Heute vor 15 Jahren haben wir das Camp übernommen. Es war ein aufregender Tag und es dauerte unendlich lange, bis wir am Abend endlich die Schlüssel in den Händen hielten und zum ersten Mal die Tür zu UNSERER Lodge öffneten. Zum ersten Mal in unserem Leben besassen wir ein eigenes Grundstück. Dass es gerade 17 ha werden sollten, hätten wir nie zu träumen gewagt.
Leider haben wir aus diesen ersten Wochen keine Fotos. Damals gab es ja noch die Kameras mit den heute so altmodischen Filmen. Und eigentlich hatten wir auch absolut keine Gedanken für solch banale Dinge... (schade).
Es war eine intensive Zeit. Der Container musste von der damaligen Farm meiner Schwesterfamilie zu uns verschoben werden, was eine grössere Sache wurde. Der Lastwagen versank nämlich beim Abladen des Containers im weichen Sand. Nach zwei Stunden Schaufeln und mit Brettern unterlegen beschloss der Fahrer, dass er nun kein Risiko für sein Fahrzeug mehr eingehen will und gab GAS. Da der Container mit der hinteren Seite schon auf dem Boden stand, rutschte schlussendlich die andere Seite mit einem lauten Knall vom Lastwagen.
Welch ein Schreck! Ich sah schon all unser Geschirr in den Schachteln zu Scherben verbrösmelen. Tatsächlich blieb alles heil. Wenn ich mich recht erinnere, war von allen Dingen im Container nur ein Glaskrug zerbrochen. Da hatte sich das monatelange sorgfältige Packen in der Schweiz doch gelohnt.
(neben und unter dem Container lebt heute bekanntlich der Groundhog)
Der Container steht immer noch neben der Lodge und beherbergt die von Marcel restaurierten Stühle, Tische und Betten sowie einiges an Geschirr, wofür wir hier (noch) keinen Platz fanden. Wir haben schnell gemerkt, dass unsere Sachen (zum Teil Antiquitäten) nicht besonders camptauglich sind. Vor allem sind sie nicht geeignet für die Cottages.
Einiges ist inzwischen bei Nichten und Neffen angekommen. Ein wunderschönes zwölfteiliges Langenthal Service einer meiner Tanten befindet sich momentan in Khartoum...
Ein anderes von einer anderen Tante in Nordwestontario...
Aber ich schweife ab. Jedenfalls haben wir in den vergangenen Jahren immer wieder mal Dinge aus dem Container geholt und andere dort untergestellt. Er ist so quasi meine Wundertüte. Wenn ich in einem ruhigen Moment wieder mal auf Entdeckungsreise gehe, ist es oft wie Weihnachten. In diesem Sommer wollen wir die Tische aus ihrem dunklen Verlies erlösen und das Pizzahaus damit einrichten. Einige der Stühle haben es ja bereits dahin geschafft.
Meine LeserInnen werden sich fragen, weshalb nur um Himmels Willen haben die all die Sachen mitgeschleickt? Das fragen wir uns manchmal auch, aber wir haben damals beschlossen, dass wir die alten (viele von Marcel restaurierten) Sachen nicht einfach verscherbeln wollten. Sie warten nur darauf, um zu neuem Leben erweckt zu werden - wie z.B. hier, der Tisch und die Stühle bei meiner Schwester stammen vermutlich von unserem Grossvater:
(leider nagt der Zahn der Zeit an den Erinnerungen. Manchmal wissen wir einfach nicht mehr, von wem wir die Sachen haben. Wir haben vor unserer Auswanderung bei vielen Haushaltauflösungen in der Familie und bei Bekannten Dinge vor dem Wegschmeissen oder Verscherbeln gerettet.)
Wir haben uns nun vorgenommen, endlich mit alten und verbrauchten Gegenständen hier im Camp abzufahren; z.B. die Stühle, die sich beim Kauf im Restaurant befanden, müssen endlich aussortiert und entsorgt werden. Sie sind bestimmt schon 40 oder mehr Jahre alt und wir haben uns sagen lassen, dass sie aus einer alten Offiziersmesse hier in der Stadt stammen. 20 Jahre hier im Camp sind genug! Sie lassen sich nicht mehr richtig reinigen. Es wird Zeit für die vom Entsorgen "geretteten" Dietiker Stühle aus Schaffhausen!