28 November 2014

Kurzreisli

Wir sind zurück von unserem kleinen Ausflug, dem ersten und wohl letzten in diesem Jahr. Mit Freunden erkundeten wir wieder einmal die Mennoniten-Gegend in Südontario und übernachteten in einer renovierten Mühle.



Es ist nicht das erste Mal, dass wir in dieser Gegend unterwegs waren und wird auch nicht das letzte Mal sein. Die Mühle gehört einem Gast von uns, der sie zusammen mit einem Freund während neun Jahren von Grund auf renoviert und zu einem kleinen Hotel umgebaut hat. Bewundernswert, was die zwei Freunde geschaffen haben, denn beide waren bereits nah dem Pensionsalter, als sie mit dem Projekt begonnen haben.

Immer, wenn G. von der Mühle ein paar Tage freinehmen kann, kommen sie in unsere Gegend, denn B. besitzt 16 km von uns mitten im Busch ein kleines selbstgebautes Loghaus. Dann nehmen sie im Sommer ihre ATVs (Quads) oder im Winter die Snowmobiles und machen Tagesausflüge auf den unzähligen Buschtrails. Regelmässig besuchen sie uns für ein Bier (oder auch mehr) und manchmal bleiben sie zum Essen. Deshalb ist es Ehrensache, dass wir ab und zu einen Gegenbesuch machen. Es ist immer eine tolle Sache!

Auf dem Rückweg machten wir Halt auf dem Farmers Market in St. Jacobs. Der befindet sich in einer Region, wo viele Mennoniten wohnen. Deshalb sehen die Parkplätze unter anderem auch so aus:


Uebrigens sind seit ein paar Jahren auch in unserer Nähe Mennoniten ansässig. Sie kaufen alte Farmen und bringen sie zu neuer Blüte. Dass sie keine Elektroanschlüsse haben, ist für uns unvorstellbar. Allerdings haben wir schon bemerkt, dass sie nicht mehr so konsequent sind in ihrer Lebensweise. Einige von ihnen sind erfolgreiche Unternehmer, z.B. in der Baubranche, und kommen deshalb nicht darum herum, einen Telefonanschluss mit -beantworter zu betreiben. Zudem verwenden sie auch Bohrmaschinen etc., der Aku macht's möglich. Autofahren tun sie nicht selber, sie lassen sich herumfahren. So sind es immer Leute aus der Gegend, die sie für ihre Fahrten anstellen. Auf jeden Fall sind sie eine echte Bereicherung für eine Region, denn wenn jemand noch die alten Handwerke versteht, dann sind es die Mennoniten. Diejenigen bei uns sprechen übrigens ein Altdeutsch, das wir sehr gut verstehen und wir könnten uns auf Deutsch mit ihnen unterhalten. Ein Teil ihrer Vorväter stammt auch aus der Schweiz. 

Auf dem Farmers Market findet man unzählige Spezialitäten wie Wurstwaren, Brot, Gebäck, Honig, Eingemachtes, Konfitüren, Relish, Chutneys, Gemüse, Früchte und saisonale Frischprodukte. Die sind Ende November natürlich nicht so üppig; interessant ist es trotzdem. Daneben gibt es Kleider, Schuhe, Möbel, Einrichtungsgegenstände und auch viel Ramsch. Wir haben auch schon einmal eine Viehauktion besucht. Es ist eine ganz andere Welt und eine schöne Abwechslung in unserem Alltag. 

Viel mehr als ein paar Tage können wir nicht beide vom Camp, denn wir brauchen ja jemanden für die Holzheizung. Es ist jedes Mal eine riesige Organisation, bis alles steht und unvorgesehene Dinge wie Stromausfall und Sturm dürfen nicht passieren. Max durfte die Tage bei meiner Schwester verbringen, denn er ist nicht gewohnt auf Reisen zu gehen. Es war das erste Mal, dass wir "hundelos" unterwegs waren. Ein ungewohntes Gefühl...



25 November 2014

Stromlos

Gestern Abend um 20.30 Uhr ist wieder mal der Strom ausgefallen und heute nach mehr als 14 Stunden warten wir immer noch auf die Aufschaltung. Wie immer kommen wir am Schluss der Warteschlange dran, weil hier draussen im Busch so wenig Kunden betroffen sind.

Es war ein heftiger Sturm, der Tausende von Haushalten vom Netz schmiss. Vor allem hat er auch im Süden gewütet und da dort viel mehr Leute wohnen, konzentrieren sich die Reparaturen erstmals auf die Ballungszentren. Wir sind uns das schon fast gewohnt - obwohl, man kann (oder will) sich an die relativ häufigen Stromausfälle eigentlich nie gewöhnen. 

Während eines Stromausfalls schnurrt unser Generator meistens problemlos vor sich hin und wir können wenigstens die Heizungs- und Wasserpumpen betreiben. Abwechslungsweise laufen auch Kühlschrank und Tiefkühler. Natürlich heisst das für Marcel, Nachtschicht zu schieben. Trotzdem versuchen wir zu schlafen, was uns inzwischen meistens gut gelingt. Letzte Nachte bemerkte ich jedoch plötzlich, dass die Heizungsrohre kalt wurden. Eine Sicherung beim Generator hat sich ausgeklinkt. So durfte Marcel mitten in der Nacht mit Stirnlampe und Regenschutz den Schaden beheben. Es ist unbedingt nötig, dass die Heizungspumpen immer laufen, weil sich sonst unser Aussenofen überhitzt und dadurch Schaden nehmen könnte.

Besonders ärgerlich ist der Stromausfall heute, weil wir am Mittwoch eigentlich einen kleinen Ausflug geplant haben. Mal sehen, ob sich bis dahin alles wieder normalisiert hat. Wir sind noch guter Hoffnung!

Uebrigens hat es in den letzten Tagen tatsächlich stark geregnet und der Schnee ist fast aller weggeschmolzen. Gestern hatten wir plus 9 Grad. Inzwischen schneit es jedoch wieder und wir sollten nach Wettervorhersage bis zu 10 cm erhalten. Mist!


Soeben hören wir ein riesiges Dröhnen über der Lodge. Der Hydro One Helikopter fliegt den Stromleitungen entlang auf der Suche nach dem Schaden. Nun dauert es hoffentlich nicht mehr lange...



24 November 2014

Marroni oder der Gourmet-Dog

Am Sonntag konnten wir endlich eine Portion Marroni im Pizzaofen rösten. Marroni gehören irgendwie in diese Jahreszeit und wir haben in den Läden schon seit ein paar Wochen nach der Spezialität Ausschau gehalten. Das ist hier in Nordontario gar nicht so einfach, denn Marroni kennen nicht alle Leute und sie sind auch vom Preis her eher ein Luxusprodukt. Trotzdem muss es mindestens einmal im Jahr sein. Und endlich fanden wir in einem grösseren Lebensmittelladen dicke und vor allem frische Marroni. (Natürlich lohnt es sich nicht, wegen 21 Marroni den Pizzaofen zwei Stunden einzuheizen und so haben wir gleich noch einen Rinderbraten darin geschmort):


Beim Essen haben wir festgestellt, dass Max-der-Spaniel Marroni auch ganz gut findet. Verwöhnt wie er ist, hat er seinen Teil davon abbekommen. Und das erinnerte uns an folgende Geschichte:

Vor sieben Jahren haben wir entdeckt, dass Rex ein richtiger Feinschmecker war. Er begleitete mich immer zu den Cottages, wenn ich sie zwischen zwei Gästegruppen reinigen musste. Dabei untersuchte er ganz genau die Umgebung, denn ab und zu schmeissen die Leute ihre überzähligen Lebensmittel einfach in die Natur. Meistens bleiben die Sachen nicht lange liegen, denn Fuchs und Co. kommen auf ihrer Futtersuche regelmässig vorbei. Nach einem solchen Ausflug bemerkten wir, dass Rex etwas in seiner Schnauze nach Hause trug und es auf keinen Fall hergeben wollte. Wenn er eine Trophäe ergatterte, war es sehr schwierig, sie ihm abzujagen. (Einmal hatte er einen Biberpelzhut gefunden und wir hatten die liebe Mühe, ihm den Hut wegzunehmen, bevor er ihn zerhudelte und zerfetzte. Immerhin stand Biber auf seiner Beuteliste und er fand es absolut nicht nötig, den Hut seinem Besitzer zurückzugeben.) Es war also von Vorteil, Rex's komisches Verhalten vorerst zu ignorieren. Wir mussten einfach aufpassen, dass er das "Ding" nicht fressen konnte, bevor wir sahen, was es war. Wie erstaunt waren wir dann, als er daheim schnurstracks auf seinen Platz lief und seine Beute sorgfältig hinlegte und gut bewachte:


Wir waren sehr gespannt, was nun kommen würde - und tatsächlich, er nahm sie vorsichtig in die Schnauze und biss leicht darauf:


Nach ein paar genüsslichen Minuten sah es so aus:


Wir waren baff. Rex wusste genau, was er da tat. Von da an lief er jeden Morgen zum Log Cottage, um sich eine oder zwei Marroni aus dem Schnee zu buddeln, sie heimzutragen und dort genüsslich zu verspeisen. Sie waren gekocht, das haben wir noch festgestellt. Vermutlich hatte eine Gästegruppe die Chestnuts gekauft, sie im Wasser gekocht und für nicht essbar befunden. Dann haben sie sie in den Schnee vor dem Cottage geschmissen und Rex mit seiner sensiblen Nase hat sie aufgespürt und sich Stück für Stück einverleibt, bis alle alle gefressen waren. Er war eben ein echter Gourmet!

21 November 2014

Mystisch

zeigt sich der See noch. Langsam beginnt er jedoch am Ufer zu gefrieren. Bin gespannt, bis wann das Eis über das Wasser gewinnt.





20 November 2014

Das Gärtnern...

muss ich wohl oder übel aufs nächste Jahr verschieben. Die Vögel freuts!


Es schneit schon wieder - oder immer noch. Allerdings ist's bei uns nicht ganz so schlimm wie weiter südlich. Der "lake effect" um die grossen Seen ist Schuld an diesen Schneebergen im Nordosten der USA und im südlichen Teil von Ontario. Wir sind zum Glück gerade weit genug nördlich, um von diesem Monster-Schneefall verschont zu werden. Lustig dürfte es am Wochenende werden, da sind bei uns Temperaturen um die Nullgrenze vorausgesagt, mit möglichem Eisregen. Dass die Temperaturen wieder etwas steigen, ist schon ok, denn die -17 Grad von vorletzter Nacht waren etwas gar kalt für November. Aber Eisregen brauchen wir trotzdem nicht...



19 November 2014

Strategiewechsel

Die Sache mit den Eichhörnli - gleich welcher Art - hat langsam Uebermass angenommen und wir entschlossen uns zu einem Strategiewechsel. Anstatt dass wir die Viecher nur bis hinter den Workshop tragen und dort freilassen, dürfen sie eine 6 km lange Autofahrt mitmachen, natürlich in der Falle, und können anschliessend ihre brandneue Umgebung in Besitz nehmen.


Seither haben die nächtlichen Besuche von fliegenden Sqirrels in der Lodge aufgehört und auch draussen an den Vogelhäuschen geht es nicht mehr ganz so wild zu und her. Zwar ist es lustig, die Eichhörnli draussen zu beobachten, aber sie wohnen leider in unserem Dach, und das ist für die elektrischen Leitungen und unsere Isolation schon eine gewisse Gefahr. Vor allem bei diesen Mengen von Tieren. Insgesamt haben wir inzwischen acht Tiere "deportiert", aber noch immer spurten sie zahlreich herum und machen den Vögeln massive Konkurrenz. 


18 November 2014

Typisch canadisch...

...sind wir. Für alles haben wir eine Garage oder einen Unterstand. Nur nicht für unsere Autos - und es schneit schon wieder!







17 November 2014

Winter ist's...

Es sieht nicht aus, wie wenn der Schnee nochmals schmilzt. Es schneit am Laufmeter. Im Moment gefällt es mir noch - alles ist schön hell und weiss und wir müssen ja nirgendwo dringend hin. 


In unserem Holzvorrat klafft schon eine schöne Bresche. Denn der Aussenholzofen will jeden Morgen und Abend gefüttert werden.


Dazu muss man sich jetzt warm anziehen. Blöd wirds nur, wenn mitten in der Nacht das Feuer ausgeht (das kommt allerdings höchst selten vor, und mit den kleineren Holzstücken eigentlich gar nicht mehr).


Für diese Nacht sollte das vorerst mal reichen...

Zu meiner absoluten Verblüffung klettern neuerdings sogar Mäuse auf unserem "Vogelbuffet" herum. Wie die da rauf gekommen ist, bleibt mir ein Rätsel, denn das Ding hängt zwei Meter über dem Boden...


Na dann: En Guete! Lass dich nicht stören...


12 November 2014

Der Herbststurm



samt vierstündigem Stromausfall scheint wieder mal vorbei zu sein...


Gegensätze

Der 11. November ist ein wichtiger Tag. Je nachdem, wo man sich auf dieser Welt befindet, hat er eine völlig andere Bedeutung.

In Nordamerika und Teilen Europas feiert man den Remembrance Day. Man ehrt die Armeeangehörigen, die ihr Leben im ersten und zweiten Weltkrieg oder während eines anderen Konfliktes im Namen des Friedens verloren haben. In diesem Jahr gedenkt man auch besonders der zwei Soldaten, die vor einigen Wochen so hinterrücks hier in Canada umgebracht wurden. In den meisten Provinzen Canadas ist Feiertag. Hier in Ontario sind nur alle Verwaltungen, Banken und die Post geschlossen, ist also kein federal statutory Holiday. Viele Gedenkfeiern finden statt und praktisch alle tragen das rote Poppy als Zeichen der Erinnerung und des Respekts. Am 11.11. um 11.00 Uhr finden die Gedenkzeremonien statt, hier ein Bild der Feier in North Bay:

Quelle: Nugget online

Derweil in vielen Gegenden der Schweiz und Deutschlands. Da ist der 11.11. um 11.11 Uhr vor allem Eines: Der Auftakt zur fünften Jahreszeit, der Fastnacht, dem Karneval oder Fasching. Dazu ein Bild der Feier in St. Gallen:

Quelle: St. Galler Tagblatt online

Wie auch immer. Der 11. November ist ein Feier(licher)Tag.


10 November 2014

Die weisse Nullnummer


Tadaaah... Der neue Briefkasten. Schön separat und ganz links oben ist er; trägt die weisse Nummer "0" - unser neue Briefkasten am alten Standort. Man beachte auch die tolle weisse Dekoration drum herum. Es sind genau sieben Wochen seit dem letzten Briefkastenbild vergangen. Und noch etwas fällt einem auf: Es gibt jetzt wieder neun freie Fächer. Mal sehen für wie lange. Momentan ist die Box "all ours"!

Die Postbeamten haben sich wirklich alle Mühe gegeben und die älteste, verbogenste und rostigste Postbüchse für uns abgestellt. Der Verschluss klemmt nur ganz wenig. Aber hey! Es erfüllt seinen Zweck.

Heute morgen haben wir sogar den Pöstler samt seiner Frau und ein Nachbar-Ehepaar dort getroffen. Es gab fast einen Verkehrsstau da im Nirgendwo. Wir haben bedauert, dass wir keinen Kaffee für einen Kaffeeklatsch dabei hatten. Man sieht sich ja nicht so oft.

Und so hat sich uns die Songis Road auf unserer Fahrt in die Stadt präsentiert:


Zum Glück sind der Pfadschlitten und Sander schon gekommen, die Strasse ist momentan sehr eisig und ziemlich rutschig. Mehr als 40 km/h liegen da nicht drin. Es sieht aus, wie wenn der Winter definitiv bei uns angekommen ist.



09 November 2014

Der Sonntagskuchen


ist recht gut geraten...


08 November 2014

Briefkasten-Theater mit Happyend

Unser Briefkasten befindet sich bekanntlich 9 km vom Camp. Das war am Anfang gar nicht so einfach, waren wir von der Schweiz her doch gewohnt, den Briefkasten beim Haus zu haben. 

Uebrigens habe ich dies bereits am 30.6.2007 in meinem damaligen Bluewin-Blog beschrieben. (Diese Beiträge sind leider alle verloren, denn die "BlueBlogs" wurden 2009 eingestellt und später vom www entfernt. Glücklicherweise machte ich von allem eine Sicherung und kann deshalb meinen damaligen Beitrag nochmals veröffentlichen):


"Hier nochmals ein Bild von unserem Rundflug. Wer das Camp und die Umgebung kennt, sieht genau den Verlauf der Strassen und Wege. Die zwei kleinen Seen unten rechts sind eigentlich eher Moore, aber gestaut durch Biber haben sie sich zu kleinen Tümpeln entwickelt. Sie liegen nördlich der Privatstrasse zur Black Bay, welche eine Fortsetzung der Songis Road und die Zugangsstrasse zu all den Cottages östlich von uns ist. Was heisst hier Cottages, jedes Jahr werden mehr und mehr dieser eher einfachen Ferienhäuser durch richtige Wohnhäuser ersetzt. Einige unserer Nachbarn werden in den nächsten Jahren pensioniert und gedenken, hier ihren Wohnsitz aufzuschlagen. Das hat auch Vorteile für uns. Je mehr Leute hier draussen wohnen, umso eher wird die Strasse unterhalten und wer weiss, vielleicht bekommen wir dann doch mal die Tageszeitung oder sogar die Post hier angeliefert. Unser Briefkasten ist momentan 9 km entfernt und das zuständige Postbüro liegt in North Bay, 35 km von hier, im grossen Einkaufszentrum. Das ist vor allem unpraktisch, wenn man ein Packet oder einen Brief abholen muss. In der Regel leeren wir den Briefkasten nur ein Mal pro Woche, am Montag nämlich, der unser Einkaufstag ist. Finden wir nun auf unserer Rückkehr von der Stadt einen Abholschein im Briefkasten, dann dauert es exakt eine Woche, bis wir wissen, was denn da so wichtig oder sperrig ist, dass es nicht in unsere Mailbox passt.

Anfangs machte mir das schon etwas Mühe, denn wir waren von der Schweiz gewohnt, morgens um 5 Uhr zwei Tageszeitungen und spätestens um 11.00 Uhr unsere Post im Briefkasten am Haus vorzufinden. Inzwischen habe ich aber festgestellt, dass die Rechnungen und Werbungen gut eine Woche länger liegen können, Privatpost freut uns auch dann noch und für Dringendes gibt es ja sowieso die E-Mail. Nur die Tageszeitung vermissen wir manchmal, denn oft wissen wir nicht, was in der Stadt gerade läuft. Aber da wir sowieso keine Zeit für Kino oder Theater haben und an vielen Veranstaltungen nicht teilnehmen können, spielt es auch keine Rolle, wenn wir nicht wissen, was los ist. Vor ein paar Jahren gab es noch ein Fernsehstudio in der Stadt, das die lokalen Nachrichten brachte. Aber da wurde fusioniert und wir gehören fernsehtechnisch nun zu Sudbury, das liegt 125 km entfernt. Weiter dazu gehören Sault Ste. Marie (430 km), Timmins (370 km) Huntsville (130 km) und auch Wawa (630 km). Man kann sich vorstellen, wieviel (oder wie wenig) man da wirklich über die eigene Stadt erfährt. Lokalradio gibt's aber noch und da erfahren wir dann doch ab und zu etwas. Und natürlich von unseren Campern, den Gästen im Restaurant oder auch von den wenigen Nachbarn. Wir haben gelernt nicht alles zu glauben, bis wir es ganz genau wissen. Auch hier gibt es Soap Operas, Redbridge ist eben auch ein Kaff und North Bay nicht gerade eine Grossstadt. Gerüchte reisen erstaunlicherweise auch durch den Busch. Es ist wie überall, aber das macht es ja spannend, nicht?"

***
In den sieben Jahren, die seit obigem Blogeintrag vergangen sind, hat sich natürlich einiges verändert. Unsere Poststelle befindet sich inzwischen noch einen Kilometer weiter vom Einkaufszentrum entfernt in einer Apotheke. Die Poststelle war schon vorher in dieser Apotheke, aber da diese umgezogen ist, ist auch unsere Poststelle mitgezogen. Praktischer ist es allemal, denn die Parkplatzverhältnisse sind jetzt viel besser. Wir fahren nun auch öfters in die Stadt und haben Bekanntschaft mit Kino und anderen Freizeitaktivitäten gemacht. Ein paar neue Häuser sind inzwischen gebaut oder alte renoviert worden. Es leben tatsächlich nebst uns bereits 9 Parteien das ganze Jahr hier draussen und die nächsten stehen in den Startlöchern, resp. der Keller ist gebaut... 

Dass wir dadurch einen besseren Postservice erhalten, hat sich aber nicht bewahrheitet. Im Gegenteil. Die Post muss sparen. Und so haben wir im September ein Schreiben erhalten, dass uns ein neuer Briefkasten zugewiesen werde. 16 km vom Camp. Beim General Store. Der befindet sich bei der Abzweigung unserer Strasse am Highway. Was soll man da tun, Post-Routen werden aufgehoben, zentralisiert, vereinfacht, günstiger gemacht. Dachte ich... Bis ich dann merkte, dass unsere grünen alten abgenutzten Briefkastenboxen gar nicht abgeräumt wurden und an unserem alten Fach ein neues Vorhängeschloss hängt. Jemand anders benutzt unseren Briefkasten!


Was soll denn das? Nicht mit mir! Ziemlich viele rebellische Gedanken machten sich breit und ich hängte mich ans Telefon und wollte herausfinden, weshalb man uns zum General Store verschiebt und jemand anders unseren Briefkasten erhält. Die Achthunderternummer verbindet mich mit einer geduldigen Sachbearbeiterin irgendwo in Canada, die meine Geschichte anhört. Natürlich hat sie keine Ahnung, weshalb und warum. Sie notiert pflichtbewusst alles, gibt mir eine Ticketnummer (Bearbeitungsnummer) und verspricht einen Anruf von der zuständigen Poststelle. 

Das klappt dann auch ein paar Tage später und der Postbeamte erklärt mir, dass die Briefkasten logischer verteilt wurden, damit auch ein Ersatzbriefträger die Arbeit machen könne. Die Briefkästen sind nun nach Strassen und Hausnummern verteilt. Das tönt logisch, aber ich verstehe immer noch nicht, weshalb wir von den Briefkästen 9 km vom Camp zu den Briefkästen 16 km vom Camp umziehen mussten und eine unserer neuen Nachbarn unsere Box erhält. Man verspricht mir einen Rückruf und erbittet die Zustimmung, das "Ticket" zu schliessen, weil erledigt. Ich bin einverstanden, denn ich werde ja einen Rückruf erhalten. Ich warte. Und warte. Und warte. Dann rufe ich selber wieder an. Diesmal direkt die zuständige Poststelle. Nach mehrmaligem Anlauf erreiche ich endlich wieder den Sachbearbeiter. Der erklärt mir, er könne nichts machen. Er verstehe meinen Aerger zwar, aber all die grünen Boxen 9 km vom Camp seien besetzt. WAS??? Weshalb denn sowas? Ich will einfach wissen, weshalb man uns den Kasten genommen und jemand anderem gegeben hat. Kann er mir aber nicht erklären. Das wurde angeblich in London, Südontario, (wahrscheinlich liegt dort irgendein Entscheidungszentrum der Post) so entschieden. Aber das ist für mich keine Erklärung. Ich werde ziemlich energisch und will einfach eine Antwort, wie genau sie zu einer solchen Entscheidung gekommen sind. (Zwar ahne ich die Antwort, aber sie kommt einfach nicht). Dann will ich mit dem Vorgesetzten des Sachbearbeiters sprechen oder wenigstens seinen Namen erfahren. Der Sachbearbeiter blockt. Ich gebe nicht nach. Schlussendlich sagt er entnervt, dass er alles nochmals weiterleiten werde und sich bei mir innerhalb zwei Tage wieder melden werde.

Szenenwechsel.

Marcel und ich sind mit unserer Wundermaschine am Holzen. Endlich regnet es mal nicht und die Sonne wagt sogar einen Blick durch die Wolken. Wir kommen gut voran mit unserer Arbeit. Die letzten zwei Stämme müssen noch zerschnitten, gespalten und aufgeschichtet werden. Da sehen wir plötzlich zwei Männer in Postuniform auf uns zukommen. Ich unterbreche die Arbeit und nehme meinen Holzfällerhelm ab. Die zwei "Beamten" stellen sich vor als die Verantwortlichen der North Bay Postverteilung. Sie wollten sich ein Bild von der Situation mit den Briefkästen machen und sie können nun wirklich verstehen, weshalb ich sauer sei. Sie erklärten mir, dass die neue Briefkastenverteilung nach Strassen vorgenommen wurde. So wurden alle Briefkästen der Bewohner unserer 16 km langen Strasse zum General Store verschoben. Und die Bewohner der wenigen Seitenstrassen haben ihren Briefkasten neu bei den grünen Boxen erhalten. Das erklärt, weshalb unsere Nachbarn nun unseren alten Briefkasten haben. Da das Camp als einzige am Ende unserer Strasse liegt (wir haben die Nummer 1875) und die zweitletzten Bewohner der Songis Road etwa 8 km von uns weg sind - dazwischen gibt es keine Häuser - hat das ausser uns fast niemanden gestört. Die Postbeamten mussten jedoch zugeben, dass dies wirklich nicht gut durchdacht wurde und für uns äusserst unpraktisch sei. Sie versprachen mir eine schnelle Antwort und eine hoffentlich gute Lösung.

Schlussszene.

Und tatsächlich. Nur zwei Tage später erhalten wir einen Anruf, dass eine neue grüne Box bewilligt worden sei und wir den obersten linken Briefkasten davon erhalten werden. Und seit gestern ist es Tatsache: Eine neue grüne alte abgenutzte Briefkastenbox mit 10 Fächern steht neben den beiden anderen. Als ich extra die Fahrt dorthin unter die Räder nahm, um unser altes Vorhängeschloss daran anzubringen, war sogar schon die erste Post darin für uns: Es sind zwei Briefe und zwei Abholscheine, um auf dem Postamt bei der Apotheke in der Stadt unsere neuen Pässe abzuholen. Das werden wir am Montag erledigen.

Na also! Geht doch!

02 November 2014

Film-Club

Am letzten Donnerstag waren wir wieder einmal im Kino. Das geschieht nicht sehr oft, aber seit letztem Jahr immer öfter.

Es sind nicht die berühmten grossen Filme, für die mit einem enormen Aufwand die Werbetrommel gerührt wird. Es sind oft alternative Filme und auf der Webseite des Filmclubs steht dann auch: "films for discriminating audiences". Ich fühle mich übrigens nicht diskriminiert, es bedeutet eher "kritisch" oder "anspruchsvoll" und das Publikum besteht meistens aus "reiferen" Semestern.

Es sind durchs Band interessante Filme, aus allen Kontinenten. Sie werden immer in der Originalsprache gezeigt. Letzten Frühling lief z.B. ein indischer Film "Lunchbox". Und vor einer Woche war "Tracks" auf dem Programm. Allerdings mussten wir da passen, wir hatten keine Zeit fürs Kino. "Chef" hat uns übrigens sehr gut gefallen, diesen Film haben wir uns nicht entgehen lassen. 

Oft sind canadische Filme dabei, meistens mit kleinem Budget produziert. Diese haben es uns besonders angetan. "Algonquin" war der Film, der diesen Herbst gezeigt wurde. 

Letzten Donnerstag sahen wir "Boyhood". Das Konzept dieses Films war sehr spannend, wurde er doch über eine Zeitspanne von 12 Jahren gedreht. 



Nicht so toll war die Panne bei der Filmvorführung - wir mussten beinahe eine dreiviertel Stunde warten, bis der Film losging. Sie hatten wohl dass Passwort "verhüehneret". Wird halt alles von Freiwilligen organisiert, die immer wieder wechseln. Aber ohne diese Leute gäbe es den Filmclub wohl nicht. Deshalb wurde es sehr spät, bis wir wieder Zuhause waren - und Fahren auf unserer Strasse mitten in der Nacht muss nicht unbedingt sein. Da überlassen wir den Busch lieber den Tieren.

Wie man sieht, haben wir hier im Norden von Ontario durchaus Interessantes an Kultur. Uebrigens hat uns meine Schwester darauf gebracht. Wir besuchten mit ihr im April 2010 das erste Mal eine Vorführung des Filmclubs. Damals lief "Das weisse Band" - in Originalsprache...

riminating audiences

films for discriminating audiences

Ohne Worte


bei MINUS 11 Grad Celsius...