Wie praktisch jeden Morgen habe ich heute Rex um 6.45 Uhr raus gelassen. Er ist nun schon 13 Jahre alt und nimmt es nicht mehr so "gäch". Schnüffelt hier, schnüffelt da... hinterlässt seine Duftnoten und legt sich dann meistens vor die Tür, jedoch immer so, dass er das Eingangstor beobachten kann. Zur Zeit ist dieses Tor verschlossen und sogar mit einer Kette gesichert.
Wir haben immer noch viel Schnee und der See ist zugefroren. Aber langsam beginnt es auch bei uns zu tauen.
Wenn Rex alleine draussen ist, schaue ich, dass ich ihn mehr oder weniger im Auge behalten kann. Er hat halt immer noch manchmal Unsinn im Sinn. Und wie ich da so vor mich hinwerkle, resp. den "Zmorge" zubereite, sehe ich plötzlich, wie Rex ganz konzentriert aufs Eingangtor starrt, aufsteht und sich langsam in Bewegung setzt. Dann beginnt er zu bellen. Höchste Zeit für mich, nach draussen zu gehen und nachzuschauen. Oh mein Gott, was ich da hinter unserem Eingangstor sehe, ist nicht der Hund des Nachbarn (die wohnen sowieso eineinhalb Kilometer entfernt), das ist ein Wolf! Und Rex hat unterdessen sein Tempo erhöht. Ich rufe, nein, ich schreie, aber Rex mit seinem Husky"grind" ist nicht aufzuhalten. Der Wolf, nicht mehr als 50 m entfernt und auf der anderen Seite des Tores, dreht sich um und beginnt die Black Bay Road runterzulaufen. Und Rex hintennach, immer schneller, allerdings mit vorsichtigem Abstand.
Und ich merke, ich habe keine Chance Rex zu erreichen und hören tut er jetzt sowieso nicht. Ich spurte rein, rufe Marcel, er solle SOFORT mit dem Truck kommen, ein Wolf sei da, schnappe mir eine Jacke und den Schlüsselbund fürs Schloss zum Tor und renne wieder raus, um das Tor aufzuschliessen, damit wir rausfahren können.
Mir kommt die Geschichte von unserem Bekannten in den Sinn, der am Rande des Algonquin Parks wohnt, ca. 70 km von uns. Seine Nachbarn haben Schafe, und um diese Schafe vor den Wölfen zu schützen, hatten sie zwei dieser grossen weissen Schutzhunde. Das ging gut, bis eines Tages eine Wölfin kam und einen dieser Hunde weglockte. Der Hund wurde dann in der Nähe der Farm von einem Wolfsrudel angefallen und getötet.
Genau dieses Bild hatte ich vor Augen als ich beim Tor ankam. Und dann hörte ich sie heulen, ein ganzes Rudel, und sie mussten nahe sein. Schon oft haben wir sie heulen gehört, aber nie so nah. Ich musste mich zusammenreissen, um nicht in Panik auszubrechen...
...und dann sah ich ihn kommen. Rex kam zurück, allein und unverletzt. Marcel hatte den Truck noch nicht gestartet und ich das Tor noch nicht aufgeschlossen. Es können also nicht mehr als drei, vier Minuten vergangen sein. Und trotzdem, es kam mir soooo lange vor. Weshalb Rex davon abgelassen hat, den Wolf (oder wohl eher die Wölfin?) weiter zu verfolgen, ich weiss es nicht. Er ist ja nicht dumm und hat vielleicht gemerkt, dass er gegen ein Wolfsrudel keine Chance hat? Vielleicht...
Jedenfalls darf er jetzt absolut gar nicht mehr alleine raus. Und die Pipi-Ausflüge mitten in der Nacht sind auch gestrichen. Bisher habe ich immer geglaubt, er müsse einfach (weil alt und so), aber nein, er wollte nur schauen, wo sie sind. Deshalb fühlte ich mich bei diesen nächtlichen Ausflügen etwas unwohl, sie waren bestimmt auch da in der Nähe. Rex muss sie schon seit Tagen gerochen haben. Ich bin wirklich froh, wenn der Frühling kommt und es wieder etwas mehr Leben und Verkehr in unserer Ecke hat, dann ziehen sich die Wölfe wieder weiter in den Busch zurück.

Hey Anita,
AntwortenLöschenschön mal wieder von dir zu lesen!
Danke für die Ostergrüsse, ich wollte dir schon lange endlich auch mal wieder schreiben.
Das ist ja eine Sache mit Wölfen!! Gut ist eurem Rex nichts passiert...
Wäre wirklich schön wenn du hier wieder regelmässiger bloggst.
Bei uns in der Schweiz kommt laaangsam aber sicher der Frühling. Bzw. wahrscheinlich kommt dann direkt der Sommer.
Bisher konnte man echt noch keine Blumen auf dem Balkon stellen oder einfach mal schnell abends den Grill einschalten.
Aber ich hab eh nicht sooo viel Zeit momentan, ich hab eine neue Arbeitsstelle angefangen und bin ganz schön eingespannt dort.
Liebe Grüsse über den grossen Teich
Anita
(momentan Strohwitwe, Guido ist im WK)