30 Juni 2016

Geburtstag

Canada feiert am 1. Juli seinen 149. Geburtstag und wir haben somit ein langes Wochenende vor uns.



Da am Freitag alle Läden geschlossen sind, erlebte ich heute beim Einkaufen Warteschlangen, überfüllte Strassen und ganz viele Leute, die auf ihrem Weg ins Wochenende oder gar in die Ferien sind. Jedes dritte Auto hatte einen Trailer, einen Wohnwagen, ein Boot oder sonstige Freizeitunterhaltungen mit sich geführt. Es brummt in der Stadt, die Schulferien haben auch gerade begonnen. 

Die nächsten 10 Wochen sind also offizielle Sommerferien und alle Sehenswürdigkeiten sind geöffnet. Da unsere Stadt an einem grossen See liegt (was denn sonst) und über kilometerlange Sandstrände verfügt, fühlt es sich hier manchmal an wie an einem der bekannten Touristenorte in Europa. Der einzige Unterschied ist vielleicht, dass es ausserhalb der Stadt sehr viel Platz und Einsamkeit hat, wenn man das wünscht. Sozusagen Figgi und Mühli...

Bild von www.flyporter.com


28 Juni 2016

Seerundfahrt

Unser Motörli ist repariert, das Wetter könnte auch nicht besser sein und so haben wir gestern früh wieder einmal einen Versuch gestartet, den See zu umrunden. Und diesmal hat uns der 39 Jahre alte 2,5 HP-Motor nicht im Stich gelassen. Beim letzten Mal hatte er ja nach ein paar hundert Metern abgestellt (die Kühlung funktionierte nicht, weil der Impeller defekt war) und wir mussten heimrudern.

Einmal den See umrunden dauert bei sehr langsamem Dahintuckern etwa ein-einhalb Stunden. Schneller will man auch nicht fahren, denn es gibt viel zu entdecken und der Motorenlärm hält sich so in Grenzen.

Wenn wir vom Haus Richtung Osten starten, fahren wir an unseren fünf Nachbarn vorbei und dann ist erstmal Schluss mit Häusern. Wunderschön. In der folgenden Bucht haben wir zwei Loon gesehen, einen Fischreiher und vermutlich einen Kranich. Die Loon waren zu weit weg und ich hatte nur das Smartphone mit dabei.

wenn man genau schaut, sieht man sie doch :-)


Der Fischreiher steht im Schilf am linken Bildrand:


Dann flog er davon und setzte sich auf den dürren Baum in der Bildmitte. Nein, er sitzt nicht ganz oben auf der Spitze, das ist der Kranich, er sitzt genau in der Bildmitte, auf dem gleichen Baum mit blauem Himmel im Hintergrund...


Wir verliessen die Bucht und fuhren südwärts, an drei grossen Häusern vorbei. Eines soll einen Helikopter-Landeplatz haben. Südwestlich folgte die nächste Bucht, mit einem einzigen alten kleinen Cottage, das vermutlich nur per Boot zu erreichen ist. Hier ist es sehr felsig. Wir wunderten uns, wie wohl diese grossen runden Steine auf das Ufer zu sitzen kamen. Vermutlich durch das Eis im Winter hochgedrückt? Diese Bucht ist praktisch alles Crownland, d.h. das Land dahinter gehört uns allen.



Familie Biber hat sich ein grosses Haus links vom Felsen gebaut:


Nun verlassen wir die Bucht und blicken Richtung Westen. Ein Felshügel prägt das Bild. Ob es da einen Weg hinauf gibt? Das muss ich noch herausfinden.


Noch ein Blick auf den Berg. Irgendwo am rechten Bildrand wohnen wir:


Unser Haus liegt etwas links vom weissen Punkt (ein Boot). Links um die Ecke liegt der grössere Teil des Sees, rechts um die Ecke die einsame Bucht:


Dann war leider der Akku vom Telefon leer... Wir sind weiter Richtung Südwesten getuckert und haben uns die weiteren drei Seitenbuchten mit den vielen Häusern und Cottages angeschaut. Es gibt alles, was man sich wünschen kann. Einen Nachteil haben sie alle: Sie haben private Zufahrtsstrassen, die selber unterhalten werden müssen. Das ist vor allem im Winter nicht immer einfach. Unsere Lage hingegen ist geradezu ideal. Wir wohnen am Ende der einzigen Strasse, die von der Gemeinde unterhalten wird. Aber das war ja mit ein Grund, weshalb wir dieses Haus wählten.

Auf dem Rückweg begutachteten wir noch den ultimativen "Fishing Spot", damit Marcel bald beginnen kann, unser zukünftiges Essen zu fangen... Liegt gar nicht weit von uns weg.

Erdbeerli mit Chrönli

Das muss ich noch schnell zeigen. Heute ging ich nämlich nochmals Erdbeeren pflücken. Die Reihe, die mir zugewiesen wurde, brachte Riesenprachtsexemplare von Erdbeeren hervor, sogar mit Zugabe. Als Vergleich dazu ein normal grosses und perfekt geformtes Erdbeerli, wie man sie in den Verkaufsläden findet:



26 Juni 2016

Kinderstuben

In den letzten Tagen und Wochen werden wir rund ums Haus aufs Beste unterhalten. Da fliegt und piept es ununterbrochen. Bisher waren die Aktivitäten vor allem auf die Nester beschränkt, aber seit die Spechtfamilie ausgeflogen ist, werden vor unserem Esszimmerfenster die tollsten Unterhaltungen geboten:
der kleine Jüngling


Mama Specht klammert sich am Vogelfütterer fest und hämmert insbrünstig darauflos, um an die leckeren Kerne zu kommen. Klein-Specht inzwischen übt sich im Holzpfosten traktieren und am sich Festhalten.


Immer wieder hat Mama Specht Erbarmen und bringt dem Kleinen schnell einen Bissen zu fressen:


Der aber ist unschlüssig, wie er es anstellen soll, den Kern zu fressen und gleichzeitig am Pfosten hängen zu bleiben. So drollig, ihm zuzuschauen:




Inzwischen am anderen Ende des Hauses

Die Amselfamilie hat sich in den letzten drei Wochen auch recht gemacht. Frau Amsel musste erst mal ausgiebig auf dem Nest sitzen:


Dabei hat sie uns immer aufmerksam beobachtet:



Hier scheint sich endlich was zu tun:


Tatsächlich zeigen sich drei kleine Schnabelspitzli:


Mama Amsel beobachtet uns immer noch sehr genau, scheint jedoch etwas mehr Vertrauen zu haben:


Die Geduld hat sich gelohnt. Frau Amsel hat mich zwar gesehen und zögerte ganz kurz, 


aber dann drehte sie sich kurzerhand um und fütterte ihre Jungmannschaft:


Ein paar Tage später sieht man die Kleinen nun schon über den Nestrand gucken:



Zwei Tage später sind sie schon wieder ein Stück gewachsen. Lange werden sie nicht mehr in diesen engen Verhältnissen bleiben wollen. Vorhin schaute ich nach und tatsächlich hüpfte einer der Jungvögel auf dem Nestrand herum.


Da bin ich aber gespannt, wie diese Familiengeschichte weitergeht...

Nachtrag:

Tatsächlich müssen sie heute Morgen ausgeflogen sein. Jedenfalls sitzen keine Vögeli mehr im Nest. Ich habe eigentlich erwartet, dass sie sich weiterhin in der Nähe aufhalten, aber bisher habe ich keine Feder von ihnen gesehen...



24 Juni 2016

Erdbeerzeit

Ungeduldig haben wir darauf gewartet. Und gestern riefen die Nachbarn beim Vorbeifahren: "Es ist offen, die Erdbeeren sind bereit!" Sehr gut. Ich war gerade im Garten am Wässern und Marcel hat unsere Maschinen anders geparkt, damit wir es einfacher haben mit Parkieren. Das musste man mir nicht zwei Mal sagen. Einen Anruf bei meiner Schwester und auch sie fand, es sei ein guter Moment dafür.

Wir fuhren also die ca. 15 km in unser kleines Dorf (wir gehören ja nicht zu dem Dorf, das auf unserer Postadresse steht, sondern zur Nachbargemeinde, die im Dorfzentrum ausser einem Postbüro (nein, eben nicht unseres), einem Museum und dem Friedhof sonst gar nichts hat), bogen dort in eine Naturstrasse, folgten dieser ein Stück und waren da:


beim Eingang zu den Erdbeerfeldern



mit diesem lustigen Gefährt, einem aufgeschnittenen und auf der Ladefläche mit Sitzbänken versehenen Schulbus


wurden wir raus auf die Felder gefahren. Jeder Pflückerin wurde eine Reihe zugewiesen. Beim Fähnli durfte man beginnen und wenn man fertig war, steckte man das Fähnli einfach ans Ende der abgeernteten Büsche. Dann war es bereit für den nächsten Kunden. Eine ganz clevere und einfache Sache.


Wunderschöne und leckere Erdbeeren. Die eine oder andere landete nicht im Korb, denn man durfte sie schon auf dem Feld probieren. Das fand ich richtig toll und probierte ausgiebig.


Nach etwa einer halben Stunde hatten wir beide je zwei Körbli gepflückt. Am Ende wurde gewogen, bezahlt und wir machten uns wieder auf den Heimweg.



Unseren Fingern sah man an, was wir gemacht haben...


Das Wetter war wirklich wieder toll und weil meine Schwester ihr Kajak dabei hatte, machten wir noch eine kleine Runde auf dem See, sie mit dem Kajak und ich mit unserem Kanu.


Natürlich war sie viel schneller und ich muss schon noch ein wenig üben alleine mit dem Kanu, aber es war sehr entspannend und ich entdeckte eine neue Bucht, die mir sehr gut gefällt.


Und hier sind wir schon wieder auf dem Rückweg. Zwischen diesem tollen Platz unserer über-über-übernächsten Nachbarn und dem Haus ganz am linken Bildrand liegt unser Haus, schön versteckt in den Bäumen...



Uebrigens muss ich am Montag wieder dringend auf die Erdbeerfelder, denn die gestrige Ernte ist bereits verschnabuliert, verbacken, verkocht...


22 Juni 2016

Fire Ban in Effect

Das bedeutet, dass wir keine Camp-Feuer mehr machen dürfen. Auch nicht in unserem eigenen Garten. Auch nicht, wenn man direkt am See wohnt. Das letzte Feuer (und unser zweites hier im neuen Zuhause) haben wir von ein paar Tagen gemacht:


In den letzten Wochen ist bei uns so wenig Regen gefallen, dass alles ausgetrocknet ist, stellenweise ist es knatterdürr. Bei diesen Riesen-Wäldern und Buschregionen kann schon ein ganz kleines Feuer eine Riesenkatastrophe bedeuten. Man erinnere sich an die Feuer in Westcanada vor ein paar Wochen. Es ist beinahe unvorstellbar, dass eine halbe Stadt einfach so niederbrennen kann. Und doch passiert es immer wieder. Nicht immer ist es menschen-verursacht. Der Blitz startet oft ein Buschfeuer. Oder eine Glasscherbe, die in trockenem hohen Gras liegt.

Zum Glück blieb unsere Region um North Bay von einem wirklich riesigen Feuer bisher verschont. Vom Camp wissen wir, dass 1905 ein grosses Feuer gewütet haben muss, dem alle Gebäude zum Opfer fielen. Somit fällt das Baujahr des alten Log Cottages in diese Zeit nach dem Feuer.

Und im Garten?

Hier am neuen See gedeiht es im Garten immer noch prächtig. Wir haben keinen Sandboden, sondern eher Lehmerde, was die Feuchtigkeit zusammenhält. Und weil unser Garten seit Jahren gewohnt ist nach sich selber zu schauen, haben sich vor allem einheimische Pflanzen breitgemacht, die sich an dieses Klima und auch gelegentliche Trockenperioden gewohnt sind. Wässern muss ich nur meine paar gejäteten Blumenbeete...

Die erst kürzlich gepflanzten Gladiolen wachsen jeden Tag ein Riesenstück:


...und das sind noch nicht besonders viele. Uebrigens habe ich darin schon einige mehrjährige Pflanzen entdeckt, die zwar etwas mickrig sind, weil sie von Unkraut und Gräsern total überwuchert waren, aber sich jetzt langsam erholen. Und diesen Ueberlebenskünstlern helfe ich gerne mit etwas Wasser nach.

Fingerhut ?


Blue false Indigo


Indigolupine auf Deutsch


irgendeine Nelkenart:


 vermutlich eine Akelei ?


die bekannten Wildblumen:
Margerite


Devil's Paintbrush 
(übersetzt: des Teufels Farbpinsel - keine Ahnung, wie die Blume auf Deutsch heisst)


Wildrose
Die Wildrosen habe ich noch nicht geschnitten, obwohl sie es dringend nötig hätten. Zuerst will ich die Blüte abwarten, um zu sehen, welchen Farbe(n) sie haben.



Meinen ausgehöhlten und zum Blumentrog umfunktionierten Baumstamm vom Camp haben wir mitgebracht. Zu meiner Freude haben sich einige Sachen darin vom letzten Jahr versamt oder haben ganz einfach dort überwintert:

Nüsslisalat
Er reicht allerdings nur zu einer Dekoration, so wenig ist es.


orange-gelbe Stiefmütterchen


Schnittlauch, der gedeiht ja überall, wenn man ihn (versamen) lässt...


Natürlich habe ich doch noch ein paar Blumen zugekauft. Petunien mochte ich früher nicht besonders, habe mit der Zeit jedoch deren Vorteile erkannt. Wenn man sie versamen lässt, blüht es bald überall in allen Farben und Variationen, wenn man sie nicht aus Versehen als Unkraut ausreisst:






Da ich nun den Luxus von Sonnen- und Schattenplätzen für die Pflanzen habe, gönnte ich uns zwei Fuchsien:



Und zu guter Letzt durfte ich in der weiteren Nachbarschaft Taglilien und Narzissenknollen ausgraben, die bei uns bald eingepflanzt werden: