Seit langem hatten wir letzte Nacht wieder einmal Stromausfall. Es war um Mitternacht, als es piepste, das Zeichen, dass unsere Computer-Batterie keinen Stromanschluss mehr hat. So hiess es aufstehen, Hydro One (die Elektrocompany) anzurufen, den Generator anzuwerfen und sich dann auf eine lange Nacht einzustellen. Wie das in etwa vor sich geht, habe ich im September 2007 in meinem damaligen Blueblog beschrieben:
Das komische Wetter hat sich am Freitagabend zu einem kleinen Sturm entwickelt und prompt ist der Strom ausgefallen. Sicher ist irgendwo wieder ein Baum auf die Leitung gefallen.
Sobald der Strom ausfällt, müssen wir die Waschräume im Campingplatz abschliessen, weil die Wasserpumpe dann nicht läuft und somit die Toiletten nicht gespült werden können. Für die Lodge startet Marcel den Generator, somit sind die Toiletten im Restaurant benutzbar.
Dann rufe ich bei Hydro One an, das ist die Stromcompany. Das geht folgendermassen: Ich wähle die entsprechende 800er Nummer, dann kommt ein Band, wo man sagen muss, ob man englisch oder französisch sprechen will. Dann fragt das Band, ob es ein Emergency sei. Ich sage wahrheitshalber “nein“ (wenn man ja sagt, wird man vermutlich schneller verbunden).
Nachher fragt das System nach der 10-stelligen Kundennummer und dann wartet man, bis sich eine Person meldet. Das kann bis zu 15 Minuten dauern. Endlich, wenn sich jemand meldet, fragen sie die ganzen Angaben ab, die sie aufgrund der Kundennummer schon längstens wissen.
Dann folgen die üblichen Fragen, die ich je nach Laune verschieden beantworte:
Haben sie den Hauptschalter kontrolliert? (Hier muss man unbedingt ja sagen, sonst geht es nicht weiter.)
Haben ihre Nachbarn auch keinen Strom? - Das weiss ich nicht, ich lebe mitten im Busch und sehe keine Nachbarn. (Verblüffendes Schweigen, denn die Person sitzt mitten in Toronto oder Montreal oder weiss-ich-nicht-in-welcher-Stadt und kann sich gar nicht vorstellen, dass es Leute gibt, die ihre Nachbarn nicht sehen können.)
Was, sie wissen nicht, ob ihre Nachbarn Strom haben? – Vermutlich haben sie auch keinen Strom, denn unsere Strassenlampe brennt nicht. (Das nun ist der Beweis, dass wir tatsächlich keinen Strom haben, denn diese Lampen werden von Hydro One betrieben. Allerdings funktioniert das nur nachts, tagsüber weiss ich nicht, ob die Lampen brennen würden oder nicht, denn die laufen über Dämmerungsschalter.)
Dann, endlich, wenn ich Glück habe, meint die Person am anderen Ende gnädig, dass sie Meldung erstatte und dass eine Crew auf dem Weg zu uns sei. Ha, wenn die wüssten, dass sie gar nicht zu uns kommen müssen, sondern ans andere Ufer über dem See (mit dem Auto sind es nur etwa 80 km dorthin), denn da kommt nämlich unser Strom her und da fallen auch immer die Bäume auf die Leitung. Nur macht es keinen Sinn, das der Person am anderen Ende zu erklären.
Am Freitagabend nun hat das Gespräch eine unerwartete Wendung genommen. Der junge Mann am anderen Ende erklärte mir, dass die Hydrocrew am nächsten Morgen nach dem Fehler suchen werde. Was??? Das habe ich bis jetzt noch nie gehört, dass wir die ganze Nacht ohne Strom bleiben sollten (wäre zwar nicht das erste Mal). Nun musste ich einen Zacken zulegen. Wir könnten nicht so lange warten, erklärte ich ihm, wir hätten 100 Leute im Campground, unser Restaurant sei dunkel und den Gästen in den Cottages könnten wir das nicht zumuten (denen ging es allerdings blendend, sie hatten schon Lampen von uns erhalten). Oh, dann.... (was, mitten im Busch sind so viele Leute?) ...ja dann werde er sofort Meldung machen. Was er wohl tat, denn drei Stunden später hatten wir wieder Strom. Der Platzregen, der in der Nacht anschliessend niederging, hat dann die schwüle, heisse Luft gereinigt und abgekühlt.
Dieses Mal war es etwas anders. Am Telefon sagte mir die Dame, ich sei die Erste, die anrufe und ob ich wisse, wo genau der Strom unterbrochen sei. Dies wusste ich natürlich nicht. So nahm sie die Meldung entgegen und sagte, sie werden eine Crew auffordern, den Schaden zu beheben. Nach zehn Minuten dann ein Anruf, bei dem ein Techniker sich genauer erkundigte. Ich konnte ihm nicht helfen, aber sagte ihm, ich könne herausfinden, ob es auf unserer oder der anderen Seite des Sees sei. Aber der Techniker wollte mich nicht weiter bemühen und sagte, sie werden es schon herausfinden.
Wir haben übrigens eine ganz einfache Methode, den Stromunterbruch herauszufinden. Ich rufe den Teilzeitnachbarn an. Wenn bei seinem Anschluss der Fax piepst, hat er Strom, wenn es ununterbrochen läutet, hat er keinen Strom. Und da der Teilzeitnachbar bekanntlich auf der anderen Seite des Sees liegt, haben wir die Antwort.
Natürlich wollte ich es wissen und rief seine Nummer an. Es läutete ohne Ende. Also war der Strom irgendwo dort drüben unterbrochen (die Nebenstrasse und damit die Stromleitung dort sind ja auch "nur" etwa 7 km lang...)
Wir haben uns also eingerichtet, d.h. ich bin wieder ins Bett gegangen und Marcel döste auf dem Sofa vor sich hin. Er muss nämlich den Generator im Auge behalten. Kurz nach 02.00 Uhr morgens bin ich erwacht, weil es draussen irgendwie viel zu hell war. Ich stand auf, weil unterdessen auch Rex zu bellen begonnen hat. Marcel war schon auf dem Weg zum Tor, wo ein Hydro-Truck uns volle Pulle aufs Grundstück zündete und zwei Techniker mit Stangen die Stromleitung untersuchten, ob da vielleicht Strom war oder nicht. Marcel klärte sie auf, dass der Unterbruch auf der anderen Seite des Sees sein müsse. Die Techniker sagten darauf, sie müssten unbedingt eine andere Crew anfordern, denn sie seien schon seit 07.00 Uhr am Vortag auf den Beinen, d.h. sie hatten bereits eine 19 Stunden-Schicht hinter sich.
Daraufhin ging auch Marcel ins Bett, denn jetzt konnte es wirklich noch dauern. Irgendwann vor 06.00 Uhr läutete das Telefon und Hydro One informierte uns, dass die Stromleitung repariert sei. Wir haben dann nochmals eine Runde geschlafen... das konnten wir uns leisten!
Und nun will ich mal runter an den See gehen. Es hat die ganze Nacht geregnet und schon von hier sieht man, dass der See randvoll ist. Mal sehen, ob er sogar übervoll ist....