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06 Mai 2016

Adieu Camp

Nun ist das Camp Geschichte für uns. Seit Donnerstagabend um 16.30 Uhr sind wir nicht mehr die Besitzer. Vielfältige Gefühle kommen da auf. Es war ein echter Chrampf die letzten Tage. Wir sind beide total geschafft. Vor unserem neuen Daheim stehen noch zwei voll beladene Trailer, die geleert werden sollten. Irgendwie schaffen wir es nicht, denn noch immer fahren wir die 85 km Strecke jeden Tag hin und zurück.

Heute waren wir im Camp, um das Wasser und die elektrischen Anlagen im Campingplatz einzuschalten. Am Samstag werden wir beide den ganzen Tag mit den neuen Besitzern verbringen, um sie in unsere "Geheimnisse" der Camp-Führung einzuweihen. Und am Montag und Dienstag haben wir die Gelegenheit, Marcels Werkstatt leerzuräumen. Dazu reichte die Zeit bisher einfach nicht. Es ist sehr selten, dass ein Camp in so kurzer Zeit übergeben wird. Aber es hat einfach alles gepasst und es musste so sein. Nun brauchen wir dringend etwas Zeit, unsere geschundenen Knochen zu erholen. Wir beide hinken ziemlich in der Welt herum, aber hey! Es hat sich gelohnt, wir sind jetzt offiziell pensioniert!

Gestern nahm ich mir ein paar Minuten, um Abschiedsbilder zu machen:
adieu Lodge


adieu Pizzahaus


adieu Unterstand


adieu Gästehaus


adieu Gartenhaus


adieu Kanugarage


adieu Holzschopf


adieu Bootshaus


adieu Werkstatt und Garage


adieu Container
du hast uns von der Schweiz nach Canada begleitet


adieu geliebter Blumengarten
Da der Frühling so verzögert ist, konnte ich keine Blumenableger ausgraben und mitnehmen.


adieu Restaurant


adieu Bar


adieu Wohnzimmer
Siehst riesig aus ohne unsere Möbel.


adieu Badezimmer
Du warst der erste fertige Raum in unserer Wohnung.


adieu Gazebo


adieu Showerhouse


adieu ihr 17 Toiletten
Euch weine ich keine Träne nach.


adieu Campground
Hast uns im letzten Dezember noch eine Menge Arbeit eingebrockt, um die wir uns allerdings nicht mehr kümmern müssen.


noch mehr umgefallene Bäume


Die Cottages habe ich total vergessen zu fotografieren, ebenfalls das weisse alte Cottage, das bald in sich zusammenfallen wird. Bei Rex und Max war ich noch rasch, sie werden uns immer fehlen. So viele Erinnerungen...

Aber nun erwartet uns dieses:


Die Aussicht vom Deck bei unserem neuen Zuhause auf den See. Ab sofort täglich unsere Routine, wenn wir wollen...

20 April 2016

Fast so schnell wie der Blitz

Es ist immer so. Sobald sich der Frühling entschliesst endlich bei uns aufzutauchen, geht es wie der Blitz.

Grünes Gras:


Sogar die ersten Krokusse sind da:


Die Tulpen wachsen kräftig mit:


Der See ist immer noch gefroren. Nur wo der Fluss reinfliesst, öffnet sich das Eis mehr und mehr. Ich bin ja gespannt, wann das Eis dieses Jahr verschwunden ist. Ob es zum ersten Mal für uns bis in den Mai dauert??...

Im Park sieht es noch so aus:




13 September 2015

Uffff....

Ich bin ziemlich geschafft. Aber gut geschafft... 

Zwei intensive Wochen(enden) liegen hinter uns. Am Labour Day Weekend, dem letzten langen Wochenende des Sommers, war ein grosser Teil unserer Familie hier vereint. Drei Generationen plus Hund. Meine Schwester, beide Nichten und der Neffe mit Familien (samt 6 Wochen altem Grossneffen und seinem zwei Jahre älteren Bruder) verbrachten Zeit miteinander hier im Camp. Wenn man bedenkt, dass alle innerhalb Ontario aus drei verschiedenen Richtungen jeweils über 400 km angereist sind... sowas geht nur in Canada. 


Das ist Jax, ein wunderschöner, sehr aktiver 18 Monate alter Deutscher Schäferhund. Geboren wurde er in Nordafrika und lebt jetzt für eine Zeitlang in Ottawa. (Wir werden ihn am nächsten Wochenende "hundesitten", damit wir nicht aus der Uebung kommen...)


Am Samstagabend gab es ein libanesisches Dinner, ein völlig neues Esserlebnis für uns. Natürlich durfte auch ein Pizzaessen nicht fehlen, der Ofen hatte Hochbetrieb. Viel zu selten sind wir mit der Familie beisammen; dafür geniessen wir es umso mehr, wenn es klappt.

Dieses Wochenende nun hatten wir nochmals Hochbetrieb. Wir feierten mit einer Bluegrass-Band - zwei Tage lang. Das Wetter spielte zum Glück auch mit, obwohl es am Abend draussen ziemlich kühl wurde. Aber wozu hat man denn einen Pizzaofen? Die Gäste reisten mit Campern und Trailern an und das kleine Cottage sowie das Gästehaus waren auch besetzt. 


Marcel war in seinem Element und bekochte seine Gäste. Das ganze Restaurant haben wir umgeräumt, damit für Gäste, Band und Buffet der ideale Platz gefunden wurde. Nun haben wir ein paar kleine Nachwehen und tolle Erinnerungen...  

Gerade vorhin ist dieses Vehikel vorbeigefahren:


Es ist der ehemalige Anbau von einem unserer saisonalen Trailer. Mit dem Ende der Sommer(schul)ferien und dem nahen Beginn der Jagdsaison kommt auch der Moment, wo sich die saisonalen Camper entschliessen müssen, ob sie im nächsten Sommer weiterhin hier campen oder andere Pläne verfolgen möchten. Gesundheitliche Gründe, berufliche Gründe, familiäre Gründe oder die Verwirklichung von Reiseplänen - immer wieder verlassen uns am Ende der Saison einige Camper. Die Nachfolger stehen schon in den Startlöchern und schauen sich die frei werdenden Plätze an. Es läuft weiterhin rund bei uns...



31 Juli 2015

Hochsaison

Bei uns startet heute das wichtigste lange Wochenende des Sommers, die Saisonspitze sozusagen. Nachher wird es langsam wieder ruhiger werden und der Campingalltag plätschert (für uns) wieder gemütlicher vor sich hin. Uebernachtungsgäste sind ja toll, geben aber auch eine Menge Arbeit. Die sanitären Anlagen sehen nie ganz so aus, wie ich mir das wünsche und das mit der Abfalltrennung ist auch so eine Sache. "Aus den Augen - aus dem Sinn" scheint bei Kurzgästen oft die Devise zu sein. Und wir können dann schauen, wohin mit dem Zeugs.

Hauptsache ist jedoch, unsere Kurz- und Langzeitgäste haben Spass, können sich gut erholen und geniessen Sonne, Wind und Wasser...

Das ist Bybe, der Hund einer Freundin, die bei uns zu Besuch waren.

Einen Spezialgruss in die Schweiz. Allen einen schönen und gemütlichen 1. August, alles Gute zum 724. Geburtstag! Ich werde zur Feier des Tages wieder mal das Schweizer T-Shirt anziehen und Ländlermusik laufen lassen :-).


20 Juli 2015

Wochenend-Ausbeute

Eigentlich finden wir es gut, wenn unser Campingplatz von Wochenend-Gästen besucht wird. Vor allem, wenn es sich dabei um Angehörige und Freunde unserer saisonalen Camper handelt. Was wir allerdings ziemlich doof finden, sind die Gäste, die Schäden verursachen und dann einfach klammheimlich wegfahren. So wissen wir leider nur zum Teil, wer uns da so viel Arbeit und Kosten verursacht...


Eine umgefahrene Tanne...


die total beschädigte Schutzwand unserer Quelle im Campground...



und die umgefahrene Abschrankung des Septicfeldes 
(das Feld dient zur Abwasserreinigung).


Der eigentliche Aerger ist ja nicht, dass so etwas passiert. Wirklich unverständlich ist uns jedoch, dass die Verursacher nicht zu ihren Missgeschicken stehen können...


29 Mai 2015

Das Partycamp

Vor fünfzehn Jahren übernahmen wir mit dem Camp auch alle saisonalen Camper. Wir hatten keine Ahnung, auf was wir uns da einliessen. Nach und nach stellte sich jedoch heraus, dass wir ein berühmt-berüchtigtes Partycamp gekauft haben. Viel Trinken war an der Tagesordnung und da spreche ich nicht von Wasser, oder höchstens gebranntem. Vor allem jedoch Bier. In rauhen Mengen. Kistenweise.

Eigentlich sind die Canadier nette Leute, hilfsbereit, interessiert, neugierig und schnell dein "Freund". So tasteten wir uns aneinander heran. Es gab von unseren Vorgängern Regeln, dies zu tun und jenes zu lassen. Die sollten eigentlich für alle gelten. Taten sie aber nicht. Es gab eine Gruppe, denen "gehörte" das Camp, ein richtiger Clan. Was wir auch taten oder nicht taten, es war falsch. Den vom Vorgänger übernommenen Mitarbeiter liessen wir im ersten Monat gehen. Er hatte sich im Workshop bedient, machte hinter unserem Rücken Geschäfte (natürlich auf unsere Kosten) und vor allem machte er sich lustig über uns, wie wir die ganze Sache angingen. Wir wechselten ALLE Schlösser aus. Er fand es dann nicht mehr lustig, als er mit Sack und Pack vor die Tür gestellt wurde. (Allerdings verwendete er in der Folge viel Energie, um uns überall schlechtzureden, aber das ist eine andere Geschichte.)

Diese eine Gruppe hatte das Camp fest in der Hand. Sie planten immer wieder einen Anlass. Jedes Wochenende gab es zudem eine fifty-fifty-draw. Das heisst, man sammelt Geld bei den Campern und 50% des Betrages konnte von jemandem gewonnen werden. Die anderen 50% verwendeten sie für Aktivitäten oder mit diesem Geld zahlten sie auch die Hälfte an den Gazebo-Bau, ein mit Mückengitter versehener Pavillon, in dem bis zu 40 Personen Platz haben.


der Gazebo anlässlich eines Festes im August 2013

Eigentlich eine gute Sache. Eigentlich. Wenn da nicht dieser Zwang gewesen wäre. Alle Camper, die bei der fifty-fifty-draw nicht mitmachen wollten, waren Aussenseiter. Und da der Pavillon-Bau zur Hälfte vom Camperclan finanziert worden war, wollten sie uns natürlich sagen, was damit zu geschehen hat. Nur das Blöde war, dass wir ja den ganzen Pavillon gekauft und bezahlt haben und nicht den halben.

Der langen Rede kurzer Sinn, unser Start war etwas stürmig. Unzählige Male wurden wir mitten in der Nacht (meist telefonisch) geweckt, wir sollten doch bitte in den Park kommen, es wäre zu laut... oder ein Streit sei entbrannt... oder jemand wäre stockbesoffen. Uff! Wir brauchten eigentlich unseren Schlaf und es war hart, um Mitternacht oder ein Uhr morgens für eine Bagatelle geweckt zu werden. An Schlaf war nachher oft nicht mehr zu denken. Auf meine Frage, weshalb sie sich nicht selber beim Nachbarn über den Lärm beschweren, wurde ich mit grossen Augen angestarrt: Dazu seien wir doch da und sie wollen schliesslich keinen Aerger mit den Nachbarn. Mir blieb die Spucke weg! Aber ich soll mich unbeliebt machen und sogar nicht mal den Namen des oder der Gestörten nennen dürfen. Aber was weiss man schon am Anfang von einem solchen Abenteuer. Man wollte es möglichst allen recht machen und nett bleiben. Erst später habe ich gemerkt, dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist, es allen recht zu machen.

Im zweiten Sommer dann begann vor allem Marcel die Regeln strikt durchzusetzen - zur Freude der Aussenseiter und zum Leidwesen des Camperclans. Sie begannen uns zu mobben. Das war für sie ganz einfach. Sie brauchten einfach anonym einer Behörde anrufen und denen zu erzählen, wir machten dies oder jenes entgegen dem Gesetz. Und was mussten die Behörden tun? Auch bei einem anonymen Anruf? Richtig: Sie kamen angedüst und kontrollierten alles von unten bis oben und von vorn nach hinten. Gefunden haben sie nie etwas. Im Gegenteil, wir waren doppelt und dreifach bemüht, uns an die Regeln zu halten. Schliesslich waren wir neu im Land und hatten viel zu lernen. Aber dann wurden sie gegen Ende Sommer doch fündig: Das Wasser im Park hatte nach einer wochenlangen Dauerhitze schlechte Werte. Sofort mussten an alle Wasserhahnen - und das waren viele, bei jedem Platz einen - Schilder aufgehängt werden mit der Warnung: "Kein Trinkwasser". Zwar hat nie jemand von diesem Wasser getrunken. Die Camper wussten, dass es kein Trinkwasser war und immer abgekocht werden musste. Für Trinkwasser gab es eine extra gefasste Quelle, die auch von allen benutzt wurde.

Dazu muss man wissen, dass im Jahr zuvor irgendwo weit weg von uns in Südontario das Trinkwasser einer Gemeinde mit Kolibakterien verseucht worden ist und es damals sogar Todesfälle gegeben hat. Deshalb reagierten die Behörden panikartig auf alle schlechten Wasserwerte. In diesen Zeitpunkt fiel leider unser Wasserproblem. Wir mussten also etwas tun, erhielten riesige Auflagen. Uns war klar, dass wir schnellstmöglichst eine Quelle bohren lassen wollten (was wir im Frühling 2002 auch gemacht haben). Auf Wasser aus dem See oder dem Fluss, wie hier allgemein üblich, wollten wir verzichten. Aber vorher mussten wir diese schwierige Saison zu Ende bringen.


Bohren der neuen 150 m tiefen Quelle im April 2002

Als die Behörden wieder einmal einen Anruf erhielten und bei uns vorbeikamen, konnte ich nicht mehr - und ich erzählte dem Inspektor von unseren Problemen. Der schaltete prompt und ihm wurde plötzlich klar, was für ein Spiel da mit uns getrieben wurde und weshalb er immer wieder zu uns kommen musste. Als im gleichen Moment noch ein Sachbearbeiter von einem anderen Ministerium anrief, übernahm er kurzerhand den Telefonhörer und erklärte dem anderen Ende unser Dilemma. Von da an war Ruhe. Sobald ein Anruf von einem unserer Camper in einem der Ministerien ankam, wurde darüber informiert, dass unwahre Geschichten ein kostenpflichtiges Verfahren nach sich ziehen könnte. Logisch, dass da die Anrufe schnell aufhörten.

Nach weiteren Unmöglichkeiten seitens des Camperclans zogen wir unsere Konsequenzen und kündigten Ende Sommer alle Saisonverträge. Die Camper mussten sich neu bewerben und wir siebten rigoros. Im Jahr darauf - es war im 2002, als der Tourismus wegen 9/11 ziemlich eingebrochen war - starteten wir mit einem Viertel weniger Saisoncampern, dafür war die Stimmung besser. Ende Sommer 2003 - es war das Jahr mit der Sars-Epidemie - verliess uns noch ein weiterer Teil der Partygruppe. Es war eine schwierige Zeit, aber seither geht es langsam und stetig aufwärts. Heute haben wir eine tolle Campergemeinde. Ein paar Familien, einige Pensionierte und viele berufstätige Paare mit zum Teil erwachsenen Kindern und oft schon mit Grosskindern. Eine bunte Mischung, wo alle leben und leben lassen. Von den ursprünglichen Campern sind immer noch neun hier, die anderen sind weggezogen, haben (altershalber) mit Campen aufgehört oder ein paar sind leider gestorben. Das ist der normale Kreislauf. Es fällt schwer, manche Camper ziehen zu lassen, aber es kommen immer wieder nette Leute nach.


18 Mai 2015

Europäische Gäste

Gleich zu Saisonbeginn haben sich die ersten europäischen Gäste angemeldet. Nein, für einmal sind sie nicht aus Berlin, sondern aus Köln. Auch eine interessante Stadt und uns vor allem von unserem Auswanderungsinterview in der canadischen Botschaft in Bonn 1999 in Erinnerung.

Das Wetter hat am Wochenende glücklicherweise mehr oder weniger mitgespielt. Vor allem der Sonntag war der perfekte Tag. Am Morgen etwas Nebel und dann strahlenden Sonnenschein und fast 30 Grad warm. Unsere Gäste wollten einen Ausflug auf dem See machen. Da unsere Boote und das Dock erst am nächsten Wochenende bereit sein werden, nahm Marcel unser altes grünes Kanu und den kleinen 2 HP Suzukimotor aus dem Winterquartier. Der Motor sprang auch sofort an und die Beiden machten sich auf den Weg..., um nach kurzer Zeit paddelnd wieder zurückzukehren. Der Motor spuckte Benzin und muss nun erst repariert werden. Schade und schon etwas peinlich für uns, denn normalerweise funktioniert unser Equipment. Anfangs Saison kann aber schon mal etwas schief laufen, wir haben ja nur eine kurze Zeit, um alles für den Sommer herzurichten. So kam es also, dass sich R & I paddelnd fortbewegen mussten:


Am Abend dann haben sie ein echtes Schweizer Fondue bestellt. Lustig, wenn Schweizer "Nachbarn" nach Canada reisen, um das Traditionsgericht zum ersten Mal zu geniessen! Da haben wir doch gerne mitgemacht.

Heute Montag ist Feiertag (Victoriaday). Wie vorausgesagt hat es in der Nacht geregnet und ein wenig gewittert. Es ist nun bedeckt, aber immer noch 17 Grad warm. Kein Grund also, den Tag nicht auch im Camp zu verbringen. Die meisten unserer saisonalen Camper sind wieder für den Sommer eingerichtet und wir alle freuen uns auf eine gute Saison.


15 Mai 2015

Saisonbeginn

Nun ist sie also da, unsere sechzehnte Campingsaison. Wir sind gut vorbereitet, das Showerhouse, unser Sanitärgebäude, wartet frisch geputzt auf die Benutzer. Marcel konnte die Wasserpumpe, die immerhin 150 Meter tief in einer gebohrten Quelle steckt, ohne Probleme starten. Alle Leitungen scheinen den Winter überstanden zu haben, was bedeutet, dass sie im letzten Herbst sauber ausgeblasen worden sind. Wenn irgendwo Wasser liegengeblieben wäre, hätte das unweigerlich zu einer gefrorenen und schlussendlich geplatzten Wasserleitung geführt. Auch mit dem Strom ist alles in Ordnung. Die Feuerprobe bestehen unsere Anlagen, wenn am 15. Mai die saisonalen Camper ihre Strom- und Wasserleitungen anschliessen und die Netze vor allem in den ersten Tagen stark in Anspruch genommen werden.

Wir öffnen den Park jeweils am 15. Mai, was dieses Jahr bedeutet, dass es gleich auf das lange Wochenende fällt. Am Montag ist bei uns Victoria Day. Es ist der Geburtstag von Queen Victoria am 24. Mai. Und damit die Canadier in den Genuss von einem verlängerten Wochenende kommen, wird der Feiertag immer auf den Montag am oder vor dem 24. Mai gesetzt. In diesem Jahr findet er früh wie selten statt, nämlich am 18. Mai. Eigentlich spielt es keine grosse Rolle, nur heisst es diesmal für die Camper, dass sie nach dem 15. Mai nicht erst ein "normales" Wochenende haben, wo sie den Trailer für die Saison bereitmachen können, sondern gleich ins lange Wochenende starten. 

Wir haben gehört, dass einige der Saisonalen nun den Freitag (15.5.) frei genommen haben, damit sie dann trotzdem von Samstag bis Montag das lange Wochenende geniessen können. Es werden also am Freitag um neun Uhr morgens bestimmt schon einige Camper ungeduldig auf Einlass warten. Früher haben wir nie eine Zeit gesagt, aber als Marcel und ich in einem Jahr bereits um sieben Uhr bei unserem Frühstück "gestört" wurden (der einzigen ruhigen Mahlzeit für uns zusammen), haben wir nicht nur das Datum, sondern auch die Zeit festgelegt. Zwischen den Campern hat sich ein kleiner Wettlauf entwickelt, wer jetzt wohl der/die Erste im Park ist. Bevor wir die Camper in den Park lassen können, müssen wir nochmals einen Kontrollgang machen, die Lichter und die Zeitschaltuhr im Sanitärgebäude einschalten, die Abfallkübel rausstellen und alle Türen aufschliessen. 

Und dann beginnt der fünfmonatige Dauereinsatz, wo wir nie, aber auch gar nie alleine im Camp sind. An vollbesetzten Wochenenden in der Hochsaison (Juli und August) sind schon mal bis zu 200 Camper anwesend. Meistens jedoch sind es zwischen 100 und 150 an Wochenenden. Unter der Woche kann diese Zahl auch mal unter zwanzig sinken. Das Wetter spielt natürlich eine grosse Rolle. Deshalb sind wir gar nicht böse, sollte es ab und zu auch mal regnen :-)

Aber erstmal ist ganz passables Wetter vorausgesagt mit Temperaturen zwischen 15 und 24 Grad tagsüber. Am Montag soll es dann regnen, aber bis dahin ist die Feuerprobe des May-two-four Weekends bestanden. 

Max kann es kaum erwarten...





07 Mai 2015

Die Nummer 6 zum Dritten

Im Campingplatz haben wir ungefähr 60 Plätze. Davon sind in den vergangenen Jahren zwischen 30 und 45 von saisonalen Campern besetzt gewesen. Mal waren es weniger und in den letzten Jahren eher mehr. Neun Plätze sind von langjährigen Mietern besetzt, die wir mit dem Campingplatz "übernommen" haben. Ein paar wenige sind schon über dreissig Jahre hier. Jede Saison gibt es natürlich ein paar Wechsel bei den Saisonalen. Das gehört zu einem Campingplatz dazu.

Auf Platz Nummer 6 ziehen dieses Jahr die dritten Mieter ein. Wir haben viele Erinnerungen an die Menschen auf diesem Platz.

Bei unserer Ankunft campierten dort zwei ältere Männer in einem uralten Trailer mit Vorbau. Sie waren verschwägert, denn sie haben hier in Canada Schwestern geheiratet. Beide stammten ursprünglich aus Holland und sind kurz nach dem zweiten Weltkrieg nach Canada gekommen. Beide hatten am gleichen Tag Geburtstag, waren altersmässig jedoch einige Jahre auseinander. Den ganzen Sommer über lebten sie hier im Trailer und fuhren während der fünfmonatigen Campingsaison vielleicht vier Mal die sechs Stunden nach Südontario, um ihre Familien (und Ehefrauen) für ein paar Tage zu besuchen. Der ältere der Beiden starb jedoch in unserem vierten Jahr im April an Krebs. Der jüngere hielt die Tradition hoch und kam dann alleine. Er war gut aufgehoben bei den anderen Campern im Park. Er besuchte uns jeden Tag im Restaurant in der Lodge, trank ein Bier und rauchte dabei wie ein Schlot. Dabei erzählte er viel aus seinem Leben, vom zweiten Weltkrieg, den er hautnah miterlebte. Später, als Canadier, ging er zur Armee und war in Berlin, als die Mauer gebaut wurde. Er sprach über seine Anfangszeiten hier in Canada, über seine Arbeit und über seine fünf Söhne, auf die er so stolz war. Er erzählte nicht nur aus seinem Leben, er berichtete uns auch immer brühwarm, was im Park so passierte. Er gab uns viele gute Ratschläge und brachte uns die canadische Mentalität näher.


Und dann erkrankte auch er an Krebs. Er starb im April 2007, am genau gleichen Datum wie sein Schwager vier Jahre zuvor. In jenem Sommer blieb der Platz Nummer 6 verwaist.

Im Sommer darauf bezogen Brigitte und Georg den Platz Nummer 6. In diesem Blog habe ich schon viel von ihnen berichtet. Es war eine gute Zeit. Im letzten Sommer haben Brigitte und Georg den Park verlassen. Wir beschlossen, den Platz Nummer 6 erstmals nicht zu vermieten. Dort ist nämlich der beste Zugang zum Fluss und zum Flussdelta, falls wir da Arbeiten verrichten müssen. Auch wollten wir den Platz nicht einfach irgend jemandem geben, sondern auf die geeigneten Camper warten. 

Und viel schneller als erwartet haben wir den Platz Nummer 6 doch wieder vergeben. Freunde von uns (die fast einzigen "echten" Canadier in unserem Freundeskreis, leben sie doch seit Generationen hier in der Stadt und haben an jeder Ecke irgendwelche Verwandte) riefen uns an und fragten überraschenderweise nach einem Saisonplatz. Schon länger haben wir sie nicht mehr gesehen und nun erfahren, dass sie es etwas gemütlicher nehmen müssen wollen. Was lag da näher, als ihnen den Platz Nummer 6 anzubieten. Bald werden sie ihren Wohnwagen hierher bringen und bald werden wir abends wieder an einem Campfeuer am Fluss auf dem Platz Nummer 6 sitzen.



25 April 2015

Strandansichten

Für einmal hat die Sonne ihr Wort gehalten und am Freitag noch schnell vorbeigeschaut. 


Das Wasser fliesst langsam wieder ab. 


Die Trailer nahe beim Strand, alles Familien mit Kindern. Das ist sehr praktisch, denn die Mütter können aus den Liegestühlen und die Väter von hinter dem Grill die Kinder im Auge behalten:-)



Das Eis zieht sich weiter zurück


Die Fischer wären froh, sie hätten soviel Wasser hier im Sommer. Noch drei Wochen und sie können wieder ihr Glück versuchen. Fische hat's mehr als genug.


Der Baum

IHN wollte ich schon lange vorstellen:


Er ist jedoch so riesig, dass es extrem schwierig ist, ihn
(mit meinen Möglichkeiten)
zu fotografieren. 


Anhand des Grössenvergleichs mit dem Traktor kann man sich seine Höhe vielleicht ungefähr vorstellen. Jedenfalls überragt er alle Bäume in der Umgebung bei Weitem.


Er ist der grösste und wohl majestätischste Baum im Camp überhaupt. Schätzungsweise dreissig bis vierzig Meter hoch. Das Alter kann ich nicht abschätzen, aber ich bin der festen Ueberzeugung, dass dieser Baum schon alles gesehen hat, was in den letzten zweihundert Jahren hier passiert ist. Und er hat den Waldbrand von 1905 überstanden, muss also bereits da ein stattlicher Baum gewesen sein. 

Bestimmt hat er die Trapper und Ureinwohner (Indianer) beobachtet, wie sie auf der Voyageurroute, der berühmten Kanustrecke, ihre Lasten in grossen Kanus transportiert und hier am Ufer vom Lake Talon Station gemacht haben. Wir haben schon mal gehört, dass dies hier ein bevorzugter Aufenthaltsort der Ureinwohner war. So genau wollen wir das jedoch nicht wissen, denn es ist ein wenig wie mit dem Heimatschutz in der Schweiz. Ist ein Ort plötzlich schützenswert, hat man nicht mehr das Sagen.

Auf jeden Fall hat der Baum bestimmt die ganze Campgeschichte seit 1854 miterlebt. Für ihn ist die ganze Sache kein Rätsel, denn er war ja mit dabei. Ich wünsche mir, er könnte sprechen und mir ein paar von den Geschichten erzählen, die in seiner Umgebung passiert sind...


24 April 2015

Wie Butter...

...ist heute die Silberpappel gefallen. Na ja, fast. Ich sass nämlich auf dem Traktor und sollte mit Hilfe des Drahtseils und der Umlenkrolle dem Baum etwas Umfall-Starthilfe geben. Nun habe ich das jedoch schon länger nicht mehr gemacht und war etwas zögerlich beim Gas geben. Aber nach einem kurzen Schreckmoment, wo der Baum nicht sicher war, ob er doch auf den Trailer daneben fallen soll - oder sonst was Blödes -, ist er dann präzise zwischen Picknick-Tisch und Strompfosten gelandet.

Der Baumstamm wird gleich in 8 Fuss (2,4 m) lange Stücke geschnitten, ideal für unsere Holzspalt-Wundermaschine. Die dickeren Aeste landen heute Abend in unserer Heizung und das dünne Restholz wartet aufgehäuft, bis wir wieder mit der Holzschnitzelmaschine vorbeikommen. 


Die Sonne soll am Nachmittag die Wolken vertreiben und die Temperaturen aufs Wochenende ansteigen lassen. Das ist gut. Wir haben nämlich ganz spezielle Pläne.


Durchblick

Die Hirsche hatten es im vergangenen Winter vermutlich besonders schwer bei der Futtersuche, denn sie haben alle Zedern im Campingplatz in der Höhe von fünfzig Centimeter bis ein Meter sechzig verschnabuliert. Dass sie das Zeugs mögen, wissen wir schon lange. Nur bisher haben sie unsere Bäume zwischen den einzelnen Uebernachtungsplätzen mehr oder weniger verschont. Der letzte strenge Winter machte es ihnen nicht einfach und so mussten sie offenbar auf die alten Zedern zurückgreifen, um zu überleben. Dass die unteren fünfzig Centimeter noch dran sind, liegt wohl daran, dass dieser Teil vom Schnee verdeckt war. Nun sehen unsere Plätze so aus:



Die Privatsphäre ist etwas im Eimer. Nachwachsen wird das Grün vermutlich nicht, aber wir können es ja mal drauf ankommen lassen. Im Moment haben wir sowieso keine Zeit, um an diesen Bäumen herum zu schnippseln. Kommt Zeit, kommt Rat...

PS. Die Fotos sehen farblich etwas trostlos aus. Sie widerspiegeln jedoch durchaus unsere momentane Wetterlage: kühles-grau-in-grau. Was blöder ist: Ich habe immer noch keine anständige Kamera und fotografiere schon ein ganzes Weilchen nur mit dem Smartphone.