13 September 2014

Unsere neuste Errungenschaft

Darauf haben wir nun lange gewartet. Seit dem 11. Juni, um genau zu sein. Der Holzschopf steht schon lange bereit und endlich, am 31. August, ist die neue Holzbearbeitungsmaschine bei uns angekommen. Höchst persönlich vom Hersteller hierher ins Camp gebracht. Wir haben ihn nämlich überredet, die Maschine am Labour Day Weekend an der Fall Fair in Powassan auszustellen und vorzuführen, um sie nachher zu uns zu bringen. So sparten wir uns die Lieferungskosten, die für dieses grosse Stück nicht ganz billig gewesen wären. Schön clever von uns... Na ja, es war eine win-win Situation.

Und hier ist sie, unsere automatische Holzaufheb-, Schneid-, Spalt- und Förderanlage, die es uns so viel einfacher macht, das Holz für den Winter bereitzustellen:


Die Maschine im Einsatz:


Sie erleichtert uns die Arbeit wirklich ungemein. Marcel schneidet die angelieferten Holzstämme in drei Meter lange Stücke und bringt sie mit dem Traktor vor die Maschine. Dort werden die Logs mit dem Log Lifter aufs Förderband gebracht. Nun betätigt man einen Hebel und der ganze Stamm wird bis zum Anschlag vorgeschoben. Die Länge kann man je nach Bedarf einstellen. Dann kommt die montierte Kettensäge zum Einsatz. Sie schneidet wie durch Butter und der Holzklotz fällt in die Spaltwanne. Ein anderer Hebel wird gedrückt und der Rugel wird in 2-4 Stücke gespalten, ganz nach Wunsch und Dicke des Stamms. Anschliessend - und da komme ich zum Zug - fallen die Holzstücke mehr oder weniger automatisch auf das Förderband, das die ganze Pracht in den Holzschopf befördert und dort auf einen Haufen fallen lässt. Meine Aufgabe ist nun, die kleineren Scheite für den Pizzaofen vor dem Förderband in die Schubkarre auszusortieren und die abfallende Rinde und anderes Abfallholz in einen alten Feuerholzsack zu packen. So haben wir bereits das Anzündholz für die Holzheizung und auch das Holz für unseren Pizzaofen bereit. Nachher müssen nur noch die Scheite schön aufgeschichtet werden. Das sah nach fünf Tagen Arbeit so aus:


Inzwischen haben wir das Förderband bereits zum vorderen Fenster verschoben, denn die hintere Hälfte des Holzschopfs ist praktisch voll. Es macht richtig Freude, am Abend das geleistete Pensum zu betrachten. Wir haben viel weniger Rückenschmerzen, denn die Arbeit ist leichter und mit viel weniger Bücken und Heben verbunden. Es war absolut die richtige Entscheidung, diese Maschine anzuschaffen. In knapp zwei Wochen haben wir geschafft, wofür wir sonst mit mehr Leuten zwei Monate brauchten.


Die Holzbeige links ist inzwischen zu einem kläglichen Rest geschrumpft, dem wir am Sonntag den Garaus machen. Und dann müssen wir auf die neue Lieferung von Logs warten. Die Logger sind wetterbedingt im Rückstand, aber wenn alles klappt, sollten wir in der kommenden Woche Nachschub erhalten. Und dann gibt es im Camp noch den einen oder anderen Baum, den wir fällen müssen. Aber diese Arbeit können wir erst nach Abschluss der Campingsaison Mitte Oktober machen. Wir haben also ganz viel Zeit für andere Dinge.


Zum Beispiel Geburtstagsfeiern am 11. September mit ein paar Gästen im Pizzahaus. Und dann hat Marcel noch ein paar Projekte in Powassan zu erledigen. Besuch aus der Schweiz ist auch angesagt. Im Moment ist Mami noch bei meiner grossen Schwester im Nordwesten von Ontario (1700 km von hier). An der Hochzeit haben wir uns alle endlich wieder einmal gesehen und Mami hat die Gelegenheit genutzt, mit der Drydenfamilie zurückzufahren, um ein paar Wochen die dortigen Familienmitglieder (drei Generationen) zu geniessen.

Uebrigens ist endlich das Gästehaus renoviert und bereits wieder eingeweiht. Es ist ein gemütliches Einzimmerhäuschen mit Bad. Ideal für zwei Personen.

Und sonst? Wir haben heute die Heizung gestartet. Es ist ungemütlich kalt geworden seit vorgestern. Geregnet hat es heute auch. War vielleicht ganz gut so, wir brauchten dringend einen Erholungstag. Inzwischen haben sich die Wolken verzogen und für Morgen ist Sonne angesagt. Und wie gesagt, unser Endspurt mit der alten Holzbeige...

Hochzeit

Ende August war sie endlich da, die Woche mit der Hochzeit. Mein Gottemeitli heiratete! Und obwohl sie in Nordafrika lebt und arbeitet, haben sie und ihr zukünftiger Mann beschlossen, den grossen Tag hier in Nordontario zu feiern. Ein Glück für mich, denn wir konnten endlich wieder einmal bei einem Familienanlass mitfeiern.

Die Hochzeit sollte in einem Camp am Rande des Algonquin Parks stattfinden (ca. 90 km südlich von uns). Kurzerhand wurde das ganze Camp mit 68 Schlafplätzen für das Wochenende gemietet, ein Festzelt aufgestellt, ein Buffet mit feinem Essen bestellt und ein Spanferkel organisiert. Das tönt ziemlich einfach. War es aber nicht. Meine Nichte und ihr Zukünftiger leben nämlich ein paartausend Kilometer östlich von Ontario. Sie arbeitet bei der canadischen Botschaft. Durchorganisiert wie sie ist, hat sie alles via Internet und Telefon von dort aus geplant und recherchiert. Natürlich ging es nicht ohne Hilfe hier vor Ort. Und wer durfte/wollte/musste diese Aufgabe übernehmen? Richtig - es ist ihre Mutter, meine jüngere Schwester. Wochenlang hat sie Aufträge ausgeführt, recherchiert, begutachtet, bestellt und dann gebacken, gekocht, gebastelt. A & M kamen 10 Tage vor der Hochzeit in Canada an und mussten sich beeilen, um die Hochzeitskleider anzupassen und bei all den vielen Vorbereitungsarbeiten und -entscheidungen zu helfen. Natürlich wurde auch von Freunden die eine oder andere Party organisiert, was immer mit langen Autofahrten (und langen Nächten) verbunden war.

Marcel und ich haben bis auf ein paar kleine Ueberraschungen nicht viel zu tun gehabt,... 


In diesem Leiterwagen, der aus der Familie von A.s Vater stammt, wurden die Eheringe von A.s Bruder und Neffen (meinem Grossneffen) vorgefahren. 
Marcel hat den Leiterwagen repariert und hochzeitstauglich gemacht.

... aber wir durften die Bräutigamfamilie für zwei Nächte beherbergen. Sie kommen aus dem Libanon und für sie war Canada eine ganz neue Welt. Wir hatten viel Spass und zudem sehr viel über Land und Leute gelernt. Nie hätte ich gedacht, dass im Libanon praktisch alle Leute französich sprechen, zudem auch englisch und natürlich arabisch. Wir lernten neue Gerichte kennen und andere Gewohnheiten.


Familiengemingel bei einem gemeinsamen Pizzaabend

Dann endlich der grosse Tag. Ein Teil der Gäste ist bereits am Freitag angereist. Das Wetter war etwas durchzogen und der Wetterbericht für den Samstag nicht vielversprechend. Und dann war es pures Glück. Die Zeremonie draussen am See hat bei trockenem Himmel stattgefunden und erst bei den Fotoaufnahmen nachher hat es zu regnen begonnen. Das Essen und die Party haben im Zelt stattgefunden und da machte der Regen nicht viel aus. Die Temperaturen waren nämlich durchaus passabel. 24 Grad und mehr, da macht einem so ein bisschen Regen nichts aus. Und hier ein paar Bilder, wild durcheinander:











Das Hochzeitsfest war vor allem so spannend, weil Gäste aus fast allen Kontinenten anreisten. Wir markierten dies auf einer Landkarte mit "Güfeli", für mich eine sehr spannende Angelegenheit:


Und weil man es vielleicht nicht richtig sehen kann, zähle ich die Länder hier mal auf (ohne Garantie auf Vollständigkeit):

Schweiz (natürlich), Canada (natürlich)... und dann: Sudan, Libanon, Brasilien, Congo, Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, Iran, Marokko, Pakistan und Türkei. 

Die multikulturelle Gesellschaft äusserte sich vor allem auch in der Musik, die gespielt wurde. Nebst vielen bekannten aktuellen englischen Songs ertönte auch der Zillertaler Hochzeitsmarsch (ein Wunsch vom Schweizer Grossvater), Louis Armstrong (auf Wunsch der Schweizer Grossmutter) und viel arabische Musik, vermutlich aktuelle Schlager. Dieses Musikgemisch war es, was die ganze Nacht lang im canadischen Busch zu hören war - eine sehr spezielle Angelegenheit!


Tiergeschichten Teil 2

Den letzten Tiergeschichten kann ich noch eine Fortsetzung anfügen:
Im August bekam ich eine e-Mail von den Gästen, die zu jener Zeit in unserem Cedar Cottage Ferien machten. Die Mail lautete:

First I want to say how absolutely wonderful the cottage is and the view and we are having a glorious time. Just wanted to tell you also that at 4 am this am a flying squirrel chewed a hole into the screen window in kitchen by microwave and entered the cottage! Took us 30 mins to chase him out the door to the porch! LOL 
But now your beautiful new window has a hole in the screen the size of a quarter! Feel free to drop by to see - I have pics of the squirrel LOL

Na, das war mal wieder etwas ganz Neues. Von den fliegenden Eichhörnchen habe ich schon gehört. Da die jedoch nachtaktiv sind, habe ich noch keines gesehen. So verlangte ich also die Bilder. Und tatsächlich, unscharf ist dieses kleine Biest zu erkennen, das einfach ein Loch in den Fliegenschutz gerissen hat, um durchs offene Fenster in die Küche zu gelangen. Flying squirrels sehen aus wie eine Mischung aus Fledermaus und Feldmaus. Sie besitzen lange Hautfalten an den Vorderpfoten und können so durch die Luft gleiten. Hier die Bilder, unscharf zwar, aber immerhin...



Das Loch im Screen ist nicht so schlimm. Wir werden es bei Gelegenheit reparieren. Dafür gibt es nun eine neue Wildtier-Geschichte in unserem Repertoir.

Max jagt nach wie vor die Gänse, wenn er kann. Und verfolgt sie weiter bis ins Wasser. Zum Glück konnte ich ihn austricksen. Er rennt zwar ins Wasser und beginnt die Gänse schwimmend zu verfolgen. Aber er hat noch nicht gemerkt, dass er jeweils an der Leine ist und so gar keine Chance hat, weit in den See hinauszuschwimmen. Ich amusiere mich sehr darüber und Max bekommt so sein Schwimmtraining. Ja, ich weiss, es ist ein wenig gemein, ihn so auflaufen zu lassen... aber es ist zu seinem eigenen Schutz. 
Uebrigens wurde unterdessen die Entenjagd eröffnet und die Gänse und Enten hüten sich, in die Nähe der Jäger zu kommen. Dachte ich wenigstens. Aber gestern watschelten wieder frischvergnügt zehn Gänse auf unserem Rasen herum und versch.... alles. Wie wenn sie wüssten, dass auf unserem Grundstück keine Schüsse fallen dürfen.

Und hier Max mit seiner Lieblingsstellung beim Autofahren:



Marcel erzählt eine lustige Begebenheit. Ein Vogel nimmt hinter der Lodge genüsslich ein Sandbad - beobachtet von einem Feldhasen, der wiederum von Marcel beobachtet wird. Als der Vogel davonfliegt, hoppelt der Hase ins gleiche Sandloch und nimmt... richtig! - ein Sandbad! Es sind solche Momente, die einem das Leben hier draussen in der Wildnis so wertvoll machen.