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30 Juni 2016

Geburtstag

Canada feiert am 1. Juli seinen 149. Geburtstag und wir haben somit ein langes Wochenende vor uns.



Da am Freitag alle Läden geschlossen sind, erlebte ich heute beim Einkaufen Warteschlangen, überfüllte Strassen und ganz viele Leute, die auf ihrem Weg ins Wochenende oder gar in die Ferien sind. Jedes dritte Auto hatte einen Trailer, einen Wohnwagen, ein Boot oder sonstige Freizeitunterhaltungen mit sich geführt. Es brummt in der Stadt, die Schulferien haben auch gerade begonnen. 

Die nächsten 10 Wochen sind also offizielle Sommerferien und alle Sehenswürdigkeiten sind geöffnet. Da unsere Stadt an einem grossen See liegt (was denn sonst) und über kilometerlange Sandstrände verfügt, fühlt es sich hier manchmal an wie an einem der bekannten Touristenorte in Europa. Der einzige Unterschied ist vielleicht, dass es ausserhalb der Stadt sehr viel Platz und Einsamkeit hat, wenn man das wünscht. Sozusagen Figgi und Mühli...

Bild von www.flyporter.com


18 April 2016

Maple Syrup and Bluegrass

Am Sonntagnachmittag brauchten wir dringend eine Pause von der momentanen Tätigkeit (darüber berichte ich später). So kam uns die Einladung zu Maple Syrup und Bluegrass gerade Recht. Zwei Mitglieder der Band vom September zeigten uns ihre Ahornsirup-Produktion. Es waren die letzten Flaschen, die noch geleert wurden, denn die Bäume brauchen ihre Energie jetzt für die Blattproduktion. Das Wetter war wie aus dem Bilderbuch, die Temperaturen knapp unter zwanzig Grad. Und so ging's:

Auf zum Saft einsammeln:


Der Flascheninhalt wird in einen Kübel umgefüllt.


Jeder geeignete Ahornbaum ist angezapft worden und der Saft fliesst in die umfunktionierte Wasserflasche. 
Dieser Saft wird von Hand eingesammelt.


Der gesammelte Saft wird in eine Flasche umgeleert. 
So hat man eine genaue Uebersicht der Menge.


Die vollen Flaschen kommen zum Sugar-Shack.


Der Saft wird durch ein Filtertuch geleert, um allfälligen Schmutz zu entfernen.
Man beachte die originelle Tassensammlung...


Das älteste Familienmitglied (90 Jahre) ist zuständig für das Feuer. Hier füttert er gerade den Holzofen. Im flachen Becken köchelt der Ahornsaft leise vor sich hin. In den Behältern darauf und daneben wird der Ahornsaft angewärmt und nach und nach dem Hauptbehälter zugeführt.


eine gelungene Konstruktion


Ganz genau wird Buch geführt... 
auf der Wärmeschutzplatte an der Wand.


Inzwischen haben es sich im Eingangsbereich die Bluegrass-Spieler gemütlich gemacht, spielen und singen ein Stück nach dem anderen.


Es sind alles alte Freunde und man sieht, wie sie das Zusammenspielen geniessen, genauso wie die ZuhörerInnen. Bei diesen handelt es sich bis auf Marcel und mich um die Partnerinnen der Musiker. Eine gemütliche Runde...


Das Markenzeichen eines Musikers:
Er spielt nie ohne seine roten Socken!


Die ganze Ahornsirup-Kocherei dauert mehrere Wochen, nämlich genau so lange, wie der Saft läuft. Jedes Jahr ist das verschieden lang. Warme Tage (knapp um oder über den Gefrierpunkt) und kühle Nächte (unter-Null Temperaturen) sind ideal für die Ahornsirup-Kocherei. Unzählige kleine Familienproduktionen gibt es in der Region. Das Feuer im Herd muss praktisch ohne Unterbruch am Laufen gehalten werden. Ohne die Hilfe von Familie und Freunden geht das fast nicht. 

Gegen Abend gab es dann für die ganze Truppe Waffeln mit gebratenem Speck, Würstchen, Fruchtsalat und natürlich Unmengen von Ahornsirup. Zur Krönung des Tages durfte jedes Paar ein Glas von diesem köstlichen Saft mit nach Hause nehmen.

Ein unvergessliches Erlebnis!


03 August 2015

Wiederholungstäter

Wir haben's schon wieder gemacht, um genau zu sein, schon zwei Mal...


Wir haben uns abends vom Camp geschlichen und sind Bluegrass-Hören gegangen. Jedes Jahr (dieses Jahr zum 31. Mal) finden an den langen Wochenenden im Sommer Bluegrass-Festivals statt. Verschiedene bekannte Gruppen aus Canada und den USA, aber auch lokale wechselnde Bands treten während dieser drei oder vier Tage auf. Tagsüber gibt es Workshops und vor allem nachts sogenanntes Jamming, spontanes Spielen mit verschiedenen Leuten, meistens am Campfeuer. 

Die Festivals finden in einem Campingplatz an einem idyllischem Fluss statt. Das Camp wurde genau für diesen Zweck geschaffen. Eine tolles Konzept, eine tolle Atmosphäre und tolle Leute. Da nehmen wir auch die zweistündige Fahrt von 120 km (ein Weg) in Kauf. Auch dass wir dann nachts erst um zwei Uhr wieder zuhause sind, macht uns nichts aus. Natürlich können wir jeweils nur am Mittwoch- oder Donnerstagabend dabei sein, an den Wochenenden müssen wir im Juli und August bei uns im Camp bleiben. Trotzdem gibt es uns eine schöne Abwechslung. Solange wir saisonale Camper haben, die ab und zu das Camp babysitten, ist alles im grünen Bereich. (Die übrigens finden, wir hätten uns das redlich verdient.)


28 Juni 2015

Abgeschlichen

Oft haben wir es nicht gemacht bis jetzt, aber gestern Abend musste es sein..., dass wir das volle Camp einfach im Stich gelassen und uns für ein paar Stunden von dannen geschlichen haben. Und das kam so:

Vor ein paar Tagen lernten wir einen Canadier mit deutschen und schweizerischen Wurzeln kennen. Er ist Canadier in der dritten Generation. Das ist ja noch nichts Spezielles, aber wir erfuhren, dass er Bluegrass-Begeisterter ist und selber seit Jahren in verschiedenen Bands Banjo spielt. Der Zufall wollte es, dass in unserem Dorf ein Fundraiser stattfand, um den Veteran's Club zu unterstützen. Dieser Club ist eigentlich mehr oder weniger unsere Dorfbeiz und ursprünglich ein Club für pensionierte Militärs. Solche Clubs gibt es in praktisch jedem Dorf. Der Vorteil, die Preise sind tief, mitmachen kann jeder und oft sind diese Lokale die einzige Vergnügung im Dorf. So auch bei uns und wie oft mit solchen Lokalitäten, schrammen sie immer knapp an der Schliessung vorbei, weil einfach nicht genug Gäste kommen. Das Personal sind meistens Freiwillige und ohne die unentgeltliche Unterstützung dieser Dorfbewohner wäre der Laden schon längst zu. Gestern nun fand also ein Anlass statt, um die Kasse wieder mal etwas zu füllen und unser Bekannter war Gastspieler in einer Countryband, die da auftrat.

So sind wir zum allerersten Mal, seit wir hier wohnen, an eine Veranstaltung in den Vet's Club gegangen und es "hätt gfäged".


Der krönende Abschluss war dann noch, dass ich unter der Verlosung der Eintrittsbillette den einzigen Preis gewann, das hier:


Marcel findet es natürlich umwerfend komisch und ich habe mir vorgenommen, endlich mit (m)einer Bohrmaschine umgehen zu lernen!

PS. Uebrigens ist die Distanz vom Camp zum Vet's Club im Dorf etwa 23 km - ein Weg. Unsere Ausflüge ins "Dorf" haben Seltenheitswert, liegt doch North Bay (wo wir einkaufen) in der entgegengesetzten Richtung.


16 Juni 2015

Gefunden


Nach mehreren Jahren habe ich endlich wieder einen robusten vierbeinigen Wanderpartner gefunden. Es ist Sadie, der Hund von Freunden, eine zweijährige Labrador-und-irgendeine-Jagdhunde-Mischung, kraftvoll, ungestüm, verspielt und fast nicht zu bremsen. 

Sie ist zwar meistens nur am Wochenende hier im Camp und das macht es etwas schwierig für lange Touren. So gehen wir bis jetzt nur frühmorgens auf einen gemeinsamen ausgiebigen Spaziergangrun. Sie muss noch viel lernen und vor allem müssen wir uns aneinander gewöhnen. Es macht jedoch viel Spass, endlich wieder längere Touren in einem guten Tempo unternehmen zu können. Ich merke erst jetzt, wie sehr mir das in den letzten Jahren gefehlt hat - und erinnere mich wieder, wie Rex viele, viele Jahre lang der ideale Begleiter im Busch gewesen ist...

Uebrigens: Das Bugshirt (Fliegenhemd), die Handschuhe und die unten zugebundenen Hosen sind immer noch ein absolutes Muss für mich, vor allem im Busch. Für Sadie brauche ich dringend einen tierfreundlichen Schutzspray. Solange wir nicht ein paar wirklich heisse, trockene Tage am Stück haben, werden die kleinen Biester (Blackflies und Moskitos) nicht verschwinden.


15 Mai 2015

Saisonbeginn

Nun ist sie also da, unsere sechzehnte Campingsaison. Wir sind gut vorbereitet, das Showerhouse, unser Sanitärgebäude, wartet frisch geputzt auf die Benutzer. Marcel konnte die Wasserpumpe, die immerhin 150 Meter tief in einer gebohrten Quelle steckt, ohne Probleme starten. Alle Leitungen scheinen den Winter überstanden zu haben, was bedeutet, dass sie im letzten Herbst sauber ausgeblasen worden sind. Wenn irgendwo Wasser liegengeblieben wäre, hätte das unweigerlich zu einer gefrorenen und schlussendlich geplatzten Wasserleitung geführt. Auch mit dem Strom ist alles in Ordnung. Die Feuerprobe bestehen unsere Anlagen, wenn am 15. Mai die saisonalen Camper ihre Strom- und Wasserleitungen anschliessen und die Netze vor allem in den ersten Tagen stark in Anspruch genommen werden.

Wir öffnen den Park jeweils am 15. Mai, was dieses Jahr bedeutet, dass es gleich auf das lange Wochenende fällt. Am Montag ist bei uns Victoria Day. Es ist der Geburtstag von Queen Victoria am 24. Mai. Und damit die Canadier in den Genuss von einem verlängerten Wochenende kommen, wird der Feiertag immer auf den Montag am oder vor dem 24. Mai gesetzt. In diesem Jahr findet er früh wie selten statt, nämlich am 18. Mai. Eigentlich spielt es keine grosse Rolle, nur heisst es diesmal für die Camper, dass sie nach dem 15. Mai nicht erst ein "normales" Wochenende haben, wo sie den Trailer für die Saison bereitmachen können, sondern gleich ins lange Wochenende starten. 

Wir haben gehört, dass einige der Saisonalen nun den Freitag (15.5.) frei genommen haben, damit sie dann trotzdem von Samstag bis Montag das lange Wochenende geniessen können. Es werden also am Freitag um neun Uhr morgens bestimmt schon einige Camper ungeduldig auf Einlass warten. Früher haben wir nie eine Zeit gesagt, aber als Marcel und ich in einem Jahr bereits um sieben Uhr bei unserem Frühstück "gestört" wurden (der einzigen ruhigen Mahlzeit für uns zusammen), haben wir nicht nur das Datum, sondern auch die Zeit festgelegt. Zwischen den Campern hat sich ein kleiner Wettlauf entwickelt, wer jetzt wohl der/die Erste im Park ist. Bevor wir die Camper in den Park lassen können, müssen wir nochmals einen Kontrollgang machen, die Lichter und die Zeitschaltuhr im Sanitärgebäude einschalten, die Abfallkübel rausstellen und alle Türen aufschliessen. 

Und dann beginnt der fünfmonatige Dauereinsatz, wo wir nie, aber auch gar nie alleine im Camp sind. An vollbesetzten Wochenenden in der Hochsaison (Juli und August) sind schon mal bis zu 200 Camper anwesend. Meistens jedoch sind es zwischen 100 und 150 an Wochenenden. Unter der Woche kann diese Zahl auch mal unter zwanzig sinken. Das Wetter spielt natürlich eine grosse Rolle. Deshalb sind wir gar nicht böse, sollte es ab und zu auch mal regnen :-)

Aber erstmal ist ganz passables Wetter vorausgesagt mit Temperaturen zwischen 15 und 24 Grad tagsüber. Am Montag soll es dann regnen, aber bis dahin ist die Feuerprobe des May-two-four Weekends bestanden. 

Max kann es kaum erwarten...





26 April 2015

18. Maple Syrup Festival

Wieder mal besuchten wir das Maple Syrup Festival in Powassan. Im Gegensatz zum letzten Jahr  lachte diesmal die Sonne vom blauen Himmel. Entsprechend viele Menschen waren unterwegs. Hier ein paar Impressionen:




Die Hauptstrasse gesäumt von Verkaufsständen, 
garniert mit viel Publikum.



Die Schotten marschieren Dudelsackpfeiffend und trommelnd vorbei. Sie waren nicht die einzigen in Röcken. Wir sahen die ersten Shorts mit nackten Füssen in Flipflops unter den Winterjacken hervorgucken. 
Kein Zweifel, der Sommer ist gleich um die Ecke.
Typisch canadisch eben.


(Holzfäller)-Wettbewerbe, hier das Zweihandsägen. Es gab Axtwerfer, Motorsäge-Skulpturen-Schnitzer, Schafscherer, Holzbearbeitungsmaschinen in allen Varianten und was man sich halt an so einem Dorffest vorstellt (der Hersteller unserer Holzspalt-Wundermaschine war diesmal jedoch nicht dabei)

Um den Mittag waren die Strassen so dicht gepackt, dass es kaum mehr ein Durchkommen gab. Wir deckten uns am Mennonitenstand mit Sommersalami, geräuchtem Speck und Lachsschinkli ein, besorgten am Maple-Sugar-Stand einen Jahresbedarf Ahornsirup und suchten schon bald wieder das Weite. 

Noch schnell bei der Schwester die Blumen giessen (sie ist gerade in der Schweiz), einen kurzen Besuch im neuen Zuhause einer Freundin und schon mussten wir uns wieder auf den 85 km langen Heimweg machen - die Pflicht ruft. In drei Wochen ist der Campground wieder voll in Betrieb. Es gibt noch viel zu tun.

17 Februar 2015

-31 -34 -29

Dies sind wahrlich keine Traumzahlen, denn es sind die Minustemperaturen der letzten drei Tage um sieben Uhr früh. Es ist einfach saukalt. Der Jetstream scheint nicht vom Fleck zu kommen und beschert uns schon den ganzen Februar eisige Temperaturen. Auch tagsüber schaffen wir es ganz selten "wärmer" als minus fünfzehn Grad. Einen so kalten Februar haben wir hier noch nicht erlebt. Sogar die alteingesessenen Canadier finden es übertrieben. Die Sehnsucht nach dem Frühling wächst. Eigentlich wären wir schon mit Minus-temperaturen in den einstelligen Zahlen zufrieden. Leider sieht es in den nächsten zwei Wochen noch gar nicht danach aus, nachts schon gar nicht. Unser Holzvorrat schwindet erschreckend schnell, nur noch ein Drittel ist übrig.


Etwas Sorgen macht uns der Schnee auf dem Lodgedach über der Küche. Dort können wir aus Sicherheitsgründen nicht schaufeln, aber die Schneedecke ist mindestens 70 cm dick. Hoffentlich hält die Dachkonstruktion und hoffentlich werden wir eine gnädige Schneeschmelze ohne Regen haben. 


Wir wünschen uns ein baldiges, langsames, sonniges Ansteigen der Temperaturen, möglichst keinen Wind und Schnee mehr. Ist das zuviel verlangt?...

Uebrigens war gestern Family Day, das heisst ein Feiertag, und somit blieben Schulen, Läden und auch sonst alles geschlossen. Meine Schwester und ich benutzten die Gelegenheit für eine kleine Schneeschuhwanderung auf dem gefrorenen See. Bisig kalt wars aber doch schön und ziemlich anstrengend. Wir haben uns das anschliessende Fondue wirklich verdient und es auch sehr genossen.

24 Januar 2015

Schweizer Schriftsteller

Schon immer war ich eine Leseratte. Allerdings kam ich in den letzten fünfzehn Jahren nicht oft ungestört zum Lesen; und manchmal hatte ich dazu auch nicht die innere Ruhe. Dies ist im Moment zum Glück anders. Der kalte Winter und die Abgelegenheit hier im Busch laden gerade dazu ein, sich in einem Buch zu verlieren...

Wir haben die meisten unserer Bücher mit nach Canada mitgenommen, denn ich lese sie gerne immer wieder. Vor allem haben es mir die Schweizer Schriftsteller/innen angetan, denn sie schreiben über Orte, die man selber kennt oder kennen lernen kann. Aktuell lese ich eine Trilogie von Walter Alvares Keller (über den ich leider gar nichts weiss. Hat da jemand eine Ahnung?). Die Bücher wurden 1957, 1959 und 1961 vom Schweizer Druck- und Verlagshaus AG, Zürich, gedruckt. Den ersten Band hat der Autor sogar signiert. Gelesen habe ich sie zum ersten Mal 1976, besass sie aber nicht. Es war gar nicht so einfach, sie zu bekommen, denn die waren damals schon vergriffen. Mit Hilfe von meinem Gotti, die in Brockenstuben und an Flohmärkten danach Ausschau hielt, bin ich in den Besitz der Bücher gekommen. Ich habe sogar noch ein viertes Buch, gedruckt 1966, ein Brasilienroman, in dem zum Teil die gleichen Personen vorkommen. Die Bücher habe ich jahrelang nicht mehr gelesen und somit sind sie spannend wie früher. Die Beschreibung von Zürich und den Zeiten zwischen den beiden Weltkriegen sind interessant und teilweise bedrückend. Es wird vom Druck auf die kleinen Leute geschrieben, von der Furcht des Stellenverlustes und nicht-mehr-gebraucht-Werdens; kein unbekanntes Thema, oder? Allerdings haben sich andere Dinge auch zum Besseren verändert, z.B. die Qualität vom "Züriseewasser". Und man schmeisst normalerweise den alten Hausrat auch nicht mehr ins nächste Tobel,  jedenfalls nehme ich das an.


Biografien finde ich besonders spannend, z.B. die von Ruth Blum. Die hier beschriebenen Orte kenne ich fast alle, und Marcel kann sich sogar an sie als Lehrerin in der Baracke am Rhein erinnern. Diese Bücher werde ich mir als Nächstes wieder mal vornehmen. Und dann gibt es u.a. noch diese:


Meine neuste Errungenschaft ist übrigens dieses Buch, hier habe ich nämlich meine gesamte Schulzeit verbracht:


Viele der darin beschriebenen Orte und Menschen kenne ich also oder erinnere mich langsam wieder daran (immerhin lebe ich fast vierzig Jahre nicht mehr dort). Mit der Autorin müsste ich sogar zur gleichen Zeit auf dem Schulhof herumgerannt sein.

Was mit all unseren Büchern einmal passiert, weiss ich nicht. Wer wird sich hier schon für die alten Geschichten aus der Schweiz interessieren? Na ja, noch ist das ja keine Frage.

Zum Schluss dieses (habe ich in einem kleinen Gedichtband gefunden und es hat mich sehr angesprochen):

Wirklich gute Freunde sind Menschen, die uns ganz genau kennen und trotzdem zu uns halten
Marie von Ebner-Eschenbach
Wie wahr!

28 November 2014

Kurzreisli

Wir sind zurück von unserem kleinen Ausflug, dem ersten und wohl letzten in diesem Jahr. Mit Freunden erkundeten wir wieder einmal die Mennoniten-Gegend in Südontario und übernachteten in einer renovierten Mühle.



Es ist nicht das erste Mal, dass wir in dieser Gegend unterwegs waren und wird auch nicht das letzte Mal sein. Die Mühle gehört einem Gast von uns, der sie zusammen mit einem Freund während neun Jahren von Grund auf renoviert und zu einem kleinen Hotel umgebaut hat. Bewundernswert, was die zwei Freunde geschaffen haben, denn beide waren bereits nah dem Pensionsalter, als sie mit dem Projekt begonnen haben.

Immer, wenn G. von der Mühle ein paar Tage freinehmen kann, kommen sie in unsere Gegend, denn B. besitzt 16 km von uns mitten im Busch ein kleines selbstgebautes Loghaus. Dann nehmen sie im Sommer ihre ATVs (Quads) oder im Winter die Snowmobiles und machen Tagesausflüge auf den unzähligen Buschtrails. Regelmässig besuchen sie uns für ein Bier (oder auch mehr) und manchmal bleiben sie zum Essen. Deshalb ist es Ehrensache, dass wir ab und zu einen Gegenbesuch machen. Es ist immer eine tolle Sache!

Auf dem Rückweg machten wir Halt auf dem Farmers Market in St. Jacobs. Der befindet sich in einer Region, wo viele Mennoniten wohnen. Deshalb sehen die Parkplätze unter anderem auch so aus:


Uebrigens sind seit ein paar Jahren auch in unserer Nähe Mennoniten ansässig. Sie kaufen alte Farmen und bringen sie zu neuer Blüte. Dass sie keine Elektroanschlüsse haben, ist für uns unvorstellbar. Allerdings haben wir schon bemerkt, dass sie nicht mehr so konsequent sind in ihrer Lebensweise. Einige von ihnen sind erfolgreiche Unternehmer, z.B. in der Baubranche, und kommen deshalb nicht darum herum, einen Telefonanschluss mit -beantworter zu betreiben. Zudem verwenden sie auch Bohrmaschinen etc., der Aku macht's möglich. Autofahren tun sie nicht selber, sie lassen sich herumfahren. So sind es immer Leute aus der Gegend, die sie für ihre Fahrten anstellen. Auf jeden Fall sind sie eine echte Bereicherung für eine Region, denn wenn jemand noch die alten Handwerke versteht, dann sind es die Mennoniten. Diejenigen bei uns sprechen übrigens ein Altdeutsch, das wir sehr gut verstehen und wir könnten uns auf Deutsch mit ihnen unterhalten. Ein Teil ihrer Vorväter stammt auch aus der Schweiz. 

Auf dem Farmers Market findet man unzählige Spezialitäten wie Wurstwaren, Brot, Gebäck, Honig, Eingemachtes, Konfitüren, Relish, Chutneys, Gemüse, Früchte und saisonale Frischprodukte. Die sind Ende November natürlich nicht so üppig; interessant ist es trotzdem. Daneben gibt es Kleider, Schuhe, Möbel, Einrichtungsgegenstände und auch viel Ramsch. Wir haben auch schon einmal eine Viehauktion besucht. Es ist eine ganz andere Welt und eine schöne Abwechslung in unserem Alltag. 

Viel mehr als ein paar Tage können wir nicht beide vom Camp, denn wir brauchen ja jemanden für die Holzheizung. Es ist jedes Mal eine riesige Organisation, bis alles steht und unvorgesehene Dinge wie Stromausfall und Sturm dürfen nicht passieren. Max durfte die Tage bei meiner Schwester verbringen, denn er ist nicht gewohnt auf Reisen zu gehen. Es war das erste Mal, dass wir "hundelos" unterwegs waren. Ein ungewohntes Gefühl...



24 November 2014

Marroni oder der Gourmet-Dog

Am Sonntag konnten wir endlich eine Portion Marroni im Pizzaofen rösten. Marroni gehören irgendwie in diese Jahreszeit und wir haben in den Läden schon seit ein paar Wochen nach der Spezialität Ausschau gehalten. Das ist hier in Nordontario gar nicht so einfach, denn Marroni kennen nicht alle Leute und sie sind auch vom Preis her eher ein Luxusprodukt. Trotzdem muss es mindestens einmal im Jahr sein. Und endlich fanden wir in einem grösseren Lebensmittelladen dicke und vor allem frische Marroni. (Natürlich lohnt es sich nicht, wegen 21 Marroni den Pizzaofen zwei Stunden einzuheizen und so haben wir gleich noch einen Rinderbraten darin geschmort):


Beim Essen haben wir festgestellt, dass Max-der-Spaniel Marroni auch ganz gut findet. Verwöhnt wie er ist, hat er seinen Teil davon abbekommen. Und das erinnerte uns an folgende Geschichte:

Vor sieben Jahren haben wir entdeckt, dass Rex ein richtiger Feinschmecker war. Er begleitete mich immer zu den Cottages, wenn ich sie zwischen zwei Gästegruppen reinigen musste. Dabei untersuchte er ganz genau die Umgebung, denn ab und zu schmeissen die Leute ihre überzähligen Lebensmittel einfach in die Natur. Meistens bleiben die Sachen nicht lange liegen, denn Fuchs und Co. kommen auf ihrer Futtersuche regelmässig vorbei. Nach einem solchen Ausflug bemerkten wir, dass Rex etwas in seiner Schnauze nach Hause trug und es auf keinen Fall hergeben wollte. Wenn er eine Trophäe ergatterte, war es sehr schwierig, sie ihm abzujagen. (Einmal hatte er einen Biberpelzhut gefunden und wir hatten die liebe Mühe, ihm den Hut wegzunehmen, bevor er ihn zerhudelte und zerfetzte. Immerhin stand Biber auf seiner Beuteliste und er fand es absolut nicht nötig, den Hut seinem Besitzer zurückzugeben.) Es war also von Vorteil, Rex's komisches Verhalten vorerst zu ignorieren. Wir mussten einfach aufpassen, dass er das "Ding" nicht fressen konnte, bevor wir sahen, was es war. Wie erstaunt waren wir dann, als er daheim schnurstracks auf seinen Platz lief und seine Beute sorgfältig hinlegte und gut bewachte:


Wir waren sehr gespannt, was nun kommen würde - und tatsächlich, er nahm sie vorsichtig in die Schnauze und biss leicht darauf:


Nach ein paar genüsslichen Minuten sah es so aus:


Wir waren baff. Rex wusste genau, was er da tat. Von da an lief er jeden Morgen zum Log Cottage, um sich eine oder zwei Marroni aus dem Schnee zu buddeln, sie heimzutragen und dort genüsslich zu verspeisen. Sie waren gekocht, das haben wir noch festgestellt. Vermutlich hatte eine Gästegruppe die Chestnuts gekauft, sie im Wasser gekocht und für nicht essbar befunden. Dann haben sie sie in den Schnee vor dem Cottage geschmissen und Rex mit seiner sensiblen Nase hat sie aufgespürt und sich Stück für Stück einverleibt, bis alle alle gefressen waren. Er war eben ein echter Gourmet!

02 November 2014

Film-Club

Am letzten Donnerstag waren wir wieder einmal im Kino. Das geschieht nicht sehr oft, aber seit letztem Jahr immer öfter.

Es sind nicht die berühmten grossen Filme, für die mit einem enormen Aufwand die Werbetrommel gerührt wird. Es sind oft alternative Filme und auf der Webseite des Filmclubs steht dann auch: "films for discriminating audiences". Ich fühle mich übrigens nicht diskriminiert, es bedeutet eher "kritisch" oder "anspruchsvoll" und das Publikum besteht meistens aus "reiferen" Semestern.

Es sind durchs Band interessante Filme, aus allen Kontinenten. Sie werden immer in der Originalsprache gezeigt. Letzten Frühling lief z.B. ein indischer Film "Lunchbox". Und vor einer Woche war "Tracks" auf dem Programm. Allerdings mussten wir da passen, wir hatten keine Zeit fürs Kino. "Chef" hat uns übrigens sehr gut gefallen, diesen Film haben wir uns nicht entgehen lassen. 

Oft sind canadische Filme dabei, meistens mit kleinem Budget produziert. Diese haben es uns besonders angetan. "Algonquin" war der Film, der diesen Herbst gezeigt wurde. 

Letzten Donnerstag sahen wir "Boyhood". Das Konzept dieses Films war sehr spannend, wurde er doch über eine Zeitspanne von 12 Jahren gedreht. 



Nicht so toll war die Panne bei der Filmvorführung - wir mussten beinahe eine dreiviertel Stunde warten, bis der Film losging. Sie hatten wohl dass Passwort "verhüehneret". Wird halt alles von Freiwilligen organisiert, die immer wieder wechseln. Aber ohne diese Leute gäbe es den Filmclub wohl nicht. Deshalb wurde es sehr spät, bis wir wieder Zuhause waren - und Fahren auf unserer Strasse mitten in der Nacht muss nicht unbedingt sein. Da überlassen wir den Busch lieber den Tieren.

Wie man sieht, haben wir hier im Norden von Ontario durchaus Interessantes an Kultur. Uebrigens hat uns meine Schwester darauf gebracht. Wir besuchten mit ihr im April 2010 das erste Mal eine Vorführung des Filmclubs. Damals lief "Das weisse Band" - in Originalsprache...

riminating audiences

films for discriminating audiences

29 Oktober 2014

Jagdsaison und Herbstrückblick


Bei uns ist inzwischen Jagdsaison. Zwar sind die Wochen für die Jagd mit Schusswaffen begrenzt, aber mit Pfeil und Bogen darf ziemlich lange gejagd werden. Deshalb sieht es zur Zeit im Kühlraum der uns bekannten Schweizer Farmer so aus. Sie verarbeiten Bären, Elche und Rehe, welche jagdfreudige (oder jagdverrückte?) Canadier bei ihnen vorbeibringen, in haushaltgerecht verpackte Fleischportionen, Gehacktes, Würste etc. Auch hier hat sich die Schweizer Qualitätsmetzgerarbeit herumgesprochen und sie können sich vor Aufträgen kaum retten. Das wird nun bis Weihnachten anhalten.

Trotz ihrer vielen Aufträge haben wir sie am letzten Sonntag von der Arbeit abgehalten und einen vergnügten Nachmittag und Abend mit excellentem Essen bei ihnen verbracht...


Jagdsaison bedeutet für uns, dass die Campingsaison seit zwei Wochen zu Ende ist. Wenigstens für die Camper. Strom und Wasser sind längst abgestellt, die Trailer winterfest verpackt. Wir aber wollen noch einige Dinge im Park erledigen. Noch immer regnet es mehr als nicht und der Himmel ist meistens trüb und grau. Ziemlich langweilig, denn das kennen wir nun zur Genüge. Wir hätten bestimmt wieder einmal ein paar warme Sonnentage am Stück verdient. Draussen zu arbeiten macht nämlich mehr Spass, wenn die Sonne einem dabei zuschaut...

Anfangs Woche hat Marcel ein paar Bäume gefällt. Am Fluss sind dieses Jahr drei Plätze frei geworden und wir haben den Wechsel dazu benutzt, drei riesige Ahornbäume zu fällen. War eine ziemlich trickige Angelegenheit, denn sie sollten in die andere Richtung fallen, als sie gewachsen sind. Mit Stahlseil, Umlenkrolle und Traktor ging schlussendlich alles gut, aber es ist immer eine nervige Angelegenheit. Man weiss nie, ob der Baum doch noch eine ungewollte Drehung macht. Einen Fehler darf man nicht machen. 

Die Stämme sind nun schon vor unserer Wundermaschine aufgetürmt, bereit zur weiteren Verarbeitung. Die Aeste liegen auf Haufen bereit zum Häckseln; das werden wir jedoch erst im Frühling erledigen, es geht besser, wenn alles etwas abgetrocknet ist. Nun kann der neue Trailer kommen. Und hier ein Bild des grosszügigen Platzes direkt am Fluss:


Wir hoffen, dass wir die richtigen Leute dafür ausgelesen haben, die dieses kleine Paradies zu schätzen wissen.

Tiergeschichten Teil 3

Ich hätte ja nicht gedacht, dass es bezüglich Tiere noch so nervig wird. 

Ziemlich lustig fand ich zwar die zwei Waschbären, die mitten an einem Herbsttag im Gänsemarsch vor meinem Fenster durcheilten und nachher einfach nicht mehr aufzufinden waren. Vielleicht sind sie aus ihrem Heim vertrieben worden, als die Söhne des im letzten Sommer verstorbenen Saisoncampers den Trailer samt Anbau abräumten. Immer wieder haben sich in den letzten Jahren dort Waschbären rumgetrieben und vermutlich haben sie tatsächlich dort auch gewohnt. Und nun mussten sie plötzlich ausziehen. So jedenfalls hat es für mich ausgesehen.

Dass wir dieses Jahr besonders viele Viecher im Park haben, habe ich hier berichtet. Aber dass sie uns in der Lodge auch nicht in Ruhe lassen, das geht gar nicht. Ab und zu eine Maus, damit kann ich leben. Dafür gibt es sehr effiziente Fallen. Aber Eichhörnchen, und dann noch fliegende dazu? Das geht eindeutig zu weit! Und wir wissen leider noch immer nicht, wo und wie sie hereinkommen. Es braucht nur ein kleines Loch dazu. So sind wir inzischen bei "flying squirrel" Nummer 5 angelangt... und irgendwo hinter mir springt (oder fliegt) noch Nummer 6 herum. 


Die Falle steht bereit und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie wieder zuschnappt. Dem Erdnüsslibutter sei Dank. Es ist eine Lebendfalle und ich trage die Beute gewissenhaft weit weg von der Lodge und lasse sie erst hinter dem Workshop wieder frei. Ich habe bisher auch nicht das Gefühl gehabt, dass ich immer das gleiche Tier wegtrage, denn sie sehen durchaus verschieden aus und haben nicht das gleiche Verhalten in der Falle. Da gibt es Fighter und Nette, Verzweifelte und Verfressene. Aber warum nur habe ich trotzdem das Gefühl, die lachen mich aus??? Ich glaube ich sollte es doch mal mit der Rattenfalle versuchen...


Uebrigens habe ich gelesen, dass Flying Squirrels im Unterschied zu den normalen Eichhörnchen erstens nachtaktiv sind und zweitens in Gruppen leben, normalerweise bis zu zwölf Stück. Es können aber auch bis zu fünfzig sein. Na dann, gute Nacht...!

Und Max? Der findet die ganze Jagd ziemlich lustig und hilft eifrig mit. Als vor ein paar Tagen ein Streifenhörnchen durch die offene Tür ins Restaurant gelangte und Marcel es endlich mit dem Besen wieder hinausjagte, sass Max vor dem Eingang und hat es postwendend wieder hereingetrieben. Er konnte gar nicht verstehen, warum wir das ziemlich doof fanden.

Der Zeit voraus

Am 22. Oktober habe ich zu meinem Schrecken gemerkt, dass wir hier in Canada nicht immer um Jahrzehnte im Rückstand sind. In einigen Dingen sind wir durchaus unserer Zeit voraus (gesehen im Crapy Tire). Komischerweise haben sie diesmal Halloween ausgelassen, wenigstens in dieser Ecke des Ladens...



Abgeschnitten

Vor zwei Wochen, am Tag nach der Schliessung des Parks, musste noch ein Monteur einen defekten Trailer flicken. Nach seiner Ankunft früh am Morgen bemerkte er zu uns, dass die Strasse etwa zwei Kilometer vor dem Camp ganz heftig ausgewaschen sei und er nur knapp mit seinem Truck durchfahren konnte. Und so sah es aus:


Ein Telefonanruf zum Strassenamt genügte - und innerhalb von 24 Stunden war der Schaden mehr oder weniger behoben. Wir vermuten, dass durch den Dauerregen ein Biberdamm den Wassermassen nicht mehr standgehalten hat und alles in einem Sturzbach den Hügel runterlief. Glücklicherweise hat sich das meiste Wasser anschliessend im Gehölz verlaufen. Trotzdem kann man am Ufer im Park sehen, dass auch unser Bach ganz massiv angeschwollen sein muss. 1996, also vor unserer Zeit, hat übrigens ein gebrochener Biberdamm in unserem Camp einen riesigen Schaden angerichtet und sogar die Brücke zwischen Lodge und Park weggespült. Hoffentlich bleiben wir vor so einem Ereignis verschont. 

Nachschub

Mit dem neuen Holz hat es auch endlich geklappt. Anfangs Oktober haben wir die neue Ladung erhalten:


Der Holzschopf ist inzwischen randvoll und wir werden im Winter bestimmt nicht frieren.

Ziemlich clever

Wer hat schon sowas gesehen? Fünf Personen sind mit diesem Truck und ihren Spielzeugen (ATVs und Dirtbikes) angereist und haben es sich im Log Cottage gemütlich gemacht. Es erstaunt mich immer wieder, auf was für Ideen unsere Gäste kommen:



Herbst

Der Herbst hat übrigens ganz kurz doch noch stattgefunden. Am 25. September habe ich diese Aufnahme an unserer Strasse gemacht. Ein solcher Anblick ist einfach überwältigend...


Es waren die letzten wirklich schönen Tage mit milden Temperaturen. 



13 September 2014

Unsere neuste Errungenschaft

Darauf haben wir nun lange gewartet. Seit dem 11. Juni, um genau zu sein. Der Holzschopf steht schon lange bereit und endlich, am 31. August, ist die neue Holzbearbeitungsmaschine bei uns angekommen. Höchst persönlich vom Hersteller hierher ins Camp gebracht. Wir haben ihn nämlich überredet, die Maschine am Labour Day Weekend an der Fall Fair in Powassan auszustellen und vorzuführen, um sie nachher zu uns zu bringen. So sparten wir uns die Lieferungskosten, die für dieses grosse Stück nicht ganz billig gewesen wären. Schön clever von uns... Na ja, es war eine win-win Situation.

Und hier ist sie, unsere automatische Holzaufheb-, Schneid-, Spalt- und Förderanlage, die es uns so viel einfacher macht, das Holz für den Winter bereitzustellen:


Die Maschine im Einsatz:


Sie erleichtert uns die Arbeit wirklich ungemein. Marcel schneidet die angelieferten Holzstämme in drei Meter lange Stücke und bringt sie mit dem Traktor vor die Maschine. Dort werden die Logs mit dem Log Lifter aufs Förderband gebracht. Nun betätigt man einen Hebel und der ganze Stamm wird bis zum Anschlag vorgeschoben. Die Länge kann man je nach Bedarf einstellen. Dann kommt die montierte Kettensäge zum Einsatz. Sie schneidet wie durch Butter und der Holzklotz fällt in die Spaltwanne. Ein anderer Hebel wird gedrückt und der Rugel wird in 2-4 Stücke gespalten, ganz nach Wunsch und Dicke des Stamms. Anschliessend - und da komme ich zum Zug - fallen die Holzstücke mehr oder weniger automatisch auf das Förderband, das die ganze Pracht in den Holzschopf befördert und dort auf einen Haufen fallen lässt. Meine Aufgabe ist nun, die kleineren Scheite für den Pizzaofen vor dem Förderband in die Schubkarre auszusortieren und die abfallende Rinde und anderes Abfallholz in einen alten Feuerholzsack zu packen. So haben wir bereits das Anzündholz für die Holzheizung und auch das Holz für unseren Pizzaofen bereit. Nachher müssen nur noch die Scheite schön aufgeschichtet werden. Das sah nach fünf Tagen Arbeit so aus:


Inzwischen haben wir das Förderband bereits zum vorderen Fenster verschoben, denn die hintere Hälfte des Holzschopfs ist praktisch voll. Es macht richtig Freude, am Abend das geleistete Pensum zu betrachten. Wir haben viel weniger Rückenschmerzen, denn die Arbeit ist leichter und mit viel weniger Bücken und Heben verbunden. Es war absolut die richtige Entscheidung, diese Maschine anzuschaffen. In knapp zwei Wochen haben wir geschafft, wofür wir sonst mit mehr Leuten zwei Monate brauchten.


Die Holzbeige links ist inzwischen zu einem kläglichen Rest geschrumpft, dem wir am Sonntag den Garaus machen. Und dann müssen wir auf die neue Lieferung von Logs warten. Die Logger sind wetterbedingt im Rückstand, aber wenn alles klappt, sollten wir in der kommenden Woche Nachschub erhalten. Und dann gibt es im Camp noch den einen oder anderen Baum, den wir fällen müssen. Aber diese Arbeit können wir erst nach Abschluss der Campingsaison Mitte Oktober machen. Wir haben also ganz viel Zeit für andere Dinge.


Zum Beispiel Geburtstagsfeiern am 11. September mit ein paar Gästen im Pizzahaus. Und dann hat Marcel noch ein paar Projekte in Powassan zu erledigen. Besuch aus der Schweiz ist auch angesagt. Im Moment ist Mami noch bei meiner grossen Schwester im Nordwesten von Ontario (1700 km von hier). An der Hochzeit haben wir uns alle endlich wieder einmal gesehen und Mami hat die Gelegenheit genutzt, mit der Drydenfamilie zurückzufahren, um ein paar Wochen die dortigen Familienmitglieder (drei Generationen) zu geniessen.

Uebrigens ist endlich das Gästehaus renoviert und bereits wieder eingeweiht. Es ist ein gemütliches Einzimmerhäuschen mit Bad. Ideal für zwei Personen.

Und sonst? Wir haben heute die Heizung gestartet. Es ist ungemütlich kalt geworden seit vorgestern. Geregnet hat es heute auch. War vielleicht ganz gut so, wir brauchten dringend einen Erholungstag. Inzwischen haben sich die Wolken verzogen und für Morgen ist Sonne angesagt. Und wie gesagt, unser Endspurt mit der alten Holzbeige...

27 April 2014

Frühling?... Yes!

Mit etwas Glück ist nun auch bei uns der Frühling eingekehrt. Es muss so sein, denn die ersten Krokusse gucken aus der Erde und in drei Wochen ist die Campingsaison bereits eröffnet! Zwar haben wir noch jede Nacht Unter-Null-Temperaturen, aber tagsüber wird es schnell warm - wenigstens, wenn die Sonne scheint. Auf kommende Woche sind jedoch sechs Tage Regen vorausgesagt, grrrr...

Der Schnee schmilzt nun auch unter den Bäumen und im Busch, das Eis auf dem See wird jeden Tag dünner. Heute hat sich endlich beim hinteren Fluss eine grosse Schneise im Eis aufgetan. Wir haben tatsächlich genug Winter gehabt und geniessen jeden warmen Sonnenstrahl (wie zum Beispiel heute Sonntag).



die Docks warten auf die Eisschmelze


Maple Sugar Festival in Powassan

Gestern besuchten wir das Maple Sugar Festival, das immer am letzten Samstag im April stattfindet. Leider hat das Wetter nicht mitgespielt und es war bedeckt, regnerisch und saukalt. Trotzdem haben sich viele Menschen eingefunden und Pancake Breakfast, Country Music, Lumberjack Wettbewerbe und die verschiedensten Verkaufsstände auf der Main Street genossen:




Es war unterhaltsam und eine schöne Abwechslung für uns. Bestimmt werden wir im nächsten Jahr wieder dabei sein und hoffen auf wärmeres (sprich regen- und schneefreies) Wetter.




Marcel hat an einem Stand sogar ein neues Teil entdeckt, das er unbedingt unserem Wagenpark einverleiben will. Ich werde darüber berichten, wenn es soweit ist...

Ostern

Ist auch schon wieder eine Woche her, aber auch darüber gibt es etwas zu erzählen. Am Karfreitag durften wir wieder einmal Stallluft schnuppern. Seit beide "Schwesternfamilien" nicht mehr farmern, und zudem die einen auch gar nicht um die Ecke wohnen, besuchten wir ein Schweizerpaar, das etwa 80 km von uns auf einem wunderschönen Stück Land an einem Fluss eine Milchwirtschaft betreibt. Wir assen gemütlich zusammen Zmittag, machten anschliessend einen Spaziergang zum Fluss und sahen sogar einen Bären, der mitten im Fluss stand und vermutlich Fische fing. 


Der schwarze schräge Strich mitten im Wasser ist der Bär, ehrlich (und ich weiss jetzt auch genau, dass ich dringend eine bessere Camera mit einem guten Zoom brauche...).

Wir sind hoch über dem Fluss spaziert und haben einen wunderschönen Aussichtspunkt mit einer Sitzbank besucht:




Das Farmhaus steht erhöht in der Nähe des Flusses, so richtig idyllisch:



Und nun noch einen Blick in den Stall:



Am Ostersamstag eröffneten wir mit Ursula (Schwester) und Nathalie (Nichte) die Pizzahaus-Saison:


Der Ostertisch:


Der Innenausbau vom Pizzahaus ist bald fertig. Dann braucht nur noch der Ofen ein richtiges Kleid, sprich mehr Isolation und irgend-einen Ueberzug. Erstaunlich ist, dass am Ostersonntag - nach 18 Stunden - der Ofen immer noch 200 Grad heiss war. Marcel und ich starteten gleich nochmals eine Runde Pizza.

Max - oder "Maxwell der Spaniel"

Seit ein paar Wochen ist Mäxli immer wieder bei uns in den Ferien. Er ist ein lustiger, sehr aktiver und immer hungriger 13jähriger Spaniel - der Hund meiner Schwester. Er hat schon an vielen Orten gewohnt in seinem Leben. Zuerst viele Jahre in Chisholm, dann in Ottawa, Sault Saint Marie, Thunder Bay und jetzt in Powassan, immer bei jemandem aus der Familie. Da er nicht besonders gut auf Rufe hört, ist es schwierig, ihn (in einem Dorf) einfach laufen zu lassen. Bei seiner Energie braucht er jedoch genügend Freilauf. So bietet sich das noch geschlossene Camp richtig an. Und hier darf er jetzt (innerhalb der Campgrenzen) rennen und schwimmen, soviel und soweit er will.
Als Jagdhund hilft er uns momentan, die Gänse aus dem Camp zu vertreiben und auch die Eich- und Streifenhörnli ums Haus hat er gut in Kontrolle.
Wir werden sehen, wie das in drei Wochen geht, wenn bei uns wieder Leinenzwang im Campingplatz gilt. Ob er merkt, dass er dann nicht mehr einfach überall hinrennen kann? Wir lassen uns überraschen.


Rex und Max sind beste Kumpels, beide halt schon älter und deshalb abgeklärt. Sie teilen den Wasser-, aber nicht den Futternapf (sonst würde Rex verhungern, weil er nie schnell genug ist). Am Morgen begutachten sie jeweils zusammen die Umgebung. Ob vielleicht doch noch ein interessantes Tier daher kommt? 



Zum Schluss


Ein Bild vom Log Cottage, vor einer Woche: