31 Mai 2015

Schon wieder...

...schrammten wir knapp am Frost vorbei!


Verpackungskunst à la "sicher ist sicher"



29 Mai 2015

Das Partycamp

Vor fünfzehn Jahren übernahmen wir mit dem Camp auch alle saisonalen Camper. Wir hatten keine Ahnung, auf was wir uns da einliessen. Nach und nach stellte sich jedoch heraus, dass wir ein berühmt-berüchtigtes Partycamp gekauft haben. Viel Trinken war an der Tagesordnung und da spreche ich nicht von Wasser, oder höchstens gebranntem. Vor allem jedoch Bier. In rauhen Mengen. Kistenweise.

Eigentlich sind die Canadier nette Leute, hilfsbereit, interessiert, neugierig und schnell dein "Freund". So tasteten wir uns aneinander heran. Es gab von unseren Vorgängern Regeln, dies zu tun und jenes zu lassen. Die sollten eigentlich für alle gelten. Taten sie aber nicht. Es gab eine Gruppe, denen "gehörte" das Camp, ein richtiger Clan. Was wir auch taten oder nicht taten, es war falsch. Den vom Vorgänger übernommenen Mitarbeiter liessen wir im ersten Monat gehen. Er hatte sich im Workshop bedient, machte hinter unserem Rücken Geschäfte (natürlich auf unsere Kosten) und vor allem machte er sich lustig über uns, wie wir die ganze Sache angingen. Wir wechselten ALLE Schlösser aus. Er fand es dann nicht mehr lustig, als er mit Sack und Pack vor die Tür gestellt wurde. (Allerdings verwendete er in der Folge viel Energie, um uns überall schlechtzureden, aber das ist eine andere Geschichte.)

Diese eine Gruppe hatte das Camp fest in der Hand. Sie planten immer wieder einen Anlass. Jedes Wochenende gab es zudem eine fifty-fifty-draw. Das heisst, man sammelt Geld bei den Campern und 50% des Betrages konnte von jemandem gewonnen werden. Die anderen 50% verwendeten sie für Aktivitäten oder mit diesem Geld zahlten sie auch die Hälfte an den Gazebo-Bau, ein mit Mückengitter versehener Pavillon, in dem bis zu 40 Personen Platz haben.


der Gazebo anlässlich eines Festes im August 2013

Eigentlich eine gute Sache. Eigentlich. Wenn da nicht dieser Zwang gewesen wäre. Alle Camper, die bei der fifty-fifty-draw nicht mitmachen wollten, waren Aussenseiter. Und da der Pavillon-Bau zur Hälfte vom Camperclan finanziert worden war, wollten sie uns natürlich sagen, was damit zu geschehen hat. Nur das Blöde war, dass wir ja den ganzen Pavillon gekauft und bezahlt haben und nicht den halben.

Der langen Rede kurzer Sinn, unser Start war etwas stürmig. Unzählige Male wurden wir mitten in der Nacht (meist telefonisch) geweckt, wir sollten doch bitte in den Park kommen, es wäre zu laut... oder ein Streit sei entbrannt... oder jemand wäre stockbesoffen. Uff! Wir brauchten eigentlich unseren Schlaf und es war hart, um Mitternacht oder ein Uhr morgens für eine Bagatelle geweckt zu werden. An Schlaf war nachher oft nicht mehr zu denken. Auf meine Frage, weshalb sie sich nicht selber beim Nachbarn über den Lärm beschweren, wurde ich mit grossen Augen angestarrt: Dazu seien wir doch da und sie wollen schliesslich keinen Aerger mit den Nachbarn. Mir blieb die Spucke weg! Aber ich soll mich unbeliebt machen und sogar nicht mal den Namen des oder der Gestörten nennen dürfen. Aber was weiss man schon am Anfang von einem solchen Abenteuer. Man wollte es möglichst allen recht machen und nett bleiben. Erst später habe ich gemerkt, dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist, es allen recht zu machen.

Im zweiten Sommer dann begann vor allem Marcel die Regeln strikt durchzusetzen - zur Freude der Aussenseiter und zum Leidwesen des Camperclans. Sie begannen uns zu mobben. Das war für sie ganz einfach. Sie brauchten einfach anonym einer Behörde anrufen und denen zu erzählen, wir machten dies oder jenes entgegen dem Gesetz. Und was mussten die Behörden tun? Auch bei einem anonymen Anruf? Richtig: Sie kamen angedüst und kontrollierten alles von unten bis oben und von vorn nach hinten. Gefunden haben sie nie etwas. Im Gegenteil, wir waren doppelt und dreifach bemüht, uns an die Regeln zu halten. Schliesslich waren wir neu im Land und hatten viel zu lernen. Aber dann wurden sie gegen Ende Sommer doch fündig: Das Wasser im Park hatte nach einer wochenlangen Dauerhitze schlechte Werte. Sofort mussten an alle Wasserhahnen - und das waren viele, bei jedem Platz einen - Schilder aufgehängt werden mit der Warnung: "Kein Trinkwasser". Zwar hat nie jemand von diesem Wasser getrunken. Die Camper wussten, dass es kein Trinkwasser war und immer abgekocht werden musste. Für Trinkwasser gab es eine extra gefasste Quelle, die auch von allen benutzt wurde.

Dazu muss man wissen, dass im Jahr zuvor irgendwo weit weg von uns in Südontario das Trinkwasser einer Gemeinde mit Kolibakterien verseucht worden ist und es damals sogar Todesfälle gegeben hat. Deshalb reagierten die Behörden panikartig auf alle schlechten Wasserwerte. In diesen Zeitpunkt fiel leider unser Wasserproblem. Wir mussten also etwas tun, erhielten riesige Auflagen. Uns war klar, dass wir schnellstmöglichst eine Quelle bohren lassen wollten (was wir im Frühling 2002 auch gemacht haben). Auf Wasser aus dem See oder dem Fluss, wie hier allgemein üblich, wollten wir verzichten. Aber vorher mussten wir diese schwierige Saison zu Ende bringen.


Bohren der neuen 150 m tiefen Quelle im April 2002

Als die Behörden wieder einmal einen Anruf erhielten und bei uns vorbeikamen, konnte ich nicht mehr - und ich erzählte dem Inspektor von unseren Problemen. Der schaltete prompt und ihm wurde plötzlich klar, was für ein Spiel da mit uns getrieben wurde und weshalb er immer wieder zu uns kommen musste. Als im gleichen Moment noch ein Sachbearbeiter von einem anderen Ministerium anrief, übernahm er kurzerhand den Telefonhörer und erklärte dem anderen Ende unser Dilemma. Von da an war Ruhe. Sobald ein Anruf von einem unserer Camper in einem der Ministerien ankam, wurde darüber informiert, dass unwahre Geschichten ein kostenpflichtiges Verfahren nach sich ziehen könnte. Logisch, dass da die Anrufe schnell aufhörten.

Nach weiteren Unmöglichkeiten seitens des Camperclans zogen wir unsere Konsequenzen und kündigten Ende Sommer alle Saisonverträge. Die Camper mussten sich neu bewerben und wir siebten rigoros. Im Jahr darauf - es war im 2002, als der Tourismus wegen 9/11 ziemlich eingebrochen war - starteten wir mit einem Viertel weniger Saisoncampern, dafür war die Stimmung besser. Ende Sommer 2003 - es war das Jahr mit der Sars-Epidemie - verliess uns noch ein weiterer Teil der Partygruppe. Es war eine schwierige Zeit, aber seither geht es langsam und stetig aufwärts. Heute haben wir eine tolle Campergemeinde. Ein paar Familien, einige Pensionierte und viele berufstätige Paare mit zum Teil erwachsenen Kindern und oft schon mit Grosskindern. Eine bunte Mischung, wo alle leben und leben lassen. Von den ursprünglichen Campern sind immer noch neun hier, die anderen sind weggezogen, haben (altershalber) mit Campen aufgehört oder ein paar sind leider gestorben. Das ist der normale Kreislauf. Es fällt schwer, manche Camper ziehen zu lassen, aber es kommen immer wieder nette Leute nach.


27 Mai 2015

Unordentlicher Untermieter

Warum nur hängen so komische Schnurreste vom Dach?


Und was ist diese Sauerei am Boden?


Aha, ein Vogelnest...


Zwar fehlt der Vogel...


Mal sehen, wie und ob sich diese Kinderstube entwickelt...

Und Max der Spaniel?


hat Geburtstag heute - seinen Vierzehnten. 
Happy Birthday, Max!

(Uebrigens ist Max ein sehr ordentlicher Untermieter...)


24 Mai 2015

Inkognito

Mai und Juni sind die Monate, wo ich meistens inkognito gärtnere. Vor allem beim Rasenmähen, Jäten und Laubrechen ist es ratsam, sich gegen die Blackflies zu schützen. Es gibt zwar sehr effektive Sprays, aber ich ziehe die chemiefreie Variante vor:



Wichtig ist auch, die Hosenbeine unten zuzubinden, denn die kleinen Biester kriechen durch jede noch so kleine Ritze. Leider ist meine Reaktion in diesem Jahr sehr heftig. Bei jedem Biss schwillt die Stelle an und juckt wie verrückt. Hoffentlich gewöhnt sich mein Immunsystem wieder etwas an die Bisse. Vielleicht sollte ich aufhören mit den Süssigkeiten. Es soll helfen, sagt man...


23 Mai 2015

Schnee im Blumenmeer

Gestern hat es doch tatsächlich geschneit. Bei uns zwar nur ein paar Flocken, aber am Anfang unserer Strasse, 16 km von hier, hat es anscheinend über eine Stunde lang richtig geschneit. Die Temperaturen sind den ganzen Tag nicht über 6 Grad gestiegen. So sind halt nur die hartgesottenen Camper fürs Wochenende aufgetaucht. Die Nacht von Freitag auf Samstag war hoffentlich mit kalten -4 Grad die letzte frostige!

Trotz allem blüht es an allen Ecken und Enden. Die Bäume sind frühlingsgrün gekleidet und die Hummingbirds trinken alle paar Stunden die Futterstellen leer. Sie bewegen sich durch die Kälte etwas langsamer und so konnte ich sie gut fotografieren:



Die Natur gibt sich grosse Mühe und wir können schon einige Blumen bewundern:

zweifarbig gestreifter Teppichphlox


Narzissen


gefüllte Petunie



die einzige gefüllte Tulpe


Veilchen


Teppichphlox


wilder Wein


Walderdbeeren, wir haben Tausende im Camp


davon gibt's bald Salat und Löwenzahnöl


wilde Kirschen


Schlüsselblümchen


die letzte Osterglocke der Saison


Teppichphlox in drei Farben


Bald wird die ganze Landschaft in die gelben Pollen-Staubwolken der Föhren und Fichten gehüllt: (wohlweislich habe ich die Fenster noch nicht geputzt...)


irgendein hübsches Unkraut


etwas Deko muss auch sein:



Sogar in der Lodge hat mich die vor einem Jahr im Winterschlussverkauf gerettete Amaryllis mit dieser Blüte belohnt. Etwas spät, dafür umso überraschender:









22 Mai 2015

Comfort Food

Futter für die Seele... So nennt man hier die Hausmannskost, das Essen, das man daheim bei Mutter kennenlernte. Lange mussten wir darauf verzichten, bis uns vor ein paar Jahren ein Inserat in der Schweizer Revue aufgefallen ist. Und so fanden wir IHN. Er lässt die besten "Olma Brodwörscht", Stumpen (Cervelat), Fleischkäse und noch vieles mehr in Westcanada nach seinen Anordnungen seinem Rezept produzieren und importiert all die vielen Goodies aus der Schweiz. Soviel ich weiss ist er sogar der Generalimporteur für Kressi Essig. Mit uns spricht Ueli Ostschweizer Dialekt. Aber ich bin sicher, mit einem Berner spricht er waschechtes Bärndütsch.

Normalerweise gestalten wir den Einkauf bei ihm zu einem Tages- oder sogar Mehrtagesausflug, denn wir fahren bei unseren Kurzreisen in den Süden praktisch bei ihm vorbei.

Zum ersten Mal haben wir die Bestellung nicht selber in Toronto abgeholt. Der Zeitpunkt (resp. die Ankunft der neuen Fleischlieferung aus dem Westen) passte einfach nicht in unseren Terminkalender. Kurzerhand wurden die Wundersachen auf eine Palette verpackt und per Lastwagen über Nacht in unsere Stadt gekarrt. So musste ich nur noch zwei Mal 35 km fahren und wir hatten anschliessend beim Auspacken endlich wieder mal ein hundertprozentiges Heimatgefühl. So guet! Aber seht selber:


Hier weiss man wenigstens sicher, was drin ist. Der canadische Apfelsaft stammt meistens aus China-Konzentrat...


Die Flaschen im Hintergrund sind "baking flavour". Hochprozentig. Und ich verwende sie auch manchmal zum Backen. Ehrlich!


Es sind echte "Olma Brodwörscht", das habe ich hier festgestellt. Das andere ist Schinkenspeck (importiert aus dem Tirol), Appenzeller Moschtbröckli, doppelt geräuchter Speck, der beste Fleischkäse überhaupt usw.


Dank dem Sbrinz (und dem Glarner Ziger im Vorrat) kann ich nun endlich dieses Rezept ausprobieren.

Uebrigens haben wir nach der Rückkehr meiner Schwester aus der Schweiz vor zwei Wochen dies erhalten: 


Ich liebe Gala-Chäsli. Auch so ein comfort food! Und damit Marcel auch wieder einmal an sein vorheriges Leben erinnert wird:


So schwelgen wir also momentan im schweizerischen Schlaraffenland. 
Aber jetzt muss ich rennen, wir haben viel zu tun...

Nachtrag: Das möchte ich euch nicht vorenthalten (Link geklaut kopiert beim Zimi)


19 Mai 2015

Postkartensammlung

Mein Götti war ein Seemann, ein Schiffsingenieur, und reiste während seinem Berufsleben auf allen Weltmeeren herum. Er hatte immer interessante Geschichten zu erzählen, er spricht mehrere - auch schwierige - Sprachen und das Beste: Er schickte mir aus allen Teilen der Welt Postkarten. So entstand der Grundstock zu meiner Sammlung. Seither habe ich (fast) alle Postkarten gesammelt und nach über 50 Jahren ist eine beträchtliche Anzahl zusammen gekommen. 

Manchmal - eigentlich zu selten - schaue ich die Postkarten an, die Briefmarken, die Schrift und versuche herauszufinden, wer zum Gugger diese Person ist, die mir die Karte geschrieben hat. Meistens weiss ich es schon noch, aber irgendwie sind mir die Erinnerungen an einige Leute doch abhanden gekommen. Man kann halt nur soviel speichern...

Wenn wir nun Gäste aus dem Ausland im Camp haben und ich eine Gelegenheit finde, meine Postkartensammlung zu erwähnen, dann kann es schon geschehen, dass ich ein paar Wochen oder Monate darauf eine Postkarte erhalte. Ja, ich habe einige Postkarten aus Berlin, letztes Jahr ist eine aus Luxemburg eingetroffen und aus Köln sollte ich nun auch eine erhalten...




18 Mai 2015

Europäische Gäste

Gleich zu Saisonbeginn haben sich die ersten europäischen Gäste angemeldet. Nein, für einmal sind sie nicht aus Berlin, sondern aus Köln. Auch eine interessante Stadt und uns vor allem von unserem Auswanderungsinterview in der canadischen Botschaft in Bonn 1999 in Erinnerung.

Das Wetter hat am Wochenende glücklicherweise mehr oder weniger mitgespielt. Vor allem der Sonntag war der perfekte Tag. Am Morgen etwas Nebel und dann strahlenden Sonnenschein und fast 30 Grad warm. Unsere Gäste wollten einen Ausflug auf dem See machen. Da unsere Boote und das Dock erst am nächsten Wochenende bereit sein werden, nahm Marcel unser altes grünes Kanu und den kleinen 2 HP Suzukimotor aus dem Winterquartier. Der Motor sprang auch sofort an und die Beiden machten sich auf den Weg..., um nach kurzer Zeit paddelnd wieder zurückzukehren. Der Motor spuckte Benzin und muss nun erst repariert werden. Schade und schon etwas peinlich für uns, denn normalerweise funktioniert unser Equipment. Anfangs Saison kann aber schon mal etwas schief laufen, wir haben ja nur eine kurze Zeit, um alles für den Sommer herzurichten. So kam es also, dass sich R & I paddelnd fortbewegen mussten:


Am Abend dann haben sie ein echtes Schweizer Fondue bestellt. Lustig, wenn Schweizer "Nachbarn" nach Canada reisen, um das Traditionsgericht zum ersten Mal zu geniessen! Da haben wir doch gerne mitgemacht.

Heute Montag ist Feiertag (Victoriaday). Wie vorausgesagt hat es in der Nacht geregnet und ein wenig gewittert. Es ist nun bedeckt, aber immer noch 17 Grad warm. Kein Grund also, den Tag nicht auch im Camp zu verbringen. Die meisten unserer saisonalen Camper sind wieder für den Sommer eingerichtet und wir alle freuen uns auf eine gute Saison.


15 Mai 2015

Saisonbeginn

Nun ist sie also da, unsere sechzehnte Campingsaison. Wir sind gut vorbereitet, das Showerhouse, unser Sanitärgebäude, wartet frisch geputzt auf die Benutzer. Marcel konnte die Wasserpumpe, die immerhin 150 Meter tief in einer gebohrten Quelle steckt, ohne Probleme starten. Alle Leitungen scheinen den Winter überstanden zu haben, was bedeutet, dass sie im letzten Herbst sauber ausgeblasen worden sind. Wenn irgendwo Wasser liegengeblieben wäre, hätte das unweigerlich zu einer gefrorenen und schlussendlich geplatzten Wasserleitung geführt. Auch mit dem Strom ist alles in Ordnung. Die Feuerprobe bestehen unsere Anlagen, wenn am 15. Mai die saisonalen Camper ihre Strom- und Wasserleitungen anschliessen und die Netze vor allem in den ersten Tagen stark in Anspruch genommen werden.

Wir öffnen den Park jeweils am 15. Mai, was dieses Jahr bedeutet, dass es gleich auf das lange Wochenende fällt. Am Montag ist bei uns Victoria Day. Es ist der Geburtstag von Queen Victoria am 24. Mai. Und damit die Canadier in den Genuss von einem verlängerten Wochenende kommen, wird der Feiertag immer auf den Montag am oder vor dem 24. Mai gesetzt. In diesem Jahr findet er früh wie selten statt, nämlich am 18. Mai. Eigentlich spielt es keine grosse Rolle, nur heisst es diesmal für die Camper, dass sie nach dem 15. Mai nicht erst ein "normales" Wochenende haben, wo sie den Trailer für die Saison bereitmachen können, sondern gleich ins lange Wochenende starten. 

Wir haben gehört, dass einige der Saisonalen nun den Freitag (15.5.) frei genommen haben, damit sie dann trotzdem von Samstag bis Montag das lange Wochenende geniessen können. Es werden also am Freitag um neun Uhr morgens bestimmt schon einige Camper ungeduldig auf Einlass warten. Früher haben wir nie eine Zeit gesagt, aber als Marcel und ich in einem Jahr bereits um sieben Uhr bei unserem Frühstück "gestört" wurden (der einzigen ruhigen Mahlzeit für uns zusammen), haben wir nicht nur das Datum, sondern auch die Zeit festgelegt. Zwischen den Campern hat sich ein kleiner Wettlauf entwickelt, wer jetzt wohl der/die Erste im Park ist. Bevor wir die Camper in den Park lassen können, müssen wir nochmals einen Kontrollgang machen, die Lichter und die Zeitschaltuhr im Sanitärgebäude einschalten, die Abfallkübel rausstellen und alle Türen aufschliessen. 

Und dann beginnt der fünfmonatige Dauereinsatz, wo wir nie, aber auch gar nie alleine im Camp sind. An vollbesetzten Wochenenden in der Hochsaison (Juli und August) sind schon mal bis zu 200 Camper anwesend. Meistens jedoch sind es zwischen 100 und 150 an Wochenenden. Unter der Woche kann diese Zahl auch mal unter zwanzig sinken. Das Wetter spielt natürlich eine grosse Rolle. Deshalb sind wir gar nicht böse, sollte es ab und zu auch mal regnen :-)

Aber erstmal ist ganz passables Wetter vorausgesagt mit Temperaturen zwischen 15 und 24 Grad tagsüber. Am Montag soll es dann regnen, aber bis dahin ist die Feuerprobe des May-two-four Weekends bestanden. 

Max kann es kaum erwarten...





13 Mai 2015

The Chef's Table

Im Mai haben wir jeweils etwas zu feiern. Diesmal sogar einen Runden. Und weil es immer auf die Saisoneröffnung fällt, haben wir beschlossen vorzufeiern.

Ein neues Restaurant in der Stadt mit einem interessanten Konzept hat es uns angetan und das wollten wir ausprobieren. Canada ist ja nicht gerade für eine Gourmetküche bekannt, wenigstens nicht in unserer Ecke des Landes. In den letzten paar Jahren jedoch haben sich vermehrt ehemalige Studenten aus dem Kulinarischen Programm des Colleges (sprich gelernte Köche) dazu entschlossen, ein eigenes Restaurant hier in der Stadt zu eröffnen. Sie sind meistens hochmotiviert und haben gute Ideen. Und mehr und mehr sind sie auch erfolgreich. Es ist neben all den Food-Ketten nämlich nicht einfach, eine gute Küche anzubieten, die sich die Menschen auch leisten können. Generell gibt der Canadier nicht so viel Geld fürs Essen aus. Oder anders gesagt, man kann hier in Restaurants für wenig Geld relativ viel Essen erhalten. Ueber die Qualität lässt sich da allerdings streiten. Diese jungen Leute setzen jedoch auf lokale Produkte und vor allem kochen sie vielfältig und gesund.

Als wir vor zwei Wochen dieses neue Restaurant zum Lunch besuchten und hausgemachte Ravioli mit Hasenfüllung auf dem Menue fanden, wussten wir, dass wir hier nicht zum letzten Mal waren. Besonders aufgefallen ist uns ein fünfgängiges Surprise-Gourmet-Menue, genannt "The Chef's Table". Es ist nur auf Vorbestellung erhältlich, mindestens zwei Tage im Voraus.

Und so kam es, dass wir am Dienstagabend am "Koch seinem Tisch" Platz nahmen. Eigentlich ist es kein Tisch, sondern eine Bar mit bis zu sechs Plätzen. Und hinter der Bartheke ist die Küche. Man sitzt also mit dem Blick in die offene Küche und kann ganz genau beobachten, was auf die Teller gezaubert wird. Gleichzeitig wird dort auch für die à la carte-Gerichte im Restaurant gekocht.

Das war ganz nach unserem Geschmack. Weil wir schon so lange nichts mehr Aehnliches erlebt haben, machte es uns grossen Spass - und geschmeckt hat es auch ausgezeichnet. Das Ueberraschungsmenue wird bei jeder Reservation vom Koch neu zusammengestellt. Er meinte, so müsse er nicht immer das Gleiche kochen und die Gäste dienen ihm gleichzeitig als Versuchskaninchen. Sehr smart... Und das wurde uns zelebriert: (wir haben es uns vom Chef aufschreiben lassen)

homemade Bread to begin
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Fiddlehead salad with wilted greens and a poached egg, 
tossed with a bacon balsamic dressing
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Seafood croquette with "minted" pea purée, 
tomato cream and a fennel/cucumber slaw
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Chicken Ballontine wrapped in bacon 
served with beet purée, green beens, pan sauce
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Ontario Cornfed Striploin 
glazed potatoes and glazed carrots, pan sauce
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White Chocolate Mousse


Dazu haben wir natürlich feinen Wein getrunken und die ganze Zeit mit dem Chef geplaudert. Es war wirklich ein tolles Erlebnis.


Das Bild stammt nicht von unserem Abend, sondern aus der Facebookseite des Restaurants.


11 Mai 2015

Die Glocke, die verbindet


Hinter der Glocke steckt eine schöne Geschichte. Den Anfang genommen hat sie 2010, als wir zum ersten Mal unsere Freunde in der zum Hotel umgebauten Mühle in Südontario besuchten. Häuser mit Geschichten haben uns schon immer fasziniert und interessiert. Wir sind offensichtlich nicht die Einzigen, die an alten Dingen Freude haben, denn im Eingangsbereich des Hotel und Restaurants hat Gord ein kleines Museum eingerichtet mit Antiquitäten und Kuriositäten, die er im Laufe seines Lebens gesammelt hat.

In diesem Bereich warten auch die Gäste auf einen freien Tisch im Restaurant. Speziell während der monatlich stattfindenden Fischwoche muss man locker mal eine Viertelstunde auf einen Tisch warten. 
Seit unserem ersten Besuch sind schon einige Gegenstände dazugekommen. Die Begeisterung für alte Dinge steckt an und schon oft hat ihm ein Stammgast die eine oder andere Rarität gebracht, damit sie hier gebührend bewundert und beschwatzt werden kann.

Leider - und das ist sehr traurig - verschwinden manchmal auch (vor allem wertvolle) kleine Gegenstände. Gord merkt es oft erst viel später, denn in der Menge der Dinge fällt das nicht immer sofort auf. Trotzdem hat er beschlossen, die Sachen weiterhin seinen Gästen zugänglich zu machen.
Bei jedem Besuch nun müssen wir nachschauen, was sich Neues in seinem Sammelsurium finden lässt.

Wie verwundert waren wir also bei unserer ersten Entdeckungsreise, als wir gleich zwei solcher Glocken fanden:


Gord konnte meine Begeisterung gar nicht verstehen. "Woher hast du die?" und "Weisst du, wo Saignelégier liegt?" "Was steckt da wohl für eine Geschichte dahinter?" Fragen über Fragen. Ich stellte mir natürlich eine romantische Einwanderergeschichte von Jurassiern im vorletzten Jahrhundert vor. Schlussendlich waren die Antworten dann gar nicht so spektakulär. Gord hatte die Glocken von seinem Vater, der eine riesige Antiquitätensammlung besessen hatte. Sein spezieller Bezug zu den Glocken war eigentlich nur, dass die Jahrzahl darauf auch das Baujahr der Mühle ist:


Natürlich haben wir ihm von Saignelégier in der Schweiz erzählt und von unseren vielen Campingausflügen dahin in unserem "früheren" Leben. Er fand das sehr speziell und interessant. Und so überraschte er uns eines Tages damit, dass er uns die eine der beiden Glocken als Zeichen der Freundschaft überreichte. Das hat uns sehr gefreut! Seither steht die Glocke an einem speziellen Ort in unserem Restaurant, zusammen mit einer anderen, die wir aus der Schweiz mitbrachten.

Als i-Tüpfelchen gibt es noch eine kleine Fortsetzung der Geschichte: Bei unserem letzten Besuch in der Mühle begleiteten uns Pat und Barry, die seit Jahren unseren Campingplatz besuchen. Und als wir am Schluss unseres Ausfluges bei ihnen in der Küche sassen, verschwand Barry plötzlich im Keller und kam zurück... mit einer Glocke! Der genau gleichen Glocke, wie sie Gord und wir besassen. Auch Barry ist irgendwoher zu einer solchen Glocke gekommen. Es muss also tatsächlich Tausende davon in Nordamerika geben. Für uns jedoch hat sie eine ganz spezielle Bedeutung, die der Freundschaft.


10 Mai 2015

Zum Muttertag


Den traditionellen Wiesenblumenstrauss gibt es hier um diese Jahreszeit noch nicht. Dafür das Bild einer meiner Hängepflanzen, die - benetzt von den immer noch fallenden Regentropfen - beim Eingang hängen. 


09 Mai 2015

Hitzerekord

Da haben wir doch tatsächlich gestern den Hitzerekord für den 8. Mai vom Jahre 1979 übertroffen:



Muss es denn gleich wieder so extrem werden?

Inzwischen regnet es ganz sanft und die Natur scheint förmlich zu explodieren, ein leichtgrüner Hauch legt sich bereits über die Landschaft. Der Frühling holt auf wo er kann.


08 Mai 2015

Angekommen

Nun sind sie da!

erstens

Die Plagegeister der Morgen- und Abenddämmerung, auf die wir so gut verzichten könnten, die


M O S K I T O S



zweitens


Die anderen Plagegeister, auf die wir auch verzichten könnten, die jedoch für die Bestäubung der Heidelbeeren unverzichtbar sind, die


B L A C K F L I E S



drittens


Die kleinen, faszinierenden Vögel, die endlich nach einem unendlich langen Flug aus Mexiko ihr Sommerquartier wieder bei uns bezogen haben, die summenden Wirbelwinde, die



H U M M I N G B I R D S


(Kolibri)


Auf die haben wir gewartet und dürfen uns nun wieder einen ganzen Sommer lang an ihnen freuen. Herzlich Willkommen!