11 Mai 2015

Die Glocke, die verbindet


Hinter der Glocke steckt eine schöne Geschichte. Den Anfang genommen hat sie 2010, als wir zum ersten Mal unsere Freunde in der zum Hotel umgebauten Mühle in Südontario besuchten. Häuser mit Geschichten haben uns schon immer fasziniert und interessiert. Wir sind offensichtlich nicht die Einzigen, die an alten Dingen Freude haben, denn im Eingangsbereich des Hotel und Restaurants hat Gord ein kleines Museum eingerichtet mit Antiquitäten und Kuriositäten, die er im Laufe seines Lebens gesammelt hat.

In diesem Bereich warten auch die Gäste auf einen freien Tisch im Restaurant. Speziell während der monatlich stattfindenden Fischwoche muss man locker mal eine Viertelstunde auf einen Tisch warten. 
Seit unserem ersten Besuch sind schon einige Gegenstände dazugekommen. Die Begeisterung für alte Dinge steckt an und schon oft hat ihm ein Stammgast die eine oder andere Rarität gebracht, damit sie hier gebührend bewundert und beschwatzt werden kann.

Leider - und das ist sehr traurig - verschwinden manchmal auch (vor allem wertvolle) kleine Gegenstände. Gord merkt es oft erst viel später, denn in der Menge der Dinge fällt das nicht immer sofort auf. Trotzdem hat er beschlossen, die Sachen weiterhin seinen Gästen zugänglich zu machen.
Bei jedem Besuch nun müssen wir nachschauen, was sich Neues in seinem Sammelsurium finden lässt.

Wie verwundert waren wir also bei unserer ersten Entdeckungsreise, als wir gleich zwei solcher Glocken fanden:


Gord konnte meine Begeisterung gar nicht verstehen. "Woher hast du die?" und "Weisst du, wo Saignelégier liegt?" "Was steckt da wohl für eine Geschichte dahinter?" Fragen über Fragen. Ich stellte mir natürlich eine romantische Einwanderergeschichte von Jurassiern im vorletzten Jahrhundert vor. Schlussendlich waren die Antworten dann gar nicht so spektakulär. Gord hatte die Glocken von seinem Vater, der eine riesige Antiquitätensammlung besessen hatte. Sein spezieller Bezug zu den Glocken war eigentlich nur, dass die Jahrzahl darauf auch das Baujahr der Mühle ist:


Natürlich haben wir ihm von Saignelégier in der Schweiz erzählt und von unseren vielen Campingausflügen dahin in unserem "früheren" Leben. Er fand das sehr speziell und interessant. Und so überraschte er uns eines Tages damit, dass er uns die eine der beiden Glocken als Zeichen der Freundschaft überreichte. Das hat uns sehr gefreut! Seither steht die Glocke an einem speziellen Ort in unserem Restaurant, zusammen mit einer anderen, die wir aus der Schweiz mitbrachten.

Als i-Tüpfelchen gibt es noch eine kleine Fortsetzung der Geschichte: Bei unserem letzten Besuch in der Mühle begleiteten uns Pat und Barry, die seit Jahren unseren Campingplatz besuchen. Und als wir am Schluss unseres Ausfluges bei ihnen in der Küche sassen, verschwand Barry plötzlich im Keller und kam zurück... mit einer Glocke! Der genau gleichen Glocke, wie sie Gord und wir besassen. Auch Barry ist irgendwoher zu einer solchen Glocke gekommen. Es muss also tatsächlich Tausende davon in Nordamerika geben. Für uns jedoch hat sie eine ganz spezielle Bedeutung, die der Freundschaft.


2 Kommentare:

  1. Hallo Anita - euer Leben schreibt wirklich schöne Storys. Saignelegier ist ja wirklich ziemlich klein. Gruss Jürg

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Saignelegier mag kleine sein, hat aber einen grandiosen Campingplatz, auf dem man sogar Feuerchen machen darf. Gibt es nicht viele in der Schweiz...
      LG Anita

      Löschen

Ich freue mich sehr über Kommentare, brauche aber manchmal etwas Zeit, bis sie freigeschaltet werden.

Wegen der doofen Spam Mails wurde die Sicherheitsabfrage wieder aktiviert...