Heute, vor unserem Tor
Nein, es sind keine Campinggäste, die auf Einlass warten. Es sind die Eisfischerhütten, die vom See geholt wurden und nun auf den Abtransport warten.
Obwohl die Tau-Phase letzten Mittwoch abrupt gestoppt wurde und wir seither wieder 20 cm Neuschnee erhalten haben, ist es ratsam, den See nicht mehr zu befahren. Das Eis wäre zwar noch dick genug, aber der Pflotsch (schweizerisch für Schneematsch) darauf erschwert ein Vorwärtskommen ungemein. Die Eishütten, die ja oft mit allen Schikanen und - wie man auf dem Bild sieht - sogar mit einem Holzofen ausgerüstet sind, haben ein erhebliches Gewicht. Auf unserem See werden sie mit Schneemobilen oder mit ATVs (Quads) zur richtigen Stelle gezogen.
Wenn eine Tau-Phase wie anfangs der letzten Woche einsetzt, verwandelt sich der Schnee auf dem Eis in dicken Pflotsch. Das Gewicht wird immer grösser und drückt aufs Wasser, wodurch durch jedes Loch und jeden Spalt mehr Wasser aufs Eis fliesst und es irgendwann unmöglich wird, die Eishütten zu bewegen.
Heute endet zudem die Eisfischersaison und deshalb nutzen die Fischer den Tag zum Abräumen. Eigentlich hätten sie damit Zeit bis Ende März. Aber ob es bis dahin noch möglich wäre? Niemand will dieses Risiko eingehen. Jede Eishütte braucht von Gesetzes wegen eine Registrationsnummer. Damit können Besitzer ausfindig gemacht werden, die versuchen ihre Hütten elegant zu entsorgen. Für "abgesoffene" Eishütten gibts hohe Bussen.
Das "durften" wir in unserem ersten Winter auf die harte Tour erfahren. Zum Camp gehörte damals eine bereits registrierte Eishütte. Wir wussten nicht so richtig, was mit ihr anfangen. Als uns ein paar (gefitzte) lokale Gäste fragten, ob sie die Hütte aufs Eis ziehen dürfen, um darin zu fischen, sahen wir keine Probleme. Nun muss während des ganzen Winters darauf geachtet werden, dass die Hütten auf dem Eis nicht anfrieren. Nach jedem Schneefall und jeder Tau-Phase müssen die Kufen gelöst und neu unterbaut werden. Keine grosse Sache, wenn man das weiss. - Wir wussten nichts davon. Unsere Bedingung an die "Gäste" war nämlich, dass sie sich um alles Notwendige selber kümmern. Soweit so gut. Die "Gäste" nutzten die Hütte (gratis und franko) und hatten ihren Spass darin.
Und dann kam das Eisfischer-Saisonende. Die Tage wurden wärmer und die Tau-Phase setzte ein. Irgendwann fragte uns ein Bekannter, ob das eigentlich unsere Hütte sei, die da draussen auf dem Eis stehe. Er sah etwas skeptisch und besorgt aus. Wir wunderten uns schon eine Weile, warum unsere "Gäste" keinen Gebrauch mehr davon machten. Nun bekamen wir von unserem Bekannten eine Schnell-Lektion im Eishütten-Betreiben. Wir mussten erfahren, dass wir von unseren "Gästen" aufs Glatteis geführt wurden. Den ganzen Winter über hatten sie sich nicht ums "Hütte-vom-Eis-lösen" gekümmert und sich schlussendlich aus dem Staub gemacht. Inzwischen war sie dick angefroren und WIR hatten keine Chance mehr, sie am Stück vom Eis zu holen. Falls wir sie auf dem Eis liessen, mussten WIR die dicke Busse bezahlen.
Marcel machte kurzen Prozess. An einem sonnigen Tag Ende März marschierten wir mit einem Schlitten, der Motorsäge und anderem Werkzeug bewaffnet zur Eishütte. Wir demontierten das Dach und alles, was nicht festgefroren war. Dann nahm Marcel die Motorsäge und schnitt die noch vorhandenen Wände bis zur angefrorenen Höhe ab. In unzähligen Trips brachten wir das ganze Material an Land. Wie bereits gesagt, es war ein schöner Tag. Die Sonne schien ungehindert auf den nun freiliegenden dunkelbraunen Holz-Fussboden. Durch die Hitze wurde das Eis darunter geschmolzen und wir schafften es mit Hilfe von Brecheisen, Pickeln und Schaufeln, den Hüttenboden und die Kufen aus dem Eis zu lösen. Das war das Ende der Camp-Eishütte. Wir wollten nie mehr etwas damit zu tun haben...
Februar 1998 - Eishütten auf Lake Nipissing
(damals waren wir noch als Touristen in Canada)

