Hunde haben es bei uns im Camp wirklich gut. Es gibt viel tolle Natur, viele schöne Spazierwege, viele Hasen, Eichhörnchen, Chipmunks, Groundhogs zum Beobachten und - falls sie einem vor's Maul springen - auch zum Jagen. Zudem läuft immer etwas bei diesen vielen Campermenschen und etwa 20 dazu gehörenden Camperhunden.
An den Wochenenden gehe ich nach Möglichkeit frühmorgens mit Sadie auf einen etwa 4 km langen Morgenspaziergang. So auch gestern und heute:

Es tut uns beiden definitiv gut. Da vor ein paar Tagen zwei Mal ein Bär auf diesem Weg gesichtet wurde, müssen wir etwas vorsichtig sein und viel Lärm machen. So schwatze und singe und pfeife ich also mehr oder weniger auf dem ganzen Weg. Zur Not habe ich noch eine Trillerpfeife bei mir. Gestern nahm gegen Ende des Weges meine Aufmerksamkeit etwas ab und wir beide wurden von einem Wolf total überrascht. Zum Glück wollte der nichts von uns, er überquerte "nur" die Strasse etwa 50 m vor uns, um auf dem Deer-Trail im Busch zu verschwinden. Für ein Foto hat es auf jeden Fall nicht gereicht, der war viel zu zielstrebig.
Zurück im Camp wollte man natürlich wissen, ob es ein Wolf oder ein Kojote war. Das konnte ich nicht beantworten, denn in meiner Tagträumerei habe ich ihn sowieso zu spät bemerkt und er war weg, bevor ich den Schwanz genauer begutachten konnte. Daran merkt man auf die Schnelle am besten den Unterschied. Ein Kojote hat einen Schwanz wie ein Fuchs.
Die Frage wurde dann am Abend beantwortet, als wir am Campfeuer um 22.00 Uhr ein Wolfpack ziemlich nah heulen hörten. Die haben vermutlich ein Tier erlegt und zeigen das meistens mit einem (Freuden-?)Geheul. Heute auf der üblichen Runde war ich dann vorsichtiger und beobachtete die Umgebung genauer. Und als Sadie plötzlich stoppte und genauer hinhörte, vernahm auch ich dieses komische Geräusch links von uns im Busch. Wir waren nur noch etwa 200 m vom Campeingang entfernt. Ich wollte natürlich überhaupt nicht wissen, was da los war und wir marschierten schnellen Schrittes heimwärts.
Dazu kommt mir die Begegnung vom Oktober 2007 in den Sinn, die ich in meinem letzten Blog bei Bluewin beschrieben habe. Hier ist sie nochmals:
Nächtlicher Besuch
Letzten Montag wollte ich wie jeden Abend um 21.00 Uhr mit Rex nach draussen gehen, damit er sein Geschäft vor dem Schlafengehen erledigen kann. Es hat sich so eingebürgert, dass wir einen (oft sehr) kleinen Rundgang machen. Nachher springt Rex an seinen Platz, wir entfernen sein Halsband für die Nacht und er erhält sein Bettmümpfeli, ein Hundeguetzli. Rex hat sich an diese Reihenfolge gewöhnt und regelmässig um die gleiche Zeit meldet er sich, damit er raus und nachher zu Bett gehen kann. Er freut sich jeden Abend wie ein junger Hund auf dieses Ritual und springt begeistert herum.
Am Montag nun, es war schon stockfinster, habe ich mich gewundert, dass die Aussenlampe brennt. Sie wird durch einen Bewegungsmelder ausgelöst, aber da absolut kein Wind herrschte und auch niemand vorbei fuhr, wollte ich durch die Scheibe der Türe schauen, wer oder was das Licht eingeschaltet hat. Und was sehe ich da? Ein Hund? Nein – oh mein Gott, ein Wolf! Rex steht neben mir und will endlich raus, spürt jedoch, dass da etwas auf der anderen Seite der Türe ist. Ich schaue Rex an, das Tier draussen ist zwar fast so hoch wie Rex, aber nur halb so breit. Gut, Rex hat sein Gewicht auf der guten Seite... und das Tier jenseits der Türe hat eigentlich keinen richtigen Wolfskopf, eher wie ein Fuchs. Da kommt mir in den Sinn, dass die Kojoten zur Fuchsfamilie gehören. Aha! Das da draussen ist ein Kojote. Unterdessen ist er von meinem Geschrei (ich habe nach Marcel gerufen) und Rex’s Gejaule etwas erstaunt und entfernt sich von der Tür, geht um die Ecke und schaut beim Seitenfenster rein, allerdings mit einem etwa zwei Meter grossen Sicherheitsabstand. Im Restaurant brennt nur ein kleines Licht und er kann mich deshalb nicht richtig sehen. Ich rufe weiterhin nach Marcel, aber noch bevor er kommt, rennt der Kojote weg und verschwindet in der Dunkelheit. Mit einer sehr hellen Taschenlampe leuchten wir die Umgebung ab, bevor wir mit Rex hinaus gehen. Der wittert sofort die Spur und ich habe grosse Mühe, unseren kräftigen Schäfer-Husky zu halten. Der tänzelt und zieht und vergisst dabei ganz, dass es jetzt Schlafenszeit ist und er doch eigentlich sein geliebtes Guetzli haben will. Zum Glück war ich auf seine Reaktion vorbereitet und brachte ihn schnell wieder rein. Spazieren macht keinen Sinn, sein Geschäft muss er jetzt halt am Morgen erledigen.
Die Nacht verlief ruhig, bis sich frühmorgens um 2.00 Uhr Rex bemerkbar machte. Etwas sei nicht so, wie es sein sollte. Er hat schon lange kapiert, dass er in der Nacht nicht bellen muss, sondern dass ein leises Brummeln von ihm uns sofort aufweckt. Tatsächlich, durch das Fenster sehen wir im Schein unserer Hoflampe, dass sich der Kojote wieder herangetraut hat. Er schleicht interessiert um unsere Abfallkübel herum, hat einen sogar umgestossen, glücklicherweise hat sich der Deckel nicht geöffnet. Wir haben etwas Zeit, das schöne Tier zu beobachten. Dann nehmen wir wieder die Lampe zu Hilfe, um zu signalisieren, dass seine Anwesenheit nicht wirklich erwünscht ist. Der Kojote verzieht sich Richtung Campingplatz und verschwindet aus unserem Blickfeld. Für mich bleibt ein gemischtes Gefühl zurück. Nicht Angst, aber Respekt, denn wo einer ist, könnten ja noch andere sein. Allerdings würde mir ein Wolf so nah am Haus mehr Sorgen machen. Wir haben Wölfe in der Umgebung und im Winter sehen wir auch oft die Spuren. Nur sollten sie mehr im Busch bleiben. Wenn sie nah an die Häuser kommen, sind kleine Haustiere, vielleicht sogar auch Rex und möglicherweise Kleinkinder gefährdet. Rex rennt ja allem nach, was er interessant findet und wenn er da unter ein Wolfsrudel gerät, wissen wir nicht so genau, was passiert. Wir wollen es auch gar nicht wissen und deshalb hat Rex Leinenzwang, sobald wir Wolfsspuren zu nah am Camp sehen. Aber wir nehmen jetzt einmal an, dass dies einfach ein neugieriger Kojote auf der Suche nach Futter war.
Am Dienstag hat Marcel alle Abfallkübel geleert. Als ich am Dienstagabend die Umgebung durchs sichere Fenster beobachtete, bewegte sich tatsächlich etwas auf der grossen Wiese. Aber beim genauen Hinschauen sah ich ein Reh, das auf dem Weg zum Bach war. Nun war ich erleichtert. Wenn ein Reh bei uns herumspaziert, ist kein Kojote in der Nähe. Wir hatten dann auch wirklich eine ruhige Nacht...
Und so sieht ein Hundeleben bei uns im Camp auch aus. Das Bild hat eine Camperin auf den Wetterkanal hochgeladen. Es war an einem sehr heissen Tag und ihr Hund suchte Schutz vor den Mücken im Netzzelt und machte es sich auf dem Tisch gemütlich. Was für ein HUNDELEBEN...