Auch heute ging ich auf Entdeckungsreise. Zuerst jedoch holte ich unseren Tagesgast ab. Ihre Besitzerin musste dringend weg und da wir nur noch 20 km voneinander weg wohnen, war das keine grosse Sache. Bybe kam einfach zu uns und kam mit Begeisterung mit auf meinen Rundgang.

Dazu muss ich noch Folgendes erwähnen. Unser Grundstück hat eine sehr aussergewöhnliche Form, die am Besten mit einem altmodischen Telefonhörer zu vergleichen ist. Unten ein grosses Stück Land, oben ein grosses Stück Land und dazwischen am hinteren Ende ein zehn Meter breites und über dreihundert Meter langes Verbindungsstück (das sich mitten im Wald befindet). Die vordere Verbindung der beiden Stücke ist unsere öffentliche Zugangsstrasse, die beim unteren Teil des Grundstückes zu einer Privatstrasse (Sackgasse) wird und durch das Stück beim See mit dem Haus weiterführt zu vier Nachbarn. Alles klar? Spielt auch keine Rolle. Jedenfalls wollte ich das obere noch unbekannte Stück Land erkunden und den zehn Meter breiten Streifen irgendwie finden. Es soll da Wege geben, habe ich schon gehört...
Beim Gehen auf der Strasse schaute ich mir ein Schild genauer an, das mir beim Vorbeifahren immer aufgefallen ist, das ich jedoch nie lesen konnte. Das Schild amüsiert mich, ich habe tatsächlich mehr Angst, einem Bären als diesem Killer-Aussie zu begegnen... :-)... und ich bin schon froh, dass ich Bybe dabei habe, aus demselben Grund.
Kurz nachher sind wir bei unseren Briefkästen und der Hauptstrasse angekommen. Dahinter befindet sich unser zweites Stück Land, alles Wald.
Mutig betrete ich den Wald und finde gleich dieses Schmuckstück, eine alte Holzofentüre, sehr dekorativ...
Und dann gibt es viel Aufräumarbeiten für Marcel und seinen Traktor. Das Holz sieht ziemlich verrottet aus, ob man es wenigstens noch für ein Campfeuer brauchen kann?
Einen Weg habe ich gefunden und auch das "No Trespassing" Schild, das wir letzten Herbst aufgestellt haben:
Nun weiter auf völlig unbekannten Wegen... ob dieser imposante Felsen noch auf unserem Stück Wald liegt?
Der Weg wird ziemlich matschig. Die Pfützen müssen wir irgendwie umgehen.
Bybe findet es ausgesprochen spannend. Welcher Hund würde das nicht?
Dann wird es wieder trockener und ich finde viele dieser niedlichen Blümlein. Für einmal interessiert mich der Name (noch) nicht.
Hier erblicke ich das Haus der Nachbarn, das von unserem Grundstück und der Strasse umschlossen ist. Das Haus ist von der Strasse überhaupt nicht zu sehen. Es ist ziemlich gross. Ich glaube, ich werde den Nachbarn bald einen Vorstellungsbesuch machen.
Plötzlich kommt eine schöne Lichtung und der Wald scheint irgendwie aufgeräumter. Ob ich aus Versehen bei einem Nachbarn gelandet bin?
Ueberall hängen kleine rosarote Plastikbändel. Ich merke, sie markieren Wege. Das gibt mir ein wenig Sicherheit, denn in Canada kann man sich in solchen Wäldern schnell verirren. Wenn die Bäume bereits Blätter tragen würden, hätte ich dieses Abenteuer nicht einfach so gewagt, obwohl ich behaupte, dass ich einen ziemlich guten Orientierungssinn habe...
Nachdem ich einen so markierten Weg wieder zurückgegangen bin und eine andere Richtung eingeschlagen habe, sehe ich plötzlich eine schmale Naturstrasse und ein ofenähnliches Gebilde, das mir bekannt vorkommt...
Und tatsächlich, meine Rechung ist aufgegangen, hier ist unser Haus vom hinteren oberen Ende des unteren Grundstückteils gesehen. Ich bin erleichtert und auch ziemlich stolz, dass ich gleich beim ersten Mal mein Ziel so gut getroffen habe.
Marcel hat unterdessen begonnen, den unzähligen Himbeerstauden den Garaus zu machen. Ich muss ihm unbedingt helfen.