dann auch Steaks und etwas Wurstwaren. Diese Firma beliefert verschiedene Grossisten auch im Norden, aber direkt einkaufen ist halt günstiger. Kalbfleisch ist sowieso beinahe nicht erhältlich in unserer Region, was ich gar nicht verstehen kann. Der nächste Halt war Dimpfelmeier, eine "deutsche" Bäckerei. Dort gibt es viele Spezialbrote, Brötchen (z.B. Laugengipfel) und vor allem Kuchen und Patisserie. Und richtig guten Kaffee im Bistro, man muss die Torten und Kuchen irgendwie runterspülen, oder? Dort traf ich mich auch mit Brigitte und ihrer Schwester. Wir hatten einen gemütlichen Lunch zusammen und natürlich einiges zu schwatzen. Die beiden machten sich dann bald auf in die nächste Mall und ich hatte gerade noch Zeit für einen Kurzbesuch in der nahe gelegenen IKEA. Also, man kann auch in sehr kurzer Zeit einiges Geld ausgeben in diesem Laden... Dafür habe ich jetzt Kerzen genug für den ganzen Winter, oder vielleicht sogar für zwei...

Inzwischen war ich etwa sieben Stunden unterwegs und es war höchste Zeit für den Flughafen. Der Freitagnachmittagverkehr hatte begonnen und die Strassen wurden voll und voller, die ersten Trafficjams wurden angesagt. Sieben Spuren, ich ganz links und hätte rechts raus müssen, Mist! Schlussendlich nach etlichen Umwegen landete ich im Parkhaus vom falschen Terminal und durfte nochmals ein paar Runden drehen, bis ich am richtigen Ort war. In der Ankunftshalle angekommen, sah ich, dass das Flugzeug aus Zürich soeben gelandet war. Inzwischen hat mich meine Schwester angerufen (Handy sei Dank), um mich zu warnen, dass die Autobahn durch Muskoka geschlossen sei. Sie haetten dort in den letzten 24 Stunden 80 cm Schnee erhalten, an einigen Orten sogar 100 cm. In Huntsville wurde am Morgen der Notstand ausgerufen. Aber in Canada kann sich die Lage schnell ändern und wir vereinbarten, nochmals miteinander zu telefonieren, wenn wir in Barrie sind. Notfalls müssten wir halt in einem Hotel die Nacht verbringen und besseres Wetter abwarten.

Ich wartete also auf meine Eltern. Es waren massenhaft Leute dort, weil vier Flieger zur gleichen Zeit gelandet sind. Da waren viele Nationen vertreten, aber erstaunlich viele Frauen mit Burka und einige Männer barfuss in Sandalen. Die werden sich schnell Socken anziehen müssen, bei den eisigen Temperaturen draussen. Nach einer Stunde sah ich sie kommen, meine Eltern, beide mit einem Gepäckwagen. Wir machten uns auf den Weg zum Auto und eine halbe Stunde später waren wir auf dem Weg Richtung Norden. Inzwischen war es dunkel geworden und die Lichter der Autos verwandelten die Autobahnen in gelbe und rote Bänder. Immer noch war dichter Feierabendverkehr, aber mit etwas Glück war ich auf der richtigen Spur, als die Abfahrt zum Highway 400 Richtung Barrie kam. Nun nur noch raus aus der Stadt und dann war das Schlimmste überstanden. Vor uns lagen 4-5 Stunden Autofahrt, so hofften wir. Natürlich gab es viel zu erzählen und zu fragen.

Fünf Viertelstunden später waren wir bereits in Barrie und ich tankte meinen RAM bis zum Rand voll, sicher ist sicher. Telefongespräch mit Marcel und mit Ursula, wir waren uns alle einig, dass wir es versuchen wollten mit der Fahrt. Wir hatten Wolldecken, Getränke, etwas zu essen und wie gesagt einen vollen Tank. Der Himmel war wolkenverhangen, aber es schneite nicht. Die Sicht war gut und wir kamen zügig voran. Wenn das so weitergeht, sind wir um 22.30 Uhr daheim. Oro-Station - 5 Ausfahrten bei Orillia - Washago (da sind wir im Sommer mit dem Boot unter der Autobahn durch) - Severn Bridge - drei Ausfahrten Gravenhurst... die Strasse ist schneebedeckt, aber gut befahrbar. Plötzlich sehen wir Warnlichter, richtig, da vorn stehende Autos und Lastwagen in der rechten Spur. Ich fahre brav hintenran und bleibe auch stehen. Wir warten, man sieht gar nicht, was da vorn los ist. Wir wissen nur, dass irgendwo da vorne die Autobahn am Mittag geschlossen war, aber die Strasse muss wieder auf gewesen sein, sonst wäre die Schlange viel länger. Irgendwann fahren Leute links an uns vorbei und dann ist auch diese Spur voll stehender Autos. Manchmal konnte man ein paar Meter fahren. Wir merkten später, dass das immer der Fall war, wenn jemand es schaffte, auf dem Pannenstreifen weiterzufahren und die nächste Ausfahrt zu nehmen. Die sahen wir nämlich, sie hiess "Bethune Drive". Dann, nach etwa zwei Stunden, konnte man plötzlich wieder ein paar hundert Meter fahren. Wir haben natürlich inzwischen wieder telefoniert und Ursula mitgeteilt, dass wir viel später als geplant kommen werden. Sie und Marcel sollen nicht mehr auf uns warten. Es macht ja keinen Sinn, wenn auch die wach bleiben, die eigentlich schlafen könnten. Das haben sich etliche Lastwagenfahrer wohl auch gedacht, denn diese machten sich definitiv auf der rechten Spur für die Nacht bereit. Aber das ist uns erst später aufgefallen. Ich war sehr froh, dass ich Decken und sogar ein Kissen mitgebracht hatte. Meine Eltern waren schon über 20 Stunden unterwegs, und das ist in ihrem Alter schon sehr anstrengend. Den Motor liessen wir immer wieder laufen, denn es wurde sonst einfach zu kalt im Auto. Irgendwann begann es zu schneien, dicke grosse Flocken, und immer noch dieser heftige Wind. Märchenhaft eigentlich, aber nicht ganz das Richtige für den Highway. Wir versuchten, etwas zu schlafen. Irgendwann, nach etwa fünf oder sechs Stunden, musste ich mir die Füsse vertreten. Ich stieg aus und sah von hinten wieder mal ein Gefährt kommen, auf dem schmalen Streifen links, der noch neben der Mittelleitplanke blieb. Allerdings lagen da hohe Schneehaufen, aber der kleine Truck, der kam, hatte einen Schneepflug vorne und wühlte sich entschlossen durch den Schnee. Ich stieg in meinen Truck, um ihn vorbei zu lassen. Er hielt neben mir und erzählte ziemlich frustriert, das sei ihm schon beim Runterfahren nach Toronto heute Mittag passiert. Fünf Stunden sei er gestanden auf dem Hinweg, dabei seien nur zwei Lastwagen nicht weitergekommen und hätten die ganze Strasse blockiert. Nicht mal die Polizei sei gekommen, aber er sei halt wie jetzt auf dem Pannenstreifen vorgefahren. Und weiter fuhr er... Danach scherten noch andere Autofahrer aus der wartenden Kolonne und versuchten es ebenfalls. Andere kehrten um und fuhren in die falsche Richtung zur letzten Ausfahrt. Plötzlich schienen alle Autofahrer entschlossen, irgendetwas zu machen. Nur die Lastwagenfahrer liessen sich nicht anstecken und hatten es vermutlich weiterhin gemütlich in ihren Kojen.

Und dann, um 03.22 Uhr, nach sieben Stunden, begann sich die linke Kolonne zu bewegen. Langsam, sehr langsam fuhr einer nach dem anderen durch den hohen Schnee. Die Strasse konnte ja seit Stunden nicht geräumt werden (wir sahen nur etwa jede Viertelstunde Schneepflüge auf der Gegenfahrbahn). 20 km, 30 km, 40 km/h war das Höchste, das möglich war. Auch der eine oder andere Lastwagen konnte sich anschliessen. Ob es der kleine Truck war, der dies möglich machte? Im Nachhinein merke ich, dass da gar kein weiterer Unfall war. Vermutlich war einfach ein Lastwagen stecken geblieben und hinter ihm alle anderen. Als dann einige versuchten, auf der linken Spur weiterzukommen, blieben sie da auch stecken und nichts ging mehr. Ohnehin wurde seit Stunden in den Medien gesagt, dass in Muskoka nur auf die Strasse soll, wer unbedingt müsse, und der Highway sei eigentlich gesperrt. Es war also jedermans eigenes Risiko.

Wie dem auch sei, wir waren einfach froh, dass es weiterging. Muskoka Falls - Bracebridge - Port Sydney, alles im Schneckentempo. Erst nach Huntsville wurde es etwas besser. Ich war inzwischen hundemüde und musste mich sehr konzentrieren. Novar - Emsdale - Katrine, und endlich ist der Spuk vorbei. Der Himmel ist klar, man sieht den Mond und die Sterne, die Temperaturen sind schlagartig von -8 auf - 22 Grad gesunken. Burk's Falls - Sundridge - South River - Trout Creek - Powassan, endlich geschafft! Um 06.00 Uhr fahren wir bei meiner Schwester vor's Haus, nach vollen zwölfeinhalb Stunden auf der Strasse! Gepäck ausladen und dann endlich hinsetzen. Wir bekamen eine Suppe serviert und heisse Getränke. Dann, kurz nach 07.00 Uhr machte ich mich auf das letzte Stück nach Hause. Um halb neun beobachtete ich den Sonnenaufgang über unserem Busch, noch zwei Kurven und ich war endlich auch angekommen.

Nun mussten zuerst das Auto ausgeladen und all die Lebensmittel versorgt werden. Schlafen konnte ich nicht und habe den ganzen Samstag irgendetwas "genuschet". Allerdings kam nichts Richtiges dabei heraus. Um 18.00 Uhr war ich endgültig durch und ging ins Bett, um erst nach 13 Stunden wieder aufzuwachen.

Und am Sonntag? Da ging es mir wieder blendend. Ich ging mit Rex einen Morgenspaziergang machen. Wir wollten sehen, wie nah die Wölfe, die Marcel die Nacht vorher gehört hatte, dem Camp gekommen sind. Tatsächlich haben wir Spuren bis zu unserer Grundstücksgrenze gefunden. Jetzt darf Rex eine Zeitlang nicht mehr ohne Leine raus. Er ist uns zu neugierig und müsste diese "Sache" bestimmt untersuchen. Dieses Risiko ist uns etwas zu gross.

Und dann am Nachmittag sind doch tatsächlich die ersten Snowmobiler aufgetaucht. Eigentlich waren wir noch geschlossen, aber als einer kam und fragte, ob wir tatsächlich nicht offen seien, und ich ihn dann fragte, woher er sei, und er sagte, er sei aus Barrie und letzte Nacht um 23.00 Uhr für 6 Stunden bei Bracebridge auf dem Highway gestanden, da haben wir halt doch aufgemacht. Bis zum Schluss waren 25 Personen da, wir haben 20 Suppen und 15 Sausage on a Bun und eine Kiste Bier verkauft. Kein schlechter Anfang dafür, dass wir eigentlich noch geschlossen sind...