30 April 2015

Verbiss

Die blöden Hirsche? Fressen doch einfach meine Linde an. Allen Aesten im unteren Bereich haben sie die Spitzen abgefressen. Zum Glück ist der Baum schon über zwei Meter hoch und so konnten sie die oberen Aeste und die Baumspitze nicht erreichen. Nun bin ich gespannt, wie sich der Baum entwickelt. Meine arme Linde, zuerst wird sie fast ersäuft ertränkt und nachher gefressen angeknabbert... Dabei warte ich doch sehnsüchtig auf die Lindenblüten, damit ich endlich Lindenblütentee aus eigenem Anbau habe.


28 April 2015

Der Schemel


Dieser Schemel ist ein Familienerbstück und schon einige Jahrzehnte alt. Er ist gezeichnet von häufigem Gebrauch. Wann genau er hergestellt wurde, lässt sich nicht mehr feststellen, denn keiner der ersten Besitzer lebt mehr. Sicher ist, dass um 1930 mein Vater im zarten Kindergartenalter seine ersten Nagelversuche daran gemacht hat. Sein grosser Bruder hatte ihm das Schemeli hingestellt, als er unbedingt beim Werken mithelfen wollte.

Und genau daran erinnere ich mich von mir selbst. Vermutlich haben alle meine Geschwister diese Erinnerung. Sobald unser Vater seine Werkzeuge hervornahm (er war gelernter Möbelschreiner) und wir ihm helfen wollten, bekamen wir Nägel, einen Hammer und den Schemel und durften uns austoben.

Irgendwann waren wir alle zu erwachsen für solche Spielereien und der Schemel dümpelte irgendwo im elterlichen Haushalt herum. Später habe ich ihn "gerettet" und aus sentimentalen Gründen meinem eigenen kleinen Haushalt einverleibt. Die Nägel habe ich alle herausgezogen (das mussten wir aus Nagel-Platzgründen zwischendurch sowieso immer mal machen). Der Schemel wurde mit Leinöl behandelt, damit er nicht auseinanderfällt. 

Seither ist er immer wieder in Gebrauch. Er diente als Kerzenständer (deshalb die Brandflecken) und lange stand ein Blumentopf darauf (man sieht die Spuren des Uebertopfes). Heute benutze ich ihn meistens als Fussstuhl beim Fernsehen oder auch mal als Gymnastikhilfe (wir haben ja keine Treppen im Haus). In den letzten Tagen jedoch leistete er uns gute Dienste beim Streichen der Küchenwände. Alle unsere Wände sind nämlich ungewohnt hoch, ganze 10 Fuss (oder drei Meter) und zum Streichen mit den normalen Werkzeugen grad eine Schemelhöhe zu hoch. Ergo: Mit Hilfe des Schemels lösten wir auch dieses Problem ganz einfach.



27 April 2015

Tadaaaaa!

Ueber Nacht ist das Wunder geschehen und die letzten Eisschichten auf dem See sind dahingeschmolzen. Vier Tage früher als im letzten Jahr ist der See wieder eisfrei. Wir könnten also theoretisch das Dock installieren oder eine Bootsfahrt unternehmen. Na ja, nur theoretisch. Die Boote befinden sich noch alle im Winterschlaf hinter der Lodge. Aber es ist gut zu wissen, dass man könnte, wenn man wollte...


Zur Feier des Tages gibt es einen Marroni-Gugelhopf (nach Betti Bossy). Das Kastanienpüree ist auch so ein Mitbringsel von unserem Schweizer Spezialitätenhändler, dem ich nicht widerstehen konnte. Beim Um- und Aufräumen der Küche bin ich über all die Köstlichkeiten gestolpert, für die ich im Sommer so wenig Zeit habe.



26 April 2015

18. Maple Syrup Festival

Wieder mal besuchten wir das Maple Syrup Festival in Powassan. Im Gegensatz zum letzten Jahr  lachte diesmal die Sonne vom blauen Himmel. Entsprechend viele Menschen waren unterwegs. Hier ein paar Impressionen:




Die Hauptstrasse gesäumt von Verkaufsständen, 
garniert mit viel Publikum.



Die Schotten marschieren Dudelsackpfeiffend und trommelnd vorbei. Sie waren nicht die einzigen in Röcken. Wir sahen die ersten Shorts mit nackten Füssen in Flipflops unter den Winterjacken hervorgucken. 
Kein Zweifel, der Sommer ist gleich um die Ecke.
Typisch canadisch eben.


(Holzfäller)-Wettbewerbe, hier das Zweihandsägen. Es gab Axtwerfer, Motorsäge-Skulpturen-Schnitzer, Schafscherer, Holzbearbeitungsmaschinen in allen Varianten und was man sich halt an so einem Dorffest vorstellt (der Hersteller unserer Holzspalt-Wundermaschine war diesmal jedoch nicht dabei)

Um den Mittag waren die Strassen so dicht gepackt, dass es kaum mehr ein Durchkommen gab. Wir deckten uns am Mennonitenstand mit Sommersalami, geräuchtem Speck und Lachsschinkli ein, besorgten am Maple-Sugar-Stand einen Jahresbedarf Ahornsirup und suchten schon bald wieder das Weite. 

Noch schnell bei der Schwester die Blumen giessen (sie ist gerade in der Schweiz), einen kurzen Besuch im neuen Zuhause einer Freundin und schon mussten wir uns wieder auf den 85 km langen Heimweg machen - die Pflicht ruft. In drei Wochen ist der Campground wieder voll in Betrieb. Es gibt noch viel zu tun.

25 April 2015

Strandansichten

Für einmal hat die Sonne ihr Wort gehalten und am Freitag noch schnell vorbeigeschaut. 


Das Wasser fliesst langsam wieder ab. 


Die Trailer nahe beim Strand, alles Familien mit Kindern. Das ist sehr praktisch, denn die Mütter können aus den Liegestühlen und die Väter von hinter dem Grill die Kinder im Auge behalten:-)



Das Eis zieht sich weiter zurück


Die Fischer wären froh, sie hätten soviel Wasser hier im Sommer. Noch drei Wochen und sie können wieder ihr Glück versuchen. Fische hat's mehr als genug.


Der Baum

IHN wollte ich schon lange vorstellen:


Er ist jedoch so riesig, dass es extrem schwierig ist, ihn
(mit meinen Möglichkeiten)
zu fotografieren. 


Anhand des Grössenvergleichs mit dem Traktor kann man sich seine Höhe vielleicht ungefähr vorstellen. Jedenfalls überragt er alle Bäume in der Umgebung bei Weitem.


Er ist der grösste und wohl majestätischste Baum im Camp überhaupt. Schätzungsweise dreissig bis vierzig Meter hoch. Das Alter kann ich nicht abschätzen, aber ich bin der festen Ueberzeugung, dass dieser Baum schon alles gesehen hat, was in den letzten zweihundert Jahren hier passiert ist. Und er hat den Waldbrand von 1905 überstanden, muss also bereits da ein stattlicher Baum gewesen sein. 

Bestimmt hat er die Trapper und Ureinwohner (Indianer) beobachtet, wie sie auf der Voyageurroute, der berühmten Kanustrecke, ihre Lasten in grossen Kanus transportiert und hier am Ufer vom Lake Talon Station gemacht haben. Wir haben schon mal gehört, dass dies hier ein bevorzugter Aufenthaltsort der Ureinwohner war. So genau wollen wir das jedoch nicht wissen, denn es ist ein wenig wie mit dem Heimatschutz in der Schweiz. Ist ein Ort plötzlich schützenswert, hat man nicht mehr das Sagen.

Auf jeden Fall hat der Baum bestimmt die ganze Campgeschichte seit 1854 miterlebt. Für ihn ist die ganze Sache kein Rätsel, denn er war ja mit dabei. Ich wünsche mir, er könnte sprechen und mir ein paar von den Geschichten erzählen, die in seiner Umgebung passiert sind...


24 April 2015

Wie Butter...

...ist heute die Silberpappel gefallen. Na ja, fast. Ich sass nämlich auf dem Traktor und sollte mit Hilfe des Drahtseils und der Umlenkrolle dem Baum etwas Umfall-Starthilfe geben. Nun habe ich das jedoch schon länger nicht mehr gemacht und war etwas zögerlich beim Gas geben. Aber nach einem kurzen Schreckmoment, wo der Baum nicht sicher war, ob er doch auf den Trailer daneben fallen soll - oder sonst was Blödes -, ist er dann präzise zwischen Picknick-Tisch und Strompfosten gelandet.

Der Baumstamm wird gleich in 8 Fuss (2,4 m) lange Stücke geschnitten, ideal für unsere Holzspalt-Wundermaschine. Die dickeren Aeste landen heute Abend in unserer Heizung und das dünne Restholz wartet aufgehäuft, bis wir wieder mit der Holzschnitzelmaschine vorbeikommen. 


Die Sonne soll am Nachmittag die Wolken vertreiben und die Temperaturen aufs Wochenende ansteigen lassen. Das ist gut. Wir haben nämlich ganz spezielle Pläne.


Durchblick

Die Hirsche hatten es im vergangenen Winter vermutlich besonders schwer bei der Futtersuche, denn sie haben alle Zedern im Campingplatz in der Höhe von fünfzig Centimeter bis ein Meter sechzig verschnabuliert. Dass sie das Zeugs mögen, wissen wir schon lange. Nur bisher haben sie unsere Bäume zwischen den einzelnen Uebernachtungsplätzen mehr oder weniger verschont. Der letzte strenge Winter machte es ihnen nicht einfach und so mussten sie offenbar auf die alten Zedern zurückgreifen, um zu überleben. Dass die unteren fünfzig Centimeter noch dran sind, liegt wohl daran, dass dieser Teil vom Schnee verdeckt war. Nun sehen unsere Plätze so aus:



Die Privatsphäre ist etwas im Eimer. Nachwachsen wird das Grün vermutlich nicht, aber wir können es ja mal drauf ankommen lassen. Im Moment haben wir sowieso keine Zeit, um an diesen Bäumen herum zu schnippseln. Kommt Zeit, kommt Rat...

PS. Die Fotos sehen farblich etwas trostlos aus. Sie widerspiegeln jedoch durchaus unsere momentane Wetterlage: kühles-grau-in-grau. Was blöder ist: Ich habe immer noch keine anständige Kamera und fotografiere schon ein ganzes Weilchen nur mit dem Smartphone.



23 April 2015

Aufräumen

In jeder Regenpause machen wir aus dem:


das:


und zwar mit dem:

(endlich konnten wir das erste unserer Spiel- Werkzeuge aus dem Schopf holen)

um schliesslich das zu machen:


Die Zufahrtsstrasse in den Campingplatz erhält eine frische Schicht Schnitzel. Der letzte Regensommer hat die Einfahrt etwas gar strapaziert. Diese Methode hat uns übrigens in den letzten Jahren sehr geholfen, den Sand dort zu lassen, wo er hingehört: Nämlich auf die Strasse und ihn nicht bei jedem Regenfall in den Fluss zu schwemmen. Zudem werden wir auf elegante Weise die Aeste der gefällten Bäume los.

Dieses Bild zehn Minuten vor Arbeitsschluss will ich euch nicht vorenthalten. Natürlich macht der April seinem Namen alle Ehre:


und heute morgen erwartete uns das:


Es wird wohl nichts mit Bäume fällen heute.


22 April 2015

April, April, der weiss genau, was er will

Nach zwei Nächten mit Regen-wie-aus-Kübeln hat sich das Eis auf dem See verändert. Es sieht grau-weich-schwarz, kurz gesagt: schmelzend aus. Es wird vermutlich früher als im letzten Jahr zu dem werden, was es mal war: WASSER!



Die Besitzer der Trailer ganz vorne könnten momentan direkt von ihrem Platz in die Boote steigen. Der See ist nochmals angestiegen und die Spielwiese liegt nun ganz unter Wasser. Noch spielt alles im grünen Bereich, es darf einfach nicht zu lange dauern, sonst ertrinkt meine Linde...


normalerweise fliesst hier der nur etwa vier Meter breite Fluss

Letzte Nacht dann plötzlich: Stromausfall. Schon länger sind wir nicht mehr in den Genuss dieses Ereignisses gekommen... Wie auch immer, der Generator liess sich problemlos starten, die batteriebetriebenen Laternen standen schnell bereit und nach ein paar hektischen Minuten (und anschliessend einem gemütlich vor sich hinbrummenden Generator) konnten wir wieder lesen und fernsehen. Ich konnte dann sogar ziemlich gut schlafen, aber Marcel durfte musste eine Nachtschicht einlegen. Nach sechs Stunden war morgens um halb fünf der Spuk vorbei und die Normalität kehrte zurück.

In den nächsten zwei Tagen soll es weiter ab und zu regnen oder - oh Schreck - schneien. Ab Montag werden die Temperaturen tagsüber wieder in den zweistelligen Bereich klettern und schon ab Samstag könnten wir die Sonne wieder antreffen. Gute Aussichten. April! Nimm dich zusammen...


19 April 2015

Dünger frei Park

Dort, wo im Park kein Schnee oder Wasser mehr liegt, finden wir zur Zeit unzählige solcher Haufen:


Das bedeutet, dass uns eine grössere Anzahl Rehe (oder ganz korrekt "Hirsche") regelmässig besucht. Das erste Gras beginnt zu wachsen. Die Tiere haben noch vier Wochen ihre Ruhe und können sich nach diesem strengen Winter etwas erholen bei uns. Leider treffen wir sie nie im Park an. Sie sind sehr scheu und es ist schon Zufall, dass wir sie bemerken, bevor sie uns entdecken und Reissaus nehmen.

Max der Spaniel findet es super im Park. All die feinen Gerüche. Vorhin hat er mich deutlich zu einem Spaziergang aufgefordert. Er jagt den Hasen hinterher, die inzwischen nicht mehr weiss, aber auch noch nicht ganz braun sind. Es ist wirklich schwierig, sie im Gelände zu entdecken. Die Gänse haben momentan das Weite gesucht. Ein Glück für sie, denn der Jäger ist zum Abschuss bereit. Unter dem alten weissen Cottage ist die Groundhog-Familie erwacht und schaut neugierig aus den Löchern. Dort dürfen sie bleiben. Solange sie nicht das Pizzahaus untergraben, stören sie uns nicht gross. Es ist wirklich drollig, all die Tiere zu beobachten.

Zum Glück habe ich das Schwimmdeck befestigt. Der See ist noch weiter angestiegen und ohne das Seil wäre es davon geschwommen. Nun hängt es lustlos in den Büschen. Meine vor zwei Jahren gepflanzte Linde steht immer noch im Wasser. Hoffentlich überlebt sie diese Tortur. Es wäre schade um den Baum. 

Heute war ein Wundertag. Wir wurden verwöhnt mit Sonne und Temperaturen von PLUS 15 Grad. Die ersten Gartenarbeiten konnten in Angriff genommen werden. Ich muss mich beeilen mit den Aufräumarbeiten, denn die ersten Frühlingsblumen schiessen geradezu aus dem Boden:

Osterglocken


Hier lag gestern noch Schnee. Man muss gut schauen, um die drei cm hohen Blüemli zu entdecken:




17 April 2015

Land unter

Wie oft um diese Jahreszeit ist unser Strand unter Wasser. Das Schmelzwasser, das von allen Seiten in den See läuft, muss ja irgendwo hin. Und da der See noch praktisch überall mit Eis bedeckt ist, läuft das Wasser einfach über den Strand auf unsere Spielwiese. Das sieht dann so aus:


Das Schwimmdeck liegt über den Winter am Ufer. Damit es uns jetzt nicht davonschwimmt, musste ich es heute an die Leine nehmen (d.h. ich habe es mit einem Seil an den Uferbüschen festgebunden). Meine Stiefel waren gerade hoch genug, die Füsse blieben jedenfalls trocken. Solange wir kein Boot brauchen, um unsere Habseligkeiten zu sichern, ist alles im grünen Bereich...

Noch zwei sonnige Tage stehen uns bevor und dann soll es wieder kühler werden und regnen. Der Biber wird sich freuen. Er dreht schon fleissig seine Runden am Ufer, um zu schauen, wo er was anstellen kann. Ich werde mir Mühe geben und ihn stören, wo ich nur kann. Nein, wir brauchen keine neuen Untermieter. Schon gar nicht solche, die den Bach stauen. Und das frisch angekommene Gänsepaar werde ich gleich auch vertreiben. Sonst enden wir wieder mit zwei Dutzend Gänsen, die den Rasen vollscheissen zupflastern.

Immerhin. 
Auch bei uns hält der Frühling langsam aber sicher Einzug. 
Endlich.



11 April 2015

Doofe Frage

Heute erhielten wir folgendes e-mail:

               Hey Folks,
               Any idea on the ice being out by May 10 ?
               Thanks ! 

Solche Mails machen mich immer sprachlos. Bin ich die Wetterfee oder eine Wahrsagerin oder verbandelt mit Petrus und Frau Holle? Ich würde ja selber gerne wissen, wann wir endlich wärmere Temperaturen erhalten, damit das Eis am 10. Mai dann auch sicher weggeschmolzen ist!

Allerdings: Hoffnung keimt auf. Wir sollen morgen Sonntag tagsüber Temperaturen von PLUS 10 Grad erhalten (und das nachdem es letzte Nacht wieder geschneit hat).

Im Moment sieht es erfreulicherweise so aus:


Vor einem Jahr haben wir am gleichen Wochenende den Grill zum ersten Mal angeworfen und das werden wir dieses Jahr genau gleich handhaben. Jawohl!


06 April 2015

Drei Meter

und eine Glasscheibe trennte uns heute von diesem hungrigen Reh. Es frass an den untersten Aesten der Zeder. In zwei, drei Wochen findet es hoffentlich frisches Gras auf unseren Wiesen. Vor allem im Frühling und Herbst nähern sich die Rehe der Lodge, denn bei uns sind sie ungestört und sicher vor Wölfen & Jägern. Allerdings sind sie sehr scheu und es ist ziemlich schwierig, ein Bild von ihnen zu machen.