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28 April 2015

Der Schemel


Dieser Schemel ist ein Familienerbstück und schon einige Jahrzehnte alt. Er ist gezeichnet von häufigem Gebrauch. Wann genau er hergestellt wurde, lässt sich nicht mehr feststellen, denn keiner der ersten Besitzer lebt mehr. Sicher ist, dass um 1930 mein Vater im zarten Kindergartenalter seine ersten Nagelversuche daran gemacht hat. Sein grosser Bruder hatte ihm das Schemeli hingestellt, als er unbedingt beim Werken mithelfen wollte.

Und genau daran erinnere ich mich von mir selbst. Vermutlich haben alle meine Geschwister diese Erinnerung. Sobald unser Vater seine Werkzeuge hervornahm (er war gelernter Möbelschreiner) und wir ihm helfen wollten, bekamen wir Nägel, einen Hammer und den Schemel und durften uns austoben.

Irgendwann waren wir alle zu erwachsen für solche Spielereien und der Schemel dümpelte irgendwo im elterlichen Haushalt herum. Später habe ich ihn "gerettet" und aus sentimentalen Gründen meinem eigenen kleinen Haushalt einverleibt. Die Nägel habe ich alle herausgezogen (das mussten wir aus Nagel-Platzgründen zwischendurch sowieso immer mal machen). Der Schemel wurde mit Leinöl behandelt, damit er nicht auseinanderfällt. 

Seither ist er immer wieder in Gebrauch. Er diente als Kerzenständer (deshalb die Brandflecken) und lange stand ein Blumentopf darauf (man sieht die Spuren des Uebertopfes). Heute benutze ich ihn meistens als Fussstuhl beim Fernsehen oder auch mal als Gymnastikhilfe (wir haben ja keine Treppen im Haus). In den letzten Tagen jedoch leistete er uns gute Dienste beim Streichen der Küchenwände. Alle unsere Wände sind nämlich ungewohnt hoch, ganze 10 Fuss (oder drei Meter) und zum Streichen mit den normalen Werkzeugen grad eine Schemelhöhe zu hoch. Ergo: Mit Hilfe des Schemels lösten wir auch dieses Problem ganz einfach.