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17 Juni 2016

Schon wieder!

Zum Glück ziehen wir nicht so oft um und hoffentlich lange nicht mehr. Es ärgert mich sehr, dass die neue Adresse auf unseren Briefen, Rechnungen, Magazinen usw. praktisch nie richtig geschrieben ist. Obwohl ich viele Adressänderungen schriftlich gemacht habe (die telefonischen kann ich ja noch halbwegs verstehen bei meinem Akzent im Englischen), sind die Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter nicht in der Lage, die Adresse fehlerlos zu übernehmen. Und sogar zwei Abos aus der Schweiz haben es nicht geschafft, unsere neue Adresse ohne Fehler zu übernehmen...

Warum ich mich so ärgere? Ich verbringe wieder mal total unnötige Zeit am Telefon und PC, um alles endlich richtig hinzubringen. Ob das bei diesen Leuten wohl der Arbeitsbeschaffung dient? Oder sind sie einfach desinteressiert? Oder finden es nicht wichtig? Ich würde sie jedenfalls eher feuern, wenn ich könnte!

Und jetzt gehe ich Holzspalten, um mich wieder abzuregen...






17 Juni 2015

Telefonitis

Gestern wollte ich eigentlich draussen arbeiten. Rasenmähen, jäten, im Loghaus die Scheiben putzen. Wollte ich. Eigentlich.

Stattdessen sass ich drinnen am Telefon, besprach Anrufbeantworter, wartete auf Rückrufe (die nicht kamen), rief wieder an, sprach zwischendurch mit jemandem, wurde weiterverbunden, wartete wieder, besprach einen weiteren Telefonbeantworter, usw. - ein unendlicher Kreislauf.

Am Abend war ich:

     a) immer noch nicht draussen gewesen
     b) der Rasen war natürlich nicht gemäht
     c) das Gejät tummelte sich weiter im Garten
     d) die Scheiben waren auch noch nicht sauber

und ich ziemlich frustriert und unzufrieden. Aber immerhin hatte mein Arbeitsplatz diese Aussicht:

übrigens, links im Bild... meine Amaryllis macht schon wieder eine Blume, die alten Blüten sind erst grad verblüht und schon wieder will sie's wissen

Und hier noch die Aussicht ohne störendes Fenster:


Schön, nicht? Solche Ausblicke stellen einem dann ganz schnell wieder auf!


29 Mai 2015

Das Partycamp

Vor fünfzehn Jahren übernahmen wir mit dem Camp auch alle saisonalen Camper. Wir hatten keine Ahnung, auf was wir uns da einliessen. Nach und nach stellte sich jedoch heraus, dass wir ein berühmt-berüchtigtes Partycamp gekauft haben. Viel Trinken war an der Tagesordnung und da spreche ich nicht von Wasser, oder höchstens gebranntem. Vor allem jedoch Bier. In rauhen Mengen. Kistenweise.

Eigentlich sind die Canadier nette Leute, hilfsbereit, interessiert, neugierig und schnell dein "Freund". So tasteten wir uns aneinander heran. Es gab von unseren Vorgängern Regeln, dies zu tun und jenes zu lassen. Die sollten eigentlich für alle gelten. Taten sie aber nicht. Es gab eine Gruppe, denen "gehörte" das Camp, ein richtiger Clan. Was wir auch taten oder nicht taten, es war falsch. Den vom Vorgänger übernommenen Mitarbeiter liessen wir im ersten Monat gehen. Er hatte sich im Workshop bedient, machte hinter unserem Rücken Geschäfte (natürlich auf unsere Kosten) und vor allem machte er sich lustig über uns, wie wir die ganze Sache angingen. Wir wechselten ALLE Schlösser aus. Er fand es dann nicht mehr lustig, als er mit Sack und Pack vor die Tür gestellt wurde. (Allerdings verwendete er in der Folge viel Energie, um uns überall schlechtzureden, aber das ist eine andere Geschichte.)

Diese eine Gruppe hatte das Camp fest in der Hand. Sie planten immer wieder einen Anlass. Jedes Wochenende gab es zudem eine fifty-fifty-draw. Das heisst, man sammelt Geld bei den Campern und 50% des Betrages konnte von jemandem gewonnen werden. Die anderen 50% verwendeten sie für Aktivitäten oder mit diesem Geld zahlten sie auch die Hälfte an den Gazebo-Bau, ein mit Mückengitter versehener Pavillon, in dem bis zu 40 Personen Platz haben.


der Gazebo anlässlich eines Festes im August 2013

Eigentlich eine gute Sache. Eigentlich. Wenn da nicht dieser Zwang gewesen wäre. Alle Camper, die bei der fifty-fifty-draw nicht mitmachen wollten, waren Aussenseiter. Und da der Pavillon-Bau zur Hälfte vom Camperclan finanziert worden war, wollten sie uns natürlich sagen, was damit zu geschehen hat. Nur das Blöde war, dass wir ja den ganzen Pavillon gekauft und bezahlt haben und nicht den halben.

Der langen Rede kurzer Sinn, unser Start war etwas stürmig. Unzählige Male wurden wir mitten in der Nacht (meist telefonisch) geweckt, wir sollten doch bitte in den Park kommen, es wäre zu laut... oder ein Streit sei entbrannt... oder jemand wäre stockbesoffen. Uff! Wir brauchten eigentlich unseren Schlaf und es war hart, um Mitternacht oder ein Uhr morgens für eine Bagatelle geweckt zu werden. An Schlaf war nachher oft nicht mehr zu denken. Auf meine Frage, weshalb sie sich nicht selber beim Nachbarn über den Lärm beschweren, wurde ich mit grossen Augen angestarrt: Dazu seien wir doch da und sie wollen schliesslich keinen Aerger mit den Nachbarn. Mir blieb die Spucke weg! Aber ich soll mich unbeliebt machen und sogar nicht mal den Namen des oder der Gestörten nennen dürfen. Aber was weiss man schon am Anfang von einem solchen Abenteuer. Man wollte es möglichst allen recht machen und nett bleiben. Erst später habe ich gemerkt, dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist, es allen recht zu machen.

Im zweiten Sommer dann begann vor allem Marcel die Regeln strikt durchzusetzen - zur Freude der Aussenseiter und zum Leidwesen des Camperclans. Sie begannen uns zu mobben. Das war für sie ganz einfach. Sie brauchten einfach anonym einer Behörde anrufen und denen zu erzählen, wir machten dies oder jenes entgegen dem Gesetz. Und was mussten die Behörden tun? Auch bei einem anonymen Anruf? Richtig: Sie kamen angedüst und kontrollierten alles von unten bis oben und von vorn nach hinten. Gefunden haben sie nie etwas. Im Gegenteil, wir waren doppelt und dreifach bemüht, uns an die Regeln zu halten. Schliesslich waren wir neu im Land und hatten viel zu lernen. Aber dann wurden sie gegen Ende Sommer doch fündig: Das Wasser im Park hatte nach einer wochenlangen Dauerhitze schlechte Werte. Sofort mussten an alle Wasserhahnen - und das waren viele, bei jedem Platz einen - Schilder aufgehängt werden mit der Warnung: "Kein Trinkwasser". Zwar hat nie jemand von diesem Wasser getrunken. Die Camper wussten, dass es kein Trinkwasser war und immer abgekocht werden musste. Für Trinkwasser gab es eine extra gefasste Quelle, die auch von allen benutzt wurde.

Dazu muss man wissen, dass im Jahr zuvor irgendwo weit weg von uns in Südontario das Trinkwasser einer Gemeinde mit Kolibakterien verseucht worden ist und es damals sogar Todesfälle gegeben hat. Deshalb reagierten die Behörden panikartig auf alle schlechten Wasserwerte. In diesen Zeitpunkt fiel leider unser Wasserproblem. Wir mussten also etwas tun, erhielten riesige Auflagen. Uns war klar, dass wir schnellstmöglichst eine Quelle bohren lassen wollten (was wir im Frühling 2002 auch gemacht haben). Auf Wasser aus dem See oder dem Fluss, wie hier allgemein üblich, wollten wir verzichten. Aber vorher mussten wir diese schwierige Saison zu Ende bringen.


Bohren der neuen 150 m tiefen Quelle im April 2002

Als die Behörden wieder einmal einen Anruf erhielten und bei uns vorbeikamen, konnte ich nicht mehr - und ich erzählte dem Inspektor von unseren Problemen. Der schaltete prompt und ihm wurde plötzlich klar, was für ein Spiel da mit uns getrieben wurde und weshalb er immer wieder zu uns kommen musste. Als im gleichen Moment noch ein Sachbearbeiter von einem anderen Ministerium anrief, übernahm er kurzerhand den Telefonhörer und erklärte dem anderen Ende unser Dilemma. Von da an war Ruhe. Sobald ein Anruf von einem unserer Camper in einem der Ministerien ankam, wurde darüber informiert, dass unwahre Geschichten ein kostenpflichtiges Verfahren nach sich ziehen könnte. Logisch, dass da die Anrufe schnell aufhörten.

Nach weiteren Unmöglichkeiten seitens des Camperclans zogen wir unsere Konsequenzen und kündigten Ende Sommer alle Saisonverträge. Die Camper mussten sich neu bewerben und wir siebten rigoros. Im Jahr darauf - es war im 2002, als der Tourismus wegen 9/11 ziemlich eingebrochen war - starteten wir mit einem Viertel weniger Saisoncampern, dafür war die Stimmung besser. Ende Sommer 2003 - es war das Jahr mit der Sars-Epidemie - verliess uns noch ein weiterer Teil der Partygruppe. Es war eine schwierige Zeit, aber seither geht es langsam und stetig aufwärts. Heute haben wir eine tolle Campergemeinde. Ein paar Familien, einige Pensionierte und viele berufstätige Paare mit zum Teil erwachsenen Kindern und oft schon mit Grosskindern. Eine bunte Mischung, wo alle leben und leben lassen. Von den ursprünglichen Campern sind immer noch neun hier, die anderen sind weggezogen, haben (altershalber) mit Campen aufgehört oder ein paar sind leider gestorben. Das ist der normale Kreislauf. Es fällt schwer, manche Camper ziehen zu lassen, aber es kommen immer wieder nette Leute nach.


28 Januar 2015

Reduziert

Wie immer anfangs Jahr muss man sich mit vielen Formularen, Anträgen, Zahlen und Daten beschäftigen. Mir scheint der Mensch wird nur noch auf Nummern, Buchstaben und Zahlen reduziert...





10 November 2014

Die weisse Nullnummer


Tadaaah... Der neue Briefkasten. Schön separat und ganz links oben ist er; trägt die weisse Nummer "0" - unser neue Briefkasten am alten Standort. Man beachte auch die tolle weisse Dekoration drum herum. Es sind genau sieben Wochen seit dem letzten Briefkastenbild vergangen. Und noch etwas fällt einem auf: Es gibt jetzt wieder neun freie Fächer. Mal sehen für wie lange. Momentan ist die Box "all ours"!

Die Postbeamten haben sich wirklich alle Mühe gegeben und die älteste, verbogenste und rostigste Postbüchse für uns abgestellt. Der Verschluss klemmt nur ganz wenig. Aber hey! Es erfüllt seinen Zweck.

Heute morgen haben wir sogar den Pöstler samt seiner Frau und ein Nachbar-Ehepaar dort getroffen. Es gab fast einen Verkehrsstau da im Nirgendwo. Wir haben bedauert, dass wir keinen Kaffee für einen Kaffeeklatsch dabei hatten. Man sieht sich ja nicht so oft.

Und so hat sich uns die Songis Road auf unserer Fahrt in die Stadt präsentiert:


Zum Glück sind der Pfadschlitten und Sander schon gekommen, die Strasse ist momentan sehr eisig und ziemlich rutschig. Mehr als 40 km/h liegen da nicht drin. Es sieht aus, wie wenn der Winter definitiv bei uns angekommen ist.



08 November 2014

Briefkasten-Theater mit Happyend

Unser Briefkasten befindet sich bekanntlich 9 km vom Camp. Das war am Anfang gar nicht so einfach, waren wir von der Schweiz her doch gewohnt, den Briefkasten beim Haus zu haben. 

Uebrigens habe ich dies bereits am 30.6.2007 in meinem damaligen Bluewin-Blog beschrieben. (Diese Beiträge sind leider alle verloren, denn die "BlueBlogs" wurden 2009 eingestellt und später vom www entfernt. Glücklicherweise machte ich von allem eine Sicherung und kann deshalb meinen damaligen Beitrag nochmals veröffentlichen):


"Hier nochmals ein Bild von unserem Rundflug. Wer das Camp und die Umgebung kennt, sieht genau den Verlauf der Strassen und Wege. Die zwei kleinen Seen unten rechts sind eigentlich eher Moore, aber gestaut durch Biber haben sie sich zu kleinen Tümpeln entwickelt. Sie liegen nördlich der Privatstrasse zur Black Bay, welche eine Fortsetzung der Songis Road und die Zugangsstrasse zu all den Cottages östlich von uns ist. Was heisst hier Cottages, jedes Jahr werden mehr und mehr dieser eher einfachen Ferienhäuser durch richtige Wohnhäuser ersetzt. Einige unserer Nachbarn werden in den nächsten Jahren pensioniert und gedenken, hier ihren Wohnsitz aufzuschlagen. Das hat auch Vorteile für uns. Je mehr Leute hier draussen wohnen, umso eher wird die Strasse unterhalten und wer weiss, vielleicht bekommen wir dann doch mal die Tageszeitung oder sogar die Post hier angeliefert. Unser Briefkasten ist momentan 9 km entfernt und das zuständige Postbüro liegt in North Bay, 35 km von hier, im grossen Einkaufszentrum. Das ist vor allem unpraktisch, wenn man ein Packet oder einen Brief abholen muss. In der Regel leeren wir den Briefkasten nur ein Mal pro Woche, am Montag nämlich, der unser Einkaufstag ist. Finden wir nun auf unserer Rückkehr von der Stadt einen Abholschein im Briefkasten, dann dauert es exakt eine Woche, bis wir wissen, was denn da so wichtig oder sperrig ist, dass es nicht in unsere Mailbox passt.

Anfangs machte mir das schon etwas Mühe, denn wir waren von der Schweiz gewohnt, morgens um 5 Uhr zwei Tageszeitungen und spätestens um 11.00 Uhr unsere Post im Briefkasten am Haus vorzufinden. Inzwischen habe ich aber festgestellt, dass die Rechnungen und Werbungen gut eine Woche länger liegen können, Privatpost freut uns auch dann noch und für Dringendes gibt es ja sowieso die E-Mail. Nur die Tageszeitung vermissen wir manchmal, denn oft wissen wir nicht, was in der Stadt gerade läuft. Aber da wir sowieso keine Zeit für Kino oder Theater haben und an vielen Veranstaltungen nicht teilnehmen können, spielt es auch keine Rolle, wenn wir nicht wissen, was los ist. Vor ein paar Jahren gab es noch ein Fernsehstudio in der Stadt, das die lokalen Nachrichten brachte. Aber da wurde fusioniert und wir gehören fernsehtechnisch nun zu Sudbury, das liegt 125 km entfernt. Weiter dazu gehören Sault Ste. Marie (430 km), Timmins (370 km) Huntsville (130 km) und auch Wawa (630 km). Man kann sich vorstellen, wieviel (oder wie wenig) man da wirklich über die eigene Stadt erfährt. Lokalradio gibt's aber noch und da erfahren wir dann doch ab und zu etwas. Und natürlich von unseren Campern, den Gästen im Restaurant oder auch von den wenigen Nachbarn. Wir haben gelernt nicht alles zu glauben, bis wir es ganz genau wissen. Auch hier gibt es Soap Operas, Redbridge ist eben auch ein Kaff und North Bay nicht gerade eine Grossstadt. Gerüchte reisen erstaunlicherweise auch durch den Busch. Es ist wie überall, aber das macht es ja spannend, nicht?"

***
In den sieben Jahren, die seit obigem Blogeintrag vergangen sind, hat sich natürlich einiges verändert. Unsere Poststelle befindet sich inzwischen noch einen Kilometer weiter vom Einkaufszentrum entfernt in einer Apotheke. Die Poststelle war schon vorher in dieser Apotheke, aber da diese umgezogen ist, ist auch unsere Poststelle mitgezogen. Praktischer ist es allemal, denn die Parkplatzverhältnisse sind jetzt viel besser. Wir fahren nun auch öfters in die Stadt und haben Bekanntschaft mit Kino und anderen Freizeitaktivitäten gemacht. Ein paar neue Häuser sind inzwischen gebaut oder alte renoviert worden. Es leben tatsächlich nebst uns bereits 9 Parteien das ganze Jahr hier draussen und die nächsten stehen in den Startlöchern, resp. der Keller ist gebaut... 

Dass wir dadurch einen besseren Postservice erhalten, hat sich aber nicht bewahrheitet. Im Gegenteil. Die Post muss sparen. Und so haben wir im September ein Schreiben erhalten, dass uns ein neuer Briefkasten zugewiesen werde. 16 km vom Camp. Beim General Store. Der befindet sich bei der Abzweigung unserer Strasse am Highway. Was soll man da tun, Post-Routen werden aufgehoben, zentralisiert, vereinfacht, günstiger gemacht. Dachte ich... Bis ich dann merkte, dass unsere grünen alten abgenutzten Briefkastenboxen gar nicht abgeräumt wurden und an unserem alten Fach ein neues Vorhängeschloss hängt. Jemand anders benutzt unseren Briefkasten!


Was soll denn das? Nicht mit mir! Ziemlich viele rebellische Gedanken machten sich breit und ich hängte mich ans Telefon und wollte herausfinden, weshalb man uns zum General Store verschiebt und jemand anders unseren Briefkasten erhält. Die Achthunderternummer verbindet mich mit einer geduldigen Sachbearbeiterin irgendwo in Canada, die meine Geschichte anhört. Natürlich hat sie keine Ahnung, weshalb und warum. Sie notiert pflichtbewusst alles, gibt mir eine Ticketnummer (Bearbeitungsnummer) und verspricht einen Anruf von der zuständigen Poststelle. 

Das klappt dann auch ein paar Tage später und der Postbeamte erklärt mir, dass die Briefkasten logischer verteilt wurden, damit auch ein Ersatzbriefträger die Arbeit machen könne. Die Briefkästen sind nun nach Strassen und Hausnummern verteilt. Das tönt logisch, aber ich verstehe immer noch nicht, weshalb wir von den Briefkästen 9 km vom Camp zu den Briefkästen 16 km vom Camp umziehen mussten und eine unserer neuen Nachbarn unsere Box erhält. Man verspricht mir einen Rückruf und erbittet die Zustimmung, das "Ticket" zu schliessen, weil erledigt. Ich bin einverstanden, denn ich werde ja einen Rückruf erhalten. Ich warte. Und warte. Und warte. Dann rufe ich selber wieder an. Diesmal direkt die zuständige Poststelle. Nach mehrmaligem Anlauf erreiche ich endlich wieder den Sachbearbeiter. Der erklärt mir, er könne nichts machen. Er verstehe meinen Aerger zwar, aber all die grünen Boxen 9 km vom Camp seien besetzt. WAS??? Weshalb denn sowas? Ich will einfach wissen, weshalb man uns den Kasten genommen und jemand anderem gegeben hat. Kann er mir aber nicht erklären. Das wurde angeblich in London, Südontario, (wahrscheinlich liegt dort irgendein Entscheidungszentrum der Post) so entschieden. Aber das ist für mich keine Erklärung. Ich werde ziemlich energisch und will einfach eine Antwort, wie genau sie zu einer solchen Entscheidung gekommen sind. (Zwar ahne ich die Antwort, aber sie kommt einfach nicht). Dann will ich mit dem Vorgesetzten des Sachbearbeiters sprechen oder wenigstens seinen Namen erfahren. Der Sachbearbeiter blockt. Ich gebe nicht nach. Schlussendlich sagt er entnervt, dass er alles nochmals weiterleiten werde und sich bei mir innerhalb zwei Tage wieder melden werde.

Szenenwechsel.

Marcel und ich sind mit unserer Wundermaschine am Holzen. Endlich regnet es mal nicht und die Sonne wagt sogar einen Blick durch die Wolken. Wir kommen gut voran mit unserer Arbeit. Die letzten zwei Stämme müssen noch zerschnitten, gespalten und aufgeschichtet werden. Da sehen wir plötzlich zwei Männer in Postuniform auf uns zukommen. Ich unterbreche die Arbeit und nehme meinen Holzfällerhelm ab. Die zwei "Beamten" stellen sich vor als die Verantwortlichen der North Bay Postverteilung. Sie wollten sich ein Bild von der Situation mit den Briefkästen machen und sie können nun wirklich verstehen, weshalb ich sauer sei. Sie erklärten mir, dass die neue Briefkastenverteilung nach Strassen vorgenommen wurde. So wurden alle Briefkästen der Bewohner unserer 16 km langen Strasse zum General Store verschoben. Und die Bewohner der wenigen Seitenstrassen haben ihren Briefkasten neu bei den grünen Boxen erhalten. Das erklärt, weshalb unsere Nachbarn nun unseren alten Briefkasten haben. Da das Camp als einzige am Ende unserer Strasse liegt (wir haben die Nummer 1875) und die zweitletzten Bewohner der Songis Road etwa 8 km von uns weg sind - dazwischen gibt es keine Häuser - hat das ausser uns fast niemanden gestört. Die Postbeamten mussten jedoch zugeben, dass dies wirklich nicht gut durchdacht wurde und für uns äusserst unpraktisch sei. Sie versprachen mir eine schnelle Antwort und eine hoffentlich gute Lösung.

Schlussszene.

Und tatsächlich. Nur zwei Tage später erhalten wir einen Anruf, dass eine neue grüne Box bewilligt worden sei und wir den obersten linken Briefkasten davon erhalten werden. Und seit gestern ist es Tatsache: Eine neue grüne alte abgenutzte Briefkastenbox mit 10 Fächern steht neben den beiden anderen. Als ich extra die Fahrt dorthin unter die Räder nahm, um unser altes Vorhängeschloss daran anzubringen, war sogar schon die erste Post darin für uns: Es sind zwei Briefe und zwei Abholscheine, um auf dem Postamt bei der Apotheke in der Stadt unsere neuen Pässe abzuholen. Das werden wir am Montag erledigen.

Na also! Geht doch!