Im Campingplatz haben wir ungefähr 60 Plätze. Davon sind in den vergangenen Jahren zwischen 30 und 45 von saisonalen Campern besetzt gewesen. Mal waren es weniger und in den letzten Jahren eher mehr. Neun Plätze sind von langjährigen Mietern besetzt, die wir mit dem Campingplatz "übernommen" haben. Ein paar wenige sind schon über dreissig Jahre hier. Jede Saison gibt es natürlich ein paar Wechsel bei den Saisonalen. Das gehört zu einem Campingplatz dazu.
Auf Platz Nummer 6 ziehen dieses Jahr die dritten Mieter ein. Wir haben viele Erinnerungen an die Menschen auf diesem Platz.
Bei unserer Ankunft campierten dort zwei ältere Männer in einem uralten Trailer mit Vorbau. Sie waren verschwägert, denn sie haben hier in Canada Schwestern geheiratet. Beide stammten ursprünglich aus Holland und sind kurz nach dem zweiten Weltkrieg nach Canada gekommen. Beide hatten am gleichen Tag Geburtstag, waren altersmässig jedoch einige Jahre auseinander. Den ganzen Sommer über lebten sie hier im Trailer und fuhren während der fünfmonatigen Campingsaison vielleicht vier Mal die sechs Stunden nach Südontario, um ihre Familien (und Ehefrauen) für ein paar Tage zu besuchen. Der ältere der Beiden starb jedoch in unserem vierten Jahr im April an Krebs. Der jüngere hielt die Tradition hoch und kam dann alleine. Er war gut aufgehoben bei den anderen Campern im Park. Er besuchte uns jeden Tag im Restaurant in der Lodge, trank ein Bier und rauchte dabei wie ein Schlot. Dabei erzählte er viel aus seinem Leben, vom zweiten Weltkrieg, den er hautnah miterlebte. Später, als Canadier, ging er zur Armee und war in Berlin, als die Mauer gebaut wurde. Er sprach über seine Anfangszeiten hier in Canada, über seine Arbeit und über seine fünf Söhne, auf die er so stolz war. Er erzählte nicht nur aus seinem Leben, er berichtete uns auch immer brühwarm, was im Park so passierte. Er gab uns viele gute Ratschläge und brachte uns die canadische Mentalität näher.
Und dann erkrankte auch er an Krebs. Er starb im April 2007, am genau gleichen Datum wie sein Schwager vier Jahre zuvor. In jenem Sommer blieb der Platz Nummer 6 verwaist.
Im Sommer darauf bezogen Brigitte und Georg den Platz Nummer 6. In diesem Blog habe ich schon viel von ihnen berichtet. Es war eine gute Zeit. Im letzten Sommer haben Brigitte und Georg den Park verlassen. Wir beschlossen, den Platz Nummer 6 erstmals nicht zu vermieten. Dort ist nämlich der beste Zugang zum Fluss und zum Flussdelta, falls wir da Arbeiten verrichten müssen. Auch wollten wir den Platz nicht einfach irgend jemandem geben, sondern auf die geeigneten Camper warten.
Und viel schneller als erwartet haben wir den Platz Nummer 6 doch wieder vergeben. Freunde von uns (die fast einzigen "echten" Canadier in unserem Freundeskreis, leben sie doch seit Generationen hier in der Stadt und haben an jeder Ecke irgendwelche Verwandte) riefen uns an und fragten überraschenderweise nach einem Saisonplatz. Schon länger haben wir sie nicht mehr gesehen und nun erfahren, dass sie es etwas gemütlicher nehmen müssen wollen. Was lag da näher, als ihnen den Platz Nummer 6 anzubieten. Bald werden sie ihren Wohnwagen hierher bringen und bald werden wir abends wieder an einem Campfeuer am Fluss auf dem Platz Nummer 6 sitzen.










