29 März 2015

Die Natur erwacht

Max der Spaniel steht frühmorgens an der Tür und will raus. Die Sonne ist am Aufgehen und das Thermometer zeigt knackige -15 Grad. Die ersten Vögel fliegen die Futterstelle an. Ich will die Türe öffnen und fühle mich irgendwie beobachtet. Nicht bewegen jetzt... denn draussen auf dem Schneehügel neben dem Eingang sitzt der Osterhase. Natürlich habe ich keine Kamera dabei, aber so sah er aus:

Quelle: Internet

In ein paar Wochen wird er sich wieder in einen graubraunen Hasen verwandeln, der meinen Blumen den Garaus machen will. Der erste Groundhog hat schon den ersten Kurzausflug über die Schneeberge gemacht. Die Eichhörnli rennen nach wie vor zahlreich herum und schimpfen von den Bäumen. Die Krähen sind auch plötzlich wieder in der Gegend. Die Rehspuren im Park mehren sich. Es wird nicht mehr lange dauern und die ersten Gänse machen auf ihrem Flug in den Norden bei uns Halt. Ich kann es kaum erwarten, bis der Frühling kommt.


28 März 2015

Birebrot

Weil man draussen bei uns bekanntlich noch nichts arbeiten kann (heute Morgen war's diese Woche zum vierten Mal unter -20 Grad...)


habe ich einen weiteren Schlorzifladen produziert und mich dann an ein "Birebrot" gewagt. Bei den Zutaten war improvisieren angesagt und es ist eine Mischung aller im Internet zu findenden (Ost)Schweizer Rezepte geworden.


Es schmeckt nicht schlecht. Nun muss ich mir überlegen, was ich mit den weiteren 10 kg Bireweggenfüllung anstellen soll. Ich könnte noch 25 weitere Schlorzifladen herstellen oder... was? Raffinierte, unkomplizierte Rezept-Vorschläge sind herzlich willkommen...


23 März 2015

Toggeburger Schlorziflade

Schon lange wollte ich mich an dieses Rezept wagen, denn in unserem Küchenvorrat befindet sich ein grosser Kübel "Bireweggefüllig". Den habe ich beim letzten Besuch unseres Schweizer Spezialitätenhändlers in Toronto entdeckt und er musste einfach mit mir kommen. 

Das Ergebnis vom "Schlorziflade" ist geschmacklich umwerfend. Beim nächsten Mal werde ich jedoch die Grösse Blech verwenden, wie im Rezept beschrieben. Dadurch wird die Füllung und der Guss etwas dünner werden als bei meinem Exemplar. Aber der erste Versuch ist ganz gut gelungen. 

Nun muss ich darauf achten, dass ich immer etwas Quark vorrätig habe. Den findet man nämlich sehr selten in unseren Läden, was ich schon oft bedauert habe.




22 März 2015

Zum Frühlingsbeginn

könnten wir auf dieses verzichten:


10 cm Neuschnee, der nur schwer zu schaufeln ist

-22 Grad am Morgen um 7.00 Uhr

Im Park liegen immer noch 30-60 cm Schnee, an schattigen Stellen bis zu 80 cm. Wir haben einen schmalen Weg zum Sanitärgebäude freigeschaufelt, um es interessierten Campern zeigen zu können. Es kommen laufend Anfragen für freie Plätze. Alle sind ungeduldig und möchten endlich den Campingplatz besichtigen. Die Wege sind jedoch sehr eisig und vor lauter Schnee sieht man die einzelnen Plätze nicht. 

Heute scheint wieder die Sonne durch und wird hoffentlich gute (Schmelz)Arbeit leisten. Wir üben uns in Geduld und werden dem Schnee zum Trotz die Pizzahaus-Saison eröffnen.



15 März 2015

Kurioser Anblick

Heute, vor unserem Tor


Nein, es sind keine Campinggäste, die auf Einlass warten. Es sind die Eisfischerhütten, die vom See geholt wurden und nun auf den Abtransport warten.

Obwohl die Tau-Phase letzten Mittwoch abrupt gestoppt wurde und wir seither wieder 20 cm Neuschnee erhalten haben, ist es ratsam, den See nicht mehr zu befahren. Das Eis wäre zwar noch dick genug, aber der Pflotsch (schweizerisch für Schneematsch) darauf erschwert ein Vorwärtskommen ungemein. Die Eishütten, die ja oft mit allen Schikanen und - wie man auf dem Bild sieht - sogar mit einem Holzofen ausgerüstet sind, haben ein erhebliches Gewicht. Auf unserem See werden sie mit Schneemobilen oder mit ATVs (Quads) zur richtigen Stelle gezogen. 

Wenn eine Tau-Phase wie anfangs der letzten Woche einsetzt, verwandelt sich der Schnee auf dem Eis in dicken Pflotsch. Das Gewicht wird immer grösser und drückt aufs Wasser, wodurch durch jedes Loch und jeden Spalt mehr Wasser aufs Eis fliesst und es irgendwann unmöglich wird, die Eishütten zu bewegen.

Heute endet zudem die Eisfischersaison und deshalb nutzen die Fischer den Tag zum Abräumen. Eigentlich hätten sie damit Zeit bis Ende März. Aber ob es bis dahin noch möglich wäre? Niemand will dieses Risiko eingehen. Jede Eishütte braucht von Gesetzes wegen eine Registrationsnummer. Damit können Besitzer ausfindig gemacht werden, die versuchen ihre Hütten elegant zu entsorgen. Für "abgesoffene" Eishütten gibts hohe Bussen.

Das "durften" wir in unserem ersten Winter auf die harte Tour erfahren. Zum Camp gehörte damals eine bereits registrierte Eishütte. Wir wussten nicht so richtig, was mit ihr anfangen. Als uns ein paar (gefitzte) lokale Gäste fragten, ob sie die Hütte aufs Eis ziehen dürfen, um darin zu fischen, sahen wir keine Probleme. Nun muss während des ganzen Winters darauf geachtet werden, dass die Hütten auf dem Eis nicht anfrieren. Nach jedem Schneefall und jeder Tau-Phase müssen die Kufen gelöst und neu unterbaut werden. Keine grosse Sache, wenn man das weiss. - Wir wussten nichts davon. Unsere Bedingung an die "Gäste" war nämlich, dass sie sich um alles Notwendige selber kümmern. Soweit so gut. Die "Gäste" nutzten die Hütte (gratis und franko) und hatten ihren Spass darin.

Und dann kam das Eisfischer-Saisonende. Die Tage wurden wärmer und die Tau-Phase setzte ein. Irgendwann fragte uns ein Bekannter, ob das eigentlich unsere Hütte sei, die da draussen auf dem Eis stehe. Er sah etwas skeptisch und besorgt aus. Wir wunderten uns schon eine Weile, warum unsere "Gäste" keinen Gebrauch mehr davon machten. Nun bekamen wir von unserem Bekannten eine Schnell-Lektion im Eishütten-Betreiben. Wir mussten erfahren, dass wir von unseren "Gästen" aufs Glatteis geführt wurden. Den ganzen Winter über hatten sie sich nicht ums "Hütte-vom-Eis-lösen" gekümmert und sich schlussendlich aus dem Staub gemacht. Inzwischen war sie dick angefroren und WIR hatten keine Chance mehr, sie am Stück vom Eis zu holen. Falls wir sie auf dem Eis liessen, mussten WIR die dicke Busse bezahlen.

Marcel machte kurzen Prozess. An einem sonnigen Tag Ende März marschierten wir mit einem Schlitten, der Motorsäge und anderem Werkzeug bewaffnet zur Eishütte. Wir demontierten das Dach und alles, was nicht festgefroren war. Dann nahm Marcel die Motorsäge und schnitt die noch vorhandenen Wände bis zur angefrorenen Höhe ab. In unzähligen Trips brachten wir das ganze Material an Land. Wie bereits gesagt, es war ein schöner Tag. Die Sonne schien ungehindert auf den nun freiliegenden dunkelbraunen Holz-Fussboden. Durch die Hitze wurde das Eis darunter geschmolzen und wir schafften es mit Hilfe von Brecheisen, Pickeln und Schaufeln, den Hüttenboden und die Kufen aus dem Eis zu lösen. Das war das Ende der Camp-Eishütte. Wir wollten nie mehr etwas damit zu tun haben...

Februar 1998 - Eishütten auf Lake Nipissing
(damals waren wir noch als Touristen in Canada)



14 März 2015

Geschichte Teil 2

Die allerersten Besitzer des Camps waren also Eisenbahner. Das erklärt auch die beiden antiken Lampen, die wir bei unserem Einzug vorfanden. 



Die Familien dieser Direktoren reisten jeden Sommer mit Kind und Kegel per Eisenbahn nach Canada, luden ihre ganze Bagage samt Hausangestellten auf Boote und schipperten die 12 km vom Südufer des Sees zum Camp. Dort bauten sie ihre Canvas-Zelte auf und lebten 10 lange Sommerwochen inmitten der Natur. Eine ältere Ferienhausbesitzerin am See berichtete mir, dass ihre Grosseltern in den Vierzigerjahren auch ein Feriencamp betrieben und man erzählte sich damals die alte Geschichte von einem Fährboot mit einem Klavier und Pianisten darauf. Das müssen ganz spezielle Parties gewesen sein zu jener Zeit. Noch heute gehören einige Grundstücke rund um den See amerikanischen Familien und werden von Generation zu Generation weitergereicht.  

1892 entstand aus dem ehemals sehr elitären Country Club der Conewango Fishing Club. Ein Dokument von 1929 mit einem sehr verblassten Bild berichtete vom Tod eines Ehrenpräsidenten und vermerkte, dass diese Urkunde im Clubgebäude einen Ehrenplatz behalten sollte. Na, dies hat ja geklappt - das Stück befindet sich immer noch hier und wurde offensichtlich beim verheerenden Brand der alten Lodge nicht zerstört.

Seit 1930, als das Camp erstmals in canadische Hand überging, sind wir die sechsten Besitzer. Von der ersten Familie weiss ich nicht viel. Allerdings wohnt ein Enkel von ihnen in der Stadt und erinnert sich vage an die Besuche bei seinen Grosseltern. Vom zweiten Besitzer ist auch nicht viel überliefert. Er soll alleinstehend und vermögend gewesen sein. Er war es, der Teile vom Camp abtrennte und zu verkaufen begann. Unsere Nachbarin Mary und ihr Sohn kauften von ihm 1962 die ersten beiden Parzellen Richtung Westen und starteten in mühsamer Handarbeit mit der Rodung des dichten Busches. Bis 1966 wechselten schlussendlich elf Parzellen den Besitzer. Angeblich gehörte ursprünglich auch das ganze Land östlich zum Camp. Sicher bin ich darüber allerdings nicht.


 Camp um 1963

Vor allem in den Jahren 1966-1987 war das Camp sehr populär. Die damalige Besitzerfamilie waren mit Herz und Seele Camp-Betreiber. Er arbeitete nebenher als Lehrer in der Stadt, die drei Kinder wuchsen praktisch im Camp auf. Nur in den ersten Jahren wohnte die Familie während der Wintermonate in einer Wohnung in der Stadt, denn die Strasse zum Camp war nicht passierbar. Sie waren es auch, die begannen den jetzigen Campingplatz, der vorher mehrheitlich ein "beaver-swamp" (Biber-Sumpf) war, trockenzulegen und aufzuschütten. Wir lernten in unseren ersten Jahren hier noch Camper kennen, die damals ihre eigenen Plätze dem Busch abtrotzten, sie rodeten, ausebneten und zu ihrem Sommer-Paradies ausbauten. 


Das Camp beherbergte einige Zeit sogar ein paar Ponys. Hier grasen sie bei den kleinen Cottages:


1976

Nebst dem Log Cottage und dem alten, weissen Cottage gab es vier oder fünf weitere kleine Cottages für Gäste. Alle diese Gebäude, inklusive der alten Lodge, wurden nach einem verheerenden Buschfeuer 1905 gebaut. Eines der Minihäuschen (vermutlich 1930-40 erstellt) wurde 1994 "gezügelt" und ist nun unser Gartengeräte-Schuppen. Ein weiteres steht seit 1995 neben der Werkstatt und dient als Materiallager. Die anderen waren sehr baufällig und wurden ab 1994 nach und nach abgebrochen. Die letzten Gebäudereste entfernten wir vor etwa vier Jahren (die Eichhörnli waren davon gar nicht begeistert, diente es ihnen doch jahrelang als Unterkunft). Das Cedar Cottage wurde als einziges neueres Cottage in den späten Siebziger Jahren gebaut.


April 2004
links der Campingplatz, rechts der Cottage-Bereich mit der Lodge

Beim Brand der alten Lodge im Winter 1976/77 sind leider viele Gegenstände, Photos etc. zerstört worden. Der damalige (dritte) Besitzer hatte noch im gleichen Jahr mit dem Bau der jetzigen Lodge begonnen. Er hatte grosse Pläne und wollte eigentlich ein dreistöckiges Blockhaus mit Stämmen aus dem umliegenden Wald erstellen. Er ist nie über den ersten Stock, das Betonfundament, hinausgekommen. Das seit damals mehr oder weniger provisorische Blechdach haben wir 2009 verlängert und rundumerneuert. 2010 sind neue Fenster dazugekommen und an der Fassadenverkleidung arbeiten wir heute noch. 

Der Sommerbetrieb hat sich in den vergangenen hundert Jahren wohl nicht gross verändert. Campieren, Fischen, Baden, Bootfahren, Wandern, Jagen - und in der späteren Phase die entsprechenden motorisierten Freizeitbeschäftigungen.

Das Wintergeschäft wurde erst in den Siebziger- und Achtzigerjahren gross aufgebaut. Crosscountry Skiing hiess damals der Trendsport. Kilometerlange gut präparierte Langlaufloipen schlängelten sich durch den Busch und ganze Busladungen Schulkinder wurden herangekarrt, um einen Tag lang diesem Wintersport zu frönen. Viele lokale Babyboomer erzählen heute noch von diesen Fun-Touren während ihrer Schulzeit. Zur Blütezeit hat sogar die canadische Langlauf-Nationalmannschaft hier trainiert. Eine sehr arbeitsintensive Zeit dürfte das gewesen sein. Als anfangs der Neunziger Jahre näher bei der Stadt der Crosscountry Ski Club mit nagelneuen Loipen eröffnete, war das Ende dieses Wintergeschäftes in Sicht.

1987

Zu jener Zeit betrieb ein (früh)pensionierter Polizist aus dem Süden mit seiner Frau das Camp. Ihm verdanken wir übrigens das Werkstattgebäude. Nach sieben Jahren und einem Unfall mit der Motorsäge verkaufte er 1994 das Camp an unseren Vorbesitzer, der ganz neue Ideen für den Winter entwickelte. Er baute die Lodge um, indem er den Wohnbereich um fünfzig Prozent verkleinerte und ein auf über hundert Gäste *lizenziertes Restaurant einbaute und 1995 eröffnete (*d.h. er durfte alkoholische Getränke verkaufen). Gleichzeitig verbreiterte er die bestehenden Langlaufloipen zu Snowmobile Trails und erweiterte mit dem Snowmobile Club das ganze Trailnetz. Der Sport boomte, Benzin war billig und jedermann konnte sich ein Snowmobile leisten.

ca. 1996

Das Restaurant war bei unserer Uebernahme eine (berühmt-berüchtigte) Sportsbar, die im Winter vor allem abends, nachts und am Wochenende ihren Umsatz machte (davon ahnten wir allerdings damals noch nichts).

Winter 1997/98

Fortsetzung folgt...

13 März 2015

Etwas Geschichte Teil 1

Unser Camp hat schon viel gesehen, erlebt, überstanden. 
Einer der Vorbesitzer hat einen Teil der Geschichte wie folgt aufgeschrieben:

"In 1854 a number of Directors from the Pennsylvania New York Railway formed a Country Club and built a summer retreat at this location.
Stories, related a few years ago by older local residents of Rutherglen, talked of a railway siding used by the P.N.Y.R. to park the rolling stock which the members travelled in. The tents and equipment were transported to the site by locals in boats and barges. A permanent cookhouse was the only building on the site, the campers slept in tents on raised platforms. Two settler families from the U.S.A. were employed to provide food and to maintain the property when the Members were not there. Descendants of one of these settlers still live in the area and James Bay is named after them. Another familiy, the Smiths, farmed an area one mile west of the property which is still known as the Smith Farm but abandoned it around 1905 following a huge fire. The same fire destroyed the buildings and tent sites and the camp was threatened with closure. A few of the original members decided to purchase the property and formed a Hunt Club, a rebuilding program was begun. The resulting log cottages are still on the property and in use today.

During the 1870's and 80's the Booth Lumber Company became actively engaged in lumbering in this area and utilized the water to move the logs to the mills at Ottawa. Many of the old logging roads and skid-ways are still visible. Horses had difficulty pulling sleighs up hill so roads were planned to always follow a downward slope. In this valley the roads led to the Camp Landing. The natural water ways were also altered. The Mattawa River was straightened directly into Lake Talon with most of the dug channel still visible.
The old original river is now known as the Dead River. The depression of the 1930's brought another change in direction. The property was sold to Mrs. Ferguson, one of the descendents of the James family.
The Camp became primarily a commercial hunting and fishing establishment and remained so until the advent of the outdoor sports and family resort concept that has been established during the last few years."

Sommer 1956
in der Bildmitte das weisse (heute nicht mehr benutzte) Cottage
rechts die alte Lodge, die 1976 oder 77 niederbrannte

Sommer 1957
Bildmitte das jetzige Log Cottage, rechts die alte Lodge
eines der beiden kleinen Gebäude links (damals Cottage #4)...

 ...dient uns heute neben der neuen Lodge als Gartengeräte-Schopf. 
Es misst nur 3,7 x 2,5 Meter und beherbergte damals angeblich ein Doppelbett, einen Tisch, zwei Stühle, ein Gestell mit einem zwei-Platten-Kocher samt Küchenzubehör sowie ein kleines Möbel für Kleider. Was brauchte man damals mehr für einen fröhlichen Ferienaufenthalt...

Soweit zur bekannten Geschichte. Den Rest reimte ich mir selber zusammen. 
Fortsetzung folgt...


Zu früh gefreut


Anblick heute Morgen: 10 cm Neuschnee!
und darunter der zu Eis gefrorene Pflotsch
so ein Mist
wir bleiben im Haus
und sitzen es aus


11 März 2015

Ich seh See

bei den Büschen beginnt der (eisbedeckte) See

Unglaublich wie schnell Sonne und Wind dem Schnee und Eis den Garaus machen. Der Fluss hat sich tatsächlich schon ein Stück offenes Wasser zurückerobert. Davon musste ich sofort ein Bild machen (die graue Stelle in der Bildmitte ist Wasser). Der Weg dorthin war jedoch ziemlich anstrengend. Es liegen immer noch 70 cm Schnee auf der Wiese. Bei jedem Schritt mit den Schneeschuhen bin ich 30-40 cm eingesunken. Der Schnee ist vollgelaufen mit Wasser und fühlt sich an wie luftiger Kartoffelstock. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es viel schneller mit der Schneeschmelze vor sich gehen könnte, als vor ein paar Tagen angesagt. Wir sind gespannt.


10 März 2015

Endlich

Wir (und das Dach) sind erleichtert. Endlich ist die schwere Schneelast vom Dach gerutscht. Endlich wissen wir wieder, wie sich angenehme Temperaturen anfühlen. Gestern, zum ersten Mal in diesem Jahr, ist das Thermometer in den Plusbereich geklettert. Es fühlte sich wunderbar an! Natürlich gab es da nur eins: Raus und geniessen. Keine Kappe, keine Handschuhe, keine Schals und schon gar nicht das gefütterte Kombi. Einfach eine Jacke und raus. So schnell war ich schon lange nicht mehr angezogen. 

Zuerst sah es nicht danach aus, wie wenn sich auf den Dächern etwas tut. Einzig an den Kanten, dort wo die Sonne auf blankes Metall traf, tropfte zögerlich etwas Schmelzwasser. Und dann plötzlich: Rumms! - das Zeugs flutschte vom Dach. Ich hatte Glück und stand weit genug weg. Unglaublich, was für eine Wucht so ein Schneebrett in sich birgt. 


vor der Lodge

Mit der Schaufel versuche ich die Schneemassen vor dem Eingang in geordnete Haufen zu bringen. Es ist Schwerstarbeit. Der Schnee ist beinahe wie Beton. Die Sonne soll nun wirken. Solange das Schmelzwasser ablaufen kann und wir beim Verlassen des Hauses keine Kletterübungen machen müssen, überlassen wir den Rest der Natur.




hinter der Lodge (die Schneehöhe beim Abbruch rechts beträgt 70 cm)


Die ganze Woche sind Tagestemperaturen um den Nullbereich vorausgesagt. Solange es nicht regnet, können wir der Tau-Phase entspannt entgegenblicken.

Die dritte Frühlingsblume auf dem Fensterbrett blüht inzwischen auch. Zu meiner Ueberraschung ist es eine weisse Mini-Narzisse. Langsam habe ich genug Weiss gesehen.


07 März 2015

"Schpring vorwärts"

Nie konnte ich mir früher merken, ob bei der Zeitumstellung die Uhren vorwärts oder rückwärts gedreht werden müssen. Seit ich in Canada lebe, fällt mir dies ganz leicht. Heute Nacht werden die Zeiger "vorwärtsSPRINGen", um dann im November wieder "zurückzuFALLen".

Spring = Frühling / Fall = Herbst. 
Ganz einfach.

Was ich jedoch nie verstehen werde, warum stellen wir hier die Uhren anfangs März und November um - und nicht wie in Europa am letzten Samstag im März und Oktober? Wahrscheinlich, um immer schön flexibel zu bleiben... haha.

Also, nicht vergessen, ab Sonntag beträgt unser Zeitunterschied zur Schweiz für drei Wochen wieder mal nur fünf Stunden.


Und was habe ich wohl heute Morgen gemacht? Richtig! 7 cm Neuschnee geschaufelt bei "nur" -9 Grad. Grrrr



04 März 2015

Normal?

Fünfzehn Winter liegen schon (hoffentlich) bald hinter uns und ich muss sagen, jeder hatte bisher seine Eigenheiten. Es ist nicht einfach, sich an alles zu erinnern, fünfzehn Jahre sind eine lange Zeit. Trotzdem weiss ich bestimmt, dass es diesmal saukalt war wie noch nie. Zwar hatten wir in praktisch jedem Winter mal Temperaturen von unter -30 Grad, aber nie so lange am Stück. Unweigerlich laufen die Heizungen permanent auf Hochtouren, der Boden gefriert tiefer trotz der isolierenden Schneeschicht, die Wasser- und Abwasserleitungen werden auf Probe gestellt und die Schneelast auf den Dächern fordert jede Baukonstruktion heraus.

Auch wir befreiten wo möglich die Dächer von der Schneelast und in den letzten Tagen haben die Sonne und der trockene Wind tüchtig mitgeholfen. Der Schnee scheint an sonnigen Stellen etwas zu "verdunsten". Trotzdem liegen locker noch 50-80 cm auf den Wiesen und auf den Gebäuden sind es zwischen 20 und 70 cm. Letzte Nacht kam 10 cm frischer Pulverschnee hinzu, der nun fröhlich durch die Luft gewirbelt wird. Dafür wechseln sich am Himmel Wolken mit Sonnenstrahlen ab und das Beste: Es ist ohne Windfaktor gemessen "nur" -7 Grad. Fühlt sich wirklich gut an.

Ein Vorteil bisher war, dass wir keinen Eisregen hatten. Dieser verwandelt die Wege und Strassen unweigerlich in Eisbahnen und das Gehen darauf zu einer Glückssache. Dies dürfte uns allerdings noch bevorstehen. Laut dem Ausblick auf die nächsten drei Monate - gestern frisch von der Presse gelassen - verspricht uns einen weiterhin kälteren-als-normalen März und erst Mitte April sollen die Temperaturen durchschnittliche Werte zeigen. Die grossen Seen sind zu 85-90% mit Eis bedeckt und es wird länger als sonst dauern, bis das alles geschmolzen ist. Dadurch bleibt die Luft natürlich länger kühl. Wir lassen uns überraschen.

In meinem Archiv habe ich nach alten Fotos "gewühlt" und bin tatsächlich fündig geworden. Dieses stammt vom 4. März 2005:


und dieses von heute, vom 3. März 2015:


Genau zehn Jahre liegen zwischen den beiden Bildern. Die Zeder ist ganz schön gewachsen und auch sonst hat sich Einiges verändert... (Ich glaube ich muss öfters vorher-nachher Bilder vorstellen, finde ich nämlich spannend.)

Uebrigens, bisher erlebten wir hier erst zwei Mal einen März praktisch ohne Schnee. 

Das erste Mal war im Jahr 2000, als wir das Camp zum ersten Mal überhaupt sahen. Hier ein Bild von unserer ersten Besichtigung anfangs März 2000. Beim zweiten Besuch eine Woche später war dieser Schneerest ganz verschwunden:


Das zweite Mal war im 2010, als es am 1. März bei +8.3 Grad regnete und der Schnee einfach davonlief. Es blieb damals ein milder Monat, wir konnten teilweise im T-Shirt draussen arbeiten und hatten Ende März schon einen grossen Teil des Feuerholzes für den nächsten Winter bereit. An Ostern anfangs April begannen wir bereits mit dem Laub rechen im Park. Unser Sitzrasenmäher, mit dem wir das Laub aufsammelten, verursachte sogar einen kleinen Brand. Ein Laubhaufen fing am heissen Auspuff plötzlich Feuer und kurze Hektik kam auf. Alles war knattertrocken und natürlich lief noch kein (Lösch-)Wasser durch die Leitungen. (Das Wasser stellen wir im Campground wegen des Bodenfrostes jeweils erst Mitte Mai an.) Wir schafften es zum Glück, den Brand schnell zu löschen und waren nachher vorsichtiger.

Dafür hatten wir am 8. Mai 2010 nochmals einen zweitägigen Wintereinbruch mit 15 cm Schnee. Darauf verzichten wir dieses Jahr aber gerne.

Das Wetter bleibt also weiterhin... sagen wir mal... spannend!