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06 Mai 2016

Adieu Camp

Nun ist das Camp Geschichte für uns. Seit Donnerstagabend um 16.30 Uhr sind wir nicht mehr die Besitzer. Vielfältige Gefühle kommen da auf. Es war ein echter Chrampf die letzten Tage. Wir sind beide total geschafft. Vor unserem neuen Daheim stehen noch zwei voll beladene Trailer, die geleert werden sollten. Irgendwie schaffen wir es nicht, denn noch immer fahren wir die 85 km Strecke jeden Tag hin und zurück.

Heute waren wir im Camp, um das Wasser und die elektrischen Anlagen im Campingplatz einzuschalten. Am Samstag werden wir beide den ganzen Tag mit den neuen Besitzern verbringen, um sie in unsere "Geheimnisse" der Camp-Führung einzuweihen. Und am Montag und Dienstag haben wir die Gelegenheit, Marcels Werkstatt leerzuräumen. Dazu reichte die Zeit bisher einfach nicht. Es ist sehr selten, dass ein Camp in so kurzer Zeit übergeben wird. Aber es hat einfach alles gepasst und es musste so sein. Nun brauchen wir dringend etwas Zeit, unsere geschundenen Knochen zu erholen. Wir beide hinken ziemlich in der Welt herum, aber hey! Es hat sich gelohnt, wir sind jetzt offiziell pensioniert!

Gestern nahm ich mir ein paar Minuten, um Abschiedsbilder zu machen:
adieu Lodge


adieu Pizzahaus


adieu Unterstand


adieu Gästehaus


adieu Gartenhaus


adieu Kanugarage


adieu Holzschopf


adieu Bootshaus


adieu Werkstatt und Garage


adieu Container
du hast uns von der Schweiz nach Canada begleitet


adieu geliebter Blumengarten
Da der Frühling so verzögert ist, konnte ich keine Blumenableger ausgraben und mitnehmen.


adieu Restaurant


adieu Bar


adieu Wohnzimmer
Siehst riesig aus ohne unsere Möbel.


adieu Badezimmer
Du warst der erste fertige Raum in unserer Wohnung.


adieu Gazebo


adieu Showerhouse


adieu ihr 17 Toiletten
Euch weine ich keine Träne nach.


adieu Campground
Hast uns im letzten Dezember noch eine Menge Arbeit eingebrockt, um die wir uns allerdings nicht mehr kümmern müssen.


noch mehr umgefallene Bäume


Die Cottages habe ich total vergessen zu fotografieren, ebenfalls das weisse alte Cottage, das bald in sich zusammenfallen wird. Bei Rex und Max war ich noch rasch, sie werden uns immer fehlen. So viele Erinnerungen...

Aber nun erwartet uns dieses:


Die Aussicht vom Deck bei unserem neuen Zuhause auf den See. Ab sofort täglich unsere Routine, wenn wir wollen...

29 Mai 2015

Das Partycamp

Vor fünfzehn Jahren übernahmen wir mit dem Camp auch alle saisonalen Camper. Wir hatten keine Ahnung, auf was wir uns da einliessen. Nach und nach stellte sich jedoch heraus, dass wir ein berühmt-berüchtigtes Partycamp gekauft haben. Viel Trinken war an der Tagesordnung und da spreche ich nicht von Wasser, oder höchstens gebranntem. Vor allem jedoch Bier. In rauhen Mengen. Kistenweise.

Eigentlich sind die Canadier nette Leute, hilfsbereit, interessiert, neugierig und schnell dein "Freund". So tasteten wir uns aneinander heran. Es gab von unseren Vorgängern Regeln, dies zu tun und jenes zu lassen. Die sollten eigentlich für alle gelten. Taten sie aber nicht. Es gab eine Gruppe, denen "gehörte" das Camp, ein richtiger Clan. Was wir auch taten oder nicht taten, es war falsch. Den vom Vorgänger übernommenen Mitarbeiter liessen wir im ersten Monat gehen. Er hatte sich im Workshop bedient, machte hinter unserem Rücken Geschäfte (natürlich auf unsere Kosten) und vor allem machte er sich lustig über uns, wie wir die ganze Sache angingen. Wir wechselten ALLE Schlösser aus. Er fand es dann nicht mehr lustig, als er mit Sack und Pack vor die Tür gestellt wurde. (Allerdings verwendete er in der Folge viel Energie, um uns überall schlechtzureden, aber das ist eine andere Geschichte.)

Diese eine Gruppe hatte das Camp fest in der Hand. Sie planten immer wieder einen Anlass. Jedes Wochenende gab es zudem eine fifty-fifty-draw. Das heisst, man sammelt Geld bei den Campern und 50% des Betrages konnte von jemandem gewonnen werden. Die anderen 50% verwendeten sie für Aktivitäten oder mit diesem Geld zahlten sie auch die Hälfte an den Gazebo-Bau, ein mit Mückengitter versehener Pavillon, in dem bis zu 40 Personen Platz haben.


der Gazebo anlässlich eines Festes im August 2013

Eigentlich eine gute Sache. Eigentlich. Wenn da nicht dieser Zwang gewesen wäre. Alle Camper, die bei der fifty-fifty-draw nicht mitmachen wollten, waren Aussenseiter. Und da der Pavillon-Bau zur Hälfte vom Camperclan finanziert worden war, wollten sie uns natürlich sagen, was damit zu geschehen hat. Nur das Blöde war, dass wir ja den ganzen Pavillon gekauft und bezahlt haben und nicht den halben.

Der langen Rede kurzer Sinn, unser Start war etwas stürmig. Unzählige Male wurden wir mitten in der Nacht (meist telefonisch) geweckt, wir sollten doch bitte in den Park kommen, es wäre zu laut... oder ein Streit sei entbrannt... oder jemand wäre stockbesoffen. Uff! Wir brauchten eigentlich unseren Schlaf und es war hart, um Mitternacht oder ein Uhr morgens für eine Bagatelle geweckt zu werden. An Schlaf war nachher oft nicht mehr zu denken. Auf meine Frage, weshalb sie sich nicht selber beim Nachbarn über den Lärm beschweren, wurde ich mit grossen Augen angestarrt: Dazu seien wir doch da und sie wollen schliesslich keinen Aerger mit den Nachbarn. Mir blieb die Spucke weg! Aber ich soll mich unbeliebt machen und sogar nicht mal den Namen des oder der Gestörten nennen dürfen. Aber was weiss man schon am Anfang von einem solchen Abenteuer. Man wollte es möglichst allen recht machen und nett bleiben. Erst später habe ich gemerkt, dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist, es allen recht zu machen.

Im zweiten Sommer dann begann vor allem Marcel die Regeln strikt durchzusetzen - zur Freude der Aussenseiter und zum Leidwesen des Camperclans. Sie begannen uns zu mobben. Das war für sie ganz einfach. Sie brauchten einfach anonym einer Behörde anrufen und denen zu erzählen, wir machten dies oder jenes entgegen dem Gesetz. Und was mussten die Behörden tun? Auch bei einem anonymen Anruf? Richtig: Sie kamen angedüst und kontrollierten alles von unten bis oben und von vorn nach hinten. Gefunden haben sie nie etwas. Im Gegenteil, wir waren doppelt und dreifach bemüht, uns an die Regeln zu halten. Schliesslich waren wir neu im Land und hatten viel zu lernen. Aber dann wurden sie gegen Ende Sommer doch fündig: Das Wasser im Park hatte nach einer wochenlangen Dauerhitze schlechte Werte. Sofort mussten an alle Wasserhahnen - und das waren viele, bei jedem Platz einen - Schilder aufgehängt werden mit der Warnung: "Kein Trinkwasser". Zwar hat nie jemand von diesem Wasser getrunken. Die Camper wussten, dass es kein Trinkwasser war und immer abgekocht werden musste. Für Trinkwasser gab es eine extra gefasste Quelle, die auch von allen benutzt wurde.

Dazu muss man wissen, dass im Jahr zuvor irgendwo weit weg von uns in Südontario das Trinkwasser einer Gemeinde mit Kolibakterien verseucht worden ist und es damals sogar Todesfälle gegeben hat. Deshalb reagierten die Behörden panikartig auf alle schlechten Wasserwerte. In diesen Zeitpunkt fiel leider unser Wasserproblem. Wir mussten also etwas tun, erhielten riesige Auflagen. Uns war klar, dass wir schnellstmöglichst eine Quelle bohren lassen wollten (was wir im Frühling 2002 auch gemacht haben). Auf Wasser aus dem See oder dem Fluss, wie hier allgemein üblich, wollten wir verzichten. Aber vorher mussten wir diese schwierige Saison zu Ende bringen.


Bohren der neuen 150 m tiefen Quelle im April 2002

Als die Behörden wieder einmal einen Anruf erhielten und bei uns vorbeikamen, konnte ich nicht mehr - und ich erzählte dem Inspektor von unseren Problemen. Der schaltete prompt und ihm wurde plötzlich klar, was für ein Spiel da mit uns getrieben wurde und weshalb er immer wieder zu uns kommen musste. Als im gleichen Moment noch ein Sachbearbeiter von einem anderen Ministerium anrief, übernahm er kurzerhand den Telefonhörer und erklärte dem anderen Ende unser Dilemma. Von da an war Ruhe. Sobald ein Anruf von einem unserer Camper in einem der Ministerien ankam, wurde darüber informiert, dass unwahre Geschichten ein kostenpflichtiges Verfahren nach sich ziehen könnte. Logisch, dass da die Anrufe schnell aufhörten.

Nach weiteren Unmöglichkeiten seitens des Camperclans zogen wir unsere Konsequenzen und kündigten Ende Sommer alle Saisonverträge. Die Camper mussten sich neu bewerben und wir siebten rigoros. Im Jahr darauf - es war im 2002, als der Tourismus wegen 9/11 ziemlich eingebrochen war - starteten wir mit einem Viertel weniger Saisoncampern, dafür war die Stimmung besser. Ende Sommer 2003 - es war das Jahr mit der Sars-Epidemie - verliess uns noch ein weiterer Teil der Partygruppe. Es war eine schwierige Zeit, aber seither geht es langsam und stetig aufwärts. Heute haben wir eine tolle Campergemeinde. Ein paar Familien, einige Pensionierte und viele berufstätige Paare mit zum Teil erwachsenen Kindern und oft schon mit Grosskindern. Eine bunte Mischung, wo alle leben und leben lassen. Von den ursprünglichen Campern sind immer noch neun hier, die anderen sind weggezogen, haben (altershalber) mit Campen aufgehört oder ein paar sind leider gestorben. Das ist der normale Kreislauf. Es fällt schwer, manche Camper ziehen zu lassen, aber es kommen immer wieder nette Leute nach.


11 Mai 2015

Die Glocke, die verbindet


Hinter der Glocke steckt eine schöne Geschichte. Den Anfang genommen hat sie 2010, als wir zum ersten Mal unsere Freunde in der zum Hotel umgebauten Mühle in Südontario besuchten. Häuser mit Geschichten haben uns schon immer fasziniert und interessiert. Wir sind offensichtlich nicht die Einzigen, die an alten Dingen Freude haben, denn im Eingangsbereich des Hotel und Restaurants hat Gord ein kleines Museum eingerichtet mit Antiquitäten und Kuriositäten, die er im Laufe seines Lebens gesammelt hat.

In diesem Bereich warten auch die Gäste auf einen freien Tisch im Restaurant. Speziell während der monatlich stattfindenden Fischwoche muss man locker mal eine Viertelstunde auf einen Tisch warten. 
Seit unserem ersten Besuch sind schon einige Gegenstände dazugekommen. Die Begeisterung für alte Dinge steckt an und schon oft hat ihm ein Stammgast die eine oder andere Rarität gebracht, damit sie hier gebührend bewundert und beschwatzt werden kann.

Leider - und das ist sehr traurig - verschwinden manchmal auch (vor allem wertvolle) kleine Gegenstände. Gord merkt es oft erst viel später, denn in der Menge der Dinge fällt das nicht immer sofort auf. Trotzdem hat er beschlossen, die Sachen weiterhin seinen Gästen zugänglich zu machen.
Bei jedem Besuch nun müssen wir nachschauen, was sich Neues in seinem Sammelsurium finden lässt.

Wie verwundert waren wir also bei unserer ersten Entdeckungsreise, als wir gleich zwei solcher Glocken fanden:


Gord konnte meine Begeisterung gar nicht verstehen. "Woher hast du die?" und "Weisst du, wo Saignelégier liegt?" "Was steckt da wohl für eine Geschichte dahinter?" Fragen über Fragen. Ich stellte mir natürlich eine romantische Einwanderergeschichte von Jurassiern im vorletzten Jahrhundert vor. Schlussendlich waren die Antworten dann gar nicht so spektakulär. Gord hatte die Glocken von seinem Vater, der eine riesige Antiquitätensammlung besessen hatte. Sein spezieller Bezug zu den Glocken war eigentlich nur, dass die Jahrzahl darauf auch das Baujahr der Mühle ist:


Natürlich haben wir ihm von Saignelégier in der Schweiz erzählt und von unseren vielen Campingausflügen dahin in unserem "früheren" Leben. Er fand das sehr speziell und interessant. Und so überraschte er uns eines Tages damit, dass er uns die eine der beiden Glocken als Zeichen der Freundschaft überreichte. Das hat uns sehr gefreut! Seither steht die Glocke an einem speziellen Ort in unserem Restaurant, zusammen mit einer anderen, die wir aus der Schweiz mitbrachten.

Als i-Tüpfelchen gibt es noch eine kleine Fortsetzung der Geschichte: Bei unserem letzten Besuch in der Mühle begleiteten uns Pat und Barry, die seit Jahren unseren Campingplatz besuchen. Und als wir am Schluss unseres Ausfluges bei ihnen in der Küche sassen, verschwand Barry plötzlich im Keller und kam zurück... mit einer Glocke! Der genau gleichen Glocke, wie sie Gord und wir besassen. Auch Barry ist irgendwoher zu einer solchen Glocke gekommen. Es muss also tatsächlich Tausende davon in Nordamerika geben. Für uns jedoch hat sie eine ganz spezielle Bedeutung, die der Freundschaft.


02 Mai 2015

15 Jahre Camp



Heute vor 15 Jahren haben wir das Camp übernommen. Es war ein aufregender Tag und es dauerte unendlich lange, bis wir am Abend endlich die Schlüssel in den Händen hielten und zum ersten Mal die Tür zu UNSERER Lodge öffneten. Zum ersten Mal in unserem Leben besassen wir ein eigenes Grundstück. Dass es gerade 17 ha werden sollten, hätten wir nie zu träumen gewagt.


Leider haben wir aus diesen ersten Wochen keine Fotos. Damals gab es ja noch die Kameras mit den heute so altmodischen Filmen. Und eigentlich hatten wir auch absolut keine Gedanken für solch banale Dinge... (schade).

Es war eine intensive Zeit. Der Container musste von der damaligen Farm meiner Schwesterfamilie zu uns verschoben werden, was eine grössere Sache wurde. Der Lastwagen versank nämlich beim Abladen des Containers im weichen Sand. Nach zwei Stunden Schaufeln und mit Brettern unterlegen beschloss der Fahrer, dass er nun kein Risiko für sein Fahrzeug mehr eingehen will und gab GAS. Da der Container mit der hinteren Seite schon auf dem Boden stand, rutschte schlussendlich die andere Seite mit einem lauten Knall vom Lastwagen. 

Welch ein Schreck! Ich sah schon all unser Geschirr in den Schachteln zu Scherben verbrösmelen. Tatsächlich blieb alles heil. Wenn ich mich recht erinnere, war von allen Dingen im Container nur ein Glaskrug zerbrochen. Da hatte sich das monatelange sorgfältige Packen in der Schweiz doch gelohnt.

(neben und unter dem Container lebt heute bekanntlich der Groundhog)

Der Container steht immer noch neben der Lodge und beherbergt die von Marcel restaurierten Stühle, Tische und Betten sowie einiges an Geschirr, wofür wir hier (noch) keinen Platz fanden. Wir haben schnell gemerkt, dass unsere Sachen (zum Teil Antiquitäten) nicht besonders camptauglich sind. Vor allem sind sie nicht geeignet für die Cottages. 

Einiges ist inzwischen bei Nichten und Neffen angekommen. Ein wunderschönes zwölfteiliges Langenthal Service einer meiner Tanten befindet sich momentan in Khartoum...


Ein anderes von einer anderen Tante in Nordwestontario...


Aber ich schweife ab. Jedenfalls haben wir in den vergangenen Jahren immer wieder mal Dinge aus dem Container geholt und andere dort untergestellt. Er ist so quasi meine Wundertüte. Wenn ich in einem ruhigen Moment wieder mal auf Entdeckungsreise gehe, ist es oft wie Weihnachten. In diesem Sommer wollen wir die Tische aus ihrem dunklen Verlies erlösen und das Pizzahaus damit einrichten. Einige der Stühle haben es ja bereits dahin geschafft.

Meine LeserInnen werden sich fragen, weshalb nur um Himmels Willen haben die all die Sachen mitgeschleickt? Das fragen wir uns manchmal auch, aber wir haben damals beschlossen, dass wir die alten (viele von Marcel restaurierten) Sachen nicht einfach verscherbeln wollten. Sie warten nur darauf, um zu neuem Leben erweckt zu werden - wie z.B. hier, der Tisch und die Stühle bei meiner Schwester stammen vermutlich von unserem Grossvater: 


(leider nagt der Zahn der Zeit an den Erinnerungen. Manchmal wissen wir einfach nicht mehr, von wem wir die Sachen haben. Wir haben vor unserer Auswanderung bei vielen Haushaltauflösungen in der Familie und bei Bekannten Dinge vor dem Wegschmeissen oder Verscherbeln gerettet.)

Wir haben uns nun vorgenommen, endlich mit alten und verbrauchten Gegenständen hier im Camp abzufahren; z.B. die Stühle, die sich beim Kauf im Restaurant befanden, müssen endlich aussortiert und entsorgt werden. Sie sind bestimmt schon 40 oder mehr Jahre alt und wir haben uns sagen lassen, dass sie aus einer alten Offiziersmesse hier in der Stadt stammen. 20 Jahre hier im Camp sind genug! Sie lassen sich nicht mehr richtig reinigen. Es wird Zeit für die vom Entsorgen "geretteten" Dietiker Stühle aus Schaffhausen!


28 April 2015

Der Schemel


Dieser Schemel ist ein Familienerbstück und schon einige Jahrzehnte alt. Er ist gezeichnet von häufigem Gebrauch. Wann genau er hergestellt wurde, lässt sich nicht mehr feststellen, denn keiner der ersten Besitzer lebt mehr. Sicher ist, dass um 1930 mein Vater im zarten Kindergartenalter seine ersten Nagelversuche daran gemacht hat. Sein grosser Bruder hatte ihm das Schemeli hingestellt, als er unbedingt beim Werken mithelfen wollte.

Und genau daran erinnere ich mich von mir selbst. Vermutlich haben alle meine Geschwister diese Erinnerung. Sobald unser Vater seine Werkzeuge hervornahm (er war gelernter Möbelschreiner) und wir ihm helfen wollten, bekamen wir Nägel, einen Hammer und den Schemel und durften uns austoben.

Irgendwann waren wir alle zu erwachsen für solche Spielereien und der Schemel dümpelte irgendwo im elterlichen Haushalt herum. Später habe ich ihn "gerettet" und aus sentimentalen Gründen meinem eigenen kleinen Haushalt einverleibt. Die Nägel habe ich alle herausgezogen (das mussten wir aus Nagel-Platzgründen zwischendurch sowieso immer mal machen). Der Schemel wurde mit Leinöl behandelt, damit er nicht auseinanderfällt. 

Seither ist er immer wieder in Gebrauch. Er diente als Kerzenständer (deshalb die Brandflecken) und lange stand ein Blumentopf darauf (man sieht die Spuren des Uebertopfes). Heute benutze ich ihn meistens als Fussstuhl beim Fernsehen oder auch mal als Gymnastikhilfe (wir haben ja keine Treppen im Haus). In den letzten Tagen jedoch leistete er uns gute Dienste beim Streichen der Küchenwände. Alle unsere Wände sind nämlich ungewohnt hoch, ganze 10 Fuss (oder drei Meter) und zum Streichen mit den normalen Werkzeugen grad eine Schemelhöhe zu hoch. Ergo: Mit Hilfe des Schemels lösten wir auch dieses Problem ganz einfach.



25 April 2015

Der Baum

IHN wollte ich schon lange vorstellen:


Er ist jedoch so riesig, dass es extrem schwierig ist, ihn
(mit meinen Möglichkeiten)
zu fotografieren. 


Anhand des Grössenvergleichs mit dem Traktor kann man sich seine Höhe vielleicht ungefähr vorstellen. Jedenfalls überragt er alle Bäume in der Umgebung bei Weitem.


Er ist der grösste und wohl majestätischste Baum im Camp überhaupt. Schätzungsweise dreissig bis vierzig Meter hoch. Das Alter kann ich nicht abschätzen, aber ich bin der festen Ueberzeugung, dass dieser Baum schon alles gesehen hat, was in den letzten zweihundert Jahren hier passiert ist. Und er hat den Waldbrand von 1905 überstanden, muss also bereits da ein stattlicher Baum gewesen sein. 

Bestimmt hat er die Trapper und Ureinwohner (Indianer) beobachtet, wie sie auf der Voyageurroute, der berühmten Kanustrecke, ihre Lasten in grossen Kanus transportiert und hier am Ufer vom Lake Talon Station gemacht haben. Wir haben schon mal gehört, dass dies hier ein bevorzugter Aufenthaltsort der Ureinwohner war. So genau wollen wir das jedoch nicht wissen, denn es ist ein wenig wie mit dem Heimatschutz in der Schweiz. Ist ein Ort plötzlich schützenswert, hat man nicht mehr das Sagen.

Auf jeden Fall hat der Baum bestimmt die ganze Campgeschichte seit 1854 miterlebt. Für ihn ist die ganze Sache kein Rätsel, denn er war ja mit dabei. Ich wünsche mir, er könnte sprechen und mir ein paar von den Geschichten erzählen, die in seiner Umgebung passiert sind...


14 März 2015

Geschichte Teil 2

Die allerersten Besitzer des Camps waren also Eisenbahner. Das erklärt auch die beiden antiken Lampen, die wir bei unserem Einzug vorfanden. 



Die Familien dieser Direktoren reisten jeden Sommer mit Kind und Kegel per Eisenbahn nach Canada, luden ihre ganze Bagage samt Hausangestellten auf Boote und schipperten die 12 km vom Südufer des Sees zum Camp. Dort bauten sie ihre Canvas-Zelte auf und lebten 10 lange Sommerwochen inmitten der Natur. Eine ältere Ferienhausbesitzerin am See berichtete mir, dass ihre Grosseltern in den Vierzigerjahren auch ein Feriencamp betrieben und man erzählte sich damals die alte Geschichte von einem Fährboot mit einem Klavier und Pianisten darauf. Das müssen ganz spezielle Parties gewesen sein zu jener Zeit. Noch heute gehören einige Grundstücke rund um den See amerikanischen Familien und werden von Generation zu Generation weitergereicht.  

1892 entstand aus dem ehemals sehr elitären Country Club der Conewango Fishing Club. Ein Dokument von 1929 mit einem sehr verblassten Bild berichtete vom Tod eines Ehrenpräsidenten und vermerkte, dass diese Urkunde im Clubgebäude einen Ehrenplatz behalten sollte. Na, dies hat ja geklappt - das Stück befindet sich immer noch hier und wurde offensichtlich beim verheerenden Brand der alten Lodge nicht zerstört.

Seit 1930, als das Camp erstmals in canadische Hand überging, sind wir die sechsten Besitzer. Von der ersten Familie weiss ich nicht viel. Allerdings wohnt ein Enkel von ihnen in der Stadt und erinnert sich vage an die Besuche bei seinen Grosseltern. Vom zweiten Besitzer ist auch nicht viel überliefert. Er soll alleinstehend und vermögend gewesen sein. Er war es, der Teile vom Camp abtrennte und zu verkaufen begann. Unsere Nachbarin Mary und ihr Sohn kauften von ihm 1962 die ersten beiden Parzellen Richtung Westen und starteten in mühsamer Handarbeit mit der Rodung des dichten Busches. Bis 1966 wechselten schlussendlich elf Parzellen den Besitzer. Angeblich gehörte ursprünglich auch das ganze Land östlich zum Camp. Sicher bin ich darüber allerdings nicht.


 Camp um 1963

Vor allem in den Jahren 1966-1987 war das Camp sehr populär. Die damalige Besitzerfamilie waren mit Herz und Seele Camp-Betreiber. Er arbeitete nebenher als Lehrer in der Stadt, die drei Kinder wuchsen praktisch im Camp auf. Nur in den ersten Jahren wohnte die Familie während der Wintermonate in einer Wohnung in der Stadt, denn die Strasse zum Camp war nicht passierbar. Sie waren es auch, die begannen den jetzigen Campingplatz, der vorher mehrheitlich ein "beaver-swamp" (Biber-Sumpf) war, trockenzulegen und aufzuschütten. Wir lernten in unseren ersten Jahren hier noch Camper kennen, die damals ihre eigenen Plätze dem Busch abtrotzten, sie rodeten, ausebneten und zu ihrem Sommer-Paradies ausbauten. 


Das Camp beherbergte einige Zeit sogar ein paar Ponys. Hier grasen sie bei den kleinen Cottages:


1976

Nebst dem Log Cottage und dem alten, weissen Cottage gab es vier oder fünf weitere kleine Cottages für Gäste. Alle diese Gebäude, inklusive der alten Lodge, wurden nach einem verheerenden Buschfeuer 1905 gebaut. Eines der Minihäuschen (vermutlich 1930-40 erstellt) wurde 1994 "gezügelt" und ist nun unser Gartengeräte-Schuppen. Ein weiteres steht seit 1995 neben der Werkstatt und dient als Materiallager. Die anderen waren sehr baufällig und wurden ab 1994 nach und nach abgebrochen. Die letzten Gebäudereste entfernten wir vor etwa vier Jahren (die Eichhörnli waren davon gar nicht begeistert, diente es ihnen doch jahrelang als Unterkunft). Das Cedar Cottage wurde als einziges neueres Cottage in den späten Siebziger Jahren gebaut.


April 2004
links der Campingplatz, rechts der Cottage-Bereich mit der Lodge

Beim Brand der alten Lodge im Winter 1976/77 sind leider viele Gegenstände, Photos etc. zerstört worden. Der damalige (dritte) Besitzer hatte noch im gleichen Jahr mit dem Bau der jetzigen Lodge begonnen. Er hatte grosse Pläne und wollte eigentlich ein dreistöckiges Blockhaus mit Stämmen aus dem umliegenden Wald erstellen. Er ist nie über den ersten Stock, das Betonfundament, hinausgekommen. Das seit damals mehr oder weniger provisorische Blechdach haben wir 2009 verlängert und rundumerneuert. 2010 sind neue Fenster dazugekommen und an der Fassadenverkleidung arbeiten wir heute noch. 

Der Sommerbetrieb hat sich in den vergangenen hundert Jahren wohl nicht gross verändert. Campieren, Fischen, Baden, Bootfahren, Wandern, Jagen - und in der späteren Phase die entsprechenden motorisierten Freizeitbeschäftigungen.

Das Wintergeschäft wurde erst in den Siebziger- und Achtzigerjahren gross aufgebaut. Crosscountry Skiing hiess damals der Trendsport. Kilometerlange gut präparierte Langlaufloipen schlängelten sich durch den Busch und ganze Busladungen Schulkinder wurden herangekarrt, um einen Tag lang diesem Wintersport zu frönen. Viele lokale Babyboomer erzählen heute noch von diesen Fun-Touren während ihrer Schulzeit. Zur Blütezeit hat sogar die canadische Langlauf-Nationalmannschaft hier trainiert. Eine sehr arbeitsintensive Zeit dürfte das gewesen sein. Als anfangs der Neunziger Jahre näher bei der Stadt der Crosscountry Ski Club mit nagelneuen Loipen eröffnete, war das Ende dieses Wintergeschäftes in Sicht.

1987

Zu jener Zeit betrieb ein (früh)pensionierter Polizist aus dem Süden mit seiner Frau das Camp. Ihm verdanken wir übrigens das Werkstattgebäude. Nach sieben Jahren und einem Unfall mit der Motorsäge verkaufte er 1994 das Camp an unseren Vorbesitzer, der ganz neue Ideen für den Winter entwickelte. Er baute die Lodge um, indem er den Wohnbereich um fünfzig Prozent verkleinerte und ein auf über hundert Gäste *lizenziertes Restaurant einbaute und 1995 eröffnete (*d.h. er durfte alkoholische Getränke verkaufen). Gleichzeitig verbreiterte er die bestehenden Langlaufloipen zu Snowmobile Trails und erweiterte mit dem Snowmobile Club das ganze Trailnetz. Der Sport boomte, Benzin war billig und jedermann konnte sich ein Snowmobile leisten.

ca. 1996

Das Restaurant war bei unserer Uebernahme eine (berühmt-berüchtigte) Sportsbar, die im Winter vor allem abends, nachts und am Wochenende ihren Umsatz machte (davon ahnten wir allerdings damals noch nichts).

Winter 1997/98

Fortsetzung folgt...

13 März 2015

Etwas Geschichte Teil 1

Unser Camp hat schon viel gesehen, erlebt, überstanden. 
Einer der Vorbesitzer hat einen Teil der Geschichte wie folgt aufgeschrieben:

"In 1854 a number of Directors from the Pennsylvania New York Railway formed a Country Club and built a summer retreat at this location.
Stories, related a few years ago by older local residents of Rutherglen, talked of a railway siding used by the P.N.Y.R. to park the rolling stock which the members travelled in. The tents and equipment were transported to the site by locals in boats and barges. A permanent cookhouse was the only building on the site, the campers slept in tents on raised platforms. Two settler families from the U.S.A. were employed to provide food and to maintain the property when the Members were not there. Descendants of one of these settlers still live in the area and James Bay is named after them. Another familiy, the Smiths, farmed an area one mile west of the property which is still known as the Smith Farm but abandoned it around 1905 following a huge fire. The same fire destroyed the buildings and tent sites and the camp was threatened with closure. A few of the original members decided to purchase the property and formed a Hunt Club, a rebuilding program was begun. The resulting log cottages are still on the property and in use today.

During the 1870's and 80's the Booth Lumber Company became actively engaged in lumbering in this area and utilized the water to move the logs to the mills at Ottawa. Many of the old logging roads and skid-ways are still visible. Horses had difficulty pulling sleighs up hill so roads were planned to always follow a downward slope. In this valley the roads led to the Camp Landing. The natural water ways were also altered. The Mattawa River was straightened directly into Lake Talon with most of the dug channel still visible.
The old original river is now known as the Dead River. The depression of the 1930's brought another change in direction. The property was sold to Mrs. Ferguson, one of the descendents of the James family.
The Camp became primarily a commercial hunting and fishing establishment and remained so until the advent of the outdoor sports and family resort concept that has been established during the last few years."

Sommer 1956
in der Bildmitte das weisse (heute nicht mehr benutzte) Cottage
rechts die alte Lodge, die 1976 oder 77 niederbrannte

Sommer 1957
Bildmitte das jetzige Log Cottage, rechts die alte Lodge
eines der beiden kleinen Gebäude links (damals Cottage #4)...

 ...dient uns heute neben der neuen Lodge als Gartengeräte-Schopf. 
Es misst nur 3,7 x 2,5 Meter und beherbergte damals angeblich ein Doppelbett, einen Tisch, zwei Stühle, ein Gestell mit einem zwei-Platten-Kocher samt Küchenzubehör sowie ein kleines Möbel für Kleider. Was brauchte man damals mehr für einen fröhlichen Ferienaufenthalt...

Soweit zur bekannten Geschichte. Den Rest reimte ich mir selber zusammen. 
Fortsetzung folgt...