24 Dezember 2014

Zum Jahresende



Freude, Friede, Eierkuchen...
wünsche ich allen meinen Leserinnen und Lesern für die kommenden Tage
und vor allem ein
glückliches, gesundes und zufriedenes
2015

08 Dezember 2014

Wintergeplänkel


Der meiste Schnee vom November ist wieder geschmolzen. Nur eine Schicht von 5 cm ist uns geblieben. Genug, um der Landschaft einen hellen Ueberzug zu verpassen. Die Temperaturen schwanken zwischen minus zwei und minus siebzehn Grad. Am Sonntag hat sogar wieder einmal die Sonne durchgeblinzelt und Max hat mit mir einen Spaziergang zu unserem kleinen Wasserfall hinter dem Workshop und rund ums Camp gemacht. Noch kann man es mit Winterschuhen schaffen. Bald sind für mich jedoch die Schneeschuhe angesagt und Max wird auf die geräumten Strassen beschränkt sein. Der See ist mit einer dünnen Eisschicht überzogen und man hört keinen Wellenschlag mehr. Es wird einige Zeit brauchen, bis das Eis genügend dick ist für den Snowmobil-Trail. Bis dahin ist es ganz still hier draussen. Meistens. 

Wir freuen uns am Gepiepe der Vögel an den Futterstellen und sogar das Gemotze der Eichhörnli ist irgendwie willkommen. Obwohl wir immer noch Eichhörnli umsiedeln, sind immer zwei, drei hier. Sobald eins deportiert ist, scheint ein anderes die Lücke zu füllen. Irgendwie ist ein Kräftemessen zwischen uns und der Eichhörnlipopulation ausgebrochen. Wir werden wohl kaum gewinnen. Ist schon gut so, denn Max hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Futterstellen zu kontrollieren und diese flinken Motzer immer wieder zu vertreiben. Ist lustig zu beobachten, denn er hat keine Chance, eins zu erwischen. Dafür hält es ihn fit!


28 November 2014

Kurzreisli

Wir sind zurück von unserem kleinen Ausflug, dem ersten und wohl letzten in diesem Jahr. Mit Freunden erkundeten wir wieder einmal die Mennoniten-Gegend in Südontario und übernachteten in einer renovierten Mühle.



Es ist nicht das erste Mal, dass wir in dieser Gegend unterwegs waren und wird auch nicht das letzte Mal sein. Die Mühle gehört einem Gast von uns, der sie zusammen mit einem Freund während neun Jahren von Grund auf renoviert und zu einem kleinen Hotel umgebaut hat. Bewundernswert, was die zwei Freunde geschaffen haben, denn beide waren bereits nah dem Pensionsalter, als sie mit dem Projekt begonnen haben.

Immer, wenn G. von der Mühle ein paar Tage freinehmen kann, kommen sie in unsere Gegend, denn B. besitzt 16 km von uns mitten im Busch ein kleines selbstgebautes Loghaus. Dann nehmen sie im Sommer ihre ATVs (Quads) oder im Winter die Snowmobiles und machen Tagesausflüge auf den unzähligen Buschtrails. Regelmässig besuchen sie uns für ein Bier (oder auch mehr) und manchmal bleiben sie zum Essen. Deshalb ist es Ehrensache, dass wir ab und zu einen Gegenbesuch machen. Es ist immer eine tolle Sache!

Auf dem Rückweg machten wir Halt auf dem Farmers Market in St. Jacobs. Der befindet sich in einer Region, wo viele Mennoniten wohnen. Deshalb sehen die Parkplätze unter anderem auch so aus:


Uebrigens sind seit ein paar Jahren auch in unserer Nähe Mennoniten ansässig. Sie kaufen alte Farmen und bringen sie zu neuer Blüte. Dass sie keine Elektroanschlüsse haben, ist für uns unvorstellbar. Allerdings haben wir schon bemerkt, dass sie nicht mehr so konsequent sind in ihrer Lebensweise. Einige von ihnen sind erfolgreiche Unternehmer, z.B. in der Baubranche, und kommen deshalb nicht darum herum, einen Telefonanschluss mit -beantworter zu betreiben. Zudem verwenden sie auch Bohrmaschinen etc., der Aku macht's möglich. Autofahren tun sie nicht selber, sie lassen sich herumfahren. So sind es immer Leute aus der Gegend, die sie für ihre Fahrten anstellen. Auf jeden Fall sind sie eine echte Bereicherung für eine Region, denn wenn jemand noch die alten Handwerke versteht, dann sind es die Mennoniten. Diejenigen bei uns sprechen übrigens ein Altdeutsch, das wir sehr gut verstehen und wir könnten uns auf Deutsch mit ihnen unterhalten. Ein Teil ihrer Vorväter stammt auch aus der Schweiz. 

Auf dem Farmers Market findet man unzählige Spezialitäten wie Wurstwaren, Brot, Gebäck, Honig, Eingemachtes, Konfitüren, Relish, Chutneys, Gemüse, Früchte und saisonale Frischprodukte. Die sind Ende November natürlich nicht so üppig; interessant ist es trotzdem. Daneben gibt es Kleider, Schuhe, Möbel, Einrichtungsgegenstände und auch viel Ramsch. Wir haben auch schon einmal eine Viehauktion besucht. Es ist eine ganz andere Welt und eine schöne Abwechslung in unserem Alltag. 

Viel mehr als ein paar Tage können wir nicht beide vom Camp, denn wir brauchen ja jemanden für die Holzheizung. Es ist jedes Mal eine riesige Organisation, bis alles steht und unvorgesehene Dinge wie Stromausfall und Sturm dürfen nicht passieren. Max durfte die Tage bei meiner Schwester verbringen, denn er ist nicht gewohnt auf Reisen zu gehen. Es war das erste Mal, dass wir "hundelos" unterwegs waren. Ein ungewohntes Gefühl...



25 November 2014

Stromlos

Gestern Abend um 20.30 Uhr ist wieder mal der Strom ausgefallen und heute nach mehr als 14 Stunden warten wir immer noch auf die Aufschaltung. Wie immer kommen wir am Schluss der Warteschlange dran, weil hier draussen im Busch so wenig Kunden betroffen sind.

Es war ein heftiger Sturm, der Tausende von Haushalten vom Netz schmiss. Vor allem hat er auch im Süden gewütet und da dort viel mehr Leute wohnen, konzentrieren sich die Reparaturen erstmals auf die Ballungszentren. Wir sind uns das schon fast gewohnt - obwohl, man kann (oder will) sich an die relativ häufigen Stromausfälle eigentlich nie gewöhnen. 

Während eines Stromausfalls schnurrt unser Generator meistens problemlos vor sich hin und wir können wenigstens die Heizungs- und Wasserpumpen betreiben. Abwechslungsweise laufen auch Kühlschrank und Tiefkühler. Natürlich heisst das für Marcel, Nachtschicht zu schieben. Trotzdem versuchen wir zu schlafen, was uns inzwischen meistens gut gelingt. Letzte Nachte bemerkte ich jedoch plötzlich, dass die Heizungsrohre kalt wurden. Eine Sicherung beim Generator hat sich ausgeklinkt. So durfte Marcel mitten in der Nacht mit Stirnlampe und Regenschutz den Schaden beheben. Es ist unbedingt nötig, dass die Heizungspumpen immer laufen, weil sich sonst unser Aussenofen überhitzt und dadurch Schaden nehmen könnte.

Besonders ärgerlich ist der Stromausfall heute, weil wir am Mittwoch eigentlich einen kleinen Ausflug geplant haben. Mal sehen, ob sich bis dahin alles wieder normalisiert hat. Wir sind noch guter Hoffnung!

Uebrigens hat es in den letzten Tagen tatsächlich stark geregnet und der Schnee ist fast aller weggeschmolzen. Gestern hatten wir plus 9 Grad. Inzwischen schneit es jedoch wieder und wir sollten nach Wettervorhersage bis zu 10 cm erhalten. Mist!


Soeben hören wir ein riesiges Dröhnen über der Lodge. Der Hydro One Helikopter fliegt den Stromleitungen entlang auf der Suche nach dem Schaden. Nun dauert es hoffentlich nicht mehr lange...



24 November 2014

Marroni oder der Gourmet-Dog

Am Sonntag konnten wir endlich eine Portion Marroni im Pizzaofen rösten. Marroni gehören irgendwie in diese Jahreszeit und wir haben in den Läden schon seit ein paar Wochen nach der Spezialität Ausschau gehalten. Das ist hier in Nordontario gar nicht so einfach, denn Marroni kennen nicht alle Leute und sie sind auch vom Preis her eher ein Luxusprodukt. Trotzdem muss es mindestens einmal im Jahr sein. Und endlich fanden wir in einem grösseren Lebensmittelladen dicke und vor allem frische Marroni. (Natürlich lohnt es sich nicht, wegen 21 Marroni den Pizzaofen zwei Stunden einzuheizen und so haben wir gleich noch einen Rinderbraten darin geschmort):


Beim Essen haben wir festgestellt, dass Max-der-Spaniel Marroni auch ganz gut findet. Verwöhnt wie er ist, hat er seinen Teil davon abbekommen. Und das erinnerte uns an folgende Geschichte:

Vor sieben Jahren haben wir entdeckt, dass Rex ein richtiger Feinschmecker war. Er begleitete mich immer zu den Cottages, wenn ich sie zwischen zwei Gästegruppen reinigen musste. Dabei untersuchte er ganz genau die Umgebung, denn ab und zu schmeissen die Leute ihre überzähligen Lebensmittel einfach in die Natur. Meistens bleiben die Sachen nicht lange liegen, denn Fuchs und Co. kommen auf ihrer Futtersuche regelmässig vorbei. Nach einem solchen Ausflug bemerkten wir, dass Rex etwas in seiner Schnauze nach Hause trug und es auf keinen Fall hergeben wollte. Wenn er eine Trophäe ergatterte, war es sehr schwierig, sie ihm abzujagen. (Einmal hatte er einen Biberpelzhut gefunden und wir hatten die liebe Mühe, ihm den Hut wegzunehmen, bevor er ihn zerhudelte und zerfetzte. Immerhin stand Biber auf seiner Beuteliste und er fand es absolut nicht nötig, den Hut seinem Besitzer zurückzugeben.) Es war also von Vorteil, Rex's komisches Verhalten vorerst zu ignorieren. Wir mussten einfach aufpassen, dass er das "Ding" nicht fressen konnte, bevor wir sahen, was es war. Wie erstaunt waren wir dann, als er daheim schnurstracks auf seinen Platz lief und seine Beute sorgfältig hinlegte und gut bewachte:


Wir waren sehr gespannt, was nun kommen würde - und tatsächlich, er nahm sie vorsichtig in die Schnauze und biss leicht darauf:


Nach ein paar genüsslichen Minuten sah es so aus:


Wir waren baff. Rex wusste genau, was er da tat. Von da an lief er jeden Morgen zum Log Cottage, um sich eine oder zwei Marroni aus dem Schnee zu buddeln, sie heimzutragen und dort genüsslich zu verspeisen. Sie waren gekocht, das haben wir noch festgestellt. Vermutlich hatte eine Gästegruppe die Chestnuts gekauft, sie im Wasser gekocht und für nicht essbar befunden. Dann haben sie sie in den Schnee vor dem Cottage geschmissen und Rex mit seiner sensiblen Nase hat sie aufgespürt und sich Stück für Stück einverleibt, bis alle alle gefressen waren. Er war eben ein echter Gourmet!

21 November 2014

Mystisch

zeigt sich der See noch. Langsam beginnt er jedoch am Ufer zu gefrieren. Bin gespannt, bis wann das Eis über das Wasser gewinnt.





20 November 2014

Das Gärtnern...

muss ich wohl oder übel aufs nächste Jahr verschieben. Die Vögel freuts!


Es schneit schon wieder - oder immer noch. Allerdings ist's bei uns nicht ganz so schlimm wie weiter südlich. Der "lake effect" um die grossen Seen ist Schuld an diesen Schneebergen im Nordosten der USA und im südlichen Teil von Ontario. Wir sind zum Glück gerade weit genug nördlich, um von diesem Monster-Schneefall verschont zu werden. Lustig dürfte es am Wochenende werden, da sind bei uns Temperaturen um die Nullgrenze vorausgesagt, mit möglichem Eisregen. Dass die Temperaturen wieder etwas steigen, ist schon ok, denn die -17 Grad von vorletzter Nacht waren etwas gar kalt für November. Aber Eisregen brauchen wir trotzdem nicht...



19 November 2014

Strategiewechsel

Die Sache mit den Eichhörnli - gleich welcher Art - hat langsam Uebermass angenommen und wir entschlossen uns zu einem Strategiewechsel. Anstatt dass wir die Viecher nur bis hinter den Workshop tragen und dort freilassen, dürfen sie eine 6 km lange Autofahrt mitmachen, natürlich in der Falle, und können anschliessend ihre brandneue Umgebung in Besitz nehmen.


Seither haben die nächtlichen Besuche von fliegenden Sqirrels in der Lodge aufgehört und auch draussen an den Vogelhäuschen geht es nicht mehr ganz so wild zu und her. Zwar ist es lustig, die Eichhörnli draussen zu beobachten, aber sie wohnen leider in unserem Dach, und das ist für die elektrischen Leitungen und unsere Isolation schon eine gewisse Gefahr. Vor allem bei diesen Mengen von Tieren. Insgesamt haben wir inzwischen acht Tiere "deportiert", aber noch immer spurten sie zahlreich herum und machen den Vögeln massive Konkurrenz. 


18 November 2014

Typisch canadisch...

...sind wir. Für alles haben wir eine Garage oder einen Unterstand. Nur nicht für unsere Autos - und es schneit schon wieder!







17 November 2014

Winter ist's...

Es sieht nicht aus, wie wenn der Schnee nochmals schmilzt. Es schneit am Laufmeter. Im Moment gefällt es mir noch - alles ist schön hell und weiss und wir müssen ja nirgendwo dringend hin. 


In unserem Holzvorrat klafft schon eine schöne Bresche. Denn der Aussenholzofen will jeden Morgen und Abend gefüttert werden.


Dazu muss man sich jetzt warm anziehen. Blöd wirds nur, wenn mitten in der Nacht das Feuer ausgeht (das kommt allerdings höchst selten vor, und mit den kleineren Holzstücken eigentlich gar nicht mehr).


Für diese Nacht sollte das vorerst mal reichen...

Zu meiner absoluten Verblüffung klettern neuerdings sogar Mäuse auf unserem "Vogelbuffet" herum. Wie die da rauf gekommen ist, bleibt mir ein Rätsel, denn das Ding hängt zwei Meter über dem Boden...


Na dann: En Guete! Lass dich nicht stören...


12 November 2014

Der Herbststurm



samt vierstündigem Stromausfall scheint wieder mal vorbei zu sein...


Gegensätze

Der 11. November ist ein wichtiger Tag. Je nachdem, wo man sich auf dieser Welt befindet, hat er eine völlig andere Bedeutung.

In Nordamerika und Teilen Europas feiert man den Remembrance Day. Man ehrt die Armeeangehörigen, die ihr Leben im ersten und zweiten Weltkrieg oder während eines anderen Konfliktes im Namen des Friedens verloren haben. In diesem Jahr gedenkt man auch besonders der zwei Soldaten, die vor einigen Wochen so hinterrücks hier in Canada umgebracht wurden. In den meisten Provinzen Canadas ist Feiertag. Hier in Ontario sind nur alle Verwaltungen, Banken und die Post geschlossen, ist also kein federal statutory Holiday. Viele Gedenkfeiern finden statt und praktisch alle tragen das rote Poppy als Zeichen der Erinnerung und des Respekts. Am 11.11. um 11.00 Uhr finden die Gedenkzeremonien statt, hier ein Bild der Feier in North Bay:

Quelle: Nugget online

Derweil in vielen Gegenden der Schweiz und Deutschlands. Da ist der 11.11. um 11.11 Uhr vor allem Eines: Der Auftakt zur fünften Jahreszeit, der Fastnacht, dem Karneval oder Fasching. Dazu ein Bild der Feier in St. Gallen:

Quelle: St. Galler Tagblatt online

Wie auch immer. Der 11. November ist ein Feier(licher)Tag.


10 November 2014

Die weisse Nullnummer


Tadaaah... Der neue Briefkasten. Schön separat und ganz links oben ist er; trägt die weisse Nummer "0" - unser neue Briefkasten am alten Standort. Man beachte auch die tolle weisse Dekoration drum herum. Es sind genau sieben Wochen seit dem letzten Briefkastenbild vergangen. Und noch etwas fällt einem auf: Es gibt jetzt wieder neun freie Fächer. Mal sehen für wie lange. Momentan ist die Box "all ours"!

Die Postbeamten haben sich wirklich alle Mühe gegeben und die älteste, verbogenste und rostigste Postbüchse für uns abgestellt. Der Verschluss klemmt nur ganz wenig. Aber hey! Es erfüllt seinen Zweck.

Heute morgen haben wir sogar den Pöstler samt seiner Frau und ein Nachbar-Ehepaar dort getroffen. Es gab fast einen Verkehrsstau da im Nirgendwo. Wir haben bedauert, dass wir keinen Kaffee für einen Kaffeeklatsch dabei hatten. Man sieht sich ja nicht so oft.

Und so hat sich uns die Songis Road auf unserer Fahrt in die Stadt präsentiert:


Zum Glück sind der Pfadschlitten und Sander schon gekommen, die Strasse ist momentan sehr eisig und ziemlich rutschig. Mehr als 40 km/h liegen da nicht drin. Es sieht aus, wie wenn der Winter definitiv bei uns angekommen ist.



09 November 2014

Der Sonntagskuchen


ist recht gut geraten...


08 November 2014

Briefkasten-Theater mit Happyend

Unser Briefkasten befindet sich bekanntlich 9 km vom Camp. Das war am Anfang gar nicht so einfach, waren wir von der Schweiz her doch gewohnt, den Briefkasten beim Haus zu haben. 

Uebrigens habe ich dies bereits am 30.6.2007 in meinem damaligen Bluewin-Blog beschrieben. (Diese Beiträge sind leider alle verloren, denn die "BlueBlogs" wurden 2009 eingestellt und später vom www entfernt. Glücklicherweise machte ich von allem eine Sicherung und kann deshalb meinen damaligen Beitrag nochmals veröffentlichen):


"Hier nochmals ein Bild von unserem Rundflug. Wer das Camp und die Umgebung kennt, sieht genau den Verlauf der Strassen und Wege. Die zwei kleinen Seen unten rechts sind eigentlich eher Moore, aber gestaut durch Biber haben sie sich zu kleinen Tümpeln entwickelt. Sie liegen nördlich der Privatstrasse zur Black Bay, welche eine Fortsetzung der Songis Road und die Zugangsstrasse zu all den Cottages östlich von uns ist. Was heisst hier Cottages, jedes Jahr werden mehr und mehr dieser eher einfachen Ferienhäuser durch richtige Wohnhäuser ersetzt. Einige unserer Nachbarn werden in den nächsten Jahren pensioniert und gedenken, hier ihren Wohnsitz aufzuschlagen. Das hat auch Vorteile für uns. Je mehr Leute hier draussen wohnen, umso eher wird die Strasse unterhalten und wer weiss, vielleicht bekommen wir dann doch mal die Tageszeitung oder sogar die Post hier angeliefert. Unser Briefkasten ist momentan 9 km entfernt und das zuständige Postbüro liegt in North Bay, 35 km von hier, im grossen Einkaufszentrum. Das ist vor allem unpraktisch, wenn man ein Packet oder einen Brief abholen muss. In der Regel leeren wir den Briefkasten nur ein Mal pro Woche, am Montag nämlich, der unser Einkaufstag ist. Finden wir nun auf unserer Rückkehr von der Stadt einen Abholschein im Briefkasten, dann dauert es exakt eine Woche, bis wir wissen, was denn da so wichtig oder sperrig ist, dass es nicht in unsere Mailbox passt.

Anfangs machte mir das schon etwas Mühe, denn wir waren von der Schweiz gewohnt, morgens um 5 Uhr zwei Tageszeitungen und spätestens um 11.00 Uhr unsere Post im Briefkasten am Haus vorzufinden. Inzwischen habe ich aber festgestellt, dass die Rechnungen und Werbungen gut eine Woche länger liegen können, Privatpost freut uns auch dann noch und für Dringendes gibt es ja sowieso die E-Mail. Nur die Tageszeitung vermissen wir manchmal, denn oft wissen wir nicht, was in der Stadt gerade läuft. Aber da wir sowieso keine Zeit für Kino oder Theater haben und an vielen Veranstaltungen nicht teilnehmen können, spielt es auch keine Rolle, wenn wir nicht wissen, was los ist. Vor ein paar Jahren gab es noch ein Fernsehstudio in der Stadt, das die lokalen Nachrichten brachte. Aber da wurde fusioniert und wir gehören fernsehtechnisch nun zu Sudbury, das liegt 125 km entfernt. Weiter dazu gehören Sault Ste. Marie (430 km), Timmins (370 km) Huntsville (130 km) und auch Wawa (630 km). Man kann sich vorstellen, wieviel (oder wie wenig) man da wirklich über die eigene Stadt erfährt. Lokalradio gibt's aber noch und da erfahren wir dann doch ab und zu etwas. Und natürlich von unseren Campern, den Gästen im Restaurant oder auch von den wenigen Nachbarn. Wir haben gelernt nicht alles zu glauben, bis wir es ganz genau wissen. Auch hier gibt es Soap Operas, Redbridge ist eben auch ein Kaff und North Bay nicht gerade eine Grossstadt. Gerüchte reisen erstaunlicherweise auch durch den Busch. Es ist wie überall, aber das macht es ja spannend, nicht?"

***
In den sieben Jahren, die seit obigem Blogeintrag vergangen sind, hat sich natürlich einiges verändert. Unsere Poststelle befindet sich inzwischen noch einen Kilometer weiter vom Einkaufszentrum entfernt in einer Apotheke. Die Poststelle war schon vorher in dieser Apotheke, aber da diese umgezogen ist, ist auch unsere Poststelle mitgezogen. Praktischer ist es allemal, denn die Parkplatzverhältnisse sind jetzt viel besser. Wir fahren nun auch öfters in die Stadt und haben Bekanntschaft mit Kino und anderen Freizeitaktivitäten gemacht. Ein paar neue Häuser sind inzwischen gebaut oder alte renoviert worden. Es leben tatsächlich nebst uns bereits 9 Parteien das ganze Jahr hier draussen und die nächsten stehen in den Startlöchern, resp. der Keller ist gebaut... 

Dass wir dadurch einen besseren Postservice erhalten, hat sich aber nicht bewahrheitet. Im Gegenteil. Die Post muss sparen. Und so haben wir im September ein Schreiben erhalten, dass uns ein neuer Briefkasten zugewiesen werde. 16 km vom Camp. Beim General Store. Der befindet sich bei der Abzweigung unserer Strasse am Highway. Was soll man da tun, Post-Routen werden aufgehoben, zentralisiert, vereinfacht, günstiger gemacht. Dachte ich... Bis ich dann merkte, dass unsere grünen alten abgenutzten Briefkastenboxen gar nicht abgeräumt wurden und an unserem alten Fach ein neues Vorhängeschloss hängt. Jemand anders benutzt unseren Briefkasten!


Was soll denn das? Nicht mit mir! Ziemlich viele rebellische Gedanken machten sich breit und ich hängte mich ans Telefon und wollte herausfinden, weshalb man uns zum General Store verschiebt und jemand anders unseren Briefkasten erhält. Die Achthunderternummer verbindet mich mit einer geduldigen Sachbearbeiterin irgendwo in Canada, die meine Geschichte anhört. Natürlich hat sie keine Ahnung, weshalb und warum. Sie notiert pflichtbewusst alles, gibt mir eine Ticketnummer (Bearbeitungsnummer) und verspricht einen Anruf von der zuständigen Poststelle. 

Das klappt dann auch ein paar Tage später und der Postbeamte erklärt mir, dass die Briefkasten logischer verteilt wurden, damit auch ein Ersatzbriefträger die Arbeit machen könne. Die Briefkästen sind nun nach Strassen und Hausnummern verteilt. Das tönt logisch, aber ich verstehe immer noch nicht, weshalb wir von den Briefkästen 9 km vom Camp zu den Briefkästen 16 km vom Camp umziehen mussten und eine unserer neuen Nachbarn unsere Box erhält. Man verspricht mir einen Rückruf und erbittet die Zustimmung, das "Ticket" zu schliessen, weil erledigt. Ich bin einverstanden, denn ich werde ja einen Rückruf erhalten. Ich warte. Und warte. Und warte. Dann rufe ich selber wieder an. Diesmal direkt die zuständige Poststelle. Nach mehrmaligem Anlauf erreiche ich endlich wieder den Sachbearbeiter. Der erklärt mir, er könne nichts machen. Er verstehe meinen Aerger zwar, aber all die grünen Boxen 9 km vom Camp seien besetzt. WAS??? Weshalb denn sowas? Ich will einfach wissen, weshalb man uns den Kasten genommen und jemand anderem gegeben hat. Kann er mir aber nicht erklären. Das wurde angeblich in London, Südontario, (wahrscheinlich liegt dort irgendein Entscheidungszentrum der Post) so entschieden. Aber das ist für mich keine Erklärung. Ich werde ziemlich energisch und will einfach eine Antwort, wie genau sie zu einer solchen Entscheidung gekommen sind. (Zwar ahne ich die Antwort, aber sie kommt einfach nicht). Dann will ich mit dem Vorgesetzten des Sachbearbeiters sprechen oder wenigstens seinen Namen erfahren. Der Sachbearbeiter blockt. Ich gebe nicht nach. Schlussendlich sagt er entnervt, dass er alles nochmals weiterleiten werde und sich bei mir innerhalb zwei Tage wieder melden werde.

Szenenwechsel.

Marcel und ich sind mit unserer Wundermaschine am Holzen. Endlich regnet es mal nicht und die Sonne wagt sogar einen Blick durch die Wolken. Wir kommen gut voran mit unserer Arbeit. Die letzten zwei Stämme müssen noch zerschnitten, gespalten und aufgeschichtet werden. Da sehen wir plötzlich zwei Männer in Postuniform auf uns zukommen. Ich unterbreche die Arbeit und nehme meinen Holzfällerhelm ab. Die zwei "Beamten" stellen sich vor als die Verantwortlichen der North Bay Postverteilung. Sie wollten sich ein Bild von der Situation mit den Briefkästen machen und sie können nun wirklich verstehen, weshalb ich sauer sei. Sie erklärten mir, dass die neue Briefkastenverteilung nach Strassen vorgenommen wurde. So wurden alle Briefkästen der Bewohner unserer 16 km langen Strasse zum General Store verschoben. Und die Bewohner der wenigen Seitenstrassen haben ihren Briefkasten neu bei den grünen Boxen erhalten. Das erklärt, weshalb unsere Nachbarn nun unseren alten Briefkasten haben. Da das Camp als einzige am Ende unserer Strasse liegt (wir haben die Nummer 1875) und die zweitletzten Bewohner der Songis Road etwa 8 km von uns weg sind - dazwischen gibt es keine Häuser - hat das ausser uns fast niemanden gestört. Die Postbeamten mussten jedoch zugeben, dass dies wirklich nicht gut durchdacht wurde und für uns äusserst unpraktisch sei. Sie versprachen mir eine schnelle Antwort und eine hoffentlich gute Lösung.

Schlussszene.

Und tatsächlich. Nur zwei Tage später erhalten wir einen Anruf, dass eine neue grüne Box bewilligt worden sei und wir den obersten linken Briefkasten davon erhalten werden. Und seit gestern ist es Tatsache: Eine neue grüne alte abgenutzte Briefkastenbox mit 10 Fächern steht neben den beiden anderen. Als ich extra die Fahrt dorthin unter die Räder nahm, um unser altes Vorhängeschloss daran anzubringen, war sogar schon die erste Post darin für uns: Es sind zwei Briefe und zwei Abholscheine, um auf dem Postamt bei der Apotheke in der Stadt unsere neuen Pässe abzuholen. Das werden wir am Montag erledigen.

Na also! Geht doch!

02 November 2014

Film-Club

Am letzten Donnerstag waren wir wieder einmal im Kino. Das geschieht nicht sehr oft, aber seit letztem Jahr immer öfter.

Es sind nicht die berühmten grossen Filme, für die mit einem enormen Aufwand die Werbetrommel gerührt wird. Es sind oft alternative Filme und auf der Webseite des Filmclubs steht dann auch: "films for discriminating audiences". Ich fühle mich übrigens nicht diskriminiert, es bedeutet eher "kritisch" oder "anspruchsvoll" und das Publikum besteht meistens aus "reiferen" Semestern.

Es sind durchs Band interessante Filme, aus allen Kontinenten. Sie werden immer in der Originalsprache gezeigt. Letzten Frühling lief z.B. ein indischer Film "Lunchbox". Und vor einer Woche war "Tracks" auf dem Programm. Allerdings mussten wir da passen, wir hatten keine Zeit fürs Kino. "Chef" hat uns übrigens sehr gut gefallen, diesen Film haben wir uns nicht entgehen lassen. 

Oft sind canadische Filme dabei, meistens mit kleinem Budget produziert. Diese haben es uns besonders angetan. "Algonquin" war der Film, der diesen Herbst gezeigt wurde. 

Letzten Donnerstag sahen wir "Boyhood". Das Konzept dieses Films war sehr spannend, wurde er doch über eine Zeitspanne von 12 Jahren gedreht. 



Nicht so toll war die Panne bei der Filmvorführung - wir mussten beinahe eine dreiviertel Stunde warten, bis der Film losging. Sie hatten wohl dass Passwort "verhüehneret". Wird halt alles von Freiwilligen organisiert, die immer wieder wechseln. Aber ohne diese Leute gäbe es den Filmclub wohl nicht. Deshalb wurde es sehr spät, bis wir wieder Zuhause waren - und Fahren auf unserer Strasse mitten in der Nacht muss nicht unbedingt sein. Da überlassen wir den Busch lieber den Tieren.

Wie man sieht, haben wir hier im Norden von Ontario durchaus Interessantes an Kultur. Uebrigens hat uns meine Schwester darauf gebracht. Wir besuchten mit ihr im April 2010 das erste Mal eine Vorführung des Filmclubs. Damals lief "Das weisse Band" - in Originalsprache...

riminating audiences

films for discriminating audiences

Ohne Worte


bei MINUS 11 Grad Celsius...


31 Oktober 2014

Ueberraschung zu Halloween!

Zu dieser Ansicht sind wir heute Morgen erwacht:




Ganz unerwartet ist es zwar nicht geschehen, die gestrige Wettervorhersage hat Schnee angedroht. Da die Wetterfrösche aber so oft falsch liegen, haben wir es erst geglaubt, als es tatsächlich eingetreten ist. 

Und es schneit munter weiter. 10-15 cm wurden uns vorausgesagt. Ziemlich ungünstig, denn wir müssen noch einige Dinge draussen erledigen: z.B. das geschnittene und gespaltene Holz von gestern aufbeigen und abdecken (wir haben im Holzschopf bekanntlich keinen Platz mehr), alle Schneemarker setzen, die Schneeschaufeln überall verteilen (vor dem Haus, hinter dem Haus, beim Workshop und bei den Cottages), die Geranien vom Pizzahaus in die Lodge räumen (dort drin wird es jetzt auch zu kalt), die leeren Wasserfässer zur Ueberwinterung in den Gazebo fugen, alle Gartenstühle und -tische wegräumen oder abdecken usw. 

Zudem wird heute noch ein Trailer gebracht, sollte wenigstens. Mal sehen, ob das klappt, denn die Leute kommen von einem Camp weit im canadischen Busch. Heute ist der letzte Tag, wo sie mit ihrem Riesen-Dieseltruck den Trailer verschieben können, denn nachher wollen sie nach Florida verreisen. Snowbirds sagt man diesen Menschen, die den Winter im wärmeren Süden in den USA verbringen. Es sind Massen von vorwiegend pensionierten Canadiern, die in Florida oder Arizona ein Haus, eine Wohnung, ein Mobilehome oder einen Trailer besitzen, je nach finanziellen Möglichkeiten.

Unsere Buschstrassen sind zwar im Winter oft besser zu befahren als die Highways. Trotzdem ist ein Trailer natürlich nicht gemacht, um damit im Schnee herumzufahren. Der Entenjäger, der heute früh für seine Wochenendjagd erschien, erzählte jedenfalls, dass der Highway sehr "schlifrig" sei, dass in North Bay viel mehr Schnee liege und dass es dort viel stärker schneie. Gut so. Soll er (der Schnee) doch bitte in der Stadt bleiben und nicht zu uns kommen. Wir brauchen ihn noch nicht... PLEASE!!!

Uebrigens, unser Truck steht normalerweise nicht vor dem Haus. Wir haben ihn gestern Nacht jedoch dort abgestellt, weil wir sehr spät vom KINO zurückkamen. Ich werde darüber berichten...


29 Oktober 2014

Jagdsaison und Herbstrückblick


Bei uns ist inzwischen Jagdsaison. Zwar sind die Wochen für die Jagd mit Schusswaffen begrenzt, aber mit Pfeil und Bogen darf ziemlich lange gejagd werden. Deshalb sieht es zur Zeit im Kühlraum der uns bekannten Schweizer Farmer so aus. Sie verarbeiten Bären, Elche und Rehe, welche jagdfreudige (oder jagdverrückte?) Canadier bei ihnen vorbeibringen, in haushaltgerecht verpackte Fleischportionen, Gehacktes, Würste etc. Auch hier hat sich die Schweizer Qualitätsmetzgerarbeit herumgesprochen und sie können sich vor Aufträgen kaum retten. Das wird nun bis Weihnachten anhalten.

Trotz ihrer vielen Aufträge haben wir sie am letzten Sonntag von der Arbeit abgehalten und einen vergnügten Nachmittag und Abend mit excellentem Essen bei ihnen verbracht...


Jagdsaison bedeutet für uns, dass die Campingsaison seit zwei Wochen zu Ende ist. Wenigstens für die Camper. Strom und Wasser sind längst abgestellt, die Trailer winterfest verpackt. Wir aber wollen noch einige Dinge im Park erledigen. Noch immer regnet es mehr als nicht und der Himmel ist meistens trüb und grau. Ziemlich langweilig, denn das kennen wir nun zur Genüge. Wir hätten bestimmt wieder einmal ein paar warme Sonnentage am Stück verdient. Draussen zu arbeiten macht nämlich mehr Spass, wenn die Sonne einem dabei zuschaut...

Anfangs Woche hat Marcel ein paar Bäume gefällt. Am Fluss sind dieses Jahr drei Plätze frei geworden und wir haben den Wechsel dazu benutzt, drei riesige Ahornbäume zu fällen. War eine ziemlich trickige Angelegenheit, denn sie sollten in die andere Richtung fallen, als sie gewachsen sind. Mit Stahlseil, Umlenkrolle und Traktor ging schlussendlich alles gut, aber es ist immer eine nervige Angelegenheit. Man weiss nie, ob der Baum doch noch eine ungewollte Drehung macht. Einen Fehler darf man nicht machen. 

Die Stämme sind nun schon vor unserer Wundermaschine aufgetürmt, bereit zur weiteren Verarbeitung. Die Aeste liegen auf Haufen bereit zum Häckseln; das werden wir jedoch erst im Frühling erledigen, es geht besser, wenn alles etwas abgetrocknet ist. Nun kann der neue Trailer kommen. Und hier ein Bild des grosszügigen Platzes direkt am Fluss:


Wir hoffen, dass wir die richtigen Leute dafür ausgelesen haben, die dieses kleine Paradies zu schätzen wissen.

Tiergeschichten Teil 3

Ich hätte ja nicht gedacht, dass es bezüglich Tiere noch so nervig wird. 

Ziemlich lustig fand ich zwar die zwei Waschbären, die mitten an einem Herbsttag im Gänsemarsch vor meinem Fenster durcheilten und nachher einfach nicht mehr aufzufinden waren. Vielleicht sind sie aus ihrem Heim vertrieben worden, als die Söhne des im letzten Sommer verstorbenen Saisoncampers den Trailer samt Anbau abräumten. Immer wieder haben sich in den letzten Jahren dort Waschbären rumgetrieben und vermutlich haben sie tatsächlich dort auch gewohnt. Und nun mussten sie plötzlich ausziehen. So jedenfalls hat es für mich ausgesehen.

Dass wir dieses Jahr besonders viele Viecher im Park haben, habe ich hier berichtet. Aber dass sie uns in der Lodge auch nicht in Ruhe lassen, das geht gar nicht. Ab und zu eine Maus, damit kann ich leben. Dafür gibt es sehr effiziente Fallen. Aber Eichhörnchen, und dann noch fliegende dazu? Das geht eindeutig zu weit! Und wir wissen leider noch immer nicht, wo und wie sie hereinkommen. Es braucht nur ein kleines Loch dazu. So sind wir inzischen bei "flying squirrel" Nummer 5 angelangt... und irgendwo hinter mir springt (oder fliegt) noch Nummer 6 herum. 


Die Falle steht bereit und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie wieder zuschnappt. Dem Erdnüsslibutter sei Dank. Es ist eine Lebendfalle und ich trage die Beute gewissenhaft weit weg von der Lodge und lasse sie erst hinter dem Workshop wieder frei. Ich habe bisher auch nicht das Gefühl gehabt, dass ich immer das gleiche Tier wegtrage, denn sie sehen durchaus verschieden aus und haben nicht das gleiche Verhalten in der Falle. Da gibt es Fighter und Nette, Verzweifelte und Verfressene. Aber warum nur habe ich trotzdem das Gefühl, die lachen mich aus??? Ich glaube ich sollte es doch mal mit der Rattenfalle versuchen...


Uebrigens habe ich gelesen, dass Flying Squirrels im Unterschied zu den normalen Eichhörnchen erstens nachtaktiv sind und zweitens in Gruppen leben, normalerweise bis zu zwölf Stück. Es können aber auch bis zu fünfzig sein. Na dann, gute Nacht...!

Und Max? Der findet die ganze Jagd ziemlich lustig und hilft eifrig mit. Als vor ein paar Tagen ein Streifenhörnchen durch die offene Tür ins Restaurant gelangte und Marcel es endlich mit dem Besen wieder hinausjagte, sass Max vor dem Eingang und hat es postwendend wieder hereingetrieben. Er konnte gar nicht verstehen, warum wir das ziemlich doof fanden.

Der Zeit voraus

Am 22. Oktober habe ich zu meinem Schrecken gemerkt, dass wir hier in Canada nicht immer um Jahrzehnte im Rückstand sind. In einigen Dingen sind wir durchaus unserer Zeit voraus (gesehen im Crapy Tire). Komischerweise haben sie diesmal Halloween ausgelassen, wenigstens in dieser Ecke des Ladens...



Abgeschnitten

Vor zwei Wochen, am Tag nach der Schliessung des Parks, musste noch ein Monteur einen defekten Trailer flicken. Nach seiner Ankunft früh am Morgen bemerkte er zu uns, dass die Strasse etwa zwei Kilometer vor dem Camp ganz heftig ausgewaschen sei und er nur knapp mit seinem Truck durchfahren konnte. Und so sah es aus:


Ein Telefonanruf zum Strassenamt genügte - und innerhalb von 24 Stunden war der Schaden mehr oder weniger behoben. Wir vermuten, dass durch den Dauerregen ein Biberdamm den Wassermassen nicht mehr standgehalten hat und alles in einem Sturzbach den Hügel runterlief. Glücklicherweise hat sich das meiste Wasser anschliessend im Gehölz verlaufen. Trotzdem kann man am Ufer im Park sehen, dass auch unser Bach ganz massiv angeschwollen sein muss. 1996, also vor unserer Zeit, hat übrigens ein gebrochener Biberdamm in unserem Camp einen riesigen Schaden angerichtet und sogar die Brücke zwischen Lodge und Park weggespült. Hoffentlich bleiben wir vor so einem Ereignis verschont. 

Nachschub

Mit dem neuen Holz hat es auch endlich geklappt. Anfangs Oktober haben wir die neue Ladung erhalten:


Der Holzschopf ist inzwischen randvoll und wir werden im Winter bestimmt nicht frieren.

Ziemlich clever

Wer hat schon sowas gesehen? Fünf Personen sind mit diesem Truck und ihren Spielzeugen (ATVs und Dirtbikes) angereist und haben es sich im Log Cottage gemütlich gemacht. Es erstaunt mich immer wieder, auf was für Ideen unsere Gäste kommen:



Herbst

Der Herbst hat übrigens ganz kurz doch noch stattgefunden. Am 25. September habe ich diese Aufnahme an unserer Strasse gemacht. Ein solcher Anblick ist einfach überwältigend...


Es waren die letzten wirklich schönen Tage mit milden Temperaturen. 



13 September 2014

Unsere neuste Errungenschaft

Darauf haben wir nun lange gewartet. Seit dem 11. Juni, um genau zu sein. Der Holzschopf steht schon lange bereit und endlich, am 31. August, ist die neue Holzbearbeitungsmaschine bei uns angekommen. Höchst persönlich vom Hersteller hierher ins Camp gebracht. Wir haben ihn nämlich überredet, die Maschine am Labour Day Weekend an der Fall Fair in Powassan auszustellen und vorzuführen, um sie nachher zu uns zu bringen. So sparten wir uns die Lieferungskosten, die für dieses grosse Stück nicht ganz billig gewesen wären. Schön clever von uns... Na ja, es war eine win-win Situation.

Und hier ist sie, unsere automatische Holzaufheb-, Schneid-, Spalt- und Förderanlage, die es uns so viel einfacher macht, das Holz für den Winter bereitzustellen:


Die Maschine im Einsatz:


Sie erleichtert uns die Arbeit wirklich ungemein. Marcel schneidet die angelieferten Holzstämme in drei Meter lange Stücke und bringt sie mit dem Traktor vor die Maschine. Dort werden die Logs mit dem Log Lifter aufs Förderband gebracht. Nun betätigt man einen Hebel und der ganze Stamm wird bis zum Anschlag vorgeschoben. Die Länge kann man je nach Bedarf einstellen. Dann kommt die montierte Kettensäge zum Einsatz. Sie schneidet wie durch Butter und der Holzklotz fällt in die Spaltwanne. Ein anderer Hebel wird gedrückt und der Rugel wird in 2-4 Stücke gespalten, ganz nach Wunsch und Dicke des Stamms. Anschliessend - und da komme ich zum Zug - fallen die Holzstücke mehr oder weniger automatisch auf das Förderband, das die ganze Pracht in den Holzschopf befördert und dort auf einen Haufen fallen lässt. Meine Aufgabe ist nun, die kleineren Scheite für den Pizzaofen vor dem Förderband in die Schubkarre auszusortieren und die abfallende Rinde und anderes Abfallholz in einen alten Feuerholzsack zu packen. So haben wir bereits das Anzündholz für die Holzheizung und auch das Holz für unseren Pizzaofen bereit. Nachher müssen nur noch die Scheite schön aufgeschichtet werden. Das sah nach fünf Tagen Arbeit so aus:


Inzwischen haben wir das Förderband bereits zum vorderen Fenster verschoben, denn die hintere Hälfte des Holzschopfs ist praktisch voll. Es macht richtig Freude, am Abend das geleistete Pensum zu betrachten. Wir haben viel weniger Rückenschmerzen, denn die Arbeit ist leichter und mit viel weniger Bücken und Heben verbunden. Es war absolut die richtige Entscheidung, diese Maschine anzuschaffen. In knapp zwei Wochen haben wir geschafft, wofür wir sonst mit mehr Leuten zwei Monate brauchten.


Die Holzbeige links ist inzwischen zu einem kläglichen Rest geschrumpft, dem wir am Sonntag den Garaus machen. Und dann müssen wir auf die neue Lieferung von Logs warten. Die Logger sind wetterbedingt im Rückstand, aber wenn alles klappt, sollten wir in der kommenden Woche Nachschub erhalten. Und dann gibt es im Camp noch den einen oder anderen Baum, den wir fällen müssen. Aber diese Arbeit können wir erst nach Abschluss der Campingsaison Mitte Oktober machen. Wir haben also ganz viel Zeit für andere Dinge.


Zum Beispiel Geburtstagsfeiern am 11. September mit ein paar Gästen im Pizzahaus. Und dann hat Marcel noch ein paar Projekte in Powassan zu erledigen. Besuch aus der Schweiz ist auch angesagt. Im Moment ist Mami noch bei meiner grossen Schwester im Nordwesten von Ontario (1700 km von hier). An der Hochzeit haben wir uns alle endlich wieder einmal gesehen und Mami hat die Gelegenheit genutzt, mit der Drydenfamilie zurückzufahren, um ein paar Wochen die dortigen Familienmitglieder (drei Generationen) zu geniessen.

Uebrigens ist endlich das Gästehaus renoviert und bereits wieder eingeweiht. Es ist ein gemütliches Einzimmerhäuschen mit Bad. Ideal für zwei Personen.

Und sonst? Wir haben heute die Heizung gestartet. Es ist ungemütlich kalt geworden seit vorgestern. Geregnet hat es heute auch. War vielleicht ganz gut so, wir brauchten dringend einen Erholungstag. Inzwischen haben sich die Wolken verzogen und für Morgen ist Sonne angesagt. Und wie gesagt, unser Endspurt mit der alten Holzbeige...

Hochzeit

Ende August war sie endlich da, die Woche mit der Hochzeit. Mein Gottemeitli heiratete! Und obwohl sie in Nordafrika lebt und arbeitet, haben sie und ihr zukünftiger Mann beschlossen, den grossen Tag hier in Nordontario zu feiern. Ein Glück für mich, denn wir konnten endlich wieder einmal bei einem Familienanlass mitfeiern.

Die Hochzeit sollte in einem Camp am Rande des Algonquin Parks stattfinden (ca. 90 km südlich von uns). Kurzerhand wurde das ganze Camp mit 68 Schlafplätzen für das Wochenende gemietet, ein Festzelt aufgestellt, ein Buffet mit feinem Essen bestellt und ein Spanferkel organisiert. Das tönt ziemlich einfach. War es aber nicht. Meine Nichte und ihr Zukünftiger leben nämlich ein paartausend Kilometer östlich von Ontario. Sie arbeitet bei der canadischen Botschaft. Durchorganisiert wie sie ist, hat sie alles via Internet und Telefon von dort aus geplant und recherchiert. Natürlich ging es nicht ohne Hilfe hier vor Ort. Und wer durfte/wollte/musste diese Aufgabe übernehmen? Richtig - es ist ihre Mutter, meine jüngere Schwester. Wochenlang hat sie Aufträge ausgeführt, recherchiert, begutachtet, bestellt und dann gebacken, gekocht, gebastelt. A & M kamen 10 Tage vor der Hochzeit in Canada an und mussten sich beeilen, um die Hochzeitskleider anzupassen und bei all den vielen Vorbereitungsarbeiten und -entscheidungen zu helfen. Natürlich wurde auch von Freunden die eine oder andere Party organisiert, was immer mit langen Autofahrten (und langen Nächten) verbunden war.

Marcel und ich haben bis auf ein paar kleine Ueberraschungen nicht viel zu tun gehabt,... 


In diesem Leiterwagen, der aus der Familie von A.s Vater stammt, wurden die Eheringe von A.s Bruder und Neffen (meinem Grossneffen) vorgefahren. 
Marcel hat den Leiterwagen repariert und hochzeitstauglich gemacht.

... aber wir durften die Bräutigamfamilie für zwei Nächte beherbergen. Sie kommen aus dem Libanon und für sie war Canada eine ganz neue Welt. Wir hatten viel Spass und zudem sehr viel über Land und Leute gelernt. Nie hätte ich gedacht, dass im Libanon praktisch alle Leute französich sprechen, zudem auch englisch und natürlich arabisch. Wir lernten neue Gerichte kennen und andere Gewohnheiten.


Familiengemingel bei einem gemeinsamen Pizzaabend

Dann endlich der grosse Tag. Ein Teil der Gäste ist bereits am Freitag angereist. Das Wetter war etwas durchzogen und der Wetterbericht für den Samstag nicht vielversprechend. Und dann war es pures Glück. Die Zeremonie draussen am See hat bei trockenem Himmel stattgefunden und erst bei den Fotoaufnahmen nachher hat es zu regnen begonnen. Das Essen und die Party haben im Zelt stattgefunden und da machte der Regen nicht viel aus. Die Temperaturen waren nämlich durchaus passabel. 24 Grad und mehr, da macht einem so ein bisschen Regen nichts aus. Und hier ein paar Bilder, wild durcheinander:











Das Hochzeitsfest war vor allem so spannend, weil Gäste aus fast allen Kontinenten anreisten. Wir markierten dies auf einer Landkarte mit "Güfeli", für mich eine sehr spannende Angelegenheit:


Und weil man es vielleicht nicht richtig sehen kann, zähle ich die Länder hier mal auf (ohne Garantie auf Vollständigkeit):

Schweiz (natürlich), Canada (natürlich)... und dann: Sudan, Libanon, Brasilien, Congo, Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, Iran, Marokko, Pakistan und Türkei. 

Die multikulturelle Gesellschaft äusserte sich vor allem auch in der Musik, die gespielt wurde. Nebst vielen bekannten aktuellen englischen Songs ertönte auch der Zillertaler Hochzeitsmarsch (ein Wunsch vom Schweizer Grossvater), Louis Armstrong (auf Wunsch der Schweizer Grossmutter) und viel arabische Musik, vermutlich aktuelle Schlager. Dieses Musikgemisch war es, was die ganze Nacht lang im canadischen Busch zu hören war - eine sehr spezielle Angelegenheit!