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02 Mai 2015

15 Jahre Camp



Heute vor 15 Jahren haben wir das Camp übernommen. Es war ein aufregender Tag und es dauerte unendlich lange, bis wir am Abend endlich die Schlüssel in den Händen hielten und zum ersten Mal die Tür zu UNSERER Lodge öffneten. Zum ersten Mal in unserem Leben besassen wir ein eigenes Grundstück. Dass es gerade 17 ha werden sollten, hätten wir nie zu träumen gewagt.


Leider haben wir aus diesen ersten Wochen keine Fotos. Damals gab es ja noch die Kameras mit den heute so altmodischen Filmen. Und eigentlich hatten wir auch absolut keine Gedanken für solch banale Dinge... (schade).

Es war eine intensive Zeit. Der Container musste von der damaligen Farm meiner Schwesterfamilie zu uns verschoben werden, was eine grössere Sache wurde. Der Lastwagen versank nämlich beim Abladen des Containers im weichen Sand. Nach zwei Stunden Schaufeln und mit Brettern unterlegen beschloss der Fahrer, dass er nun kein Risiko für sein Fahrzeug mehr eingehen will und gab GAS. Da der Container mit der hinteren Seite schon auf dem Boden stand, rutschte schlussendlich die andere Seite mit einem lauten Knall vom Lastwagen. 

Welch ein Schreck! Ich sah schon all unser Geschirr in den Schachteln zu Scherben verbrösmelen. Tatsächlich blieb alles heil. Wenn ich mich recht erinnere, war von allen Dingen im Container nur ein Glaskrug zerbrochen. Da hatte sich das monatelange sorgfältige Packen in der Schweiz doch gelohnt.

(neben und unter dem Container lebt heute bekanntlich der Groundhog)

Der Container steht immer noch neben der Lodge und beherbergt die von Marcel restaurierten Stühle, Tische und Betten sowie einiges an Geschirr, wofür wir hier (noch) keinen Platz fanden. Wir haben schnell gemerkt, dass unsere Sachen (zum Teil Antiquitäten) nicht besonders camptauglich sind. Vor allem sind sie nicht geeignet für die Cottages. 

Einiges ist inzwischen bei Nichten und Neffen angekommen. Ein wunderschönes zwölfteiliges Langenthal Service einer meiner Tanten befindet sich momentan in Khartoum...


Ein anderes von einer anderen Tante in Nordwestontario...


Aber ich schweife ab. Jedenfalls haben wir in den vergangenen Jahren immer wieder mal Dinge aus dem Container geholt und andere dort untergestellt. Er ist so quasi meine Wundertüte. Wenn ich in einem ruhigen Moment wieder mal auf Entdeckungsreise gehe, ist es oft wie Weihnachten. In diesem Sommer wollen wir die Tische aus ihrem dunklen Verlies erlösen und das Pizzahaus damit einrichten. Einige der Stühle haben es ja bereits dahin geschafft.

Meine LeserInnen werden sich fragen, weshalb nur um Himmels Willen haben die all die Sachen mitgeschleickt? Das fragen wir uns manchmal auch, aber wir haben damals beschlossen, dass wir die alten (viele von Marcel restaurierten) Sachen nicht einfach verscherbeln wollten. Sie warten nur darauf, um zu neuem Leben erweckt zu werden - wie z.B. hier, der Tisch und die Stühle bei meiner Schwester stammen vermutlich von unserem Grossvater: 


(leider nagt der Zahn der Zeit an den Erinnerungen. Manchmal wissen wir einfach nicht mehr, von wem wir die Sachen haben. Wir haben vor unserer Auswanderung bei vielen Haushaltauflösungen in der Familie und bei Bekannten Dinge vor dem Wegschmeissen oder Verscherbeln gerettet.)

Wir haben uns nun vorgenommen, endlich mit alten und verbrauchten Gegenständen hier im Camp abzufahren; z.B. die Stühle, die sich beim Kauf im Restaurant befanden, müssen endlich aussortiert und entsorgt werden. Sie sind bestimmt schon 40 oder mehr Jahre alt und wir haben uns sagen lassen, dass sie aus einer alten Offiziersmesse hier in der Stadt stammen. 20 Jahre hier im Camp sind genug! Sie lassen sich nicht mehr richtig reinigen. Es wird Zeit für die vom Entsorgen "geretteten" Dietiker Stühle aus Schaffhausen!


25 April 2015

Der Baum

IHN wollte ich schon lange vorstellen:


Er ist jedoch so riesig, dass es extrem schwierig ist, ihn
(mit meinen Möglichkeiten)
zu fotografieren. 


Anhand des Grössenvergleichs mit dem Traktor kann man sich seine Höhe vielleicht ungefähr vorstellen. Jedenfalls überragt er alle Bäume in der Umgebung bei Weitem.


Er ist der grösste und wohl majestätischste Baum im Camp überhaupt. Schätzungsweise dreissig bis vierzig Meter hoch. Das Alter kann ich nicht abschätzen, aber ich bin der festen Ueberzeugung, dass dieser Baum schon alles gesehen hat, was in den letzten zweihundert Jahren hier passiert ist. Und er hat den Waldbrand von 1905 überstanden, muss also bereits da ein stattlicher Baum gewesen sein. 

Bestimmt hat er die Trapper und Ureinwohner (Indianer) beobachtet, wie sie auf der Voyageurroute, der berühmten Kanustrecke, ihre Lasten in grossen Kanus transportiert und hier am Ufer vom Lake Talon Station gemacht haben. Wir haben schon mal gehört, dass dies hier ein bevorzugter Aufenthaltsort der Ureinwohner war. So genau wollen wir das jedoch nicht wissen, denn es ist ein wenig wie mit dem Heimatschutz in der Schweiz. Ist ein Ort plötzlich schützenswert, hat man nicht mehr das Sagen.

Auf jeden Fall hat der Baum bestimmt die ganze Campgeschichte seit 1854 miterlebt. Für ihn ist die ganze Sache kein Rätsel, denn er war ja mit dabei. Ich wünsche mir, er könnte sprechen und mir ein paar von den Geschichten erzählen, die in seiner Umgebung passiert sind...


07 März 2015

"Schpring vorwärts"

Nie konnte ich mir früher merken, ob bei der Zeitumstellung die Uhren vorwärts oder rückwärts gedreht werden müssen. Seit ich in Canada lebe, fällt mir dies ganz leicht. Heute Nacht werden die Zeiger "vorwärtsSPRINGen", um dann im November wieder "zurückzuFALLen".

Spring = Frühling / Fall = Herbst. 
Ganz einfach.

Was ich jedoch nie verstehen werde, warum stellen wir hier die Uhren anfangs März und November um - und nicht wie in Europa am letzten Samstag im März und Oktober? Wahrscheinlich, um immer schön flexibel zu bleiben... haha.

Also, nicht vergessen, ab Sonntag beträgt unser Zeitunterschied zur Schweiz für drei Wochen wieder mal nur fünf Stunden.


Und was habe ich wohl heute Morgen gemacht? Richtig! 7 cm Neuschnee geschaufelt bei "nur" -9 Grad. Grrrr