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28 November 2019

Der Winter kann kommen







neue Wege - ohne Leine




Erinnerungen und Abschied








13 September 2015

Uffff....

Ich bin ziemlich geschafft. Aber gut geschafft... 

Zwei intensive Wochen(enden) liegen hinter uns. Am Labour Day Weekend, dem letzten langen Wochenende des Sommers, war ein grosser Teil unserer Familie hier vereint. Drei Generationen plus Hund. Meine Schwester, beide Nichten und der Neffe mit Familien (samt 6 Wochen altem Grossneffen und seinem zwei Jahre älteren Bruder) verbrachten Zeit miteinander hier im Camp. Wenn man bedenkt, dass alle innerhalb Ontario aus drei verschiedenen Richtungen jeweils über 400 km angereist sind... sowas geht nur in Canada. 


Das ist Jax, ein wunderschöner, sehr aktiver 18 Monate alter Deutscher Schäferhund. Geboren wurde er in Nordafrika und lebt jetzt für eine Zeitlang in Ottawa. (Wir werden ihn am nächsten Wochenende "hundesitten", damit wir nicht aus der Uebung kommen...)


Am Samstagabend gab es ein libanesisches Dinner, ein völlig neues Esserlebnis für uns. Natürlich durfte auch ein Pizzaessen nicht fehlen, der Ofen hatte Hochbetrieb. Viel zu selten sind wir mit der Familie beisammen; dafür geniessen wir es umso mehr, wenn es klappt.

Dieses Wochenende nun hatten wir nochmals Hochbetrieb. Wir feierten mit einer Bluegrass-Band - zwei Tage lang. Das Wetter spielte zum Glück auch mit, obwohl es am Abend draussen ziemlich kühl wurde. Aber wozu hat man denn einen Pizzaofen? Die Gäste reisten mit Campern und Trailern an und das kleine Cottage sowie das Gästehaus waren auch besetzt. 


Marcel war in seinem Element und bekochte seine Gäste. Das ganze Restaurant haben wir umgeräumt, damit für Gäste, Band und Buffet der ideale Platz gefunden wurde. Nun haben wir ein paar kleine Nachwehen und tolle Erinnerungen...  

Gerade vorhin ist dieses Vehikel vorbeigefahren:


Es ist der ehemalige Anbau von einem unserer saisonalen Trailer. Mit dem Ende der Sommer(schul)ferien und dem nahen Beginn der Jagdsaison kommt auch der Moment, wo sich die saisonalen Camper entschliessen müssen, ob sie im nächsten Sommer weiterhin hier campen oder andere Pläne verfolgen möchten. Gesundheitliche Gründe, berufliche Gründe, familiäre Gründe oder die Verwirklichung von Reiseplänen - immer wieder verlassen uns am Ende der Saison einige Camper. Die Nachfolger stehen schon in den Startlöchern und schauen sich die frei werdenden Plätze an. Es läuft weiterhin rund bei uns...



17 August 2015

Nur ganz kurz

Nur schnell ein paar Zeilen. Marcel hat heute Vormittag auf der Fahrt in die Stadt ziemlich nahe beim Camp ein Wolfsrudel auseinanderstieben sehen. Es müssen Jungwölfe gewesen sein, die miteinander auf der Strasse spielten und Reissaus nahmen, als er mit dem Truck vorbeifuhr.

Wir wissen nun also mit Sicherheit, dass hier in der Nähe ein Wolfsrudel ihre Jungen aufzieht, mit allem was dazu gehört. Die Kleinen lernen das Spurenlesen, das Jagen, vor allem das Jagen in der Gruppe. Dass sie das so nah am Camp machen, freut uns. Allerdings müssen wir auf unseren Spaziergängen auf die Hunde gut aufpassen, vor allem auf die kleinen. Aber unsere Hunde durften sowieso nie leinenlos durch den Wald marschieren. Vor allem Rex klappte jeweils seine Ohren runter, wenn er etwas hörte und das Gefühl hatte, er müsse das besser untersuchen gehen. Wenn wir ihn nicht an der Leine gehabt hätten, wäre er gegangen. Das war der Husky in ihm. Max war sowieso nie von der Leine. Mit seiner Hörbehinderung wäre er verloren gewesen und war froh, wenn er durch die Leine an uns "gebunden" war.

Bald ist der Sommer vorbei und wir können uns nach einem neuen Familienhund umsehen. Ich studiere schon fleissig die Anzeigen vom Tierheim. Dort suchen sie immer wieder neue Zuhause für ihre Schützlinge. Es war schon ein paar Mal ein Hund dabei, der hätte passen können. Aber wir wollen noch etwas warten, um dann genug Zeit für ein neues Familienmitglied zu haben. Es braucht ja immer ein paar Wochen, bis man sich aneinander gewöhnt hat. Aber ungeduldig, ja - das bin ich schon.


22 Mai 2015

Comfort Food

Futter für die Seele... So nennt man hier die Hausmannskost, das Essen, das man daheim bei Mutter kennenlernte. Lange mussten wir darauf verzichten, bis uns vor ein paar Jahren ein Inserat in der Schweizer Revue aufgefallen ist. Und so fanden wir IHN. Er lässt die besten "Olma Brodwörscht", Stumpen (Cervelat), Fleischkäse und noch vieles mehr in Westcanada nach seinen Anordnungen seinem Rezept produzieren und importiert all die vielen Goodies aus der Schweiz. Soviel ich weiss ist er sogar der Generalimporteur für Kressi Essig. Mit uns spricht Ueli Ostschweizer Dialekt. Aber ich bin sicher, mit einem Berner spricht er waschechtes Bärndütsch.

Normalerweise gestalten wir den Einkauf bei ihm zu einem Tages- oder sogar Mehrtagesausflug, denn wir fahren bei unseren Kurzreisen in den Süden praktisch bei ihm vorbei.

Zum ersten Mal haben wir die Bestellung nicht selber in Toronto abgeholt. Der Zeitpunkt (resp. die Ankunft der neuen Fleischlieferung aus dem Westen) passte einfach nicht in unseren Terminkalender. Kurzerhand wurden die Wundersachen auf eine Palette verpackt und per Lastwagen über Nacht in unsere Stadt gekarrt. So musste ich nur noch zwei Mal 35 km fahren und wir hatten anschliessend beim Auspacken endlich wieder mal ein hundertprozentiges Heimatgefühl. So guet! Aber seht selber:


Hier weiss man wenigstens sicher, was drin ist. Der canadische Apfelsaft stammt meistens aus China-Konzentrat...


Die Flaschen im Hintergrund sind "baking flavour". Hochprozentig. Und ich verwende sie auch manchmal zum Backen. Ehrlich!


Es sind echte "Olma Brodwörscht", das habe ich hier festgestellt. Das andere ist Schinkenspeck (importiert aus dem Tirol), Appenzeller Moschtbröckli, doppelt geräuchter Speck, der beste Fleischkäse überhaupt usw.


Dank dem Sbrinz (und dem Glarner Ziger im Vorrat) kann ich nun endlich dieses Rezept ausprobieren.

Uebrigens haben wir nach der Rückkehr meiner Schwester aus der Schweiz vor zwei Wochen dies erhalten: 


Ich liebe Gala-Chäsli. Auch so ein comfort food! Und damit Marcel auch wieder einmal an sein vorheriges Leben erinnert wird:


So schwelgen wir also momentan im schweizerischen Schlaraffenland. 
Aber jetzt muss ich rennen, wir haben viel zu tun...

Nachtrag: Das möchte ich euch nicht vorenthalten (Link geklaut kopiert beim Zimi)


10 Mai 2015

Zum Muttertag


Den traditionellen Wiesenblumenstrauss gibt es hier um diese Jahreszeit noch nicht. Dafür das Bild einer meiner Hängepflanzen, die - benetzt von den immer noch fallenden Regentropfen - beim Eingang hängen. 


02 Mai 2015

15 Jahre Camp



Heute vor 15 Jahren haben wir das Camp übernommen. Es war ein aufregender Tag und es dauerte unendlich lange, bis wir am Abend endlich die Schlüssel in den Händen hielten und zum ersten Mal die Tür zu UNSERER Lodge öffneten. Zum ersten Mal in unserem Leben besassen wir ein eigenes Grundstück. Dass es gerade 17 ha werden sollten, hätten wir nie zu träumen gewagt.


Leider haben wir aus diesen ersten Wochen keine Fotos. Damals gab es ja noch die Kameras mit den heute so altmodischen Filmen. Und eigentlich hatten wir auch absolut keine Gedanken für solch banale Dinge... (schade).

Es war eine intensive Zeit. Der Container musste von der damaligen Farm meiner Schwesterfamilie zu uns verschoben werden, was eine grössere Sache wurde. Der Lastwagen versank nämlich beim Abladen des Containers im weichen Sand. Nach zwei Stunden Schaufeln und mit Brettern unterlegen beschloss der Fahrer, dass er nun kein Risiko für sein Fahrzeug mehr eingehen will und gab GAS. Da der Container mit der hinteren Seite schon auf dem Boden stand, rutschte schlussendlich die andere Seite mit einem lauten Knall vom Lastwagen. 

Welch ein Schreck! Ich sah schon all unser Geschirr in den Schachteln zu Scherben verbrösmelen. Tatsächlich blieb alles heil. Wenn ich mich recht erinnere, war von allen Dingen im Container nur ein Glaskrug zerbrochen. Da hatte sich das monatelange sorgfältige Packen in der Schweiz doch gelohnt.

(neben und unter dem Container lebt heute bekanntlich der Groundhog)

Der Container steht immer noch neben der Lodge und beherbergt die von Marcel restaurierten Stühle, Tische und Betten sowie einiges an Geschirr, wofür wir hier (noch) keinen Platz fanden. Wir haben schnell gemerkt, dass unsere Sachen (zum Teil Antiquitäten) nicht besonders camptauglich sind. Vor allem sind sie nicht geeignet für die Cottages. 

Einiges ist inzwischen bei Nichten und Neffen angekommen. Ein wunderschönes zwölfteiliges Langenthal Service einer meiner Tanten befindet sich momentan in Khartoum...


Ein anderes von einer anderen Tante in Nordwestontario...


Aber ich schweife ab. Jedenfalls haben wir in den vergangenen Jahren immer wieder mal Dinge aus dem Container geholt und andere dort untergestellt. Er ist so quasi meine Wundertüte. Wenn ich in einem ruhigen Moment wieder mal auf Entdeckungsreise gehe, ist es oft wie Weihnachten. In diesem Sommer wollen wir die Tische aus ihrem dunklen Verlies erlösen und das Pizzahaus damit einrichten. Einige der Stühle haben es ja bereits dahin geschafft.

Meine LeserInnen werden sich fragen, weshalb nur um Himmels Willen haben die all die Sachen mitgeschleickt? Das fragen wir uns manchmal auch, aber wir haben damals beschlossen, dass wir die alten (viele von Marcel restaurierten) Sachen nicht einfach verscherbeln wollten. Sie warten nur darauf, um zu neuem Leben erweckt zu werden - wie z.B. hier, der Tisch und die Stühle bei meiner Schwester stammen vermutlich von unserem Grossvater: 


(leider nagt der Zahn der Zeit an den Erinnerungen. Manchmal wissen wir einfach nicht mehr, von wem wir die Sachen haben. Wir haben vor unserer Auswanderung bei vielen Haushaltauflösungen in der Familie und bei Bekannten Dinge vor dem Wegschmeissen oder Verscherbeln gerettet.)

Wir haben uns nun vorgenommen, endlich mit alten und verbrauchten Gegenständen hier im Camp abzufahren; z.B. die Stühle, die sich beim Kauf im Restaurant befanden, müssen endlich aussortiert und entsorgt werden. Sie sind bestimmt schon 40 oder mehr Jahre alt und wir haben uns sagen lassen, dass sie aus einer alten Offiziersmesse hier in der Stadt stammen. 20 Jahre hier im Camp sind genug! Sie lassen sich nicht mehr richtig reinigen. Es wird Zeit für die vom Entsorgen "geretteten" Dietiker Stühle aus Schaffhausen!


28 April 2015

Der Schemel


Dieser Schemel ist ein Familienerbstück und schon einige Jahrzehnte alt. Er ist gezeichnet von häufigem Gebrauch. Wann genau er hergestellt wurde, lässt sich nicht mehr feststellen, denn keiner der ersten Besitzer lebt mehr. Sicher ist, dass um 1930 mein Vater im zarten Kindergartenalter seine ersten Nagelversuche daran gemacht hat. Sein grosser Bruder hatte ihm das Schemeli hingestellt, als er unbedingt beim Werken mithelfen wollte.

Und genau daran erinnere ich mich von mir selbst. Vermutlich haben alle meine Geschwister diese Erinnerung. Sobald unser Vater seine Werkzeuge hervornahm (er war gelernter Möbelschreiner) und wir ihm helfen wollten, bekamen wir Nägel, einen Hammer und den Schemel und durften uns austoben.

Irgendwann waren wir alle zu erwachsen für solche Spielereien und der Schemel dümpelte irgendwo im elterlichen Haushalt herum. Später habe ich ihn "gerettet" und aus sentimentalen Gründen meinem eigenen kleinen Haushalt einverleibt. Die Nägel habe ich alle herausgezogen (das mussten wir aus Nagel-Platzgründen zwischendurch sowieso immer mal machen). Der Schemel wurde mit Leinöl behandelt, damit er nicht auseinanderfällt. 

Seither ist er immer wieder in Gebrauch. Er diente als Kerzenständer (deshalb die Brandflecken) und lange stand ein Blumentopf darauf (man sieht die Spuren des Uebertopfes). Heute benutze ich ihn meistens als Fussstuhl beim Fernsehen oder auch mal als Gymnastikhilfe (wir haben ja keine Treppen im Haus). In den letzten Tagen jedoch leistete er uns gute Dienste beim Streichen der Küchenwände. Alle unsere Wände sind nämlich ungewohnt hoch, ganze 10 Fuss (oder drei Meter) und zum Streichen mit den normalen Werkzeugen grad eine Schemelhöhe zu hoch. Ergo: Mit Hilfe des Schemels lösten wir auch dieses Problem ganz einfach.



09 Januar 2015

Beim Aufräumen

bin ich über ein altes Buch gestolpert mit dem Titel "Der neue Gartenbau". Das ist eigentlich nichts Aussergewöhnliches, bis man es genauer unter die Lupe nimmt. In alter Schrift erfährt die Leserin, dass ein H.M. Stringfellow aus Calveston, Texas, das Buch geschrieben hat. Die "Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen" wurde von Friedrich Wannieck, Besitzer der Victoria-Baumschule in Schöllschitz (Mähren), vorgenommen. Gedruckt wurde das Buch in Frankfurt a.O. von "Druck und Verlag der Königl. Hofbuchdruckerei Trowitzsch & Sohn" im Jahre 1901.


Und das ist doch sehr beeindruckend. Was hat dieses Buch wohl schon alles erlebt? Es muss 2010 zu mir gekommen sein, als meine Schwester ihren Haushalt aussortierte und viele Dinge weggegeben hat. Meine Schwester wiederum dürfte das Buch von unserem Grossvater (geb. 1897) erhalten haben. Er hat nämlich um die Jahre 1979-1984 einen Teil seiner Besitztümer verteilt, u.a. eben dieses Buch. (Ich selber bin durch ihn damals in den Besitz von alten Canadaprospekten gekommen. Habe ich nicht schon mal erwähnt, dass ich das "Bhalti"-Gen von meinem Grossvater irgendwie geerbt habe?) Wie auch immer, als meine Schwester das Buch entsorgen wollte/musste, habe ich es "gerettet", obwohl ich wirklich nicht weiss, was ich damit anstellen soll. Das Buch ist ja nicht die Hauptsache. Das Beste daran ist das Buchzeichen und das will ich näher vorstellen: Es ist ein von meinem Grossvater hand-abgeschriebenes Gedicht und es zeigt mir wieder einmal, wieviel Humor mein Grossvater doch hatte:

So ein Glückspilz, denkt einmal,
sass er da im Weinlokal.
Ass ein Dutzend Austern auf,
die er nicht genau beguckte
und so eine Perle schluckte.
Nun - verschlägt's Euch nicht den Schnauf?

Als dem Glückspilz das passiert,
hat man ihn gleich operiert
und er starb natürlich dran.
Wurde in den Sarg gebettet...
Doch die Perle war gerettet
und man sah ihm gar nichts an.

So ein Glückspilz - staunet nur!
Wie man den zum Friedhof fuhr,
das war einfach kolossal ---
Was die Perle wert gewesen, 
deckte alle diese Spesen,
nebst der Rechnung vom Spital.

16. XI. 74  Zof. Alg. "Ein kleines stilles Leuchten"

Dieses Blatt ist so typisch für meinen Grossvater und ich sehe ihn wieder vor mir, wie er Hof hielt, die ganze Familie organisierte (und manipulierte). Er war ein Patriarch, Erfinder, selbständig, interessiert, interessant, seiner Familie eng verbunden, manchmal tyrannisch und bis ins hohe Alter wach und neugierig. Einmal nahm er eine digitale Uhr auseinander, weil er wissen wollte, wie sie funktionierte. Und als ich im Sekretariat einer Klubschule arbeitete, organisierte ich ihm eine Japanischlehrerin, weil er unbedingt wissen wollte, was die japanischen Schriftzeichen auf dem ihm geschenkten Kalender eines seiner Freunde aus Japan bedeuteten. Damals war er 90 Jahre alt. Er lebte bis ein Jahr vor seinem Tod (1993) allein in seinem alten Haus, umgeben von einem wilden Garten, mitten in Neuhausen. Er bleibt unvergesslich und deshalb werde ich das Buch samt Lesezeichen weiterhin behalten.

13 September 2014

Unsere neuste Errungenschaft

Darauf haben wir nun lange gewartet. Seit dem 11. Juni, um genau zu sein. Der Holzschopf steht schon lange bereit und endlich, am 31. August, ist die neue Holzbearbeitungsmaschine bei uns angekommen. Höchst persönlich vom Hersteller hierher ins Camp gebracht. Wir haben ihn nämlich überredet, die Maschine am Labour Day Weekend an der Fall Fair in Powassan auszustellen und vorzuführen, um sie nachher zu uns zu bringen. So sparten wir uns die Lieferungskosten, die für dieses grosse Stück nicht ganz billig gewesen wären. Schön clever von uns... Na ja, es war eine win-win Situation.

Und hier ist sie, unsere automatische Holzaufheb-, Schneid-, Spalt- und Förderanlage, die es uns so viel einfacher macht, das Holz für den Winter bereitzustellen:


Die Maschine im Einsatz:


Sie erleichtert uns die Arbeit wirklich ungemein. Marcel schneidet die angelieferten Holzstämme in drei Meter lange Stücke und bringt sie mit dem Traktor vor die Maschine. Dort werden die Logs mit dem Log Lifter aufs Förderband gebracht. Nun betätigt man einen Hebel und der ganze Stamm wird bis zum Anschlag vorgeschoben. Die Länge kann man je nach Bedarf einstellen. Dann kommt die montierte Kettensäge zum Einsatz. Sie schneidet wie durch Butter und der Holzklotz fällt in die Spaltwanne. Ein anderer Hebel wird gedrückt und der Rugel wird in 2-4 Stücke gespalten, ganz nach Wunsch und Dicke des Stamms. Anschliessend - und da komme ich zum Zug - fallen die Holzstücke mehr oder weniger automatisch auf das Förderband, das die ganze Pracht in den Holzschopf befördert und dort auf einen Haufen fallen lässt. Meine Aufgabe ist nun, die kleineren Scheite für den Pizzaofen vor dem Förderband in die Schubkarre auszusortieren und die abfallende Rinde und anderes Abfallholz in einen alten Feuerholzsack zu packen. So haben wir bereits das Anzündholz für die Holzheizung und auch das Holz für unseren Pizzaofen bereit. Nachher müssen nur noch die Scheite schön aufgeschichtet werden. Das sah nach fünf Tagen Arbeit so aus:


Inzwischen haben wir das Förderband bereits zum vorderen Fenster verschoben, denn die hintere Hälfte des Holzschopfs ist praktisch voll. Es macht richtig Freude, am Abend das geleistete Pensum zu betrachten. Wir haben viel weniger Rückenschmerzen, denn die Arbeit ist leichter und mit viel weniger Bücken und Heben verbunden. Es war absolut die richtige Entscheidung, diese Maschine anzuschaffen. In knapp zwei Wochen haben wir geschafft, wofür wir sonst mit mehr Leuten zwei Monate brauchten.


Die Holzbeige links ist inzwischen zu einem kläglichen Rest geschrumpft, dem wir am Sonntag den Garaus machen. Und dann müssen wir auf die neue Lieferung von Logs warten. Die Logger sind wetterbedingt im Rückstand, aber wenn alles klappt, sollten wir in der kommenden Woche Nachschub erhalten. Und dann gibt es im Camp noch den einen oder anderen Baum, den wir fällen müssen. Aber diese Arbeit können wir erst nach Abschluss der Campingsaison Mitte Oktober machen. Wir haben also ganz viel Zeit für andere Dinge.


Zum Beispiel Geburtstagsfeiern am 11. September mit ein paar Gästen im Pizzahaus. Und dann hat Marcel noch ein paar Projekte in Powassan zu erledigen. Besuch aus der Schweiz ist auch angesagt. Im Moment ist Mami noch bei meiner grossen Schwester im Nordwesten von Ontario (1700 km von hier). An der Hochzeit haben wir uns alle endlich wieder einmal gesehen und Mami hat die Gelegenheit genutzt, mit der Drydenfamilie zurückzufahren, um ein paar Wochen die dortigen Familienmitglieder (drei Generationen) zu geniessen.

Uebrigens ist endlich das Gästehaus renoviert und bereits wieder eingeweiht. Es ist ein gemütliches Einzimmerhäuschen mit Bad. Ideal für zwei Personen.

Und sonst? Wir haben heute die Heizung gestartet. Es ist ungemütlich kalt geworden seit vorgestern. Geregnet hat es heute auch. War vielleicht ganz gut so, wir brauchten dringend einen Erholungstag. Inzwischen haben sich die Wolken verzogen und für Morgen ist Sonne angesagt. Und wie gesagt, unser Endspurt mit der alten Holzbeige...

Hochzeit

Ende August war sie endlich da, die Woche mit der Hochzeit. Mein Gottemeitli heiratete! Und obwohl sie in Nordafrika lebt und arbeitet, haben sie und ihr zukünftiger Mann beschlossen, den grossen Tag hier in Nordontario zu feiern. Ein Glück für mich, denn wir konnten endlich wieder einmal bei einem Familienanlass mitfeiern.

Die Hochzeit sollte in einem Camp am Rande des Algonquin Parks stattfinden (ca. 90 km südlich von uns). Kurzerhand wurde das ganze Camp mit 68 Schlafplätzen für das Wochenende gemietet, ein Festzelt aufgestellt, ein Buffet mit feinem Essen bestellt und ein Spanferkel organisiert. Das tönt ziemlich einfach. War es aber nicht. Meine Nichte und ihr Zukünftiger leben nämlich ein paartausend Kilometer östlich von Ontario. Sie arbeitet bei der canadischen Botschaft. Durchorganisiert wie sie ist, hat sie alles via Internet und Telefon von dort aus geplant und recherchiert. Natürlich ging es nicht ohne Hilfe hier vor Ort. Und wer durfte/wollte/musste diese Aufgabe übernehmen? Richtig - es ist ihre Mutter, meine jüngere Schwester. Wochenlang hat sie Aufträge ausgeführt, recherchiert, begutachtet, bestellt und dann gebacken, gekocht, gebastelt. A & M kamen 10 Tage vor der Hochzeit in Canada an und mussten sich beeilen, um die Hochzeitskleider anzupassen und bei all den vielen Vorbereitungsarbeiten und -entscheidungen zu helfen. Natürlich wurde auch von Freunden die eine oder andere Party organisiert, was immer mit langen Autofahrten (und langen Nächten) verbunden war.

Marcel und ich haben bis auf ein paar kleine Ueberraschungen nicht viel zu tun gehabt,... 


In diesem Leiterwagen, der aus der Familie von A.s Vater stammt, wurden die Eheringe von A.s Bruder und Neffen (meinem Grossneffen) vorgefahren. 
Marcel hat den Leiterwagen repariert und hochzeitstauglich gemacht.

... aber wir durften die Bräutigamfamilie für zwei Nächte beherbergen. Sie kommen aus dem Libanon und für sie war Canada eine ganz neue Welt. Wir hatten viel Spass und zudem sehr viel über Land und Leute gelernt. Nie hätte ich gedacht, dass im Libanon praktisch alle Leute französich sprechen, zudem auch englisch und natürlich arabisch. Wir lernten neue Gerichte kennen und andere Gewohnheiten.


Familiengemingel bei einem gemeinsamen Pizzaabend

Dann endlich der grosse Tag. Ein Teil der Gäste ist bereits am Freitag angereist. Das Wetter war etwas durchzogen und der Wetterbericht für den Samstag nicht vielversprechend. Und dann war es pures Glück. Die Zeremonie draussen am See hat bei trockenem Himmel stattgefunden und erst bei den Fotoaufnahmen nachher hat es zu regnen begonnen. Das Essen und die Party haben im Zelt stattgefunden und da machte der Regen nicht viel aus. Die Temperaturen waren nämlich durchaus passabel. 24 Grad und mehr, da macht einem so ein bisschen Regen nichts aus. Und hier ein paar Bilder, wild durcheinander:











Das Hochzeitsfest war vor allem so spannend, weil Gäste aus fast allen Kontinenten anreisten. Wir markierten dies auf einer Landkarte mit "Güfeli", für mich eine sehr spannende Angelegenheit:


Und weil man es vielleicht nicht richtig sehen kann, zähle ich die Länder hier mal auf (ohne Garantie auf Vollständigkeit):

Schweiz (natürlich), Canada (natürlich)... und dann: Sudan, Libanon, Brasilien, Congo, Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, Iran, Marokko, Pakistan und Türkei. 

Die multikulturelle Gesellschaft äusserte sich vor allem auch in der Musik, die gespielt wurde. Nebst vielen bekannten aktuellen englischen Songs ertönte auch der Zillertaler Hochzeitsmarsch (ein Wunsch vom Schweizer Grossvater), Louis Armstrong (auf Wunsch der Schweizer Grossmutter) und viel arabische Musik, vermutlich aktuelle Schlager. Dieses Musikgemisch war es, was die ganze Nacht lang im canadischen Busch zu hören war - eine sehr spezielle Angelegenheit!