07 März 2015

"Schpring vorwärts"

Nie konnte ich mir früher merken, ob bei der Zeitumstellung die Uhren vorwärts oder rückwärts gedreht werden müssen. Seit ich in Canada lebe, fällt mir dies ganz leicht. Heute Nacht werden die Zeiger "vorwärtsSPRINGen", um dann im November wieder "zurückzuFALLen".

Spring = Frühling / Fall = Herbst. 
Ganz einfach.

Was ich jedoch nie verstehen werde, warum stellen wir hier die Uhren anfangs März und November um - und nicht wie in Europa am letzten Samstag im März und Oktober? Wahrscheinlich, um immer schön flexibel zu bleiben... haha.

Also, nicht vergessen, ab Sonntag beträgt unser Zeitunterschied zur Schweiz für drei Wochen wieder mal nur fünf Stunden.


Und was habe ich wohl heute Morgen gemacht? Richtig! 7 cm Neuschnee geschaufelt bei "nur" -9 Grad. Grrrr



04 März 2015

Normal?

Fünfzehn Winter liegen schon (hoffentlich) bald hinter uns und ich muss sagen, jeder hatte bisher seine Eigenheiten. Es ist nicht einfach, sich an alles zu erinnern, fünfzehn Jahre sind eine lange Zeit. Trotzdem weiss ich bestimmt, dass es diesmal saukalt war wie noch nie. Zwar hatten wir in praktisch jedem Winter mal Temperaturen von unter -30 Grad, aber nie so lange am Stück. Unweigerlich laufen die Heizungen permanent auf Hochtouren, der Boden gefriert tiefer trotz der isolierenden Schneeschicht, die Wasser- und Abwasserleitungen werden auf Probe gestellt und die Schneelast auf den Dächern fordert jede Baukonstruktion heraus.

Auch wir befreiten wo möglich die Dächer von der Schneelast und in den letzten Tagen haben die Sonne und der trockene Wind tüchtig mitgeholfen. Der Schnee scheint an sonnigen Stellen etwas zu "verdunsten". Trotzdem liegen locker noch 50-80 cm auf den Wiesen und auf den Gebäuden sind es zwischen 20 und 70 cm. Letzte Nacht kam 10 cm frischer Pulverschnee hinzu, der nun fröhlich durch die Luft gewirbelt wird. Dafür wechseln sich am Himmel Wolken mit Sonnenstrahlen ab und das Beste: Es ist ohne Windfaktor gemessen "nur" -7 Grad. Fühlt sich wirklich gut an.

Ein Vorteil bisher war, dass wir keinen Eisregen hatten. Dieser verwandelt die Wege und Strassen unweigerlich in Eisbahnen und das Gehen darauf zu einer Glückssache. Dies dürfte uns allerdings noch bevorstehen. Laut dem Ausblick auf die nächsten drei Monate - gestern frisch von der Presse gelassen - verspricht uns einen weiterhin kälteren-als-normalen März und erst Mitte April sollen die Temperaturen durchschnittliche Werte zeigen. Die grossen Seen sind zu 85-90% mit Eis bedeckt und es wird länger als sonst dauern, bis das alles geschmolzen ist. Dadurch bleibt die Luft natürlich länger kühl. Wir lassen uns überraschen.

In meinem Archiv habe ich nach alten Fotos "gewühlt" und bin tatsächlich fündig geworden. Dieses stammt vom 4. März 2005:


und dieses von heute, vom 3. März 2015:


Genau zehn Jahre liegen zwischen den beiden Bildern. Die Zeder ist ganz schön gewachsen und auch sonst hat sich Einiges verändert... (Ich glaube ich muss öfters vorher-nachher Bilder vorstellen, finde ich nämlich spannend.)

Uebrigens, bisher erlebten wir hier erst zwei Mal einen März praktisch ohne Schnee. 

Das erste Mal war im Jahr 2000, als wir das Camp zum ersten Mal überhaupt sahen. Hier ein Bild von unserer ersten Besichtigung anfangs März 2000. Beim zweiten Besuch eine Woche später war dieser Schneerest ganz verschwunden:


Das zweite Mal war im 2010, als es am 1. März bei +8.3 Grad regnete und der Schnee einfach davonlief. Es blieb damals ein milder Monat, wir konnten teilweise im T-Shirt draussen arbeiten und hatten Ende März schon einen grossen Teil des Feuerholzes für den nächsten Winter bereit. An Ostern anfangs April begannen wir bereits mit dem Laub rechen im Park. Unser Sitzrasenmäher, mit dem wir das Laub aufsammelten, verursachte sogar einen kleinen Brand. Ein Laubhaufen fing am heissen Auspuff plötzlich Feuer und kurze Hektik kam auf. Alles war knattertrocken und natürlich lief noch kein (Lösch-)Wasser durch die Leitungen. (Das Wasser stellen wir im Campground wegen des Bodenfrostes jeweils erst Mitte Mai an.) Wir schafften es zum Glück, den Brand schnell zu löschen und waren nachher vorsichtiger.

Dafür hatten wir am 8. Mai 2010 nochmals einen zweitägigen Wintereinbruch mit 15 cm Schnee. Darauf verzichten wir dieses Jahr aber gerne.

Das Wetter bleibt also weiterhin... sagen wir mal... spannend!

28 Februar 2015

Sie blüht!

Das hätte ich wirklich nicht gedacht, als ich sie letzte Woche einpflanzte. Nur acht Tage hat die Hyazinthenzwiebel gebraucht, um ihre weisse Blüte zu entwickeln. Nicht so üppig wie sie die Gärtnerei heranzieht, duften tut sie praktisch auch nicht, aber hey! - es ist die erste Frühlingsblume für uns. Die zweite Blüte folgt sogleich, wie man sieht.


Aus der dritten Zwiebel scheinen nur grüne Blätter zu wachsen. Dies gilt bis jetzt auch für die Tulpenknollen. Bei den Mini-Osterglocken kann ich bisher zwei kleine Knospen entdecken. Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis ich weiss, wieviele Zwiebeln es schaffen, eine Blume zu entwickeln.

Heute, am letzten Februartag, scheint wieder die Sonne und das bei immer noch -20 Grad. Der ganze Monat war geprägt von Minustemperaturen um die -30 Grad am frühen Morgen (und oft auch tagsüber). Nur an einem einzigen Tag erlebten wir eine windstille Morgentemperatur von -12 Grad. Es fühlte sich an wie Sommer... 

In der Stadt sind noch über 100 Haushalte ganz ohne Wasser, weil die Zuleitungen eingefroren sind. Zudem gab es ein paar Wasserrohrbrüche. Man kann sich vorstellen was es heisst, Reparaturen bei solchen Temperaturen vorzunehmen. Nur schon den gefrorenen Boden aufzubuddeln ist eine Herausforderung. Das Budget der Stadt läuft momentan gerade aus dem Ruder.

Jedenfalls sind wir froh, dass es unsere Leitungen bisher ohne Probleme durch diesen happigen Winter geschafft haben. Anders als in der Stadt sind wir für unsere Wasserversorgung inkl. Quellenfassung selber zuständig und es macht sich bezahlt, dass Marcel hier vom Fach ist und in den vergangenen Jahren vieles optimiert hat. 

Trotzdem hatten wir einfach auch Glück. Es braucht nur eine winzige Stelle, wo die Isolation ungenügend oder eine Leitung nicht tief genug vergraben ist und schon hat man den Salat. Das haben wir vor einem Jahr erlebt und mussten anfangs Januar eine Wand in der Küche aufreissen. Dort haben die Vorbesitzer bei der Vergrösserung der Küche zuwenig sorgfältig gearbeitet. Irgendwann verschaffte sich ein Eichhörnli Zugang über das Dach in die Zwischenwand. Dort hat es dann gewütet und dabei die ungenügende Isolation verschoben, was zu einer gefrorenen Wasserleitung führte. Das Schwierigste damals war, die genaue Stelle in der Wand zu orten. Eine Folge dieser Reparatur ist übrigens, dass wir einen Teil der Küche renovieren. Daran sind wir immer noch. Wir warten momentan nur auf bessere Bedingungen für den neuen Farbanstrich. 


23 Februar 2015

Zwischenbericht

Das mit den Frühlingsblumen scheint zu funktionieren. Eine der Hyazinthen bildet bereits eine Knospe - und das nach nur drei Tagen. Hoffentlich geht es mit den anderen Blumen und dem Frühling dann auch so zügig...




20 Februar 2015

Am Frühling basteln...

Jedes Jahr findet man spätestens Ende Januar in den Läden die ersten Frühlingsblumen zu kaufen. Meistens beachte ich die nicht, aber manchmal kann ich halt doch nicht widerstehen. Ich kaufe jedoch nur Blumen in Töpfen, um die Zwiebeln dann im Herbst in den Garten zu pflanzen. So blühen im April oder Mai jedes Jahr ein paar Tulpen, Hyazinthen oder Osterglocken mehr.

Im letzten Herbst habe ich total vergessen, die Zwiebeln vom letzten Winter zu pflanzen. So musste ich sie anders durch die ersten Wintermonate bringen und habe sie einfach in unseren begehbaren Kühlschrank gesteckt. Vor ein paar Tagen stellte ich zu meiner Verblüffung fest, dass einige Zwiebeln in ihrem dunklen und kühlen Verliess mit Austreiben begonnen haben. Erstaunlich, wie die wissen, dass bald der Frühling vor der Tür steht (...stehen sollte).

Höchste Zeit also, eine kleine Pflanzaktion zu starten. Nun stehen sechs mit Blumenzwiebeln gefüllte Blumentöpfe auf dem Fensterbrett und harren der Dinge, die da kommen. Ich bin sehr gespannt, wie die ganze Sache funktioniert.



Auch auf die Gefahr hin, dass es langweilig wird... letzte Nacht hatten wir wieder -32 Grad und mit dem Windfaktor bedeutete das -42 Grad. Im hinteren Teil der Küche, die sich in einem Anbau befindet, war es frühmorgens gerade noch 11 Grad "warm". Wir könnten natürlich elektrisch nachheizen, aber das macht nachts keinen Sinn. Zum Glück ist die Lodge mit ihrer Fensterfront Richtung Süden ausgerichtet. Deshalb heizt die Sonne - sofern sie dann scheint - tagsüber das ganze Gebäude gratis und franko wieder auf. 

Heute erwarten wir Gäste ins kleine Cottage zum Eisfischen. Da bin ich aber gespannt, wie lange sie es auf dem See aushalten...


17 Februar 2015

-31 -34 -29

Dies sind wahrlich keine Traumzahlen, denn es sind die Minustemperaturen der letzten drei Tage um sieben Uhr früh. Es ist einfach saukalt. Der Jetstream scheint nicht vom Fleck zu kommen und beschert uns schon den ganzen Februar eisige Temperaturen. Auch tagsüber schaffen wir es ganz selten "wärmer" als minus fünfzehn Grad. Einen so kalten Februar haben wir hier noch nicht erlebt. Sogar die alteingesessenen Canadier finden es übertrieben. Die Sehnsucht nach dem Frühling wächst. Eigentlich wären wir schon mit Minus-temperaturen in den einstelligen Zahlen zufrieden. Leider sieht es in den nächsten zwei Wochen noch gar nicht danach aus, nachts schon gar nicht. Unser Holzvorrat schwindet erschreckend schnell, nur noch ein Drittel ist übrig.


Etwas Sorgen macht uns der Schnee auf dem Lodgedach über der Küche. Dort können wir aus Sicherheitsgründen nicht schaufeln, aber die Schneedecke ist mindestens 70 cm dick. Hoffentlich hält die Dachkonstruktion und hoffentlich werden wir eine gnädige Schneeschmelze ohne Regen haben. 


Wir wünschen uns ein baldiges, langsames, sonniges Ansteigen der Temperaturen, möglichst keinen Wind und Schnee mehr. Ist das zuviel verlangt?...

Uebrigens war gestern Family Day, das heisst ein Feiertag, und somit blieben Schulen, Läden und auch sonst alles geschlossen. Meine Schwester und ich benutzten die Gelegenheit für eine kleine Schneeschuhwanderung auf dem gefrorenen See. Bisig kalt wars aber doch schön und ziemlich anstrengend. Wir haben uns das anschliessende Fondue wirklich verdient und es auch sehr genossen.

09 Februar 2015

Wo Berge sich erheben

Es sind vergängliche Berge, die uns jedoch ziemlich auf Trab halten. Es ist wichtig, dass wir den Schnee so wegräumen, dass das Schmelzwasser (das ja unweigerlich mal anfallen wird) von den Gebäuden ungehindert wegfliessen kann. Vieles ist Handarbeit, da der Traktor nicht überall hinpasst.

Pizzahaus

Wir haben nun begonnen die Dächer zu schaufeln, um sie von der immensen Schneelast zu befreien. Schicht um Schicht wird mit dem Dachrechen herabgezogen. Man kann an der Schneebeschaffenheit genau ablesen, dass wir zwischen den Pulverschneephasen wenige mildere Tage hatten. Dort hat sich der Schnee in dünne Eisschichten verwandelt, die viel Kraft erfordern, um vom Dach gezogen zu werden. Wir kommen dadurch also zu viel Bewegung in frischer Luft...

Gästehaus

Zum Glück haben wir viel Platz, um die weisse Pracht aufzutürmen. In der Stadt gibt es schon mal Probleme, wenn der Schnee von Trottoirs und Strassen entfernt werden muss und dann noch alle Hausbesitzer ihre Einfahrten freischleudern. Da hilft nur noch schweres Geschütz, wo mit Baggern und Lastwagen den Schneebergen der Kampf angesagt wird.

Wer sich über den Schneesegen freut sind sicher die Snowmobiler, die sich für eine Woche im Log Cottage eingerichtet haben. Gerade höre ich sie vorbeiflitzen, um eine neue Tagestour in Angriff zu nehmen. Und ich muss gehen, um das Dach des Gästehauses vom Schnee zu befreien...