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21 Juli 2015

Shad flies oder Fish flies

Es gibt noch ein Fliegengetier, das ich hier vorstellen will. Jedes Jahr anfangs Juli steigt es aus dem Lake Nipissing und überfällt die Stadt zu Tausenden und Abertausenden. Sie leben nur ein paar Stunden (für die Fortpflanzung) und werden vor allem nachts vom Licht angezogen. Am Morgen sehen jeweils viele Hausfassaden etwa so aus:



Zu Tausenden kleben sie an den Gebäuden und werden oft mit Hochdruckreinigern weggewaschen.


Der Geruch, den sie verbreiten - vor allem, wenn sie zerquetscht sind - erinnert an Fisch... viel Fisch...


Meistens ist der ganze Spuk nach einer Woche wieder vorbei...


Natürlich findet man sie auch auf den Strassen und Gehwegen. Beim Drauftreten knackt es und ein leichter Fischgeruch verbreitet sich. Die Stadt und Geschäfte geben Unmengen aus, um die Tiere Tag für Tag zusammenzufegen, von den Fassaden zu waschen, sie einfach irgendwie zu entsorgen. 
So unangenehm die ganze Angelegenheit auch ist, die Tiere beweisen, dass der See und sein Ecosystem noch gesund sind, hier kann man es nachlesen.



23 Juni 2015

Siamesische Zwillinge

Gestern nach dem Einkauf einer Ladung Kirschen


frage ich mich unweigerlich: Ob sie in Selah, Washington, USA wohl ein Atomkraftwerk in der Nähe haben?...


31 Mai 2015

Schon wieder...

...schrammten wir knapp am Frost vorbei!


Verpackungskunst à la "sicher ist sicher"



11 Mai 2015

Die Glocke, die verbindet


Hinter der Glocke steckt eine schöne Geschichte. Den Anfang genommen hat sie 2010, als wir zum ersten Mal unsere Freunde in der zum Hotel umgebauten Mühle in Südontario besuchten. Häuser mit Geschichten haben uns schon immer fasziniert und interessiert. Wir sind offensichtlich nicht die Einzigen, die an alten Dingen Freude haben, denn im Eingangsbereich des Hotel und Restaurants hat Gord ein kleines Museum eingerichtet mit Antiquitäten und Kuriositäten, die er im Laufe seines Lebens gesammelt hat.

In diesem Bereich warten auch die Gäste auf einen freien Tisch im Restaurant. Speziell während der monatlich stattfindenden Fischwoche muss man locker mal eine Viertelstunde auf einen Tisch warten. 
Seit unserem ersten Besuch sind schon einige Gegenstände dazugekommen. Die Begeisterung für alte Dinge steckt an und schon oft hat ihm ein Stammgast die eine oder andere Rarität gebracht, damit sie hier gebührend bewundert und beschwatzt werden kann.

Leider - und das ist sehr traurig - verschwinden manchmal auch (vor allem wertvolle) kleine Gegenstände. Gord merkt es oft erst viel später, denn in der Menge der Dinge fällt das nicht immer sofort auf. Trotzdem hat er beschlossen, die Sachen weiterhin seinen Gästen zugänglich zu machen.
Bei jedem Besuch nun müssen wir nachschauen, was sich Neues in seinem Sammelsurium finden lässt.

Wie verwundert waren wir also bei unserer ersten Entdeckungsreise, als wir gleich zwei solcher Glocken fanden:


Gord konnte meine Begeisterung gar nicht verstehen. "Woher hast du die?" und "Weisst du, wo Saignelégier liegt?" "Was steckt da wohl für eine Geschichte dahinter?" Fragen über Fragen. Ich stellte mir natürlich eine romantische Einwanderergeschichte von Jurassiern im vorletzten Jahrhundert vor. Schlussendlich waren die Antworten dann gar nicht so spektakulär. Gord hatte die Glocken von seinem Vater, der eine riesige Antiquitätensammlung besessen hatte. Sein spezieller Bezug zu den Glocken war eigentlich nur, dass die Jahrzahl darauf auch das Baujahr der Mühle ist:


Natürlich haben wir ihm von Saignelégier in der Schweiz erzählt und von unseren vielen Campingausflügen dahin in unserem "früheren" Leben. Er fand das sehr speziell und interessant. Und so überraschte er uns eines Tages damit, dass er uns die eine der beiden Glocken als Zeichen der Freundschaft überreichte. Das hat uns sehr gefreut! Seither steht die Glocke an einem speziellen Ort in unserem Restaurant, zusammen mit einer anderen, die wir aus der Schweiz mitbrachten.

Als i-Tüpfelchen gibt es noch eine kleine Fortsetzung der Geschichte: Bei unserem letzten Besuch in der Mühle begleiteten uns Pat und Barry, die seit Jahren unseren Campingplatz besuchen. Und als wir am Schluss unseres Ausfluges bei ihnen in der Küche sassen, verschwand Barry plötzlich im Keller und kam zurück... mit einer Glocke! Der genau gleichen Glocke, wie sie Gord und wir besassen. Auch Barry ist irgendwoher zu einer solchen Glocke gekommen. Es muss also tatsächlich Tausende davon in Nordamerika geben. Für uns jedoch hat sie eine ganz spezielle Bedeutung, die der Freundschaft.


11 April 2015

Doofe Frage

Heute erhielten wir folgendes e-mail:

               Hey Folks,
               Any idea on the ice being out by May 10 ?
               Thanks ! 

Solche Mails machen mich immer sprachlos. Bin ich die Wetterfee oder eine Wahrsagerin oder verbandelt mit Petrus und Frau Holle? Ich würde ja selber gerne wissen, wann wir endlich wärmere Temperaturen erhalten, damit das Eis am 10. Mai dann auch sicher weggeschmolzen ist!

Allerdings: Hoffnung keimt auf. Wir sollen morgen Sonntag tagsüber Temperaturen von PLUS 10 Grad erhalten (und das nachdem es letzte Nacht wieder geschneit hat).

Im Moment sieht es erfreulicherweise so aus:


Vor einem Jahr haben wir am gleichen Wochenende den Grill zum ersten Mal angeworfen und das werden wir dieses Jahr genau gleich handhaben. Jawohl!


15 März 2015

Kurioser Anblick

Heute, vor unserem Tor


Nein, es sind keine Campinggäste, die auf Einlass warten. Es sind die Eisfischerhütten, die vom See geholt wurden und nun auf den Abtransport warten.

Obwohl die Tau-Phase letzten Mittwoch abrupt gestoppt wurde und wir seither wieder 20 cm Neuschnee erhalten haben, ist es ratsam, den See nicht mehr zu befahren. Das Eis wäre zwar noch dick genug, aber der Pflotsch (schweizerisch für Schneematsch) darauf erschwert ein Vorwärtskommen ungemein. Die Eishütten, die ja oft mit allen Schikanen und - wie man auf dem Bild sieht - sogar mit einem Holzofen ausgerüstet sind, haben ein erhebliches Gewicht. Auf unserem See werden sie mit Schneemobilen oder mit ATVs (Quads) zur richtigen Stelle gezogen. 

Wenn eine Tau-Phase wie anfangs der letzten Woche einsetzt, verwandelt sich der Schnee auf dem Eis in dicken Pflotsch. Das Gewicht wird immer grösser und drückt aufs Wasser, wodurch durch jedes Loch und jeden Spalt mehr Wasser aufs Eis fliesst und es irgendwann unmöglich wird, die Eishütten zu bewegen.

Heute endet zudem die Eisfischersaison und deshalb nutzen die Fischer den Tag zum Abräumen. Eigentlich hätten sie damit Zeit bis Ende März. Aber ob es bis dahin noch möglich wäre? Niemand will dieses Risiko eingehen. Jede Eishütte braucht von Gesetzes wegen eine Registrationsnummer. Damit können Besitzer ausfindig gemacht werden, die versuchen ihre Hütten elegant zu entsorgen. Für "abgesoffene" Eishütten gibts hohe Bussen.

Das "durften" wir in unserem ersten Winter auf die harte Tour erfahren. Zum Camp gehörte damals eine bereits registrierte Eishütte. Wir wussten nicht so richtig, was mit ihr anfangen. Als uns ein paar (gefitzte) lokale Gäste fragten, ob sie die Hütte aufs Eis ziehen dürfen, um darin zu fischen, sahen wir keine Probleme. Nun muss während des ganzen Winters darauf geachtet werden, dass die Hütten auf dem Eis nicht anfrieren. Nach jedem Schneefall und jeder Tau-Phase müssen die Kufen gelöst und neu unterbaut werden. Keine grosse Sache, wenn man das weiss. - Wir wussten nichts davon. Unsere Bedingung an die "Gäste" war nämlich, dass sie sich um alles Notwendige selber kümmern. Soweit so gut. Die "Gäste" nutzten die Hütte (gratis und franko) und hatten ihren Spass darin.

Und dann kam das Eisfischer-Saisonende. Die Tage wurden wärmer und die Tau-Phase setzte ein. Irgendwann fragte uns ein Bekannter, ob das eigentlich unsere Hütte sei, die da draussen auf dem Eis stehe. Er sah etwas skeptisch und besorgt aus. Wir wunderten uns schon eine Weile, warum unsere "Gäste" keinen Gebrauch mehr davon machten. Nun bekamen wir von unserem Bekannten eine Schnell-Lektion im Eishütten-Betreiben. Wir mussten erfahren, dass wir von unseren "Gästen" aufs Glatteis geführt wurden. Den ganzen Winter über hatten sie sich nicht ums "Hütte-vom-Eis-lösen" gekümmert und sich schlussendlich aus dem Staub gemacht. Inzwischen war sie dick angefroren und WIR hatten keine Chance mehr, sie am Stück vom Eis zu holen. Falls wir sie auf dem Eis liessen, mussten WIR die dicke Busse bezahlen.

Marcel machte kurzen Prozess. An einem sonnigen Tag Ende März marschierten wir mit einem Schlitten, der Motorsäge und anderem Werkzeug bewaffnet zur Eishütte. Wir demontierten das Dach und alles, was nicht festgefroren war. Dann nahm Marcel die Motorsäge und schnitt die noch vorhandenen Wände bis zur angefrorenen Höhe ab. In unzähligen Trips brachten wir das ganze Material an Land. Wie bereits gesagt, es war ein schöner Tag. Die Sonne schien ungehindert auf den nun freiliegenden dunkelbraunen Holz-Fussboden. Durch die Hitze wurde das Eis darunter geschmolzen und wir schafften es mit Hilfe von Brecheisen, Pickeln und Schaufeln, den Hüttenboden und die Kufen aus dem Eis zu lösen. Das war das Ende der Camp-Eishütte. Wir wollten nie mehr etwas damit zu tun haben...

Februar 1998 - Eishütten auf Lake Nipissing
(damals waren wir noch als Touristen in Canada)



07 März 2015

"Schpring vorwärts"

Nie konnte ich mir früher merken, ob bei der Zeitumstellung die Uhren vorwärts oder rückwärts gedreht werden müssen. Seit ich in Canada lebe, fällt mir dies ganz leicht. Heute Nacht werden die Zeiger "vorwärtsSPRINGen", um dann im November wieder "zurückzuFALLen".

Spring = Frühling / Fall = Herbst. 
Ganz einfach.

Was ich jedoch nie verstehen werde, warum stellen wir hier die Uhren anfangs März und November um - und nicht wie in Europa am letzten Samstag im März und Oktober? Wahrscheinlich, um immer schön flexibel zu bleiben... haha.

Also, nicht vergessen, ab Sonntag beträgt unser Zeitunterschied zur Schweiz für drei Wochen wieder mal nur fünf Stunden.


Und was habe ich wohl heute Morgen gemacht? Richtig! 7 cm Neuschnee geschaufelt bei "nur" -9 Grad. Grrrr



09 Januar 2015

Beim Aufräumen

bin ich über ein altes Buch gestolpert mit dem Titel "Der neue Gartenbau". Das ist eigentlich nichts Aussergewöhnliches, bis man es genauer unter die Lupe nimmt. In alter Schrift erfährt die Leserin, dass ein H.M. Stringfellow aus Calveston, Texas, das Buch geschrieben hat. Die "Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen" wurde von Friedrich Wannieck, Besitzer der Victoria-Baumschule in Schöllschitz (Mähren), vorgenommen. Gedruckt wurde das Buch in Frankfurt a.O. von "Druck und Verlag der Königl. Hofbuchdruckerei Trowitzsch & Sohn" im Jahre 1901.


Und das ist doch sehr beeindruckend. Was hat dieses Buch wohl schon alles erlebt? Es muss 2010 zu mir gekommen sein, als meine Schwester ihren Haushalt aussortierte und viele Dinge weggegeben hat. Meine Schwester wiederum dürfte das Buch von unserem Grossvater (geb. 1897) erhalten haben. Er hat nämlich um die Jahre 1979-1984 einen Teil seiner Besitztümer verteilt, u.a. eben dieses Buch. (Ich selber bin durch ihn damals in den Besitz von alten Canadaprospekten gekommen. Habe ich nicht schon mal erwähnt, dass ich das "Bhalti"-Gen von meinem Grossvater irgendwie geerbt habe?) Wie auch immer, als meine Schwester das Buch entsorgen wollte/musste, habe ich es "gerettet", obwohl ich wirklich nicht weiss, was ich damit anstellen soll. Das Buch ist ja nicht die Hauptsache. Das Beste daran ist das Buchzeichen und das will ich näher vorstellen: Es ist ein von meinem Grossvater hand-abgeschriebenes Gedicht und es zeigt mir wieder einmal, wieviel Humor mein Grossvater doch hatte:

So ein Glückspilz, denkt einmal,
sass er da im Weinlokal.
Ass ein Dutzend Austern auf,
die er nicht genau beguckte
und so eine Perle schluckte.
Nun - verschlägt's Euch nicht den Schnauf?

Als dem Glückspilz das passiert,
hat man ihn gleich operiert
und er starb natürlich dran.
Wurde in den Sarg gebettet...
Doch die Perle war gerettet
und man sah ihm gar nichts an.

So ein Glückspilz - staunet nur!
Wie man den zum Friedhof fuhr,
das war einfach kolossal ---
Was die Perle wert gewesen, 
deckte alle diese Spesen,
nebst der Rechnung vom Spital.

16. XI. 74  Zof. Alg. "Ein kleines stilles Leuchten"

Dieses Blatt ist so typisch für meinen Grossvater und ich sehe ihn wieder vor mir, wie er Hof hielt, die ganze Familie organisierte (und manipulierte). Er war ein Patriarch, Erfinder, selbständig, interessiert, interessant, seiner Familie eng verbunden, manchmal tyrannisch und bis ins hohe Alter wach und neugierig. Einmal nahm er eine digitale Uhr auseinander, weil er wissen wollte, wie sie funktionierte. Und als ich im Sekretariat einer Klubschule arbeitete, organisierte ich ihm eine Japanischlehrerin, weil er unbedingt wissen wollte, was die japanischen Schriftzeichen auf dem ihm geschenkten Kalender eines seiner Freunde aus Japan bedeuteten. Damals war er 90 Jahre alt. Er lebte bis ein Jahr vor seinem Tod (1993) allein in seinem alten Haus, umgeben von einem wilden Garten, mitten in Neuhausen. Er bleibt unvergesslich und deshalb werde ich das Buch samt Lesezeichen weiterhin behalten.

24 November 2014

Marroni oder der Gourmet-Dog

Am Sonntag konnten wir endlich eine Portion Marroni im Pizzaofen rösten. Marroni gehören irgendwie in diese Jahreszeit und wir haben in den Läden schon seit ein paar Wochen nach der Spezialität Ausschau gehalten. Das ist hier in Nordontario gar nicht so einfach, denn Marroni kennen nicht alle Leute und sie sind auch vom Preis her eher ein Luxusprodukt. Trotzdem muss es mindestens einmal im Jahr sein. Und endlich fanden wir in einem grösseren Lebensmittelladen dicke und vor allem frische Marroni. (Natürlich lohnt es sich nicht, wegen 21 Marroni den Pizzaofen zwei Stunden einzuheizen und so haben wir gleich noch einen Rinderbraten darin geschmort):


Beim Essen haben wir festgestellt, dass Max-der-Spaniel Marroni auch ganz gut findet. Verwöhnt wie er ist, hat er seinen Teil davon abbekommen. Und das erinnerte uns an folgende Geschichte:

Vor sieben Jahren haben wir entdeckt, dass Rex ein richtiger Feinschmecker war. Er begleitete mich immer zu den Cottages, wenn ich sie zwischen zwei Gästegruppen reinigen musste. Dabei untersuchte er ganz genau die Umgebung, denn ab und zu schmeissen die Leute ihre überzähligen Lebensmittel einfach in die Natur. Meistens bleiben die Sachen nicht lange liegen, denn Fuchs und Co. kommen auf ihrer Futtersuche regelmässig vorbei. Nach einem solchen Ausflug bemerkten wir, dass Rex etwas in seiner Schnauze nach Hause trug und es auf keinen Fall hergeben wollte. Wenn er eine Trophäe ergatterte, war es sehr schwierig, sie ihm abzujagen. (Einmal hatte er einen Biberpelzhut gefunden und wir hatten die liebe Mühe, ihm den Hut wegzunehmen, bevor er ihn zerhudelte und zerfetzte. Immerhin stand Biber auf seiner Beuteliste und er fand es absolut nicht nötig, den Hut seinem Besitzer zurückzugeben.) Es war also von Vorteil, Rex's komisches Verhalten vorerst zu ignorieren. Wir mussten einfach aufpassen, dass er das "Ding" nicht fressen konnte, bevor wir sahen, was es war. Wie erstaunt waren wir dann, als er daheim schnurstracks auf seinen Platz lief und seine Beute sorgfältig hinlegte und gut bewachte:


Wir waren sehr gespannt, was nun kommen würde - und tatsächlich, er nahm sie vorsichtig in die Schnauze und biss leicht darauf:


Nach ein paar genüsslichen Minuten sah es so aus:


Wir waren baff. Rex wusste genau, was er da tat. Von da an lief er jeden Morgen zum Log Cottage, um sich eine oder zwei Marroni aus dem Schnee zu buddeln, sie heimzutragen und dort genüsslich zu verspeisen. Sie waren gekocht, das haben wir noch festgestellt. Vermutlich hatte eine Gästegruppe die Chestnuts gekauft, sie im Wasser gekocht und für nicht essbar befunden. Dann haben sie sie in den Schnee vor dem Cottage geschmissen und Rex mit seiner sensiblen Nase hat sie aufgespürt und sich Stück für Stück einverleibt, bis alle alle gefressen waren. Er war eben ein echter Gourmet!

10 November 2014

Die weisse Nullnummer


Tadaaah... Der neue Briefkasten. Schön separat und ganz links oben ist er; trägt die weisse Nummer "0" - unser neue Briefkasten am alten Standort. Man beachte auch die tolle weisse Dekoration drum herum. Es sind genau sieben Wochen seit dem letzten Briefkastenbild vergangen. Und noch etwas fällt einem auf: Es gibt jetzt wieder neun freie Fächer. Mal sehen für wie lange. Momentan ist die Box "all ours"!

Die Postbeamten haben sich wirklich alle Mühe gegeben und die älteste, verbogenste und rostigste Postbüchse für uns abgestellt. Der Verschluss klemmt nur ganz wenig. Aber hey! Es erfüllt seinen Zweck.

Heute morgen haben wir sogar den Pöstler samt seiner Frau und ein Nachbar-Ehepaar dort getroffen. Es gab fast einen Verkehrsstau da im Nirgendwo. Wir haben bedauert, dass wir keinen Kaffee für einen Kaffeeklatsch dabei hatten. Man sieht sich ja nicht so oft.

Und so hat sich uns die Songis Road auf unserer Fahrt in die Stadt präsentiert:


Zum Glück sind der Pfadschlitten und Sander schon gekommen, die Strasse ist momentan sehr eisig und ziemlich rutschig. Mehr als 40 km/h liegen da nicht drin. Es sieht aus, wie wenn der Winter definitiv bei uns angekommen ist.



08 November 2014

Briefkasten-Theater mit Happyend

Unser Briefkasten befindet sich bekanntlich 9 km vom Camp. Das war am Anfang gar nicht so einfach, waren wir von der Schweiz her doch gewohnt, den Briefkasten beim Haus zu haben. 

Uebrigens habe ich dies bereits am 30.6.2007 in meinem damaligen Bluewin-Blog beschrieben. (Diese Beiträge sind leider alle verloren, denn die "BlueBlogs" wurden 2009 eingestellt und später vom www entfernt. Glücklicherweise machte ich von allem eine Sicherung und kann deshalb meinen damaligen Beitrag nochmals veröffentlichen):


"Hier nochmals ein Bild von unserem Rundflug. Wer das Camp und die Umgebung kennt, sieht genau den Verlauf der Strassen und Wege. Die zwei kleinen Seen unten rechts sind eigentlich eher Moore, aber gestaut durch Biber haben sie sich zu kleinen Tümpeln entwickelt. Sie liegen nördlich der Privatstrasse zur Black Bay, welche eine Fortsetzung der Songis Road und die Zugangsstrasse zu all den Cottages östlich von uns ist. Was heisst hier Cottages, jedes Jahr werden mehr und mehr dieser eher einfachen Ferienhäuser durch richtige Wohnhäuser ersetzt. Einige unserer Nachbarn werden in den nächsten Jahren pensioniert und gedenken, hier ihren Wohnsitz aufzuschlagen. Das hat auch Vorteile für uns. Je mehr Leute hier draussen wohnen, umso eher wird die Strasse unterhalten und wer weiss, vielleicht bekommen wir dann doch mal die Tageszeitung oder sogar die Post hier angeliefert. Unser Briefkasten ist momentan 9 km entfernt und das zuständige Postbüro liegt in North Bay, 35 km von hier, im grossen Einkaufszentrum. Das ist vor allem unpraktisch, wenn man ein Packet oder einen Brief abholen muss. In der Regel leeren wir den Briefkasten nur ein Mal pro Woche, am Montag nämlich, der unser Einkaufstag ist. Finden wir nun auf unserer Rückkehr von der Stadt einen Abholschein im Briefkasten, dann dauert es exakt eine Woche, bis wir wissen, was denn da so wichtig oder sperrig ist, dass es nicht in unsere Mailbox passt.

Anfangs machte mir das schon etwas Mühe, denn wir waren von der Schweiz gewohnt, morgens um 5 Uhr zwei Tageszeitungen und spätestens um 11.00 Uhr unsere Post im Briefkasten am Haus vorzufinden. Inzwischen habe ich aber festgestellt, dass die Rechnungen und Werbungen gut eine Woche länger liegen können, Privatpost freut uns auch dann noch und für Dringendes gibt es ja sowieso die E-Mail. Nur die Tageszeitung vermissen wir manchmal, denn oft wissen wir nicht, was in der Stadt gerade läuft. Aber da wir sowieso keine Zeit für Kino oder Theater haben und an vielen Veranstaltungen nicht teilnehmen können, spielt es auch keine Rolle, wenn wir nicht wissen, was los ist. Vor ein paar Jahren gab es noch ein Fernsehstudio in der Stadt, das die lokalen Nachrichten brachte. Aber da wurde fusioniert und wir gehören fernsehtechnisch nun zu Sudbury, das liegt 125 km entfernt. Weiter dazu gehören Sault Ste. Marie (430 km), Timmins (370 km) Huntsville (130 km) und auch Wawa (630 km). Man kann sich vorstellen, wieviel (oder wie wenig) man da wirklich über die eigene Stadt erfährt. Lokalradio gibt's aber noch und da erfahren wir dann doch ab und zu etwas. Und natürlich von unseren Campern, den Gästen im Restaurant oder auch von den wenigen Nachbarn. Wir haben gelernt nicht alles zu glauben, bis wir es ganz genau wissen. Auch hier gibt es Soap Operas, Redbridge ist eben auch ein Kaff und North Bay nicht gerade eine Grossstadt. Gerüchte reisen erstaunlicherweise auch durch den Busch. Es ist wie überall, aber das macht es ja spannend, nicht?"

***
In den sieben Jahren, die seit obigem Blogeintrag vergangen sind, hat sich natürlich einiges verändert. Unsere Poststelle befindet sich inzwischen noch einen Kilometer weiter vom Einkaufszentrum entfernt in einer Apotheke. Die Poststelle war schon vorher in dieser Apotheke, aber da diese umgezogen ist, ist auch unsere Poststelle mitgezogen. Praktischer ist es allemal, denn die Parkplatzverhältnisse sind jetzt viel besser. Wir fahren nun auch öfters in die Stadt und haben Bekanntschaft mit Kino und anderen Freizeitaktivitäten gemacht. Ein paar neue Häuser sind inzwischen gebaut oder alte renoviert worden. Es leben tatsächlich nebst uns bereits 9 Parteien das ganze Jahr hier draussen und die nächsten stehen in den Startlöchern, resp. der Keller ist gebaut... 

Dass wir dadurch einen besseren Postservice erhalten, hat sich aber nicht bewahrheitet. Im Gegenteil. Die Post muss sparen. Und so haben wir im September ein Schreiben erhalten, dass uns ein neuer Briefkasten zugewiesen werde. 16 km vom Camp. Beim General Store. Der befindet sich bei der Abzweigung unserer Strasse am Highway. Was soll man da tun, Post-Routen werden aufgehoben, zentralisiert, vereinfacht, günstiger gemacht. Dachte ich... Bis ich dann merkte, dass unsere grünen alten abgenutzten Briefkastenboxen gar nicht abgeräumt wurden und an unserem alten Fach ein neues Vorhängeschloss hängt. Jemand anders benutzt unseren Briefkasten!


Was soll denn das? Nicht mit mir! Ziemlich viele rebellische Gedanken machten sich breit und ich hängte mich ans Telefon und wollte herausfinden, weshalb man uns zum General Store verschiebt und jemand anders unseren Briefkasten erhält. Die Achthunderternummer verbindet mich mit einer geduldigen Sachbearbeiterin irgendwo in Canada, die meine Geschichte anhört. Natürlich hat sie keine Ahnung, weshalb und warum. Sie notiert pflichtbewusst alles, gibt mir eine Ticketnummer (Bearbeitungsnummer) und verspricht einen Anruf von der zuständigen Poststelle. 

Das klappt dann auch ein paar Tage später und der Postbeamte erklärt mir, dass die Briefkasten logischer verteilt wurden, damit auch ein Ersatzbriefträger die Arbeit machen könne. Die Briefkästen sind nun nach Strassen und Hausnummern verteilt. Das tönt logisch, aber ich verstehe immer noch nicht, weshalb wir von den Briefkästen 9 km vom Camp zu den Briefkästen 16 km vom Camp umziehen mussten und eine unserer neuen Nachbarn unsere Box erhält. Man verspricht mir einen Rückruf und erbittet die Zustimmung, das "Ticket" zu schliessen, weil erledigt. Ich bin einverstanden, denn ich werde ja einen Rückruf erhalten. Ich warte. Und warte. Und warte. Dann rufe ich selber wieder an. Diesmal direkt die zuständige Poststelle. Nach mehrmaligem Anlauf erreiche ich endlich wieder den Sachbearbeiter. Der erklärt mir, er könne nichts machen. Er verstehe meinen Aerger zwar, aber all die grünen Boxen 9 km vom Camp seien besetzt. WAS??? Weshalb denn sowas? Ich will einfach wissen, weshalb man uns den Kasten genommen und jemand anderem gegeben hat. Kann er mir aber nicht erklären. Das wurde angeblich in London, Südontario, (wahrscheinlich liegt dort irgendein Entscheidungszentrum der Post) so entschieden. Aber das ist für mich keine Erklärung. Ich werde ziemlich energisch und will einfach eine Antwort, wie genau sie zu einer solchen Entscheidung gekommen sind. (Zwar ahne ich die Antwort, aber sie kommt einfach nicht). Dann will ich mit dem Vorgesetzten des Sachbearbeiters sprechen oder wenigstens seinen Namen erfahren. Der Sachbearbeiter blockt. Ich gebe nicht nach. Schlussendlich sagt er entnervt, dass er alles nochmals weiterleiten werde und sich bei mir innerhalb zwei Tage wieder melden werde.

Szenenwechsel.

Marcel und ich sind mit unserer Wundermaschine am Holzen. Endlich regnet es mal nicht und die Sonne wagt sogar einen Blick durch die Wolken. Wir kommen gut voran mit unserer Arbeit. Die letzten zwei Stämme müssen noch zerschnitten, gespalten und aufgeschichtet werden. Da sehen wir plötzlich zwei Männer in Postuniform auf uns zukommen. Ich unterbreche die Arbeit und nehme meinen Holzfällerhelm ab. Die zwei "Beamten" stellen sich vor als die Verantwortlichen der North Bay Postverteilung. Sie wollten sich ein Bild von der Situation mit den Briefkästen machen und sie können nun wirklich verstehen, weshalb ich sauer sei. Sie erklärten mir, dass die neue Briefkastenverteilung nach Strassen vorgenommen wurde. So wurden alle Briefkästen der Bewohner unserer 16 km langen Strasse zum General Store verschoben. Und die Bewohner der wenigen Seitenstrassen haben ihren Briefkasten neu bei den grünen Boxen erhalten. Das erklärt, weshalb unsere Nachbarn nun unseren alten Briefkasten haben. Da das Camp als einzige am Ende unserer Strasse liegt (wir haben die Nummer 1875) und die zweitletzten Bewohner der Songis Road etwa 8 km von uns weg sind - dazwischen gibt es keine Häuser - hat das ausser uns fast niemanden gestört. Die Postbeamten mussten jedoch zugeben, dass dies wirklich nicht gut durchdacht wurde und für uns äusserst unpraktisch sei. Sie versprachen mir eine schnelle Antwort und eine hoffentlich gute Lösung.

Schlussszene.

Und tatsächlich. Nur zwei Tage später erhalten wir einen Anruf, dass eine neue grüne Box bewilligt worden sei und wir den obersten linken Briefkasten davon erhalten werden. Und seit gestern ist es Tatsache: Eine neue grüne alte abgenutzte Briefkastenbox mit 10 Fächern steht neben den beiden anderen. Als ich extra die Fahrt dorthin unter die Räder nahm, um unser altes Vorhängeschloss daran anzubringen, war sogar schon die erste Post darin für uns: Es sind zwei Briefe und zwei Abholscheine, um auf dem Postamt bei der Apotheke in der Stadt unsere neuen Pässe abzuholen. Das werden wir am Montag erledigen.

Na also! Geht doch!